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Donnerstag, 31. Januar 2019

Strauss: Die Fledermaus (Pentatone)

Die Fledermaus von Johann Strauss Jr. gehört bis heute im Bereich der Operette zu den Publikumslieblingen. Die typische Wiener Mischung aus kessen Dialogen, hintergründiger Komödie und mitreißenden Walzern füllt bis heute zuverlässig die Ränge – wenn es einem Stadttheater gelingt, Witz und Charme des musikalischen Originals auch auf die Inszenierung zu übertragen. 
Dieser Live-Mitschnitt entstand nicht in einem Opernhaus, sondern im Großen Sendesaal des NDR Landes- funkhauses Hannover. Insofern hatten die Akteure nicht die Chance, sich durch Theateratmosphäre und Publikumsreaktionen beflügeln zu lassen. Das spürt man schon ein wenig, denn die Aufnahme wirkt etwas spröde. Dazu tragen leider auch die Dialoge, die Tenor Nikolai Schukoff überarbeitet hat, mit bei. 
Dass beispielsweise Rosalinde im letzten Akt, der im Gefängnis spielt, gelegentlich ins Englische wechselt, wirkt eher überspannt als witzig. Und was der Frosch im zweiten Akt beim Prinzen Orlofsky zu suchen hat, wird mir auch nicht klar – hier war ohne Frage das Original besser. 
Wiener Flair habe ich selbst im sächsischen (!) Theater schon ganz anders erlebt. Insgesamt ist die Aufnahme solide, aber nicht überragend. Zu hören sind Nikolai Schukoff (Eisenstein), Laura Aikin (Rosalinde), Jochen Schmeckenbecher (Frank), Elisabeth Kulman (Prinz Orlofsky), Christian Elsner (Alfred), Matthias Hausmann (Dr. Falke), Alexander Kaimbacher (Dr. Blind), Annika Gerhards (Adele), Alice Waginger (Ida) und Kurt Rydl (Frosch) sowie die NDR Radiophilharmonie unter Lawrence Foster. 

Dienstag, 9. August 2016

Beethoven: Missa solemnis; Harnoncourt (Sony)

Seine letzten Konzerte mit Beethovens berühmter Missa solemnis, beim Styriarte-Festival und bei den Salz- burger Festspielen im Sommer 2015, bezeichnete Nikolaus Harnoncourt als sein musikalisches Vermächtnis. Es waren die letzten Konzerte eines bedeutenden Dirigenten; und es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass die bei den Proben und Konzerten in Graz entstandenen Mitschnitte seine letzte Veröffentlichung werden sollten. 
Mit der Missa solemnis hatte Harnoncourt 1992 sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gegeben. Mit dem Werk hatte der Musiker zunächst Probleme; bei den Wiener Philhar- monikern hatte er als Cellist immerhin sieben verschiedene Interpreta- tionen kennengelernt – und war mit keiner zufrieden. Erst in hohem Alter gelang es ihm, Beethovens Musik zu erschließen: „Was immer ich als leeres Pathos enpfunden habe, hat sich plötzlich ins Gegenteil verkehrt“, so zitiert das Beiheft Harnoncourt. 
In der Partitur fand er „seinen“ Beethoven, und indem er die Vorgaben des Komponisten so getreu wie nur möglich einzuhalten versuchte, erkannte er sein Ziel: „Das Unerhörte wiederzufinden und erlebbar zu machen“. Um den originalen Klang zu reproduzieren, spielt der Concentus Musicus Wien Streichinstrumente mit Darmsaiten, Naturtrompeten, alte Posaunen, alte Pauken und dazu auch historische Holzblasinstrumente: „Beethoven verlangt in der Missa solemnis Klarinetten in A, in B und in C – aber
C-Klarinetten spielt heute kein Orchester mehr, Heute ist alles transpo- niertes Dur und Moll, die Tonarten-Charakteristik wird einem nicht mehr bewusst“
, so Harnoncourt. Die Einspielung soll die alten Kirchentonarten und die Klangfarben, mit denen Beethoven einst bewusst gestaltete, wieder erlebbar machen. 

Auch das beteiligte Solistenquartett – Laura Aikin, Bernarda Fink, Johannes Chum und Ruben Drole – sowie der Arnold Schoenberg Chor sind vertraute Musizierpartner, was Harnoncourt in seinem Anliegen unterstützt. So bleibt am Ende dieser Einspielung wie eines langen und ertragreichen Musikerlebens ein Wort dieses Pioniers der historischen Aufführungspraxis, das ebenso für Beethovens Werk wie generell für die Musik stehen kann: „Wir werden durch Verwandlungen geführt, so dass wir selbst wohl als Verwandelte herauskommen.“