Donnerstag, 1. August 2013

Paganini: 24 Caprices op. 1; Seres (Hungaroton Classics)

Die 24 Capricen op. 1 schrieb Niccolò Paganini (1782 bis 1840) für Solovioline. Sie gehören noch immer zu den Prüfsteinen für jeden Solisten, da jedes dieser Stücke andere technische Anforderungen stellt – und höllisch anspruchsvoll sind sie alle. Diese Werke auf die Querflöte zu übertragen, das ist ein extrem wagemutiges Projekt. 
Die ungarische Flötistin Dóra Seres hat sich dieser Herausforderung gestellt. Sie ist Preisträgerin vieler renommierter internationaler Wettbewerbe, und derzeit Soloflötistin des DR Underholdnings- orkestrets. 
Um Paganinis Capricen angemessen auf die Böhmflöte zu übertragen, hat sie sich auf ihren musikalischen Kern konzentriert, und auf einige Effekte verzichtet, die zu geigenspezifisch sind, wie beispielsweise Doppelgriffe. 
Das Ergebnis bleibt spieltechnisch dennoch eine Herausforderung, selbst für eine Solistin ihrer Klasse. Seres galoppiert in geradezu atemberaubendem Tempo durch Läufe und Arpeggien. Man wird jedoch feststellen, dass es nicht ausreicht, das Instrument virtuos zu beherrschen, wenn man dieser Musik gerecht werden will. So ist diese Aufnahme streckenweise sehr gelungen; mitunter vermisst man aber das letzte Quentchen an Raffinesse in der Intonation, den über alle Oktaven gleichermaßen ausgewogenen Ton, und man würde sich mehr Mut zur Phrasierung und Gestaltung wünschen – gern auch zu Lasten der Rasanz. 

Danzi: Overtures & Flute Concertos (Coviello Classics)

Franz Danzi (1763 bis 1826)? Der Name dieses Komponisten dürfte heutzutage wohl nur noch Cellisten und Musikhistorikern geläufig sein. Dabei hielten seine Zeitgenossen einst große Stücke auf ihn. „Danzi's Name steht schon unter der Reihe der ersten Componisten unseres Vaterlandes“, schwärmte bei- spielsweise 1804 der Weimarer Christian Schreiber. 
Der solcherart Verehrte freilich blieb gelassen und schrieb: „...ich bin eben nicht sehr eitel auf meine Kompositionen und glaube nicht, dass alles gut sein müsse, was ich schreibe.“ Was bedauerlicherweise und was auch mit gutem Grund in Vergessenheit geraten ist, davon vermittelt die vorliegende CD einen ersten Eindruck. Die Flötistin Annie Laflamme hat im Jugendstilsaal des Kurhauses Bergün gemeinsam mit dem Orchester le phénix eine Auswahl der Flöten- konzerte sowie einige Ouvertüren zu Bühnenwerken Danzis eingespielt. 
Es ist eine würdige Gabe zum 250. Geburtstag des Komponisten, der den Mozarts nahegestanden hat und stilistisch wohl am ehesten in der Frühromantik zu verorten wäre. 
Danzis Flötenkonzerte sind eine echte Entdeckung; sie sind einfach schön, und auch für den Solisten eine dankbare Aufgabe. Die Ouver- türen zu Camilla und Eugen oder Der Gartenschlüssel, zu dem Duodrama Cleopatra und zu Wilhelm Tell sind Bruchstücke verlorener größerer Werke; die Noten dazu sind ansonsten überwiegend während des Zweiten Weltkrieges im bombardierten Karlsruher verbrannt. Diese Trümmer einstiger Bühnenwerke dokumentieren Danzis virtuosen Umgang mit dem Orchester und seinen Klangfarben; aber sie erwecken darüber hinaus nicht den Eindruck, dass es sich um bedeutende Werke gehandelt haben muss. Musiziert wird stilsicher und auf historisch korrekten Instrumenten – meine Empfehlung!