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Sonntag, 12. September 2021

Mephistopheles and other bad guys (Pentatone)

 

Wenn es darum geht, Finsterlinge auf die Opernbühne zu bringen, dann entscheiden sich Komponisten oftmals für die tiefe Stimmlage. Ob der Landsknecht Caspar in Carl Maria von Webers Freischütz, ob Stadtrat Lindorf und Dapertutto aus Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach – eine Oper, in der der Teufel durch jeden Akt geistert – oder Alberich aus Richard Wagners Rheingold – auf dieser CD präsentiert Kevin Short seine ganz persönliche Auswahl an fiesen Charakteren. 

Begleitet vom Orchestre Philharmonique de Marseille unter der Leitung von Lawrence Foster, singt der Bassbariton Arien aus gut 200 Jahren Musikgeschichte, von Mozart über Beethoven, Verdi und Meyerbeer bis hin zu Stravinsky und Getty. In den Mittelpunkt stellt Short die Figur des Mepistopheles, in all ihren diversen Opernfacetten von Gounod bis Berlioz und von Boito bis Mussorgsky. 

Kevin Short, im Charakterfach herausragend, hat eine faszinierende Stimme, wandelbar und farbenreich. Vom strahlenden, warmen Baritonglanz bis hin zum unheilvollen tiefen Grollen steht dem Amerikaner ein unglaublich breites Spektrum an stimmlichem Ausdruck zur Verfügung. Phänomenal – unbedingt anhören, lohnt sich! 


Donnerstag, 31. Januar 2019

Strauss: Die Fledermaus (Pentatone)

Die Fledermaus von Johann Strauss Jr. gehört bis heute im Bereich der Operette zu den Publikumslieblingen. Die typische Wiener Mischung aus kessen Dialogen, hintergründiger Komödie und mitreißenden Walzern füllt bis heute zuverlässig die Ränge – wenn es einem Stadttheater gelingt, Witz und Charme des musikalischen Originals auch auf die Inszenierung zu übertragen. 
Dieser Live-Mitschnitt entstand nicht in einem Opernhaus, sondern im Großen Sendesaal des NDR Landes- funkhauses Hannover. Insofern hatten die Akteure nicht die Chance, sich durch Theateratmosphäre und Publikumsreaktionen beflügeln zu lassen. Das spürt man schon ein wenig, denn die Aufnahme wirkt etwas spröde. Dazu tragen leider auch die Dialoge, die Tenor Nikolai Schukoff überarbeitet hat, mit bei. 
Dass beispielsweise Rosalinde im letzten Akt, der im Gefängnis spielt, gelegentlich ins Englische wechselt, wirkt eher überspannt als witzig. Und was der Frosch im zweiten Akt beim Prinzen Orlofsky zu suchen hat, wird mir auch nicht klar – hier war ohne Frage das Original besser. 
Wiener Flair habe ich selbst im sächsischen (!) Theater schon ganz anders erlebt. Insgesamt ist die Aufnahme solide, aber nicht überragend. Zu hören sind Nikolai Schukoff (Eisenstein), Laura Aikin (Rosalinde), Jochen Schmeckenbecher (Frank), Elisabeth Kulman (Prinz Orlofsky), Christian Elsner (Alfred), Matthias Hausmann (Dr. Falke), Alexander Kaimbacher (Dr. Blind), Annika Gerhards (Adele), Alice Waginger (Ida) und Kurt Rydl (Frosch) sowie die NDR Radiophilharmonie unter Lawrence Foster. 

Montag, 17. Oktober 2016

Fantasies Rhapsodies & Daydreams by Arabella Steinbacher (Pentatone)

Fantasien, Rhapsodien und Tag- träume hat Arabella Steinbacher auf dieser CD zusammengefasst – in einer sehr persönlichen Auswahl, die virtuose Bravourstücke mit lyrischen, ausdrucksvollen Werken kombiniert. Das Programm beginnt mit der Carmen-Fantasie von Franz Waxmann (1906 bis 1967) in der Version von Jascha Heifetz. Es folgen Sarasates Zigeunerweisen, The Lark Ascending von Ralph Vaughan Williams (1872 bis 1958), Havanaise op. 83 sowie Introduction et Rondo capriccioso op. 28 von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), die Méditation aus Thaïs von Jules Massenet (1842 bis 1912), und zum Abschluss erklingt die Tzigane von Maurice Ravel (1875 bis 1937). 
Im Beiheft berichtet die Geigerin, dass sie große Lust darauf hatte, all diese Raritäten einzuspielen, die heutzutage im Konzert nur selten zu hören sind. Üblicherweise, so Steinbacher, studieren Geiger dieses Repertoire in jungen Jahren, um ihre technischen Fertigkeiten daran zu schulen. Die großen Geiger der Vergangenheit, wie Kreisler, Menuhin oder Heifetz, spielten solche Stücke ganz selbstverständlich in ihren Konzertprogram- men, oftmals in eigenen Bearbeitungen. Derzeit gilt das als unangemessen, als unseriös; die meisten Musiker bevorzugen daher Konzerte und Sonaten. 
Das ist ziemlich schade, wie diese CD beweist. Denn geigerische Zirkus- kunststückchen, brillant und mit Geschmack vorgetragen, können durchaus vergnüglich sein. Arabella Steinbacher musiziert klangschön auf ihrer Booth-Stradivari aus dem Jahr 1716, unterstützt vom Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo unter Lawrence Foster. Ihr Ton ist hell, klar und beseelt; mitunter freilich auch ein wenig zu brav und harmlos. Zigeunerklänge und tosende Leidenschaften sind ihre Sache eher nicht, aber wenn es um lyrischen Ausdruck geht, dann ist sie in ihrem Element. Wie sie die Lerche zum Himmel hinaufschweben lässt, das ist großes Kino.