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Samstag, 11. Januar 2014

Walter Braunfels - Große Messe (Decca)

Walter Braunfels (1882 bis 1954) gehört zu einer verlorenen Gene- ration deutscher Komponisten. Sie waren zur Zeit der Weimarer Repu- blik sehr erfolgreich – Braunfels beispielsweise gehörte seinerzeit neben Franz Schreker und Richard Strauss zu den meistgespielten deutschen Opernkomponisten. Doch im sogenannten „Dritten Reich“ verschwanden die Werke jener Musiker von den Spielplänen und aus den Konzertsälen, weil sie zu Entarteter Kunst erklärt wurden, oder weil der Stammbaum des Urhebers nicht arisch genug war. 
Braunfels war „Halbjude“, was ausreichte, um den Gründungsrektor der Kölner Musikhochschule 1933 all seiner Ämter zu entheben. Seine Kompositionen durften nicht mehr aufgeführt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Braunfels, wie viele andere verfemte Musiker aus jener Zeit, nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Und so gerieten seine Werke in Vergessenheit. Erst in den 90er Jahren wurden einige davon hier und da wieder aufgeführt. 
Auch der renommierte Dirigent Manfred Honeck setzte sich in seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart für das Erbe von Walter Braunfels ein. So erklang am 18. April 2010 im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart erstmals wieder dessen Große Messe op. 37. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches, groß besetztes Werk, das das Ringen des Komponisten mit dem Glauben spiegelt. 
Braunfels entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie aus Frankfurt/Main. Sein Vater war allerdings zum protestantischen Glauben konvertiert. Es wird berichtet, dass dem Sohn Religion zunächst wenig bedeutete – bis er sich unter dem Eindruck seines Fronteinsatzes im Ersten Weltkrieg zum Katholizismus bekannte. 1922 wurde er für sein Te Deum gefeiert. Fünf Jahre später wurde die Große Messe unter Hermann Abendroth im Kölner Gürzenich uraufgeführt. Im Mittelpunkt dieser Messkomposition steht das Credo. Es ist mit Abstand der längste Abschnitt des Werkes. Hier erklingen auch zum ersten Male die Knabenstimmen, die Braunfels mit der Person Jesu verbindet. 
Die Große Messe ist ein farbenreiches, mitunter auch wuchtiges Werk; wer Mahler und Bruckner schätzt, der wird hier viel Vertrautes entdecken. Ein Mitschnitt dieses Konzertes ist nun bei Decca erschienen. Zu hören sind das Solistenquartett Simone Schneider, Gerhild Romberger, Matthias Klink und Attila Jun, Staatsorchester und Staatsopernchor sowie der Knabenchor Collegium iuvenum Stuttgart. 

Samstag, 17. August 2013

Bach Metamorphosis (Hänssler)

Die Romantiker haben die Werke von Johann Sebastian Bach dem Publikum wieder zugänglich gemacht – doch sie taten dies auf ihre Weise: Sie haben Bachs Musik verwandelt, bearbeitet, ihren Hörgewohnheiten und ihrer Kunstauffassung angepasst. Damit haben sie eine Tradition begrün- det, die Musiker bis zum heutigen Tage fortführen. 
Eine spannende Auswahl solcher Bach-Bearbeitungen hat die Pianistin Angelika Nebel für Hänssler Classic eingespielt. Sie hat die Werke in die Ordnung des Kirchenjahres gestellt, und beginnt mit Walter Braunfels' Version von Präludium und Fuge A-Dur BWV 536. Dieses Werk zeigt gerade exemplarisch, wie sich Bachs Orgelmusik auf den modernen Konzert- flügel transferieren lässt – und zwar so, dass wirklich Klaviermusik daraus wird. Sehr gelungen erscheint auch die Klavierversion der Sinfonia aus der zweiten Kantate des Weihnachtsoratoriums, die der Kanadier Clarence Lucas geschaffen hat. 
Bei der Klavierbearbeitung des Sicilianos aus der Flötensonate BWV 1031 begeistert nicht nur die gelungene Transkription durch Isidore Philipp. Hier zeigt sich einmal mehr die Gabe der Pianistin, den klaren Blick für die Strukturen mit Innigkeit und Wärme in der Gestaltung zu verbinden. Das bekommt auch den Choralbearbeitungen, die auf dieser CD in großer Zahl zu hören sind, ausgezeichnet. Der Höhepunkt aber kommt ganz zum Schluss, wenn Nebel eine Klaviertranskription des sechsstimmigen Ricercars aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079 vorträgt, die Wagner Stefani D'Aragona Malheiro Prado geschrieben hat. Es war das erklärte Ziel des Komponisten, in seiner Bach-Bearbeitung orchestrale Klangfarben einzufangen, wie er sie in einer Aufführung durch das Stuttgarter Kammerorchester unter Karl Münchinger erlebt hatte. Diese Version ist Angelika Nebel gewidmet – und sie wird von ihr wunderbar sensibel gespielt.