Darf man Bach auf der Mandoline spielen? Wenn man das Instrument so souverän beherrscht wie Avi Avital, dann kann das sogar sehr spannend werden. Er spielt dieses Instrument seit seinem achten Lebensjahr, berichtet der Musiker, der im israelischen Be'er Scheva aufgewachsen ist: "Ein Freund von mir nahm Unterricht auf der Mandoline, also beschloss ich, das gleiche zu machen. In der Stadt gab es ein sehr bekanntes Mando- linenorchester, in das ich eintrat. Wir spielten Arrangements von Mozart, Bach und andere Werke des klassischen Repertoires. Simcha Nathanson, ein sehr charismati- scher Lehrer, hatte es gegründet. Er war eigentlich ausgebildeter Geiger, und das erwies sich als großes Plus; die Musik war wichtiger als das Instrument. Und ich lernte, wie ich Musik durch ein Instru- ment vermitteln konnte, das nun einmal, wie es der Zufall so wollte, eine Mandoline war."
Bach selbst hat etliche seiner Werke für eine veränderte Besetzung bearbeitet; so sind beispielsweise Konzerte, die ursprünglich wohl für Violine und Oboe geschrieben wurden, in der Version für Cembalo überliefert. "Musik für die Geige eignet sich auch für die Mandoline, da beide Instrumente die gleiche Stimmung haben", erläutert Avital im Beiheft. "Bei der Darstellung der langen Töne muss man erfinde- risch sein, damit man sie zum Singen bringt, ebenso bei den Verzie- rungen und anderen Details. Aber ich wollte noch einen Schritt weitergehen: Ich wollte Bachs Universalität herausstellen."
So liegen die Cembalokonzerte BWV 1056 und 1052 in Rekonstruk- tionen für Violine vor. "Diese Übertragungen fühlen sich auf der Mandoline sehr stimmig an", meint Avital, "das Instrument selbst klingt aber mehr wie ein Cembalo." Deshalb hat der Musiker auch die Cembalo-Fassungen sehr sorgfältig geprüft, und daraus übernommen, was für die Mandoline passt.
Auch das Violinkonzert in a-Moll BWV 1041 klingt auf der Mandoline durchaus gut. Und Avital beweist, dass man auf dem Instrument selbst eine Flötensonate - es erklingt die Sonate in e-Moll BWV 1034 - vortragen kann. Begleitet wird der Solist dabei durch die Kammer- akademie Potsdam, die sich erneut als versierter und experimentier- freudiger musikalischer Partner erweist. So wird der Zuhörer selbst bei bekannten Werken wie dem a-Moll-Violinkonzert Details neu entdecken, die ihm nie zuvor aufgefallen waren. "Bachs Musik ist voller Geheimnisse", bestätigt Avi Avital. "Egal, wie lange man sie schon spielt, immer gibt es etwas Neues zu entdecken. Wenn man ein anderes Instrument einsetzt, kann man die Zeitlosigkeit dieser Musik auf ganz neue Weise erleben."
Sonntag, 30. September 2012
Samstag, 29. September 2012
Vivaldi ma non solo (MDG)
Die griechische Mezzosopranistin Marita Paparizou singt Bravour- arien aus der Vivaldi-Zeit - konkret Arien des jeweiligen Titelhelden aus Vivaldis Opern Orlando Furio- so und Farnace, sein berühmtes Stabat mater, die Arie Addio miei sospiri, die von Ferdinando Bertoni stammt, aber oftmals in Glucks Orpheus erklingt, und eine außerordentlich erregte Arie der Medea aus Händels Oper Teseo. Sie stellt in ihren technischen Anfor- derungen selbst Händels italie- nische Bass-Kantaten in den Schatten. Doch die Sängerin ist dem leider überhaupt nicht gewachsen. Die Höhen werden gestemmt, die Tiefen gequetscht, und die Koloraturen klappern, weil es Paparizou an Geläufigkeit mangelt. Dort, wo die Sängerin tatsächlich in der Mittel- lage bleiben und lange Linien singen darf, wird eine Stimme hörbar, die eigentlich ein sehr schönes Timbre hat - wer der Solistin aber zu dem Repertoire geraten hat, an das sie sich auf dieser CD wagt, der muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein.
Die Solisti Veneti musizieren unter Claudio Scimone routiniert, aber man muss feststellen, dass es den Musikern nicht gelingt, in einen Dialog mit der Sängerin zu treten. Und es verschlägt einem schier den Atem, wenn Paparizou ihr üppiges Vibrato einsetzt, um einen zu tief angestimmten Ton doch noch in Übereinstimmung mit den Instru- mentalisten zu bringen. Wer ein abschreckendes Beispiel sucht, der kann diese CD getrost kaufen - alle anderen sollten einen großen Bogen darum machen.
Die Solisti Veneti musizieren unter Claudio Scimone routiniert, aber man muss feststellen, dass es den Musikern nicht gelingt, in einen Dialog mit der Sängerin zu treten. Und es verschlägt einem schier den Atem, wenn Paparizou ihr üppiges Vibrato einsetzt, um einen zu tief angestimmten Ton doch noch in Übereinstimmung mit den Instru- mentalisten zu bringen. Wer ein abschreckendes Beispiel sucht, der kann diese CD getrost kaufen - alle anderen sollten einen großen Bogen darum machen.
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