Der Berggeist Rübezahl mag Menschen nicht. Zur Strafe für sein rücksichtsloses Benehmen wurde seine Gattin, die mildtätige Nixen- königin Erli, in den Tiefschlaf versetzt – und aufwachen wird sie erst, wenn eine Jungfrau den Zauber löst. Was tun? Rübezahl versucht es mit guten Taten. Er bringt verirrte Wanderer wohlbehalten nach Hause, und übergibt der Tochter obendrein ein Säckel, das ein Vermögen ent- hält.
Doch das Geld bringt Anne kein Glück, denn ihr Vater hält sich nun für einen reichen Mann, und will die Tochter mit dem Geldgeber verheiraten. Anne ist aber bereits verlobt – und gelobt ihrem Heinrich ewige Treue. Rübezahl hat alle Hände voll zu tun, die Verwicklungen zu lösen, die sich daraus ergeben. Und natürlich geht am Ende die Geschichte, die Franz Ignaz Danzi (1763 bis 1826) in seiner Oper Der Berggeist erzählt, gut aus.
Danzi wuchs in Mannheim auf. Seine Ausbildung erhielt er durch den Vater, einen exzellenten Cellisten, und durch den berühmten Abbé Vogler. Als die kurfürstliche Hofkapelle nach München umzog, blieb er zunächst in Mannheim. 1784 wurde er in München Nachfolger seines Vaters in der Position des Solo-Cellisten, später stieg er zum Vize-Kapellmeister auf. Nach einer Zwischenstation in Stuttgart wirkte er ab 1812 als Hofkapell- meister in Karlsruhe.
Auch wenn Danzi heute in erster Linie für seine Instrumentalmusik bekannt ist, war er doch der Oper sehr zugetan und auch ein passionierter Opernkomponist. Der Berggeist oder Schicksal und Treue wurde 1813 im Hoftheater Karlsruhe uraufgeführt. Danzi selbst nannte das Werk eine romantische Oper; allerdings ist diese, anders als beispielsweise Der Freischütz von Carl Maria von Weber, eher durch Ensembleszenen geprägt als durch Arien. Das Übersinnliche ist stets präsent. Und Danzi lässt seine Geister gern dramatisch vom Orchester umwittern, das, bei allen lieblichen Melodien, hier doch eher Farbe liefert.
Frieder Bernius hat mit Kammerchor und Hofkapelle Stuttgart dieses Opus aus dem Archivstaub erweckt und sich an die Weltersteinspielung gewagt. Die Rollen – und das sind ziemlich viele! – sind solide mit jungen Sängern besetzt, darunter mit Vincent Frisch sogar ein Knabensopran. Fürs heutige Theater wäre die Oper eher nichts, fürchte ich – aber musikhistorisch bedeutsam ist das Werk ohne Zweifel.
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Samstag, 3. September 2016
Montag, 28. April 2014
Concertante - Virtuosic Wind Concertos (Challenge Classics)
Wie hätte es geklungen, wenn Paganini ein Konzert nicht für die Geige, sondern für Bläser geschrie- ben hätte? Wer die Antwort auf diese Frage erfahren möchte, der sollte sich diese CD anhören. Denn dafür hat Dirigent Claus Efland gemeinsam mit dem Hornisten des dänischen Bläserquintetts Carion gezielt nach Konzerten des 18. und 19. Jahrhunderts gesucht, die bislang wenig gespielt wurden. Die Musiker wurden fündig – und legten kürzlich Aufnahmen von vier Bläserkonzerten mit ungewöhnlichen Instrumentenkombina- tionen vor; drei davon sind sogar Ersteinspielungen.
Hornist David M.A.P. Palmquist, Klarinettist Egils Schefers und Fagot- tist Niels Anders Vedsten Larsen präsentieren die Entdeckungen gemeinsam mit der Sinfonietta Riga unter der Leitung von Claus Efland. Es handelt sich dabei um Kompositionen von Franz Danzi (1763 bis 1826) Agostino Belloli (1778 bis 1839), Ignaz Lachner (1807 bis 1895) – ein Bruder des legendären Franz Lachner – und Louis Emmanuel Jadin (1768 bis 1853). Diese Werke sind aus dem Konzertsaal verschwunden; sie sind aber gerade aufgrund der kühnen Experimente in Sachen Besetzung durchaus interessant. Lachners Concertino beispielsweise ist für Horn und Fagott geschrieben, Belloli kombinierte Horn und Klarinette. Es sind jedoch, wie Efland selbst einräumt, „keine ,großen' Stücke. Sie alle haben“, schreibt der Kapellmeister, „und das ist nicht abwertend gemeint, keinen tieferen Sinn. Es sind echte ,Show-Pieces' – Bravourstücke für die jeweiligen Solisten, bei denen das Orchester eine untergeordnete Rolle spielt.“
Hornist David M.A.P. Palmquist, Klarinettist Egils Schefers und Fagot- tist Niels Anders Vedsten Larsen präsentieren die Entdeckungen gemeinsam mit der Sinfonietta Riga unter der Leitung von Claus Efland. Es handelt sich dabei um Kompositionen von Franz Danzi (1763 bis 1826) Agostino Belloli (1778 bis 1839), Ignaz Lachner (1807 bis 1895) – ein Bruder des legendären Franz Lachner – und Louis Emmanuel Jadin (1768 bis 1853). Diese Werke sind aus dem Konzertsaal verschwunden; sie sind aber gerade aufgrund der kühnen Experimente in Sachen Besetzung durchaus interessant. Lachners Concertino beispielsweise ist für Horn und Fagott geschrieben, Belloli kombinierte Horn und Klarinette. Es sind jedoch, wie Efland selbst einräumt, „keine ,großen' Stücke. Sie alle haben“, schreibt der Kapellmeister, „und das ist nicht abwertend gemeint, keinen tieferen Sinn. Es sind echte ,Show-Pieces' – Bravourstücke für die jeweiligen Solisten, bei denen das Orchester eine untergeordnete Rolle spielt.“
Freitag, 13. September 2013
Danzi, Mozart: Concertos for Clarinet, Bassoon and Orchestra (MDG)
Eine lang vergriffene Aufnahme hat das audiophile Label Dabringhaus und Grimm nun wieder zugänglich gemacht: Konzerte für Klarinette und Fagott bis zur Zeit der Früh- romantik, hervorragend gespielt von Dieter Klöcker, Karl-Otto Hartmann und dem ebenso exzellenten Suk-Kammerorchester Prag unter Petr Skvor.
Klöcker hat hier einmal mehr jenen Spürsinn bewiesen, der dem Klarinettisten im Laufe der Jahre zu so mancher Entdeckung verholfen hat. Das gilt in diesem Falle insbesondere für das Duo von Carl Philipp Emanuel Bach, wohl eines der ersten originären Werke für Klarinette überhaupt, und für das Arrangement von Mozarts zauberhafter Concertone von der Hand seines Freundes Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812).
Das darf man in diesem Falle ruhig wörtlich nehmen, denn im Beiheft dankt Klöcker „meinem Freund und Kollegen, Prof. Eberhard Buschmann, für die Herstellung des Spielmaterials aus einer fast unleserlichen autographen Partitur“. Sie stammt aus der Sammlung der Mährischen Brüder in Altbrünn, und ist Mitte des 19. Jahrhun- derts im Gepäck eines Auswanderers nach Amerika gelangt. Auch wenn Klöcker letzten Endes glücklicherweise Musiker geworden ist und nicht, wie ursprünglich geplant, Archäologe – solche Über- raschungen machten seine Einspielungen immer wieder besonders reizvoll.
Der Zuhörer darf sich zudem über Klöckers einzigartigen Ton, die Eleganz seines Vortrages und seine enorme Musikalität freuen. Gemeinsam mit seinen virtuosen Kollegen aus dem Consortium Classicum hat der Musiker, der leider kurz nach seinem 75. Geburts- tag 2011 gestorben ist, so manchen Schatz gehoben. Dazu gehört auch die Sinfonia concertante für Klarinette, Fagott und Orchester von Franz Danzi (1763 bis 1826), die als drittes Stück auf dieser CD erklingt. Diesen Musikern zu lauschen, das ist immer wieder ein Vergnügen.
Klöcker hat hier einmal mehr jenen Spürsinn bewiesen, der dem Klarinettisten im Laufe der Jahre zu so mancher Entdeckung verholfen hat. Das gilt in diesem Falle insbesondere für das Duo von Carl Philipp Emanuel Bach, wohl eines der ersten originären Werke für Klarinette überhaupt, und für das Arrangement von Mozarts zauberhafter Concertone von der Hand seines Freundes Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812).
Das darf man in diesem Falle ruhig wörtlich nehmen, denn im Beiheft dankt Klöcker „meinem Freund und Kollegen, Prof. Eberhard Buschmann, für die Herstellung des Spielmaterials aus einer fast unleserlichen autographen Partitur“. Sie stammt aus der Sammlung der Mährischen Brüder in Altbrünn, und ist Mitte des 19. Jahrhun- derts im Gepäck eines Auswanderers nach Amerika gelangt. Auch wenn Klöcker letzten Endes glücklicherweise Musiker geworden ist und nicht, wie ursprünglich geplant, Archäologe – solche Über- raschungen machten seine Einspielungen immer wieder besonders reizvoll.
Der Zuhörer darf sich zudem über Klöckers einzigartigen Ton, die Eleganz seines Vortrages und seine enorme Musikalität freuen. Gemeinsam mit seinen virtuosen Kollegen aus dem Consortium Classicum hat der Musiker, der leider kurz nach seinem 75. Geburts- tag 2011 gestorben ist, so manchen Schatz gehoben. Dazu gehört auch die Sinfonia concertante für Klarinette, Fagott und Orchester von Franz Danzi (1763 bis 1826), die als drittes Stück auf dieser CD erklingt. Diesen Musikern zu lauschen, das ist immer wieder ein Vergnügen.
Donnerstag, 1. August 2013
Danzi: Overtures & Flute Concertos (Coviello Classics)
Franz Danzi (1763 bis 1826)? Der Name dieses Komponisten dürfte heutzutage wohl nur noch Cellisten und Musikhistorikern geläufig sein. Dabei hielten seine Zeitgenossen einst große Stücke auf ihn. „Danzi's Name steht schon unter der Reihe der ersten Componisten unseres Vaterlandes“, schwärmte bei- spielsweise 1804 der Weimarer Christian Schreiber.
Der solcherart Verehrte freilich blieb gelassen und schrieb: „...ich bin eben nicht sehr eitel auf meine Kompositionen und glaube nicht, dass alles gut sein müsse, was ich schreibe.“ Was bedauerlicherweise und was auch mit gutem Grund in Vergessenheit geraten ist, davon vermittelt die vorliegende CD einen ersten Eindruck. Die Flötistin Annie Laflamme hat im Jugendstilsaal des Kurhauses Bergün gemeinsam mit dem Orchester le phénix eine Auswahl der Flöten- konzerte sowie einige Ouvertüren zu Bühnenwerken Danzis eingespielt.
Es ist eine würdige Gabe zum 250. Geburtstag des Komponisten, der den Mozarts nahegestanden hat und stilistisch wohl am ehesten in der Frühromantik zu verorten wäre.
Danzis Flötenkonzerte sind eine echte Entdeckung; sie sind einfach schön, und auch für den Solisten eine dankbare Aufgabe. Die Ouver- türen zu Camilla und Eugen oder Der Gartenschlüssel, zu dem Duodrama Cleopatra und zu Wilhelm Tell sind Bruchstücke verlorener größerer Werke; die Noten dazu sind ansonsten überwiegend während des Zweiten Weltkrieges im bombardierten Karlsruher verbrannt. Diese Trümmer einstiger Bühnenwerke dokumentieren Danzis virtuosen Umgang mit dem Orchester und seinen Klangfarben; aber sie erwecken darüber hinaus nicht den Eindruck, dass es sich um bedeutende Werke gehandelt haben muss. Musiziert wird stilsicher und auf historisch korrekten Instrumenten – meine Empfehlung!
Der solcherart Verehrte freilich blieb gelassen und schrieb: „...ich bin eben nicht sehr eitel auf meine Kompositionen und glaube nicht, dass alles gut sein müsse, was ich schreibe.“ Was bedauerlicherweise und was auch mit gutem Grund in Vergessenheit geraten ist, davon vermittelt die vorliegende CD einen ersten Eindruck. Die Flötistin Annie Laflamme hat im Jugendstilsaal des Kurhauses Bergün gemeinsam mit dem Orchester le phénix eine Auswahl der Flöten- konzerte sowie einige Ouvertüren zu Bühnenwerken Danzis eingespielt.
Es ist eine würdige Gabe zum 250. Geburtstag des Komponisten, der den Mozarts nahegestanden hat und stilistisch wohl am ehesten in der Frühromantik zu verorten wäre.
Danzis Flötenkonzerte sind eine echte Entdeckung; sie sind einfach schön, und auch für den Solisten eine dankbare Aufgabe. Die Ouver- türen zu Camilla und Eugen oder Der Gartenschlüssel, zu dem Duodrama Cleopatra und zu Wilhelm Tell sind Bruchstücke verlorener größerer Werke; die Noten dazu sind ansonsten überwiegend während des Zweiten Weltkrieges im bombardierten Karlsruher verbrannt. Diese Trümmer einstiger Bühnenwerke dokumentieren Danzis virtuosen Umgang mit dem Orchester und seinen Klangfarben; aber sie erwecken darüber hinaus nicht den Eindruck, dass es sich um bedeutende Werke gehandelt haben muss. Musiziert wird stilsicher und auf historisch korrekten Instrumenten – meine Empfehlung!
Freitag, 8. März 2013
Danzi: Flute Quartets op. 56 (MDG)
Franz Danzi (1763 bis 1826) war der Sohn eines italienischen Cellisten, der der Mannheimer Hofkapelle angehörte. Unterrichtet wurde er von seinem Vater, später dann auch von Abbé Vogler. Als der Kurfürst Carl Theodor mitsamt dem Hof 1778 nach München übersiedelte, blieb Danzi zunächst in Mannheim. Er musizierte am neuen Hof- und Nationaltheater, wo 1780 auch seine erste Oper auf- geführt wurde.
Ein Jahr später ging er nach München, wo er 1783 seinem Vater in der Position des Solocellisten nachfolgte. Danzi unternahm zudem einige Konzertreisen, gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Sängerin und Komponistin Maria Margarethe Marchand. Wieder in München, wurde er Vizekapellmeister. 1807 ging Danzi als Hofkapellmeister nach Stuttgart, wo er gleichzeitig als Kompositionslehrer und Inspektor der Bläserabteilung am Kunst- institut des Waisenhauses wirkte. 1812 wechselte er dann nach Karlsruhe, wo er bis ans Ende seiner Tage blieb. Dort sind viele seiner Werke für die Kammermusik entstanden, insbesondere seine neun Bläserquintette, die bis heute im Konzert erklingen.
Auf der vorliegenden CD hat das Ardinghello-Ensemble nun seine Flötenquartette op. 56 eingespielt. Diese bezaubernden Werke basieren zwar auf Formen, die man gemeinhin der Klassik zuordnen würde. Doch sowohl in ihrer Suche nach interessanten klanglichen Effekten als auch in ihren Anleihen bei der "Volksmusik" lassen sie bereits an die Romantiker und ihre Ideen denken. Für Musiker sind diese Werke attraktiv, denn Danzi hat alle vier Quartettpartner gleichermaßen mit anspruchsvollen Aufgaben betraut.
Die drei Quartette stecken voll Überraschungen, denn Danzi hat für die einzelnen Sätze so manchen kuriosen Einfall verarbeitet. Da erklingt ein venezianisches Gondellied, dramatische Ausbrüche stehen neben lieblichen Belcanto-Koloraturen, und auch die Klänge von Drehleier und Bordunbass sorgen für ein einzigartiges Flair. Das Ardinghello-Ensemble, das sich der Ideenwelt der Romantik beson- ders verbunden fühlt, zündet dieses Zitate-Feuerwerk mit Tempera- ment und Spiel-Lust. Karl Kaiser, Flöte, Annette Rehberger, Violine, Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello, zeigen mit dieser CD, dass klassische Musik durchaus auch geistreich, ja witzig sein kann. Mich jedenfalls hat diese hinreißende Aufnahme begei- stert. Bravi!
Ein Jahr später ging er nach München, wo er 1783 seinem Vater in der Position des Solocellisten nachfolgte. Danzi unternahm zudem einige Konzertreisen, gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Sängerin und Komponistin Maria Margarethe Marchand. Wieder in München, wurde er Vizekapellmeister. 1807 ging Danzi als Hofkapellmeister nach Stuttgart, wo er gleichzeitig als Kompositionslehrer und Inspektor der Bläserabteilung am Kunst- institut des Waisenhauses wirkte. 1812 wechselte er dann nach Karlsruhe, wo er bis ans Ende seiner Tage blieb. Dort sind viele seiner Werke für die Kammermusik entstanden, insbesondere seine neun Bläserquintette, die bis heute im Konzert erklingen.
Auf der vorliegenden CD hat das Ardinghello-Ensemble nun seine Flötenquartette op. 56 eingespielt. Diese bezaubernden Werke basieren zwar auf Formen, die man gemeinhin der Klassik zuordnen würde. Doch sowohl in ihrer Suche nach interessanten klanglichen Effekten als auch in ihren Anleihen bei der "Volksmusik" lassen sie bereits an die Romantiker und ihre Ideen denken. Für Musiker sind diese Werke attraktiv, denn Danzi hat alle vier Quartettpartner gleichermaßen mit anspruchsvollen Aufgaben betraut.
Die drei Quartette stecken voll Überraschungen, denn Danzi hat für die einzelnen Sätze so manchen kuriosen Einfall verarbeitet. Da erklingt ein venezianisches Gondellied, dramatische Ausbrüche stehen neben lieblichen Belcanto-Koloraturen, und auch die Klänge von Drehleier und Bordunbass sorgen für ein einzigartiges Flair. Das Ardinghello-Ensemble, das sich der Ideenwelt der Romantik beson- ders verbunden fühlt, zündet dieses Zitate-Feuerwerk mit Tempera- ment und Spiel-Lust. Karl Kaiser, Flöte, Annette Rehberger, Violine, Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello, zeigen mit dieser CD, dass klassische Musik durchaus auch geistreich, ja witzig sein kann. Mich jedenfalls hat diese hinreißende Aufnahme begei- stert. Bravi!
Dienstag, 7. Februar 2012
Weimarer Bläserquintett (Genuin)
"Ein Konzerterlebnis", nennt sich diese CD im Untertitel - und sie hält, was sie damit verspricht. Als ginge es darum, jeden Zweifel auszuräumen, stellen Tomo Andreas Jäckle, Flöte, Frederike Timmermann, Oboe, Sebastian Lambertz, Klarinette, Stephan Schottstädt, Horn und Jacob Karwath, Fagott, gleich im ersten Stück ihre handwerkliche Brillanz unter Beweis. Die fünf Musiker präsentieren die Ouvertüre zu Mozarts Oper Die Zauberflöte in einer Bearbeitung von Joachim Linckelmann, dass es ein Vergnügen ist, ihnen dabei zuzuhören. Hier wird nicht nur überaus gekonnt, sondern obendrein auch noch mit Humor und mit viel Sinn für Klangfarben musiziert.
Es folgt das Bläserquintett von Pavel Haas (1899 bis 1944) aus dem Jahre 1929, ein von Melancholie überschattetes Werk, das den mährischen Komponisten seinerzeit europaweit bekannt machte. Doch sein Ruhm hat den Schüler von Leos Janácek nicht gerettet; er galt als "Halbjude" und wurde in Auschwitz umgebracht.
Franz Danzi (1763 bis 1826) schuf neun Bläserquintette für die Musi- ker um Antonín Reicha, den Begründer des Genres. Für diese CD hat das Weimarer Ensemble eines davon ausgewählt, das sich als elegante Unterhaltungsmusik erweist. Im Kontrast dazu steht das Bläserquin- tett von Elliot Carter, Jahrgang 1908, das dieser 1948 komponiert hat. Es zeigt die fünf Instrumente als mehr oder minder kapriziöse, manchmal auch geschwätzige Individualisten, die es dennoch letzten Endes schaffen, gemeinsam Kammermusik zu machen. Die CD endet romantisch mit einem Werk des berühmten Flötisten Paul Taffanel (1844 bis 1908).
Es folgt das Bläserquintett von Pavel Haas (1899 bis 1944) aus dem Jahre 1929, ein von Melancholie überschattetes Werk, das den mährischen Komponisten seinerzeit europaweit bekannt machte. Doch sein Ruhm hat den Schüler von Leos Janácek nicht gerettet; er galt als "Halbjude" und wurde in Auschwitz umgebracht.
Franz Danzi (1763 bis 1826) schuf neun Bläserquintette für die Musi- ker um Antonín Reicha, den Begründer des Genres. Für diese CD hat das Weimarer Ensemble eines davon ausgewählt, das sich als elegante Unterhaltungsmusik erweist. Im Kontrast dazu steht das Bläserquin- tett von Elliot Carter, Jahrgang 1908, das dieser 1948 komponiert hat. Es zeigt die fünf Instrumente als mehr oder minder kapriziöse, manchmal auch geschwätzige Individualisten, die es dennoch letzten Endes schaffen, gemeinsam Kammermusik zu machen. Die CD endet romantisch mit einem Werk des berühmten Flötisten Paul Taffanel (1844 bis 1908).
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Weber - Spohr - Reicha. Raphael Wallfisch (Nimbus Records)
Raphael Wallfisch spielt virtuose Cellomusik - Werke aus jener Zeit, da das Instrument, soeben dem Continuo entwachsen, zunehmend mit solistischen Aufgaben betraut wurde. So verwundert es nicht, dass zwei der Komponisten, deren Stücke Wallfisch hier präsentiert, selbst exzellente Cellisten waren. Josef Reicha (1752 bis 1795) wirkte zunächst als Solocellist in der Kapelle des Fürsten Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein, und später als Konzertmeister und Musikdirektor der Kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn. Sein Cello- konzert in A-Dur op. 4 Nr. 1 klingt noch ganz erstaunlich nach Mozart. Franz Danzi (1763 bis 1826), Solocellist in Mannheim und München, ist auf dieser CD vertreten mit Variationen über Là ci darem la mano aus Mozarts Don Giovanni - ein zauberhaftes Werk, das in erster Linie Charme und Grazie dieses Duettes betont.
Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) wiederum war mit Danzi eng befreundet. Sein Konzert Grand pot-pourri op. 20 aus dem Jahre 1808 ist nicht zuletzt eine Verneigung vor Danzi - und zudem ein musikalischer Spaß von hohen Graden. Weber inszeniert das Cello wie einen Opernstar; er lässt es vor einer dramatischen Kulisse singen.
Louis Spohr (1784 bis 1859) war einer der besten Geiger seiner Zeit. Er war unglaublich populär, und galt zu Lebzeiten auch als einer der führenden Komponisten. Sein Violinkonzert Nr. 8 in a-Moll op. 47, in Form einer Gesangsszene, war offenbar noch für die nachfolgende Generation so attraktiv, dass der Cello-Virtuose Friedrich Grützma- cher (1832 bis 1903) eigens eine Version für Violoncello arrangier- te. Und nicht umsonst sagt man dem Instrument nach, dass es singen könne wie die menschliche Stimme.
Wallfisch nutzt diese vier doch recht unterschiedlichen Werke, um verschiedene Facetten des Celloklanges zu demonstrieren - von der schlanken, beweglichen, fast noch barock geführten Stimme bis hin zum satten, grandiosen Belcanto. Das Northern Chamber Orchestra aus Manchester unter Nicholas Ward begleitet ihn dabei stilsicher - und zeigt auf, welch enorme Vielfalt an musikalischen Handschriften und Ideen in Deutschland blühte, als sich noch jeder Hof sein Orche- ster leistete.
Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) wiederum war mit Danzi eng befreundet. Sein Konzert Grand pot-pourri op. 20 aus dem Jahre 1808 ist nicht zuletzt eine Verneigung vor Danzi - und zudem ein musikalischer Spaß von hohen Graden. Weber inszeniert das Cello wie einen Opernstar; er lässt es vor einer dramatischen Kulisse singen.
Louis Spohr (1784 bis 1859) war einer der besten Geiger seiner Zeit. Er war unglaublich populär, und galt zu Lebzeiten auch als einer der führenden Komponisten. Sein Violinkonzert Nr. 8 in a-Moll op. 47, in Form einer Gesangsszene, war offenbar noch für die nachfolgende Generation so attraktiv, dass der Cello-Virtuose Friedrich Grützma- cher (1832 bis 1903) eigens eine Version für Violoncello arrangier- te. Und nicht umsonst sagt man dem Instrument nach, dass es singen könne wie die menschliche Stimme.
Wallfisch nutzt diese vier doch recht unterschiedlichen Werke, um verschiedene Facetten des Celloklanges zu demonstrieren - von der schlanken, beweglichen, fast noch barock geführten Stimme bis hin zum satten, grandiosen Belcanto. Das Northern Chamber Orchestra aus Manchester unter Nicholas Ward begleitet ihn dabei stilsicher - und zeigt auf, welch enorme Vielfalt an musikalischen Handschriften und Ideen in Deutschland blühte, als sich noch jeder Hof sein Orche- ster leistete.
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