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Sonntag, 3. Januar 2021

The Berlin Album (Audax)

 


Nach Dresden, London und Paris wendet sich das Ensemble Diderot nunmehr mit Berlin einer weiteren Musikmetropole des Spätbarock zu. Erkenntnis nach einem Blick auf die Titelliste: Preußen hat auch ohne den Flöte spielenden König, seinen Cembalisten und seinen Flötenlehrer erstaunlich viel zu bieten. 

Nein, es geht diesmal wirklich nicht um Potsdam; es geht eher um die Anfänge eines genuin bürgerlichen Musiklebens – und in diesem Zusammenhang haben die Violinisten Johannes Pramsohler und Roldán Bernabé, die Cellistin Gulrim Choï und Philippe Grisvard an Cembalo und Fortepiano eine Fülle interessanter Werke entdeckt. Mit Ausnahme einer Triosonate von Johann Philipp Kirnberger (1721 bis 1783) erklingen alle Stücke auf diesem Album in Weltersteinspielungen. 

Musiziert wird mit Eleganz und Temperament. Das Ensemble Diderot lädt uns zum Hörvergnügen ein – wie die Musiker um Johann Gottlieb Janitsch (1708 bis 1763) das Publikum einst in Berlin, bei den ersten öffentlich zugänglichen Konzerten. 


Dienstag, 8. Mai 2012

Solo for the King (Supraphon)

Das bislang schönste Album zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen ist nun bei Supraphon erschienen. Die tschechische Flötistin Jana Semerádová hat gemeinsam mit Lenka Torgersen, Barockvioline, Hana Fleková, Barockcello und Bertrand Cuiller am Cembalo ein Programm ein- gespielt, das durch seine Origina- lität ebenso begeistert wie durch musikalische Qualität. 
Semerádová ist eine ausgewiesene Spezialistin für "Alte" Musik. So leitet sie das Ensemble Collegium Marianum, und unterrichtet an der Karlsuniversität Prag Studierende im Fach Barocke Traversflöte. Auf dieser CD belegt sie, dass der Ton dieser Flöte, die üblicherweise aus Holz besteht und eher nicht über Klappen und Mechanik verfügt, durchaus sauber und wandlungsfähig sein kann. Sie zeigt zudem, dass man auch eine Barockflöte hochvirtuos spielen kann. 
Ihre Interpretation von Bachs h-Moll-Sonate BWV 1030 oder zwei Stücken aus dem Musikalischen Opfer kann sich neben den Aufnah- men der Kollegen, die moderne Böhm-Flöten spielen, ohne Probleme hören lassen. Und die anderen Werke, die sie auf dieser CD vorstellt, sind ohnehin Raritäten. So hat sie aus dem reichen Schaffen von Friedrichs Flötenlehrer Johann Joachim Quantz drei Tanzsätze für Flöte solo ausgewählt. Friedrichs Cembalist Carl Philipp Emanuel Bach ist mit einem Duetto in e-Moll für Flöte und Violine vertreten. Von Johann Philipp Kirnberger hat Semerádová eine Sonata a tre in g-Moll ausgewählt, und von Frantisek Benda die Sonate in e-Moll für Flöte und Basso continuo
Wer ihrem Spiel lauscht, der kann sich durchaus in ein Konzert am Hofe Friedrichs II. versetzt fühlen - dominiert durch die Flöte, das Instrument, das der König bevorzugte, der sich jedoch auch sonst mit herausragenden Virtuosen umgab. Seine Hofkapelle war eines der führenden Orchester jener Jahre. Auch davon vermittelt Semerádová mit ihrer geschickten Werkauswahl eine Ahnung. 

Samstag, 3. März 2012

Die Orgel der Prinzessin Anna Amalia von Preußen (Crystal Classics)

Anna Amalia von Preußen (1723 bis 1787) war die jüngste Schwester Friedrichs des Großen. Sie heiratete nie; der König machte sie 1756 zur Äbtissin des Stifts Quedlinburg. Ebenso wie ihr Bruder interessierte sie sich für Musik; Amélie, wie sie eigentlich genannt wurde, begann jedoch erst nach dem Tode ihres Vaters, des Soldatenkönigs, das Clavierspiel zu erlernen. Später nahm sie auch Unterricht im Fach Komposition, und spielte Flöte, Geige, Laute und Orgel. Ihr Kapellmeister und Musiklehrer war Johann Philipp Kirn- berger. 
Eigens für die Prinzessin wurde durch Johann Peter Migendt und Ernst Julius Marx im Berliner Stadtschloss 1755 eine Orgel errichtet. Bei ihrem Umzug ins Palais Unter den Linden ließ Anna Amalia dieses Instrument umsetzen, und 1776 erwarb sie bei dem Orgelbauer ein weiteres Instrument für ihr Sommerquartier, das Venezobresche Palais. Letzteres ist verloren; doch die "Amalien-Orgel" kam nach dem Tode der Prinzessin in die Schlosskirche nach Wendisch-Buch bei Berlin. 1936 wurde sie dort ausgebaut, weil sie in eine andere Kirche gebracht werden sollte. Dazu kam es dann nicht mehr, sie blieb ein- gelagert - glücklicherweise, denn sonst wäre sie wie die Gotteshäuser durch Bomben zerstört worden. 
Nach dem Krieg fand die Amalien-Orgel in Berlin-Karlshorst ihren Platz. Dort war Roland Münch Organist, und er hat in den 80er Jahren auch die vorliegende CD eingespielt. Für dieses Orgelporträt hat der Kirchenmusikdirektor Werke von Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach, Kirnberger sowie drei weniger bekannten Berliner Organisten ausgewählt. Daran zeigt er exemplarisch die Klangmöglichkeiten des Instrumentes auf.