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Sonntag, 25. Januar 2015

Schumann: Symphony "Zwickauer" (cpo)

Nach der Neuinterpretation der vier Sinfonien durch die Robert-Schu- mann-Philharmonie Chemnitz folgt nun bei cpo eine weitere CD mit weniger bekannten Orchesterwerken des Komponisten. Sie beginnt mit Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52 – einem Werk, das Schumann unmittelbar nach der Uraufführung seiner Frühlings-Symphonie geschrieben hat. Der Komponist wollte dem Publikum wohl eine Sinfonie ohne langsamen Satz bescheren – originell, mit heiterem Charakter, markanten Themen und packenden Orchestersätzen. Verstanden freilich hat das seinerzeit aber niemand, und noch heute ist diese farbenreiche Musik im Konzert nur selten zu hören. 
Bekannt ist, dass sich Schumann sehr für Literatur begeisterte. Als Sohn eines Zwickauer Buchhändlers, Schriftstellers und Verlegers war er mit Büchern aufgewachsen, immer wieder inspirierten sie ihn. Anhand von drei Ouvertüren demonstriert die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Frank Beermann, wie er literarische Inhalte in Musik umsetzte. 
Nahezu unbekannt ist Schumanns erste, die sogenannte „Zwickauer“ Symphonie in g-Moll; der erste Satz wurde 1832 im Gewandhaus seiner Vaterstadt uraufgeführt. Das renommierte Chemnitzer Orchester hat sich an eine Erstaufnahme nach der Neuausgabe von Dr. Matthias Wendt gewagt. Dieser hat für die Neue Schumann-Gesamtausgabe bei Schott/Mainz alle noch vorhandenen Quellen ausgewertet, und dann eine Edition des Werkes erarbeitet, das durch den Komponisten zwar mehrfach revidiert wurde, aber letztendlich ein Fragment geblieben ist. Zu erleben ist hier der junge Schumann, der weniger mit der Sonatenhauptsatzform an sich als vielmehr mit der Instrumentierung ringt. So erweist sich dieser Erstling als ein kühnes Experiment, bei dem Schumann mitunter zu faszinierenden Lösungen findet – gelegentlich aber schlicht auch sein Handwerkszeug ausprobiert, das Risiko des Scheiterns inbegriffen. 

Dienstag, 31. Dezember 2013

Schumann: Symphonies 1 - 4; Beermann (cpo)

Schon seit geraumer Zeit liegt eine Aufnahme der vier Sinfonien von Robert Schumann auf meinem Schreibtisch. Und ich muss gestehen: Sie gehört zu meinen Favoriten, wenn es um Schumann geht. So federleicht, so charmant und so farbenreich musiziert sind die Werke des Romantikers selten zu erleben. 
Zu hören ist die Robert-Schumann-Philharmonie aus dem sächsischen Chemnitz unter ihrem Chefdiri- genten Frank Beermann. Das Orchester ist überregional erstaunlich wenig bekannt; dennoch gehört es zu den herausragenden Klangkörpern im Freistaat Sachsen. Für mich rangiert es gleich hinter der Staatskapelle Dresden und dem Leipziger Gewandhaus an dritter Stelle, geht es um die künstlerische Qualität. 
Leider hat die Stadt Chemnitz offenbar bislang nicht begriffen, welches Juwel sie da in ihren Mauern hat. Denn die Musiker sollen in Zukunft nicht nur weiterhin für ein reduziertes Salär aufspielen, sie sollen zudem Teilzeit arbeiten, damit das Orchester die Stadt noch weniger kostet. Und wenn Musiker ausscheiden, dann sollen ihre Stellen nicht neu besetzt werden. So will der neue Generalintendant einsparen, was die Kommune fordert. Wenn es gelingt, dieses Konzept durchzusetzen, dann wird auch in Chemnitz bald auf dem Niveau der Elbland-Philharmonie musiziert werden. Das mag für Städtchen wie Riesa oder Pirna passen – für die Großstadt Chemnitz freilich wäre es ein Armutszeugnis.

Donnerstag, 9. August 2012

Schreker: Der Schmied von Gent (cpo)

Diese Oper spielt in Gent; die Niederlande sind von den Spaniern besetzt, und der Schmied Smee hat gut zu tun, ihre Waffen, Harnische und Pferde in Schuss zu halten. Weil er aber eigentlich auf Seiten der Niederländer steht, nimmt er von dieser Kundschaft Wucher- preise - und singt gemeinsam mit seinen Gesellen Spottlieder auf sie. Das spricht sich herum. Und als der Schmied Slimbroek das Pferd eines Kunden manipuliert, und den Konkurrenten bei der Obrigkeit verpfeift, geht bei Smee das Schmiedefeuer aus. 
Solcherart um die Existenz gebracht, will sich der Geprellte umbrin- gen - doch da erscheinen drei Abgesandte der Hölle, und bieten ihm einen Handel an: Sieben Jahre in Reichtum und Glück für den Schmied, und dann geht die Seele zum Teufel. Smee unterschreibt. Und Franz Schreker (1878 bis 1934) erzählt in seiner Oper Der Schmied von Gent, warum er letztendlich doch in den Himmel kommt. 
Dabei folgt er einer Erzählung von Charles De Coster, die er zum Libretto umgestaltete und mit einer ausgesprochen witzigen, farben- und facettenreichen Musik ergänzte. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn was der Schriftsteller weitschweifig schilderte, das erzählt der Komponist in seinen Orchesterzwischenspielen, zwischen denen mit hohem Tempo die wesentlichen Szenen ablaufen. Schrekers Oper Der Schmied von Gent erlebte ihre Premiere am 29. Oktober 1932 in Berlin; sie wurde wie alle Werke des Komponisten von den Nationalsozialisten heftig angefeindet und verschwand rasch wieder vom Spielplan. Schreker erlag 1934 einem Herzinfarkt. So blieb ihm erspart, mitzuerleben, wie seine Musik als "entartet" gebrandmarkt wurde, und in Vergessenheit geriet. 
Die Oper Chemnitz hat das Stück nun erstmals wieder auf die Bühne gebracht - und man muss feststellen: Das hat sich gelohnt. Denn dieses Werk hat alles, was eine Oper heutzutage zu einem Erfolg machen kann - eine Handlung, die sowohl als Märchen als auch als Metapher funktioniert, eine Musik, die den Experten erfreut, aber auch das Volk nicht durch allzu schräge Klänge verschreckt, und statt langer Arien schnell aufeinander folgende Schnitte, wie sie das Publi- kum aus dem Fernsehen gewohnt ist. 
Ein exzellentes Solistenensemble um Oliver Zwarg als Smee und Undine Dreißig als seine Frau sowie André Riemer als Schmiedegesell Flipke und Edward Randall als Slimbroek ist hier zu hören, nebst Chor und Kinderchor. Und die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter Frank Beermann beweist einmal mehr, dass sie den großen Namen zu Recht trägt. Kurz und gut: Diese Aufnahme ist wirklich eine Entdeckung.

Dienstag, 22. Juni 2010

Otto Nicolai: Il Templario (cpo)

Schon bei den ersten Takten reibt man sich verwundert die Augen: Das soll ein Otto Nicolai sein? Musik aus der Feder des Begrün- ders der Wiener Philharmoniker?? Von dem Komponisten, der Die lustigen Weiber von Windsor schrieb??? 
Ouvertüre, Eingangschor und auch die folgenden Arien hätte man vielleicht einem Bellini oder Donizetti zugestanden - aber nicht einem jungen Mann, geboren 1810 in Königsberg, ausgebildet am Königlichen Institut für Kirchenmusik zu Berlin bei Carl Friedrich Zelter. Woher also dieser unverkennbar italienische Opernklang?
Die Antwort gibt die Biographie des Komponisten: Als 23jähriger erhielt er eine Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschafts- kapelle in Rom. Dass er dort nicht nur Klassiker wie Palestrina studiert hat, kann man sich vorstellen.
Denn den jungen Mann zog es ganz offensichtlich zur Bühne; die italienische Oper, von der deutschen Kritik seinerzeit nach Kräften geschmäht, faszinierte ihn. Er gab Klavierstunden, dirigierte, und  komponierte fleißig - und stellte bald erfolgreich seine ersten Opern vor. 1841 wurde Nicolai Kapellmeister an der Wiener Hofoper; er etablierte zudem die Philharmonischen Konzerte und rief dafür ein eigenes Orchester ins Leben: Die Wiener Philharmoniker.
Dennoch nutzte Otto Nicolai letztendlich die Chance zur Rückkehr nach Berlin. 1847 erhielt er eine Anstellung als Dirigent des König- lichen Domchores und als Kapellmeister der Königlichen Oper. Zwei Jahre später, acht Wochen nach der Premiere der Lustigen Weiber von Windsor, starb Otto Nicolai, gerade 39 Jahre alt, an einem Schlaganfall. 
Nicolais dritte Oper, Il Templario nach Scotts Roman Ivanhoe, uraufgeführt in Turin 1840, geriet zum Triumph. Doch außerhalb der italienischen Theaterprovinz kam sie nur in Wien und in Berlin auf die Bühne. Und nach kurzer Zeit war sie wieder vergessen. Dass sie niemals wieder aufgeführt wurde, lag vor allem daran, dass ihre Partitur als verschollen galt. 
Es ist das Verdienst des Chemnitzer Opernhauses, wenn sie nunmehr gleich in drei Fassungen verfügbar ist, die der Musikwissenschaftler Michael Wittmann aufgespürt und kritisch erschlossen hat. Il Templa- rio erscheint als reiner Belcanto, traumhaft schöne Musik, die von den Solisten und dem Chor der Oper Chemnitz sowie - und das nicht zuletzt - von der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann kraftvoll vorgestellt wird. Eine Entdeckung!

Sonntag, 11. April 2010

Michael Haydn: Symphonies 14, 17, 19, 24, 29, 33, 40 & 41 (cpo)

Johann Michael Haydn, der jüngere Bruder von Franz Joseph Haydn, wirkte mehr als 40 Jahre lang am Hofe des Fürstbischofs zu Salzburg  - zunächst, unter Vize- kapellmeister Leopold Mozart, als "HofMusicus und Concert-Meister"; 1782, nach dem Eklat um Wolfgang Amadeus Mozart, wurde er dessen Nachfolger als Hof- und Domorga- nist. 
Haydn prägte das Musikleben in Salzburg über einen langen Zeitraum. Bekannt wurde er vor allem durch seine eindrucksvolle Kirchenmusik, die bis heute ihren Platz im Repertoire hat; er schrieb jedoch auch zahlreiche Vokal- werke zur Aufführung in geselliger Runde, und  gilt er als der Schöpfer des Männerquartetts. Michael Haydn war zudem ein exzellenter Musikpädagoge; zu seinen Schülern gehören beispielsweise Antonio Diabelli und Carl Maria von Weber.
Seine Sinfonien und Märsche sind gefällig, aber nicht außergewöhn- lich; sie sind abwechslungsreich und sorgsam instrumentiert. Die Deutsche Kammerakademie Neuss, geleitet von Frank Beermann bzw. Johannes Goritzki spielt seine Werke liebevoll und mit Esprit.