Peter Cornelius (1824 bis 1874) entstammte einer Künstlerfamilie. Seine Eltern waren Schauspieler, und zunächst sah es auch ganz danach aus, als wollte der Sohn ihrem Vorbild folgen: Schon mit 19 Jahren wurde er in Mainz zum Hofschau- spieler ernannt. Doch nach dem Tode seines Vaters studierte Cornelius, unterstützt von seinem Onkel, einem berühmten Maler, in Berlin Musik. Er stand Liszt nahe, und verbrachte etliche Jahre in Weimar, wo Corne- lius unter anderem (katholische) Kirchenmusik und als Kritiker für diverse Musikzeitschriften schrieb. 1858 gab es allerdings einen Eklat bei der Premiere seiner Oper Der Barbier von Bagdad: Liszt dirigierte – und Liszts Gegner störten die Aufführung.
Cornelius ging daraufhin nach Wien. Dort setzte er sich für die Musik Wagners ein, der ihn schließlich 1864 nach München rief, wo König Ludwig II. dem Musiker einen Ehrensold zukommen ließ. 1867 wurde Cornelius Dozent an der neugegründeten Musikhochschule, und zudem ein glücklicher Familienvater. Bei einem Besuch in Mainz 1874 starb der Komponist an Diabetes; sein Grab befindet sich auf dem Mainzer Haupt- friedhof. In Mainz, im Peter-Cornelius-Archiv der Stadtbibliothek, befindet sich auch die größte Sammlung von Werken des Künstlers.
Cornelius sah sich selbst als „Dichterkomponist“. Er schuf mehr als 700 Gedichte, er übersetzte, schrieb Libretti und publizierte in Zeitschriften. In seinem musikalischen Werk dominierte die Vokalmusik; neben Kirchen- musik schrieb er vor allem Lieder, wobei er viele seiner eigenen Texte vertonte. Und auch wenn er Liszt und Wagner persönlich nahestand, so ist sein künstlerisches Schaffen doch von einer ganz erstaunlichen Unab- hängigkeit und Originalität geprägt.
Dass Peter Cornelius, zumal als Liedkomponist, mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, zeigt nun das Label Naxos mit einer Gesamteinspielung der Lieder des Komponisten durch erstklassige Interpreten. Empfohlen sei hier, passend zur Jahreszeit, die Folge vier, unter anderem mit den Neun Geistlichen Liedern op. 2 „Vater unser“ sowie den Weihnachtsliedern op. 8. Tenor Markus Schäfer zeigt sich als ein exzellenter Liedersänger; auch Christina Landshamer begeistert mit ihrem schönen Sopran, aber man wünscht sich von der Sängerin eine bessere Textverständlichkeit. Matthias Veit beeindruckt als ausgezeichneter Klavierbegleiter; er hat allerdings bei Cornelius' Liedern auch einen dankbaren Part. Unbedingt anhören!
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Montag, 21. Dezember 2015
Dienstag, 22. Juni 2010
Otto Nicolai: Il Templario (cpo)
Schon bei den ersten Takten reibt man sich verwundert die Augen: Das soll ein Otto Nicolai sein? Musik aus der Feder des Begrün- ders der Wiener Philharmoniker?? Von dem Komponisten, der Die lustigen Weiber von Windsor schrieb???
Ouvertüre, Eingangschor und auch die folgenden Arien hätte man vielleicht einem Bellini oder Donizetti zugestanden - aber nicht einem jungen Mann, geboren 1810 in Königsberg, ausgebildet am Königlichen Institut für Kirchenmusik zu Berlin bei Carl Friedrich Zelter. Woher also dieser unverkennbar italienische Opernklang?
Die Antwort gibt die Biographie des Komponisten: Als 23jähriger erhielt er eine Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschafts- kapelle in Rom. Dass er dort nicht nur Klassiker wie Palestrina studiert hat, kann man sich vorstellen.
Denn den jungen Mann zog es ganz offensichtlich zur Bühne; die italienische Oper, von der deutschen Kritik seinerzeit nach Kräften geschmäht, faszinierte ihn. Er gab Klavierstunden, dirigierte, und komponierte fleißig - und stellte bald erfolgreich seine ersten Opern vor. 1841 wurde Nicolai Kapellmeister an der Wiener Hofoper; er etablierte zudem die Philharmonischen Konzerte und rief dafür ein eigenes Orchester ins Leben: Die Wiener Philharmoniker.
Dennoch nutzte Otto Nicolai letztendlich die Chance zur Rückkehr nach Berlin. 1847 erhielt er eine Anstellung als Dirigent des König- lichen Domchores und als Kapellmeister der Königlichen Oper. Zwei Jahre später, acht Wochen nach der Premiere der Lustigen Weiber von Windsor, starb Otto Nicolai, gerade 39 Jahre alt, an einem Schlaganfall.
Denn den jungen Mann zog es ganz offensichtlich zur Bühne; die italienische Oper, von der deutschen Kritik seinerzeit nach Kräften geschmäht, faszinierte ihn. Er gab Klavierstunden, dirigierte, und komponierte fleißig - und stellte bald erfolgreich seine ersten Opern vor. 1841 wurde Nicolai Kapellmeister an der Wiener Hofoper; er etablierte zudem die Philharmonischen Konzerte und rief dafür ein eigenes Orchester ins Leben: Die Wiener Philharmoniker.
Dennoch nutzte Otto Nicolai letztendlich die Chance zur Rückkehr nach Berlin. 1847 erhielt er eine Anstellung als Dirigent des König- lichen Domchores und als Kapellmeister der Königlichen Oper. Zwei Jahre später, acht Wochen nach der Premiere der Lustigen Weiber von Windsor, starb Otto Nicolai, gerade 39 Jahre alt, an einem Schlaganfall.
Nicolais dritte Oper, Il Templario nach Scotts Roman Ivanhoe, uraufgeführt in Turin 1840, geriet zum Triumph. Doch außerhalb der italienischen Theaterprovinz kam sie nur in Wien und in Berlin auf die Bühne. Und nach kurzer Zeit war sie wieder vergessen. Dass sie niemals wieder aufgeführt wurde, lag vor allem daran, dass ihre Partitur als verschollen galt.
Es ist das Verdienst des Chemnitzer Opernhauses, wenn sie nunmehr gleich in drei Fassungen verfügbar ist, die der Musikwissenschaftler Michael Wittmann aufgespürt und kritisch erschlossen hat. Il Templa- rio erscheint als reiner Belcanto, traumhaft schöne Musik, die von den Solisten und dem Chor der Oper Chemnitz sowie - und das nicht zuletzt - von der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann kraftvoll vorgestellt wird. Eine Entdeckung!
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