Tragische Schicksale werden besungen in den weltlichen Kantaten von Benedetto Marcello (1686 bis 1739), Leonardo Leo (1694 bis 1744) und Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), die Magdalena Kožená gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter Leitung von Václav Luks auf dieser CD präsentiert.
Für ihr erstes Album bei dem audiophilen Label Pentatone kehrt die tschechische Mezzosopranistin zum Barock-Repertoire zurück, mit dem sie einst ihre Weltkarriere startete. „With this recording I would like to take you with me on a particularly exciting journey, not only because we uncovered some pieces which haven't been performed since they were first composed, but also because I could hardly imagine more passionate, savage, uninhibited yet loving and caressing companions for these desperate heroines than Václav Luks and the musicians of Collegium 1704“, schreibt Magdalena Kožená in ihrem Geleitwort.
Il giardino dei sospiri, der Garten der Seufzer, lautet der Titel des Albums – doch die Klage ist nur eine der vielen Möglichkeiten für die Heldinnen, ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. Die musikalischen Mini-Dramen bieten so der Sängerin Gelegenheit, die unterschiedlichsten Affekte auszuloten. Magdalena Kožená gestaltet die Arien und Rezitative mit betörend schöner, beweglicher Stimme – koloratursicher, eher reflektiert und mit Noblesse. Komplettiert wird das faszinierende Programm durch eine Arie von Francesco Gasparini (1661 bis 1727) sowie durch Sinfonien von Leonardo Vinci (1690 bis 1730) und Händel.
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Montag, 30. Dezember 2019
Montag, 10. Juni 2019
Bach: Oboe Concertos & Cantatas (Accent)
Einen Blick in die Komponisten- werkstatt Johann Sebastian Bachs wagen die Musiker auf dieser CD. Xenia Löffler hat gemeinsam mit Václav Luks und dem Collegium 1704 die Cembalokonzerte des Thomas- kantors aufmerksam studiert – und dabei festgestellt, dass sich nicht nur das Concerto A-Dur BWV 1055 hervorragend auf der Oboe d'amore spielen lässt. Auch für das Concerto C-Dur BWV 1061 ist eine Besetzung avec plusiers instruments möglich. In diesem Falle wurde der originale Solopart der zwei Cembali auf ein klanglich sehr ansprechendes Concertino aus Oboe und Viola da gamba sowie Violine und Fagott übertragen. Diese Besetzung bietet sich auch deshalb an, fand die Oboistin, weil alle Stimmen in Lage und Umfang zu diesen Instrumenten passen. „Es ist eine große Freude, unseren Beitrag zur Erweiterung des Repertoires (..) hier erstmals präsentieren zu können“, schreibt Xenia Löffler im Beiheft. „Ein besonderer Dank gilt Tim Willis, der mir bei der Umsetzung meiner Idee maßgeblich geholfen hat.“
Eingespielt haben die Musiker zudem das Concerto in g-Moll BWV 1056R in der rekonstruierten Version für Oboe, Streicher und Basso continuo, und zwei Solo-Kantaten, in denen der Sopran und die Instrumentalisten gleichermaßen glänzen können. Anna Prohaska singt die Solo-Partie, und auch das Collegium Vocale 1704 ist zu hören – allerdings hat Bach bei diesen Kantaten für den Chor nur schlichte Schlusschoräle geschrieben. Doch wer sich über eine Arie freuen kann, bei der die Sängerin von einem Violinduo oder aber gleich von drei Oboen begleitet wird, der wird hier erfreut lauschen. Ich bin vergnügt mit meinem Glücke BWV 84 und Falsche Welt, dir trau ich nicht! BWV 52 sind musikalische Edelsteine, und dieses Gemeinschaftprojekt der Barockoboistin Xenia Löffler mit dem Collegium 1704 unter Václav Luks bringt sie famos zum Funkeln.
Eingespielt haben die Musiker zudem das Concerto in g-Moll BWV 1056R in der rekonstruierten Version für Oboe, Streicher und Basso continuo, und zwei Solo-Kantaten, in denen der Sopran und die Instrumentalisten gleichermaßen glänzen können. Anna Prohaska singt die Solo-Partie, und auch das Collegium Vocale 1704 ist zu hören – allerdings hat Bach bei diesen Kantaten für den Chor nur schlichte Schlusschoräle geschrieben. Doch wer sich über eine Arie freuen kann, bei der die Sängerin von einem Violinduo oder aber gleich von drei Oboen begleitet wird, der wird hier erfreut lauschen. Ich bin vergnügt mit meinem Glücke BWV 84 und Falsche Welt, dir trau ich nicht! BWV 52 sind musikalische Edelsteine, und dieses Gemeinschaftprojekt der Barockoboistin Xenia Löffler mit dem Collegium 1704 unter Václav Luks bringt sie famos zum Funkeln.
Mittwoch, 13. Juli 2016
Zelenka: Missa Divi Xaverii / Litaniae de Sancto Xaverio (Accent)
Noch einmal Musik aus Dresden: Dort wurde 1729 das Fest des Heiligen Franz Xaver mit besonderer Inbrunst begangen. Denn im Vorjahr war der älteste Sohn von Maria Josepha von Habsburg, Gattin des sächsischen Kronprinzen Friedrich August II., an den Pocken gestorben. Ein weiterer Sohn, Christian Friedrich, saß im Rollstuhl und sollte eigentlich den geistlichen Stand erwählen. Dass er dereinst zwar kurz, aber doch recht erfolgreich regieren sollte, das konnte Maria Josepha nicht ahnen. Ihr persönlicher Schutz- patron sollte dem jungen Paar daher nicht zuletzt dabei behilflich sein, einen männlichen Erben in die Welt zu setzen.
Entsprechend glanzvoll gestaltete Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) die Musik für die Feier der Oktav des Heiligen: Die Missa Divi Xaverii ZWV 12 ist für eine der größten Besetzungen geschrieben, die Zelenka jemals verwendet hat: Solisten und Chor, jeweils vierstimmig, Pauken und vier Trompeten, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher sowie Basso continuo.
Man wundert sich, dass dieses beeindruckende Werk bislang noch nie- mand eingespielt hat. Zelenkas Musik ist grandios, und Vaclav Luks präsentiert mit einem exzellenten Solistenensemble sowie seinem Colle- gium Vocale 1704 bzw. Collegium 1704 die Messe nun in einer ebenfalls großartigen Aufnahme bei Accent. Man höre nur die Blechbläser – phantastisch! Zu hören ist zudem eine Litanei Zelenkas für den Gedenk- tag des Heiligen.
Entsprechend glanzvoll gestaltete Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) die Musik für die Feier der Oktav des Heiligen: Die Missa Divi Xaverii ZWV 12 ist für eine der größten Besetzungen geschrieben, die Zelenka jemals verwendet hat: Solisten und Chor, jeweils vierstimmig, Pauken und vier Trompeten, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Hörner, Fagott, Streicher sowie Basso continuo.
Man wundert sich, dass dieses beeindruckende Werk bislang noch nie- mand eingespielt hat. Zelenkas Musik ist grandios, und Vaclav Luks präsentiert mit einem exzellenten Solistenensemble sowie seinem Colle- gium Vocale 1704 bzw. Collegium 1704 die Messe nun in einer ebenfalls großartigen Aufnahme bei Accent. Man höre nur die Blechbläser – phantastisch! Zu hören ist zudem eine Litanei Zelenkas für den Gedenk- tag des Heiligen.
Dienstag, 31. März 2015
Zelenka - Tuma (Supraphon)
Auch wenn Johann Joseph Fux (um 1660 bis 1741) uns heute vor allem als Musiktheoretiker ein Begriff ist – zu Lebzeiten hatte der kaiserliche Hof- kapellmeister eine Vielzahl höchst praktischer Aufgaben. So war er für die Hofmusiker zuständig, und entschied über die Besetzung von Vakanzen. Mit seiner Musik reprä- sentierte er das Habsburgerreich – und er bildete ganze Scharen von Schülern aus, die ähnliche Aufgaben an all den vielen anderen Höfen Europas übernehmen wollten.
Diese CD stellt drei dieser Musiker mit Werken vor. František Ignác Antonín Tuma (1704 bis 1774) beispielsweise, Sohn eines böhmischen Organisten, studierte bei den Jesuiten in Prag, und stand zunächst in Wien bei Franz Ferdinand Graf Kinsky im Dienst. Später wurde er Kapellmeister der Kaiserinwitwe Elisabeth Christine. Tumas Werk ist umfangreich, aber zum größten Teil editorisch bislang unerschlossen. Eine der wenigen Ausnahmen ist sein Stabat mater, das auch hier zu hören ist. Dieses Werk, das lediglich mit einem vierstimmigen Chor nebst Basso continuo besetzt ist, beeindruckt durch die geschmeidige Verbindung des stile antico mit der Frühklassik. Das ist wirklich großartige Musik, die es wert wäre, viel öfter aufgeführt zu werden.
Zwei Sonaten des aus Breslau stammenden Geigers und Komponisten Johann Georg Orschler (1698 bis zwischen 1767 und 1770) hat der Dresdner Konzertmeister Johann Georg Pisendel eigenhändig kopiert. Sie befinden sich in den Notenbeständen der Dresdner Hofkapelle. Schon diese Tatsache macht deutlich, dass es sich bei Orschler nicht um ein künstlerisches Leichtgewicht handelte. Auch er hat bei Fux studiert, musizierte dann für diverse adelige Herrschaften und war zuletzt Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. Die Triosonate, die hier erklingt, erscheint ebenso originell wie klangschön.
Dass Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) ebenfalls zu Fux' Schülern gehörte, das wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. Dem Dresdner Hof-Kirchenkomponisten verdanken wir zudem einen Einblick in die Unterrichtspraxis des Wiener Musikpädagogen: In Zelenkas Nachlass, so berichtet Václav Kapsa in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD, fand sich ein Notenband mit Übungen zum Kontrapunkt sowie Abschriften diverser Meisterwerke mit Modellcharakter. Zelenka selbst hat Palestrinas Missa Nigra sum, von der in Dresden wohl nur Kyrie, Gloria und Credo vorhanden waren, dem Vorbild entsprechend um Sanctus und Agnus Dei ergänzt. Analog dazu schrieb er Ergänzungen für Palestrinas Missa sine nomine. Im stile antico gestaltete der Komponist auch seine Vertonungen des Gebetes Sub tuum praesidium, das in Wien sehr gebräuchlich war. Maria Josefa, Ehefrau des sächsischen Kronprinzen und Tochter des Kaisers Joseph I., ließ die Kirchenmusik offenbar auch in Dresden nach dem vertrauten Vorbild gestalten.
Das Collegium 1704 stellt unter Vaclav Luks diese wenig bekannten Werke vor, einige sogar in Weltersteinspielung. Die Sänger und Musiker des Ensembles präsentieren sich ausgesprochen versiert, sie sind mit derartigen Repertoire bestens vertraut. Klanglich stets ausgewogen, stets sehr durchdacht und souverän musiziert diese kleine Besetzung, und bringt den Zauber dieser musikalischen Traditionslinie bestens zur Geltung. Sehr hörenswert!
Diese CD stellt drei dieser Musiker mit Werken vor. František Ignác Antonín Tuma (1704 bis 1774) beispielsweise, Sohn eines böhmischen Organisten, studierte bei den Jesuiten in Prag, und stand zunächst in Wien bei Franz Ferdinand Graf Kinsky im Dienst. Später wurde er Kapellmeister der Kaiserinwitwe Elisabeth Christine. Tumas Werk ist umfangreich, aber zum größten Teil editorisch bislang unerschlossen. Eine der wenigen Ausnahmen ist sein Stabat mater, das auch hier zu hören ist. Dieses Werk, das lediglich mit einem vierstimmigen Chor nebst Basso continuo besetzt ist, beeindruckt durch die geschmeidige Verbindung des stile antico mit der Frühklassik. Das ist wirklich großartige Musik, die es wert wäre, viel öfter aufgeführt zu werden.
Zwei Sonaten des aus Breslau stammenden Geigers und Komponisten Johann Georg Orschler (1698 bis zwischen 1767 und 1770) hat der Dresdner Konzertmeister Johann Georg Pisendel eigenhändig kopiert. Sie befinden sich in den Notenbeständen der Dresdner Hofkapelle. Schon diese Tatsache macht deutlich, dass es sich bei Orschler nicht um ein künstlerisches Leichtgewicht handelte. Auch er hat bei Fux studiert, musizierte dann für diverse adelige Herrschaften und war zuletzt Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. Die Triosonate, die hier erklingt, erscheint ebenso originell wie klangschön.
Dass Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) ebenfalls zu Fux' Schülern gehörte, das wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. Dem Dresdner Hof-Kirchenkomponisten verdanken wir zudem einen Einblick in die Unterrichtspraxis des Wiener Musikpädagogen: In Zelenkas Nachlass, so berichtet Václav Kapsa in dem sehr informativen Beiheft zu dieser CD, fand sich ein Notenband mit Übungen zum Kontrapunkt sowie Abschriften diverser Meisterwerke mit Modellcharakter. Zelenka selbst hat Palestrinas Missa Nigra sum, von der in Dresden wohl nur Kyrie, Gloria und Credo vorhanden waren, dem Vorbild entsprechend um Sanctus und Agnus Dei ergänzt. Analog dazu schrieb er Ergänzungen für Palestrinas Missa sine nomine. Im stile antico gestaltete der Komponist auch seine Vertonungen des Gebetes Sub tuum praesidium, das in Wien sehr gebräuchlich war. Maria Josefa, Ehefrau des sächsischen Kronprinzen und Tochter des Kaisers Joseph I., ließ die Kirchenmusik offenbar auch in Dresden nach dem vertrauten Vorbild gestalten.
Das Collegium 1704 stellt unter Vaclav Luks diese wenig bekannten Werke vor, einige sogar in Weltersteinspielung. Die Sänger und Musiker des Ensembles präsentieren sich ausgesprochen versiert, sie sind mit derartigen Repertoire bestens vertraut. Klanglich stets ausgewogen, stets sehr durchdacht und souverän musiziert diese kleine Besetzung, und bringt den Zauber dieser musikalischen Traditionslinie bestens zur Geltung. Sehr hörenswert!
Donnerstag, 1. Januar 2015
Il Violino Boemo (Supraphon)
Aus Böhmen kamen im 18. Jahr- hundert zahlreiche talentierte Komponisten und Musiker, berühmte Hornisten beispielsweise, aber auch nicht wenige exzellente Geiger. Diese CD sucht nach den Spuren, die diese Virtuosen in Prag hinterlassen ha- ben. Dabei fanden sich glücklicher- weise einige Werke von Frantisek Benda (1709 bis 1786), der mehrfach unter abenteuerlichen Umständen den Dienstherrn wechselte, am kur- sächsischen Hof musizierte, und schließlich als Geiger in der Hof- kapelle Friedrichs des Großen zu hohen Ehren kam. Benda war berühmt für sein adagio – für seine Melodien und für seine Ausdrucksstärke.
In Dresden wirkte auch Frantisek Jiránek ((1698 bis 1778). Er stand zunächst im Dienst des Grafen Wenzel Morzins, der den Musiker so schätzte, dass er ihn für zwei Jahre zur Ausbildung nach Venedig schickte. Nach dem Tode des Grafen wurde das Orchester aufgelöst; Jiránek musizierte dann als bestbezahltes Mitglied in der Privatkapelle des Grafen Brühl in Dresden. In Sachsen blieb er bis an sein Lebensende.
Josef Antonín Gurecký (1709 bis 1769) war, wie auch sein älterer Bruder Václav Matyás, bei dem Olmützer Bischof und Kardinal Wolfgang Hannibal von Schrattenbach beschäftigt. Er scheint sich einige Zeit in Dresden aufgehalten und um eine Anstellung bei Hofe bemüht zu haben. Als er damit keinen Erfolg hatte, kehrte er nach Mähren zurück, und trat erneut in die Dienste des Olmützer Bischofs; dieser hieß mittlerweile Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn. 1743 wurde Gurecký Kapellmeister am Olmützer Dom. Von ihm stammt die technisch wohl ambitionierteste Violinsonate auf dieser CD. Sie erinnert mit ihren vier Sätzen an die traditionelle sonata da chiesa, ist aber im galanten Stil verfasst und verlangt vom Violinsolisten nicht nur Fingerfertigkeit. Lenka Torgersen, Barockvioline, Václav Luks, Cembalo und Libor Masek, Violoncello, stellen all diese Entdeckungen souverän vor.
In Dresden wirkte auch Frantisek Jiránek ((1698 bis 1778). Er stand zunächst im Dienst des Grafen Wenzel Morzins, der den Musiker so schätzte, dass er ihn für zwei Jahre zur Ausbildung nach Venedig schickte. Nach dem Tode des Grafen wurde das Orchester aufgelöst; Jiránek musizierte dann als bestbezahltes Mitglied in der Privatkapelle des Grafen Brühl in Dresden. In Sachsen blieb er bis an sein Lebensende.
Josef Antonín Gurecký (1709 bis 1769) war, wie auch sein älterer Bruder Václav Matyás, bei dem Olmützer Bischof und Kardinal Wolfgang Hannibal von Schrattenbach beschäftigt. Er scheint sich einige Zeit in Dresden aufgehalten und um eine Anstellung bei Hofe bemüht zu haben. Als er damit keinen Erfolg hatte, kehrte er nach Mähren zurück, und trat erneut in die Dienste des Olmützer Bischofs; dieser hieß mittlerweile Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn. 1743 wurde Gurecký Kapellmeister am Olmützer Dom. Von ihm stammt die technisch wohl ambitionierteste Violinsonate auf dieser CD. Sie erinnert mit ihren vier Sätzen an die traditionelle sonata da chiesa, ist aber im galanten Stil verfasst und verlangt vom Violinsolisten nicht nur Fingerfertigkeit. Lenka Torgersen, Barockvioline, Václav Luks, Cembalo und Libor Masek, Violoncello, stellen all diese Entdeckungen souverän vor.
Freitag, 18. Mai 2012
Zelenka: Responsoria pro hebdomada sancta (Accent)
1722 erhielt Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745), Kontrabassist der Dresdner Hofkapelle, den Auftrag, Musik für die Karwoche zu kompo- nieren. Der Musiker, der 1710 aus Prag an den sächsischen Hof ge- kommen war, hatte sich von 1716 bis 1719 zu Studienzwecken beim kaiserlichen Kapellmeister Johann Joseph Fux in Wien aufgehalten, wo er sicherlich auch dem Kur- prinzen aufgespielt haben wird, der um Erzherzogin Maria Josepha freite. Nach der Hochzeit sorgte die Kurprinzessin dafür, dass die Kirchenmusik in Dresden prächtiger wurde, so, wie sie das von Wien her gewohnt war.
Zelenka schuf also die Musik für drei besondere Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, die aus der klösterlichen Tradition stammen, wo sie in den frühen Morgenstunden abgehalten worden sind. Um der Bequemlichkeit willen wurden sie aber später auf den Nachmittag verlegt. Jede dieser Metten bestand aus drei Nokturnen, in denen jeweils drei Psalmen gesungen wurden, gefolgt von jeweils drei Lesungen mit darauf folgenden Antwortgesängen, den sogenannten Responsorien.
Die Lesungen der ersten Nokturn stammen aus den Klageliedern des Propheten Jeremias, in der zweiten Nokturn aus dem Kommentar des Heiligen Augustinus zu dem Psalmen und in der dritten Nokturn aus den Briefen des Neuen Testamentes. Zelenka schrieb zunächst die sechs Lamentationes Ieremiae Prophetae ZWV 53, und im Jahr darauf vervollständigte er das Werk durch die Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55. Ergänzt wurde das Werk bereits 1722 durch das Miserere d-Moll ZWV 56, das an allen drei Tagen gesungen wurde. Vorgesehen war zudem, die noch fehlenden Abschnitte der Lamentatio zu ergänzen - doch das geschah dann nicht mehr, denn schon 1724 drängte die Aufführung italienischer Oratorien die Metten in den Hintergrund.
Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 haben unter Leitung von Václav Luks einen Teil der Lamentationes sowie die vollständigen Responsoria auf zwei CD mustergültig eingespielt. Den Sängern und Musikern ist es geradezu exemplarisch gelungen, den Klangeindruck zu rekonstruieren, den diese großangelegten kirchenmusikalischen Werke 1722/23 vermittelt haben sollten. Dass Luks Sängerinnen einsetzt statt falsettierender Schauspieler, wie es seinerzeit am Dresdner Hof gehalten worden sein dürfte, dafür wird ihm der heutige Zuhörer dankbar sein. Das Ensemble ist im übrigen exzellent, meine Empfehlung!
Zelenka schuf also die Musik für drei besondere Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, die aus der klösterlichen Tradition stammen, wo sie in den frühen Morgenstunden abgehalten worden sind. Um der Bequemlichkeit willen wurden sie aber später auf den Nachmittag verlegt. Jede dieser Metten bestand aus drei Nokturnen, in denen jeweils drei Psalmen gesungen wurden, gefolgt von jeweils drei Lesungen mit darauf folgenden Antwortgesängen, den sogenannten Responsorien.
Die Lesungen der ersten Nokturn stammen aus den Klageliedern des Propheten Jeremias, in der zweiten Nokturn aus dem Kommentar des Heiligen Augustinus zu dem Psalmen und in der dritten Nokturn aus den Briefen des Neuen Testamentes. Zelenka schrieb zunächst die sechs Lamentationes Ieremiae Prophetae ZWV 53, und im Jahr darauf vervollständigte er das Werk durch die Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55. Ergänzt wurde das Werk bereits 1722 durch das Miserere d-Moll ZWV 56, das an allen drei Tagen gesungen wurde. Vorgesehen war zudem, die noch fehlenden Abschnitte der Lamentatio zu ergänzen - doch das geschah dann nicht mehr, denn schon 1724 drängte die Aufführung italienischer Oratorien die Metten in den Hintergrund.
Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 haben unter Leitung von Václav Luks einen Teil der Lamentationes sowie die vollständigen Responsoria auf zwei CD mustergültig eingespielt. Den Sängern und Musikern ist es geradezu exemplarisch gelungen, den Klangeindruck zu rekonstruieren, den diese großangelegten kirchenmusikalischen Werke 1722/23 vermittelt haben sollten. Dass Luks Sängerinnen einsetzt statt falsettierender Schauspieler, wie es seinerzeit am Dresdner Hof gehalten worden sein dürfte, dafür wird ihm der heutige Zuhörer dankbar sein. Das Ensemble ist im übrigen exzellent, meine Empfehlung!
Samstag, 3. März 2012
Benda: Violin Sonatas (Glossa)
"Er bildete sich wie alle großen Genies selber", rühmte Christian Friedrich Daniel Schubart den Musiker Franz Benda (1709 bis 1786). "Der Ton, den er aus seiner Geige zog, war der Nachhall einer Silberglocke. Seine Harpeggi sind neu, stark, voll Kraft; die Applica- turen tief studiert und sein Vor- trag ganz der Natur der Geige an- gemessen. Er spielte zwar nicht so geflügelt, wie es jetzt unsere raschen Zeitgenossen verlangen; aber desto saftiger, tiefer, einschneidender. Im Adagio hat er bey- nahe das Maximum erreicht: er schöpfte aus dem Herzen - und drang in die Herzen, und man hat mehr als einmahl Leute weinen sehen, wenn Benda ein Adagio spielte."
Benda komponierte überwiegend für sein Instrument, die Violine. Überliefert sind unter anderem etwa 150 Sonaten, nicht zuletzt des- halb, weil sie von seinen Schülern und Kollegen immer wieder abge- schrieben wurden. In der Staatsbibliothek zu Berlin befindet sich unter anderem jene Sammlung, aus der die Werke stammen, die auf der vorliegenden CD zu hören sind. Sie ist eine ganz besondere Kostbarkeit - denn sie enthält 34 Sonaten Bendas mit ausnotierten Verzierungen, die auf separaten Notensystemen ergänzt worden sind. Der heutige Hörer wird staunen, was man damals alles als "Verzie- rung" ansah - und wie weit die Musiker seinerzeit von der "originalen", notierten Version abgewichen sind.
Das macht diese Einspielung der Schola Cantorum Basiliensis spannend. Und Geigerin Laila Schayegh, Felix Knecht am Violoncello sowie der versierte Cembalist Václav Luks - allesamt ausgewiesene Experten für "Alte" Musik - sorgen dafür, dass aus diesen Noten-Skizzen wieder Musik wird, die so hinreißend klingt, wie dies von Bendas Zeitgenossen berichtet worden ist. Bravi!
Benda komponierte überwiegend für sein Instrument, die Violine. Überliefert sind unter anderem etwa 150 Sonaten, nicht zuletzt des- halb, weil sie von seinen Schülern und Kollegen immer wieder abge- schrieben wurden. In der Staatsbibliothek zu Berlin befindet sich unter anderem jene Sammlung, aus der die Werke stammen, die auf der vorliegenden CD zu hören sind. Sie ist eine ganz besondere Kostbarkeit - denn sie enthält 34 Sonaten Bendas mit ausnotierten Verzierungen, die auf separaten Notensystemen ergänzt worden sind. Der heutige Hörer wird staunen, was man damals alles als "Verzie- rung" ansah - und wie weit die Musiker seinerzeit von der "originalen", notierten Version abgewichen sind.
Das macht diese Einspielung der Schola Cantorum Basiliensis spannend. Und Geigerin Laila Schayegh, Felix Knecht am Violoncello sowie der versierte Cembalist Václav Luks - allesamt ausgewiesene Experten für "Alte" Musik - sorgen dafür, dass aus diesen Noten-Skizzen wieder Musik wird, die so hinreißend klingt, wie dies von Bendas Zeitgenossen berichtet worden ist. Bravi!
Mittwoch, 23. März 2011
Reichenauer: Concertos (Supraphon)
Und da wir gerade bei Musik aus Prag waren: Auch Antonín Reiche- nauer gehörte zu der berühmten Kapelle des Grafen Wenzel Morzin. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt; das erste Doku- ment über ihn datiert vom Januar 1722 - ein Eintrag über die Taufe eines Sohnes im Kirchenbuch der Malteserkirche Maria unter der Kette in Prag. Aus Kirchenbüchern erfahren wir dann nicht nur, wann weitere Kinder zur Welt kamen oder gestorben sind; die Liste der Paten und Taufzeugen gibt Auskunft darüber, in welchen Kreisen sich Reichenauer bewegte.
1721 wurde Johann Friedrich Fasch beim Grafen Morzin als Haus- komponist engagiert; allerdings blieb der Musiker nicht lange. Sein Nachfolger wurde Reichenauer, und das Rechnungsbuch des Grafen dokumentiert für die Jahre 1724 bis 1729 regelmäßige Gehaltszah- lungen nebst einer gesonderten Vergütung für die gelieferten Wer- ke. 1730 nahm Reichenauer eine Stelle als Pfarrorganist in Neuhaus an; dort starb er einen knappen Monat nach Dienstantritt im Alter von 34 Jahren.
Ein Großteil seiner Instrumentalwerke befindet sich heute im Archiv der einstigen Hofkapelle in Dresden; wie die Abschriften und Manu- skripte an den sächsischen Hof gelangt sind, ist unbekannt. Fakt ist aber, dass Fagottist Anton Möser nach Auflösung der Morzinschen Hofkapelle nach Dresden wechselte. Das Fagott spielt auch eine überaus prominente Rolle in vier der sechs Werke Reichenauers, die auf dieser CD in Weltersteinspielung erschienen sind. Die Werke sind handwerklich anspruchsvoll, sie kombinieren böhmische und italienische Musiktraditionen, und verraten, dass ihr Schöpfer ganz sicher kein Kind von Traurigkeit war.
Es musizieren Sergio Azzolini, Fagott, Xenia Löffler, Barockoboe, und Lenka Torgersen, Barockvioline, gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter der Leitung des Cembalisten Václav Luks - ein weiteres bedeu- tendes Ensemble aus Prag, das sich der Alten Musik verschrieben hat, und zu Recht inzwischen international einen hervorragenden Ruf genießt.
1721 wurde Johann Friedrich Fasch beim Grafen Morzin als Haus- komponist engagiert; allerdings blieb der Musiker nicht lange. Sein Nachfolger wurde Reichenauer, und das Rechnungsbuch des Grafen dokumentiert für die Jahre 1724 bis 1729 regelmäßige Gehaltszah- lungen nebst einer gesonderten Vergütung für die gelieferten Wer- ke. 1730 nahm Reichenauer eine Stelle als Pfarrorganist in Neuhaus an; dort starb er einen knappen Monat nach Dienstantritt im Alter von 34 Jahren.
Ein Großteil seiner Instrumentalwerke befindet sich heute im Archiv der einstigen Hofkapelle in Dresden; wie die Abschriften und Manu- skripte an den sächsischen Hof gelangt sind, ist unbekannt. Fakt ist aber, dass Fagottist Anton Möser nach Auflösung der Morzinschen Hofkapelle nach Dresden wechselte. Das Fagott spielt auch eine überaus prominente Rolle in vier der sechs Werke Reichenauers, die auf dieser CD in Weltersteinspielung erschienen sind. Die Werke sind handwerklich anspruchsvoll, sie kombinieren böhmische und italienische Musiktraditionen, und verraten, dass ihr Schöpfer ganz sicher kein Kind von Traurigkeit war.
Es musizieren Sergio Azzolini, Fagott, Xenia Löffler, Barockoboe, und Lenka Torgersen, Barockvioline, gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter der Leitung des Cembalisten Václav Luks - ein weiteres bedeu- tendes Ensemble aus Prag, das sich der Alten Musik verschrieben hat, und zu Recht inzwischen international einen hervorragenden Ruf genießt.
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