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Montag, 25. November 2019

Thomas Tallis - Gentleman of the Chapel Royal (Resonus)

Die Gentlemen of HM Chapel Royal sind eine musikalische Institution mit einer ganz erstaunlichen Tradition: Seit mehr als 500 Jahren singen sie in den Gottesdiensten der königlichen Kapelle im Hampton Court Palace, und zwar gewöhnlich zu sechst. Bei Bedarf kann diese Besetzung aber erweitert werden – insgesamt wirken in dem Ensemble bis zu 14 Sänger mit, und zusätzlich stehen bis zu 18 Kapellknaben zur Verfügung, die in einer nahe gelegenen Schule unterrichtet werden. Geleitet wird das Ensemble derzeit von Carl Jackson. Auf dieser CD singen die Gentlemen of the Chapel Royal Werke von Thomas Tallis (um 1505 bis 1585). Er gehörte einst selbst dem Ensemble an, und seine Musik ist von berückender Schönheit. So stimmt seine Missa Puer natus est nobis perfekt auf die bevorstehende Weihnachtszeit ein. Himmlisch!

Samstag, 4. Mai 2013

Virtuoso Violin Works (Genuin)

Elina Rubio Pentcheva, die Solistin dieser CD, Jahrgang 1996, erhielt schon als Kleinkind ersten Violin- unterricht bei ihrer Mutter Tania Pentcheva Boneva. Später war Roberto Valdés ihr Lehrer. 
Bereits mit neun Jahren gewann sie den Violinwettbewerb San Andreu de la Barca in Barcelona. Viele weitere Siege und Platzierungen folgten. Seit 2010 studiert Elina Rubio als jüngste Studentin Sachsens an der Musikhochschule in Dresden bei Professor Igor Mali- nowsky. Mittlerweile hat sie zudem in vielen Konzerten Erfahrung erworben.
Für ihre Debüt-CD bei Genuin hat die junge Musikerin Virtuosen- literatur ausgewählt und gemeinsam mit dem Pianisten Graham Jackson eingespielt. Die Aufnahmen erweisen sich als eine Galerie der Höchstschwierigkeiten, von Paganini bis Sarasate, von Pancho Vladi- guerov bis zu Nikolai Rimski-Korsakow und von Fritz Kreisler über Eugène Ysaye bis zu Heinrich Wilhelm Ernst. Allerdings vermisst der Hörer über all den technischen Finessen eine Prise Raffinesse, Aus- druck und Charakter. Fingerfertigkeit allein bereitet wenig Hörver- gnügen. 

Montag, 25. Februar 2013

Calmus Ensemble - touched (Carus)

Das Leipziger Ensemble Calmus hat sich für seine jüngste CD ein ganz besonderes Programm ausgesucht: "Madrigale und Popsongs, klassi- sche Kompositions- und Song- writerkunst: Kann man das ver- binden?", fragen die Sänger im Beiheft - und geben auch gleich selbst die Anwort: "Man kann! Denn thematisch hat sich rein gar nichts geändert: Liebe, Sehnsucht, Schmerz, aber auch Freude, Leichtigkeit und Überschwang. Das, was unser Herz bewegt, was uns berührt, fand seit jeher in Musik seinen überzeugenden Ausdruck." 
So steht hier Michael Jackson neben Adriano Banchieri, Sting neben Henry Purcell, und auf das Lasciatemi morire von Claudio Monte- verdi antwortet Monty Python mit einem Song von Eric Idle Always look on the bright side of life. So sind die Werke auf dieser CD zugleich eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte. Oft dominiert der wandlungsfähige Sopran von Anja Pöche; am stärksten singt das Ensemble meines Erachtens aber dort, wo die Arrangements komplex und alle Sänger gleichermaßen gefordert sind. 

Dienstag, 22. Juni 2010

Otto Nicolai: Il Templario (cpo)

Schon bei den ersten Takten reibt man sich verwundert die Augen: Das soll ein Otto Nicolai sein? Musik aus der Feder des Begrün- ders der Wiener Philharmoniker?? Von dem Komponisten, der Die lustigen Weiber von Windsor schrieb??? 
Ouvertüre, Eingangschor und auch die folgenden Arien hätte man vielleicht einem Bellini oder Donizetti zugestanden - aber nicht einem jungen Mann, geboren 1810 in Königsberg, ausgebildet am Königlichen Institut für Kirchenmusik zu Berlin bei Carl Friedrich Zelter. Woher also dieser unverkennbar italienische Opernklang?
Die Antwort gibt die Biographie des Komponisten: Als 23jähriger erhielt er eine Organistenstelle an der Preußischen Gesandtschafts- kapelle in Rom. Dass er dort nicht nur Klassiker wie Palestrina studiert hat, kann man sich vorstellen.
Denn den jungen Mann zog es ganz offensichtlich zur Bühne; die italienische Oper, von der deutschen Kritik seinerzeit nach Kräften geschmäht, faszinierte ihn. Er gab Klavierstunden, dirigierte, und  komponierte fleißig - und stellte bald erfolgreich seine ersten Opern vor. 1841 wurde Nicolai Kapellmeister an der Wiener Hofoper; er etablierte zudem die Philharmonischen Konzerte und rief dafür ein eigenes Orchester ins Leben: Die Wiener Philharmoniker.
Dennoch nutzte Otto Nicolai letztendlich die Chance zur Rückkehr nach Berlin. 1847 erhielt er eine Anstellung als Dirigent des König- lichen Domchores und als Kapellmeister der Königlichen Oper. Zwei Jahre später, acht Wochen nach der Premiere der Lustigen Weiber von Windsor, starb Otto Nicolai, gerade 39 Jahre alt, an einem Schlaganfall. 
Nicolais dritte Oper, Il Templario nach Scotts Roman Ivanhoe, uraufgeführt in Turin 1840, geriet zum Triumph. Doch außerhalb der italienischen Theaterprovinz kam sie nur in Wien und in Berlin auf die Bühne. Und nach kurzer Zeit war sie wieder vergessen. Dass sie niemals wieder aufgeführt wurde, lag vor allem daran, dass ihre Partitur als verschollen galt. 
Es ist das Verdienst des Chemnitzer Opernhauses, wenn sie nunmehr gleich in drei Fassungen verfügbar ist, die der Musikwissenschaftler Michael Wittmann aufgespürt und kritisch erschlossen hat. Il Templa- rio erscheint als reiner Belcanto, traumhaft schöne Musik, die von den Solisten und dem Chor der Oper Chemnitz sowie - und das nicht zuletzt - von der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann kraftvoll vorgestellt wird. Eine Entdeckung!