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Freitag, 20. September 2013

The Virtuoso Recorder II (cpo)

Vor zwei Jahren hat Michael Schneider bei cpo bereits eine Sammlung mit virtuosen Block- flötenkonzerten des deutschen Barock vorgestellt. Nun wendet er sich Konzerten aus Italien zu – genauer gesagt aus Neapel, wo das Instrument in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts offenbar brillant gespielt wurde.
Schneider ist in Archiven und Sammlungen auf die Suche gegangen, und er konnte dort tatsächliche einige Werke aufspüren, die wirkliche Raritäten sind – beispielsweise Konzerte von Nicola Fiorenza (um 1700 bis 1764) und Francesco Mancini (1679 bis 1739), eine sehr hübsche Sonate von Giovanni Antonio Piani (1678 bis 1757), ein Concerto von Leonardo Vinci (um 1690 bis 1730), eine Cantata für Altblockflöte von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) und ein Concertino des  Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini (1692 bis 1770). Einige dieser Stücke erklingen auf dieser CD in Welterst- einspielung.
Und natürlich ließ es sich Schneider nicht nehmen, auch das F-Dur-Konzert von Giuseppe Sammartini (1693 bis 1750) vorzutragen – ein richtiges, „großes“ Konzert für die Sopranblockflöte; hier kann man hören, was man mit diesem Instrument wirklich anfangen kann, wenn man es kann. Die CD enthält zudem noch ein schönes Concerto für „Flauto piccolo, 2 Violini e Violoncello“, dessen Manuskript sich in der Rostocker Universitätsbibliothek befindet, und einem „Sig. Hendl“ zugeschrieben wird. Die Händel-Forscher legen da allerdings ihr Veto ein. Wer dieses gelungene Werk tatsächlich geschrieben hat, das wird sich wohl nicht mehr sicher feststellen lassen. Schneider jedenfalls verortet es in Neapel, und musiziert gemeinsam mit der Cappella Academica Frankfurt/Main mit Leidenschaft und mit Esprit. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Michael Schneider zu den derzeit besten Blockflötenvirtuosen der Welt gehört – hier ist er!

Mittwoch, 15. Mai 2013

The Virtuoso Recorder (cpo)

"Was haben die Komponisten des deutschen Spätbarock Johann Friedrich Fasch, Christoph Graup- ner, Johann Christian Schickhardt, Johann Christian Schultze und Johann Adolf Scheibe gemein- sam?", fragt Michael Schneider im Beiheft zu dieser CD - und gibt auch gleich selbst die Antwort: "Sie haben allesamt mindestens ein Concerto für Altblockflöte hinter- lassen!" 
Das ist keineswegs selbstverständ- lich, denn zu ihren Lebzeiten war die Blockflöte bereits gründlich aus der Mode, verdrängt von der Traversflöte, so dass sie über 200 Jahre lang gänzlich aus dem Konzertleben verschwand. Doch warum und für wen diese Werke damals komponiert wurden, das lässt sich nur in Ausnahmefällen heute noch herausfinden. 
Ein solcher Ausnahmefall ist das Concerto von Johann Friedrich Fasch, das erst kürzlich wiederentdeckt worden ist und hier in Welt- ersteinspielung erklingt. Es stammt aus der Sammlung des Grafen Aloys Thomas Raimund Harrach, die sich heute zum Teil in der Public Library New York befindet. Harrach war nicht nur Gesandter des Kaisers Karl VI. in Dresden und zeitweise auch Vizekönig von Neapel, er scheint auch eine Vorliebe für die "altmodische" Blockflöte gepflegt zu haben. Denn er ließ beispielsweise in Neapel Werke für dieses Instrument von den größten Komponisten schreiben, die die Region seinerzeit zu bieten hatte, wie Johann Adolf Hasse, Leonardo Leo oder Nicola Fiorenza. Es wird vermutet, dass er Fasch persönlich begegnet ist, und das Konzert bei dem Komponisten in Auftrag gegeben hat. 
Sollte er dieses Werk selbst gespielt haben, dann muss er das Instrument brillant beherrscht haben. Denn das Fasch-Konzert ist eine Herausforderung selbst für Blockflötenvirtuosen. Michael Schneider zeigt, dass die Altblockflöte ein ernstzunehmendes Kon- zertinstrument ist, mit enormen und erstaunlichen Ausdrucksmög- lichkeiten. Er gehört ohne Zweifel zu den derzeit weltweit führenden Blockflötisten. Den Solopart der barocken Konzerte, zu denen auch noch eines von Mattheus Nikolaus Stulick gehört, meistert er locker, beweglich und lebendig. Er lässt die Flöte singen, wo sie singen soll - und jagt durch die virtuosen Passagen, dass dem Zuhörer schier die Luft wegbleibt. 
Begleitet wird der Virtuose von seinem Ensemble Cappella Academi- ca Frankfurt. Die Musiker überzeugen mit ihrem sensiblen, inspirier- ten kammermusikalischen Spiel und einem transparenten Klangbild - ein perfekter Rahmen, der die Blockflöte umso besser in Szene setzt. Bravi!

Freitag, 24. Juni 2011

Graun: Concerti (cpo)

Die Cappella Academica Frankfurt ist ein Ensemble, das aus der Hoch- schule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main, insbeson- dere aus dem Institut für Histori- sche Interpretationspraxis, hervorgegangen ist. Dort lehren Musiker, die durchweg lange Jahre in führenden europäischen Barock- orchestern gewirkt haben. Sie bringen ihre Erfahrungen in das Zusammenspiel mit ihren fortge- schrittenen Studenten ein, die in der Cappella Academica Frankfurt gemeinsam mit ihren Professoren und mit Alumni der Hochschule musizieren.
Für diese CD haben die Musikerinnen und Musiker um Konzertmeiste- rin und Solo-Bratschistin Petra Müllejans, Swantje Hoffmann, Solo-Violine, Michael Schneider, Blockflöte, Karl Kaiser, Traversflöte und Christian Beuse, Fagott, ein Programm mit Werken der Brüder Graun zusammengestellt. Natürlich haben sie versucht, die Urheberfrage zu klären. Doch das ist nicht so einfach, erläutert Michael Schneider in dem sehr informativen Beiheft. Denn erstens werden ihnen oftmals Werke zugeschrieben, die von ganz anderen Komponisten stammen. Und, zweitens, bleibt selbst bei Prüfung der Quellen oft unklar, ob ein Werk nun von Johann Gottlieb Graun oder von Carl Heinrich Graun stammt. Denn dort steht Del Signor Graun oder di Graun – und nicht einmal mit den Mitteln der Stilanalyse lässt sich genaueres heraus- finden.
Allerdings passt das Fagottkonzert auf dieser CD stilistisch überhaupt nicht zu den anderen Werken. Und in der Tat – die Handschrift ver- weist eher auf Christoph Graupner, und auch die Musik klingt nach dem Darmstädter Hofkapellmeister, der eine ganze Reihe von Fagott- konzerten geschaffen hat. Das Beiheft teilt mit, man habe dieses Kon- zert dennoch mit aufgenommen, weil es „die instrumentale Farbigkeit und das stilistische Spektrum unseres Programms noch in den Barock hinein erweitert“. Die Werke der Gebrüder Graun hingegen sind wohl eher der Empfindsamkeit zuzuordnen, und insbesondere die beiden Flötenkonzerte sind in der Tat von geradezu Telemann- scher Pfiffigkeit. All das macht diese CD zu einem Hörvergnügen. Wer neugierig ist auf die eine oder andere Entdeckung, der sollte sie durchaus anhören.