Posts mit dem Label Mandoline werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mandoline werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 4. Oktober 2021

Bach: Harpsichord Concertos transcribed for Mandolin (Dynamic)


 „Risulta facile pensare come qualunque musicista desideri studiare ed eseguire la musica di Johann Sebastian Bach“, schreibt Davide Ferella im Beiheft zu dieser CD. Doch wer Mandoline spielt, der hat nicht das Glück, einfach Originalrepertoire aus dem Notenschrank nehmen zu können. 

Aus diesem Grunde hat Ferella geeignete Werke herausgesucht und transkribiert; seine Wahl fiel dabei auf die Cembalokonzerte des verehrten Meisters: „Il lavoro di transcrizione e rielaborazione è basato sugli originali per clavicembalo perché molto più adatti all’esecuzione con il mandolino. Basti pensare all’emissione sonora che in entrambi gli strumenti avviene mediante il pizzico della penna; ciò fa sì che la scrittura risulti particolarmente confacente allo strumento esaltandone peculiarità espressive oltre che tecniche.“ 

Die Cembalokonzerte, von Davide Ferella und den Musikern des Ensembles Profili Barocchi virtuos und mit Spielfreude vorgetragen, sind im Klang dem Original tatsächlich verblüffend ähnlich. Zu hören sind die Concerti BWV 1052 und 1055. Das Concerto BWV 1059 hat Ferella nach Kantatensinfonien aus Geist und Seele sind verwirret BWV rekonstruiert, wobei er den langsamen Satz aus dem Concerto BWV 1056 übernommen hat. 

Besonderes Highlight der Einspielung: Das Concerto 1060, für zwei Cembali; ursprünglich waren die Solo-Instrumente wahrscheinlich Oboe und Violine. Hier musiziert Ferella gemeinsam mit Dorina Frati. Rundum gelungen! Diese CD erfreut nicht nur Mandolinen-Enthusiasten. 


Montag, 28. Juni 2021

Avi Avital - Art of the Mandolin (Deutsche Grammophon)


 Manchmal sind die Wege des Lebens seltsam verschlungen, aber gerade dann führen sie oftmals zum Ziel. Eine solche Geschichte berichtet Avi Avital im Beiheft seines aktuellen Albums. Sie hat mich sehr beeindruckt, weil sie zeigt, welch faszinierende Wirkungen der Zufall haben kann. 

Ein solcher Zufall nämlich war es, dass der Geiger Simcha Nathanson nach seiner Übersiedelung aus der Sowjetunion in seiner neuen Heimat Beer Sheva im Keller der Musikschule einige Mandolinen fand. Als Geigenlehrer wurde er dort nicht gebraucht. Aber dem begnadeten Pädagogen gelang es, ein exzellentes Jugend-Mandolinenorchester aufzubauen. Dort musizierte in jungen Jahren auch Avi Avital,. Und weil die Mandoline wie eine Violine gestimmt ist, gab es auch keine Probleme, geeignete Literatur zu finden: Nathanson legte seinen Schülern einfach Geigenmusik aufs Pult. 

Da die Mandoline zwar populär ist, aber in der Klassikwelt eher nicht so verbreitet, hat Avital im Konzert jahrelang vor allem Arrangements gespielt. Für diese CD aber hat der Mandolinenvirtuose nun erstmals ein Programm zusammengestellt, das ausschließlich aus Originalkompositionen besteht. Es reicht von Antonia Vivaldis höchst reizvollem Konzert für zwei Mandolinen, Streicher und Basso continuo RV 532 über die Sonata a tre für Mandoline, Gitarre und Cembalo von Paul Ben-Haim (1897 bis 1984) bis zu einem Prelude for Solo Mandolin von Giovanni Sollima (*1962). 

Zu hören sind zudem das Adagio ma non troppo in Es-Dur für Mandoline und Harfe von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827), Death is a Friend of Ours von David Bruce (*1970), die Sonate für Mandoline und Basso sontinuo K 89 von Domenico Scarlatti (1685 bis 1757) und Carillon, Récitatif, Masque für Mandoline, Gitarre und Harfe von Hans Werner Henze (1926 bis 2012). 

„I have created this album to paint a portait of the mandolin as I have never done before“, berichtet Avi Avital im Beiheft. „To tell a story – an unfinished story – of an instrument at once familiar and unknown.“ Im Zusammenspiel mit dem Venice Baroque Orchestra sowie Alon Sariel, Mandoline, Anneleen Lenaerts, Harfe, Sean Shibe, Gitarre, Yizhar Karshon, Cembalo, Patrick Sepec, Violoncello und Ophira Zakai, Theorbe, zeigt der Musiker, dass die Mandoline kein Kuriosum ist, sondern ein interessantes Instrument, das mit seinem charakteristischen Klang eine ganz besondere Farbe einbringt. Das Album vermag zu überzeugen, bravi! 


Mittwoch, 18. März 2020

Calace: Music for Mandolin Quartet (Brilliant Classics)

Raffaele Calace (1863 bis 1934) entstammte einer Instrumenten- bauerdynastie aus Neapel und verschrieb sich schon früh der Mandoline. Er spielte dieses Instrument virtuos, und er engagierte sich dafür, dass ihm im Musikleben mehr Bedeutung zugemessen wird. So ging der „Paganini der Mandoline“ auf ausgedehnte Konzertreisen, bis nach Japan, auch gemeinsam mit seinen Kindern Maria und Vincenzo. 
Und gemeinsam mit seinem Bruder Nicola übernahm er die Werkstatt seiner Vorväter. 
Er entwickelte unter anderem die neapolitanische Mandoline weiter zu jenem Konzertinstrument, das auch heute noch weltweit gespielt wird. Die Werkstatt wurde übrigens von seiner Tochter Maria und seinem Sohn Giuseppe Calace weitergeführt; heute wird sie durch seinen Enkel Raffaele Calace jr. geleitet.
Außerdem gründete Calace einen Musikverlag, mit einem umfangreichen Katalog, und eine Zeitschrift zur Unterstützung des neapolitanischen Musiklebens, die immerhin fünf Jahre lang erschien. Raffaele Calace schrieb zudem pädagogische Werke, und mehr als 200 Kompositionen für sein geliebtes Instrument. Für Mandolinisten weltweit sind sie noch immer Maß aller Dinge. 
Das Motus Mandolin Quartet hat für sein Debütalbum daher seine Musik ausgewählt. Auf der CD erklingen drei der vier Originalkompositionen Calaces für klassisches Mandolinenquartett, und dazu noch sieben Bearbeitungen von Werken, die für romantisches Mandolinenquartett – mit Gitarre – oder aber für Mandoline und Klavier entstanden sind. Musiziert wird hinreißend, erstklassig. Wer den Klang der Mandoline liebt, dem bietet diese CD Gelegenheit, ein Lebenswerk wiederzuentdecken, das sonst nur Insidern ein Begriff ist. Und das lohnt sich! 

Montag, 18. März 2019

Perfume of Italy (Christophorus)

Die Mandoline – eigentlich eine Instrumentenfamilie mit etlichen Angehörigen, von der eigentlichen Mandoline in ihren diversen regionalen Bauformen bis hin zur etwas größeren und tieferen Mandola – erfreute sich in Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts ganz enormer Beliebtheit. Auch in Paris schätzte man ihren lieblichen Klang, und reisende Virtuosen waren an vielen europäischen Höfen willkommen. Allerdings kam die Mandoline um 1790 wieder aus der Mode, und verschwand ebenso dezent aus dem Musikleben, wie sie einstmals gekommen war. 
Auf dieser CD präsentiert das Ensemble Artemandoline barocke Musik für das Instrument. Zu hören sind sowohl Originalwerke, wie die Sonata per mandolino e basso von Carlo Arrigoni (1697 bis 1744) oder eine Sonate von Domenico Scarlatti (1685 bis 1757), als auch geschickte Bearbeitungen. Dabei nutzen die Musiker barocke Mandolinen und Mandolen, sowie Barockgitarre und Renaissancelaute, Viola da gamba und Violone sowie das Cembalo. Ihr außerordentlich gut aufeinander abgestimmtes, virtuoses Spiel hätte die barocken Zeitgenossen ganz sicher begeistert; der Zuhörer heute darf sich auf eine gute Stunde anmutige Klänge freuen.

Mittwoch, 19. September 2018

Concerti Napoletani per Mandolino (Deutsche Harmonia Mundi)

Mit seinem zweiten Album lädt das Ensemble Artemandoline zu einer musikalischen Zeitreise ein. Sie führt ins Neapel des 18. Jahrhunderts – damals die Hauptstadt des König- reichs beider Sizilien und eine Musikmetropole von europäischem Rang. Neapel hatte viermal (!) soviele Einwohner wie Wien, und die Konservatorien sorgten ebenso wie die Mäzene dafür, dass der musikalische Nachwuchs nicht ausblieb. 
Denn Musik war den Menschen damals wichtig; ob es der Mann auf der Straße war, der bei der Arbeit sang, oder König Karl, der später als Carlos III. in Spanien regieren sollte. Damit möglichst viele Menschen die Stars jener Zeit erleben konnten, ließ er in Neapel ein neues Opernhaus mit sechs Rängen errichten. Es wurde 1737 eröffnet, und es war zu diesem Zeitpunkt das größte der Welt. Doch nicht nur in der Oper gab es eine „neapolitanischen Schule“; auch die Instrumentalmusik Europas wurde durch Musiker aus Neapel mit geprägt. 
Besonders beliebt war dort seinerzeit die Mandoline. Das Ensemble Artemandoline präsentiert auf dieser CD auf Originalinstrumenten der Barockzeit als Weltersteinspielung fünf hörenswerte Konzerte, die zugleich Techniken und Klangsprache der neapolitanischen Mandolinenschule demonstrieren. Die ausgewählten Konzerte von Giovanni Paisiello, Giuseppe Giuliano, Domenico Caudioso und Carlo Cecere beeindrucken durch ihren melodischen Einfallsreichtum und virtuose Finesse. Den Solisten Alla Tolkacheva, Mari Fe Pavón und Juan Carlos Muñoz gibt diese Musik reichlich Gelegenheit, zu brillieren. 

Montag, 20. November 2017

The Violin & the Mandolin: Accomplices and Rivals (Concerto)

Das Ensemble Baschenis stellt auf dieser CD Werke von zwei Virtuosen vor, die Musik für Mandoline komponiert haben. Die Manuskripte, auf denen diese Aufnahmen beruhen, stellte die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien zur Verfügung. 
Giovanni Hoffmann gehörte offensichtlich in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts zu den besten Mandolinisten. Es wird vermutet, dass er eigentlich Johann Hoffmann hieß; ansonsten ist über seinen Lebensweg reinweg gar nichts bekannt. Auf dieser Doppel-CD erklingen vier Divertimenti für Mandoline, Violine und Basso continuo, die er geschaffen hat. 
Giovanni Francesco Giuliani (1760 bis 1818) war ein Schüler von Pietro Nardini. Er war Geiger, Harfenist, Cembalist und Gesangslehrer, und wirkte in Florenz. Das Ensemble Baschenis hat für dieses Musikprojekt sechs Quartette ausgewählt, die mit Mandoline, Violine, Violoncello und Theorbe besetzt sind. 
Zu hören sind dabei jeweils zwei lombardische Mandolas und zwei neapolitanische Mandolinen, virtuos gespielt von Marco Luca Capucci. In die Geigenparts teilen sich Ruggero Fededegni und Enrico Groppo. Alessandra Milesi spielt das Violoncello, Giorgio Ferraris die Theorbe. 
Und man muss sagen, Giulianis Quartette sind wirklich ausgesprochen reizvoll; in diesen Stücken sind Violine und Mandoline Komplizen – und ihr gemeinsames Anliegen, die Hörer gut zu unterhalten, verwirklichen sie bravourös. 

Montag, 29. August 2016

Valentini: Complete Mandolin Sonatas (Brilliant Classics)

Integration ist keine Erfindung unserer Tage. Roberto Valentini (1674 bis 1747) beispielsweise war ein Sohn des englischen Stadtmu- sikers Thomas Follentine. Robert stammte aus Leicester, und sah offensichtlich in der Heimat keine attraktiven Chancen für sich. Jedenfalls reiste er irgendwann nach Rom, wo er sich rasch als Flötist, Oboist und Komponist etablieren konnte. Nach England kehrte er nie zurück. Er heiratete eine Römerin, und passte selbst seinen Namen an. 
In erster Linie ist Valentini bekannt, weil er eine Vielzahl von Sonaten und Triosonaten für Block- und Traversflöte bzw. Oboe und Violine geschaffen hat. Überliefert ist zudem eine Kollektion von Sonaten, in denen auch die Mandoline als Solo-Instrument eingesetzt werden kann. Auf der vorliegenden CD präsentiert das Ensemble Pizzicar Galante die sechs Sonaten op. 12 von Roberto Valentini und zusätzlich drei charmant-verspielte Mandolinsonaten aus der Feder des Cellisten Pietro Giuseppe Gaetano Boni. 

Montag, 14. März 2016

Italian Sonatas (Passacaille)

Die Mandoline erlebte im 18. Jahr- hundert in Norditalien eine Blütezeit. Dabei stieg das Instrument vom Tanzboden in die „richtige“ Musik auf. Doch insbesondere in Neapel entstanden Kompositionen, in denen die Mandoline anspruchsvolle solistische Aufgaben erhielt. 
Musik aus jener Zeit präsentieren auf dieser CD Duilio Galfetti, Mandoline, und Luca Pianca, Laute und Theorbe. Es erklingen Sonaten von Francesco Piccone (um 1685 bis um 1745), Ludovico Fontanelli (um 1682 bis 1748), Carlo Arrigoni (11697 bis 1744), Giovanni Battista Gervasio (um 1725 bis um 1785) und Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Als Zwischenspiele trägt Luca Pianca auf der Laute drei elegante Solostücke vor, die einem Manuskript des Bologneser Komponi- sten Filippo Della Casa aus dem Jahre 1759 entstammen. Sie setzen zwischen all den virtuosen Musikstücken, in denen typischerweise die Mandoline dominiert, kleine noble Ruhe-Inseln. Sehr gelungen. 

Dienstag, 1. März 2016

Ensemble Triologie - Vol. 1: soundscapes (Encora)

Kristina Lisner, Mandoline, Melanie Hunger, Mandoline und Mandola, und Markus Sich, Gitarre, haben sich beim Studium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln/Wuppertal kennengelernt. Die drei Musiker sind Preisträger verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe; sie wurden 2013 mit einem Stipendium der Yehudi Menuhin Stiftung ausgezeichnet. 
Seit 2012 musizieren die Zupfinstru- mente-Spezialisten gemeinsam als Ensemble trioLogie. Auf dieser CD führen sie durch Klanglandschaften, die sehr viel Abwechslung bieten. Es erklingen „neben Kompositionen bedeu- tender Mandolinenmeister wie Silvio Ranieri oder Raffaele Calace vor allem selbst arrangierte und selten gehörte Werke der letzten Jahrhun- derte bis heute“, schreiben die Musiker im Beiheft. „Mit soundscapes erschließen wir uns eigene Wege fernab ausgetretener musikalischer Pfade.“ 
Und auf „vol.1“ folgt typischerweise „vol.2“; das erfolgreiche Trio plant also langfristig. Das ist erfreulich, denn diese Debüt-CD begeistert durch stilistische Vielfalt, viele klangliche Facetten und Farben, und exzellent musiziert wird natürlich auch. Bravi! und weiter so, die nächste CD wird schon mit Neugier erwartet.

Sonntag, 4. August 2013

Bach: Sonatas and Partitas, Vol. 1; Thile (Nonesuch Records)

Darf man die Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach auf einer Mandoline spielen? Wenn man das Instrument so beherrscht wie Chris Thile, dann allemal. Bach war da nicht kleinlich, er selbst hat diese Werke teilweise für Tasteninstrumente sowie für Laute bearbeitet. 
Da die Mandoline ohenhin gestimmt ist wie eine Geige, lag es nahe, diese Musik auch auf dem Zupfinstrument zu spielen – und das ist Thile faszinierend gut gelungen. Der junge Musiker, der sich bislang eher im Bereich der sogenannten „U-Musik“ einen Namen gemacht hat, beherrscht sein Instrument brillant. Das Ergebnis klingt eher nach Cembalo als nach Zupforchester; Bach hätte vermutlich wohlwollend dazu genickt. 

Freitag, 24. Mai 2013

Americana - Modern Mandolin Quartet (Sono Luminus)

„Americana“, nennt das Modern Mandolin Quartet schlicht seine neue CD. Doch wer unter dieser Überschrift Folk und Pop erwartet, der irrt. Wenn Paul Binkley, Matt Flinner, Dana Rath und Adam Roskiewicz tatsächlich einmal ein Traditional in ihr Programm ein- bauen, dann in einem Arrange- ment, das es in sich hat. So erklingt Shenandoah in einer Version des Jazzpianisten Keith Jarrett. Ein Medley bringt Melodien von Bill Monroe, dem Vater des Bluegrass. Und ein weiterer Folk Song wurde von Aaron Copland 1942 in einem Ballett verwendet.
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“ 
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!

Sonntag, 30. September 2012

Avi Avital - Bach (Deutsche Grammophon)

Darf man Bach auf der Mandoline spielen? Wenn man das Instrument so souverän beherrscht wie Avi Avital, dann kann das sogar sehr spannend werden. Er spielt dieses Instrument seit seinem achten Lebensjahr, berichtet der Musiker, der im israelischen Be'er Scheva aufgewachsen ist: "Ein Freund von mir nahm Unterricht auf der Mandoline, also beschloss ich, das gleiche zu machen. In der Stadt gab es ein sehr bekanntes Mando- linenorchester, in das ich eintrat. Wir spielten Arrangements von Mozart, Bach und andere Werke des klassischen Repertoires. Simcha Nathanson, ein sehr charismati- scher Lehrer, hatte es gegründet. Er war eigentlich ausgebildeter Geiger, und das erwies sich als großes Plus; die Musik war wichtiger als das Instrument. Und ich lernte, wie ich Musik durch ein Instru- ment vermitteln konnte, das nun einmal, wie es der Zufall so wollte, eine Mandoline war." 
Bach selbst hat etliche seiner Werke für eine veränderte Besetzung bearbeitet; so sind beispielsweise Konzerte, die ursprünglich wohl für Violine und Oboe geschrieben wurden, in der Version für Cembalo überliefert. "Musik für die Geige eignet sich auch für die Mandoline, da beide Instrumente die gleiche Stimmung haben", erläutert Avital im Beiheft. "Bei der Darstellung der langen Töne muss man erfinde- risch sein, damit man sie zum Singen bringt, ebenso bei den Verzie- rungen und anderen Details. Aber ich wollte noch einen Schritt weitergehen: Ich wollte Bachs Universalität herausstellen." 
So liegen die Cembalokonzerte BWV 1056 und 1052 in Rekonstruk- tionen für Violine vor. "Diese Übertragungen fühlen sich auf der Mandoline sehr stimmig an", meint Avital, "das Instrument selbst klingt aber mehr wie ein Cembalo." Deshalb hat der Musiker auch die Cembalo-Fassungen sehr sorgfältig geprüft, und daraus übernommen, was für die Mandoline passt. 
Auch das Violinkonzert in a-Moll BWV 1041 klingt auf der Mandoline durchaus gut. Und Avital beweist, dass man auf dem Instrument selbst eine Flötensonate - es erklingt die Sonate in e-Moll BWV 1034 - vortragen kann. Begleitet wird der Solist dabei durch die Kammer- akademie Potsdam, die sich erneut als versierter und experimentier- freudiger musikalischer Partner erweist. So wird der Zuhörer selbst bei bekannten Werken wie dem a-Moll-Violinkonzert Details neu entdecken, die ihm nie zuvor aufgefallen waren. "Bachs Musik ist voller Geheimnisse", bestätigt Avi Avital. "Egal, wie lange man sie schon spielt, immer gibt es etwas Neues zu entdecken. Wenn man ein anderes Instrument einsetzt, kann man die Zeitlosigkeit dieser Musik auf ganz neue Weise erleben."