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Montag, 17. Oktober 2016
C P E Bach: Württemberg Sonatas (Hyperion)
Mit dieser CD gab der junge iranisch-amerikanische Cembalist Mahan Esfahani im Jahre 2014 sein Debüt. Die sechs Cembalosonaten Wq 49 von Carl Philipp Emanuel Bach, auch die Württembergischen genannt, 1744 veröffentlicht, sind anspruchs- volle Werke, in denen sich der Komponist selbstbewusst und experimentierfreudig präsentierte. Esfahani lässt sich von Stereotypen nicht blenden; er kennt die Musik- geschichte, und schaut lieber in die Noten. So gelingt ihm eine beeindruckende Interpretation mit Tiefgang, die den außerordentlichen Rang dieser exquisiten Musik hörbar macht.
Sonntag, 7. September 2014
Johann Christian Bach: Six Sonatas op. 17 (Brilliant Classics)
Vier Söhne Johann Sebastian Bachs sind selbst Musiker geworden und haben eigene Werke hinterlassen. Aus aktuellem Anlass rückt derzeit das Schaffen von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) ein wenig in den Fokus der Aufmerk- samkeit. Doch nicht nur der „Ham- burger“ Bach gehörte zu den Vätern der Wiener Klassik. Sein Halbbruder Johann Christian Bach (1735 bis 1782), der „Londonder“ Bach, beein- druckte einst den jungen Mozart nachhaltig – und schrieb damit quasi indirekt Musikgeschichte.
Über den Lebensweg des Komponisten, der auch ein gefragter Musikpäda- goge war und die Königsfamilie unterrichtete, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach wandte sich dem Hammerklavier zu, und war einer der ersten Virtuosen auf dem damals noch ziemlich neuen Instrument. Seine Sechs Sonaten op. 5 aus dem Jahr 1766 gelten als eines der ersten Werke, die explizit dafür geschrieben worden sind. Fortepiano-Spezialist Bart van Oort hat diese frühe Klaviermusik für Brilliant Classics eingespielt. Dabei verwendete er ein Instrument, das Chris Maene nach einem Vorbild aus der Werkstatt des renommierten Wiener Klavierbauers Anton Walter, um 1795, angefertigt hat. In England waren zu Lebzeiten Johann Christian Bachs allerdings eher Tafelklaviere gebräuchlich. Namhafte Londoner Klavierbauer dieser Zeit waren Johannes Zumpe, Burkhart Tschudi und John Broadwood.
Der genutzte Hammerflügel soll aber, so van Oort, den damaligen Instru- menten klanglich sehr nahe kommen. Mitunter tönt er beinahe wie ein Cembalo, manchmal erinnert der Klang auch an eine Harfe – es war noch ein weiter Weg von diesen frühen Hammerklavieren bis hin zum moder- nen Konzertflügel. Van Oort musiziert gekonnt, und entlockt dem „histo- rischen“ Instrument die erstaunlichsten Klangfarben und Schattierungen.
Beim Anhören dieser Einspielung wird man feststellen, dass der „Londo- ner“ Bach den jungen Mozart enorm beeinflusst hat. Denn stilistisch stehen sich die Werke der beiden unverkennbar nahe. Das gilt vielleicht noch stärker für die Sechs Sonaten op. 17, die auf einer weiteren CD vorliegen. Bachs Musik ist sehr elegant; die Sonaten sind zudem sehr abwechslungsreich angelegt, sowohl was die verwendeten Formen sowie den Ausdruck betrifft. Diese Werke sind wirklich sehr hörenswert und nicht nur aufgrund ihrer Bedeutung für die Musikgeschichte interessant.
Über den Lebensweg des Komponisten, der auch ein gefragter Musikpäda- goge war und die Königsfamilie unterrichtete, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach wandte sich dem Hammerklavier zu, und war einer der ersten Virtuosen auf dem damals noch ziemlich neuen Instrument. Seine Sechs Sonaten op. 5 aus dem Jahr 1766 gelten als eines der ersten Werke, die explizit dafür geschrieben worden sind. Fortepiano-Spezialist Bart van Oort hat diese frühe Klaviermusik für Brilliant Classics eingespielt. Dabei verwendete er ein Instrument, das Chris Maene nach einem Vorbild aus der Werkstatt des renommierten Wiener Klavierbauers Anton Walter, um 1795, angefertigt hat. In England waren zu Lebzeiten Johann Christian Bachs allerdings eher Tafelklaviere gebräuchlich. Namhafte Londoner Klavierbauer dieser Zeit waren Johannes Zumpe, Burkhart Tschudi und John Broadwood.
Der genutzte Hammerflügel soll aber, so van Oort, den damaligen Instru- menten klanglich sehr nahe kommen. Mitunter tönt er beinahe wie ein Cembalo, manchmal erinnert der Klang auch an eine Harfe – es war noch ein weiter Weg von diesen frühen Hammerklavieren bis hin zum moder- nen Konzertflügel. Van Oort musiziert gekonnt, und entlockt dem „histo- rischen“ Instrument die erstaunlichsten Klangfarben und Schattierungen.
Beim Anhören dieser Einspielung wird man feststellen, dass der „Londo- ner“ Bach den jungen Mozart enorm beeinflusst hat. Denn stilistisch stehen sich die Werke der beiden unverkennbar nahe. Das gilt vielleicht noch stärker für die Sechs Sonaten op. 17, die auf einer weiteren CD vorliegen. Bachs Musik ist sehr elegant; die Sonaten sind zudem sehr abwechslungsreich angelegt, sowohl was die verwendeten Formen sowie den Ausdruck betrifft. Diese Werke sind wirklich sehr hörenswert und nicht nur aufgrund ihrer Bedeutung für die Musikgeschichte interessant.
Montag, 5. August 2013
Wilhelm Friedemann Bach: Keyboard Works 4 (Naxos)
Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784) war der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er kam in Weimar zur Welt, und wurde durch seinen Vater mit Sorgfalt in der Musik unterwiesen. Zeugnis davon gibt unter anderem das berühmte Clavierbüchlein vor Wilhelm Friedemann Bach, das auch kon- trapunktische Arbeiten enthält, die der Zehnjährige gemeinsam mit seinem Vater entwickelt hat.
Wilhelm Friedemann Bach hat in Leipzig studiert, und trat 1733 seine erste Stelle als Organist der Sophienkirche in Dresden an. 1746 wechselte er an die Liebfrauenkirche nach Halle/Saale. Er galt als der beste Organist weithin, und auch wenn er seine besten Werke wohl niemals aufgezeichnet hat, lässt diese CD erahnen, welches Format dieser Musiker gehabt haben muss.
Julia Brown setzt hier mit den Sonaten in C-, F- und D-Dur sowie der Sonate für zwei Cembali ihre Gesamteinspielung der Musik fort, die der Komponist für Tasteninstrumente geschrieben hat. Das ist ein anspruchsvolles Projekt, denn zum einen wurden nur zwei seiner Sonaten gedruckt, die anderen sind lediglich in Abschriften über- liefert. Zum anderen steckt seine Musik voll Überraschungen – und ist niemals langweilig, was aber auch gewisse Herausforderungen für die Interpreten mit sich bringt.
Julia Brown, in der Sonate für zwei Cembali gemeinsam mit Barbara Baird, gelingt es bestens, diese Werke, die alles andere sind als „ga- lant“ und gefällig, vorzustellen. Man erahnt, warum Musikhistoriker die Claviersonaten Wilhelm Friedemann Bachs als die bedeutendsten derartigen Werke vor Beethoven ansehen. Denn sie vereinen das „alte“ Handwerk, die virtuose Beherrschung von Polyphonie und Kontrapunkt, was hier mitunter geradezu spielerisch demonstriert wird, und teilweise moderne Formen. Ein Hörvergnügen ist dies allemal – und in dieser Einspielung sehr zu empfehlen.
Wilhelm Friedemann Bach hat in Leipzig studiert, und trat 1733 seine erste Stelle als Organist der Sophienkirche in Dresden an. 1746 wechselte er an die Liebfrauenkirche nach Halle/Saale. Er galt als der beste Organist weithin, und auch wenn er seine besten Werke wohl niemals aufgezeichnet hat, lässt diese CD erahnen, welches Format dieser Musiker gehabt haben muss.
Julia Brown setzt hier mit den Sonaten in C-, F- und D-Dur sowie der Sonate für zwei Cembali ihre Gesamteinspielung der Musik fort, die der Komponist für Tasteninstrumente geschrieben hat. Das ist ein anspruchsvolles Projekt, denn zum einen wurden nur zwei seiner Sonaten gedruckt, die anderen sind lediglich in Abschriften über- liefert. Zum anderen steckt seine Musik voll Überraschungen – und ist niemals langweilig, was aber auch gewisse Herausforderungen für die Interpreten mit sich bringt.
Julia Brown, in der Sonate für zwei Cembali gemeinsam mit Barbara Baird, gelingt es bestens, diese Werke, die alles andere sind als „ga- lant“ und gefällig, vorzustellen. Man erahnt, warum Musikhistoriker die Claviersonaten Wilhelm Friedemann Bachs als die bedeutendsten derartigen Werke vor Beethoven ansehen. Denn sie vereinen das „alte“ Handwerk, die virtuose Beherrschung von Polyphonie und Kontrapunkt, was hier mitunter geradezu spielerisch demonstriert wird, und teilweise moderne Formen. Ein Hörvergnügen ist dies allemal – und in dieser Einspielung sehr zu empfehlen.
Montag, 18. Juni 2012
Galuppi: 25 Harpsichord Sonatas (Newton)
"Vaghezza, chiarezza e buona mo- dulazione", antwortete Baldassare Galuppi (1706 bis 1785) einst auf die Frage nach dem Wesen guter Musik. Der Sohn eines Barbiers aus Burano bei Venedig komponierte mit 16 Jahren seine erste Oper; sie fiel beim Publikum durch. Bene- detto Marcello soll dem jungen Mann geraten haben, Unterricht im Kontrapunkt zu nehmen, und die Oper besser sein zu lassen. Galuppi studierte daraufhin in der Tat Kontrapunkt bei Antonio Lotti, dem Ersten Organisten von St. Markus.
Doch er schrieb auch weiter Opern; zunächst freilich war er damit befasst, die Werke anderer Komponisten für die Aufführung an den Theatern Venedigs einzurichten, wozu auch das Komponieren von Einlagearien gehörte, und das Cembalo zu spielen. Nachdem ihm erster Erfolg mit eigenen Kompositionen beschieden war, wurde er 1740 zum maestro di coro am Ospedale dei Mendicandi ernannt.
Durch die Bearbeitung fremder Werke wurde Galuppi nicht nur mit den Konventionen der Opera seria bestens vertraut, er lernte darüber hinaus auch Werke der Opera buffa kennen, die beispielsweise in Neapel sehr beliebt war. 1749 begann seine Zusammenarbeit mit dem Dichter Carlo Goldoni; innerhalb von acht Jahren entstanden so
15 komische Opern, die sowohl den Librettisten als auch den Musi- ker berühmt machten.
Weniger bekannt ist, dass der Komponist auch geistliche Werke und Instrumentalmusik geschaffen hat. Newton legt nun auf vier CD
25 Cembalosonaten Galuppis vor, eingespielt von Ilario Gregoletto in den Jahren 1190, 1996, 1998 und 2000. Er verwendete dabei ein zweimanualiges Cembalo, wie es von dem französischen Klavierbauer Pierre Donzelague 1711 angefertigt worden ist, in einem Nachbau aus der Werkstatt von Malcolm Rose in Mayfield/Sussex, Großbritannien. Vergleicht man Galuppis Werke mit denen Vivaldis oder Scarlattis, so fällt einerseits ihre schon fast klassische Klarheit auf; der Komponist interessierte sich aber wesentlich mehr für das Spiel mit Klangfarben und melodischen Einfällen als für die disziplinierte Arbeit an der Sonatenhauptsatzform. Das macht seine Sonaten zu regelrechten Miniatur-Opern - und wer genau hinhört, der wird mitunter sogar Charaktere erkennen.
Doch er schrieb auch weiter Opern; zunächst freilich war er damit befasst, die Werke anderer Komponisten für die Aufführung an den Theatern Venedigs einzurichten, wozu auch das Komponieren von Einlagearien gehörte, und das Cembalo zu spielen. Nachdem ihm erster Erfolg mit eigenen Kompositionen beschieden war, wurde er 1740 zum maestro di coro am Ospedale dei Mendicandi ernannt.
Durch die Bearbeitung fremder Werke wurde Galuppi nicht nur mit den Konventionen der Opera seria bestens vertraut, er lernte darüber hinaus auch Werke der Opera buffa kennen, die beispielsweise in Neapel sehr beliebt war. 1749 begann seine Zusammenarbeit mit dem Dichter Carlo Goldoni; innerhalb von acht Jahren entstanden so
15 komische Opern, die sowohl den Librettisten als auch den Musi- ker berühmt machten.
Weniger bekannt ist, dass der Komponist auch geistliche Werke und Instrumentalmusik geschaffen hat. Newton legt nun auf vier CD
25 Cembalosonaten Galuppis vor, eingespielt von Ilario Gregoletto in den Jahren 1190, 1996, 1998 und 2000. Er verwendete dabei ein zweimanualiges Cembalo, wie es von dem französischen Klavierbauer Pierre Donzelague 1711 angefertigt worden ist, in einem Nachbau aus der Werkstatt von Malcolm Rose in Mayfield/Sussex, Großbritannien. Vergleicht man Galuppis Werke mit denen Vivaldis oder Scarlattis, so fällt einerseits ihre schon fast klassische Klarheit auf; der Komponist interessierte sich aber wesentlich mehr für das Spiel mit Klangfarben und melodischen Einfällen als für die disziplinierte Arbeit an der Sonatenhauptsatzform. Das macht seine Sonaten zu regelrechten Miniatur-Opern - und wer genau hinhört, der wird mitunter sogar Charaktere erkennen.
Sonntag, 5. Februar 2012
Platti: Sonatas for harpsichord (Concerto)
Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) stammte aus Padua. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Italien. 1722 trat er als Oboenvirtuose in den Dienst der Fürstbischöfe von Würzburg, wo er auch als Sänger, Gesangslehrer und Violinist wirkte. Einige seiner Wer- ke wurden zu Lebzeiten veröffent- licht, andere sind nur als Hand- schriften überliefert, und von etlichen sind auch nur noch Titel bekannt.
Filippo Emanuele Ravizza hat für Concerto auf vier CD die Cembalo- sonaten Plattis eingespielt. Sie erscheinen hier von 1 bis 18 durch- nummeriert, und folgen weitgehend einer Edition, die Fausto Torrefranco 1963 bei Ricordi unter dem Titel Giovanni Benedetto Platti e la Sonata moderna vorgelegt hat.
Wer es nicht weiß, der wird staunen. Denn diese Cembalosonaten, die geradezu exemplarisch die technischen Möglichkeiten des Instru- ments vorführen und ausreizen, sind in einer Zeit entstanden, da das Hammerklavier schon erfunden war - und Platti war damit auch bestens vertraut. Vielleicht gelingen ihm aber gerade deshalb diese Sonaten, die man sich auf einem Klavier vorgetragen schlicht nicht vorstellen kann. So setzt Platti im Umgang mit dem Cembalo auf die Tatsache, dass es sich dabei um ein Zupfinstrument handelt, und auf die Klangfarben, die sich damit erzielen lassen. Auch spielte er jene Modelle durch, die für die Sonate seinerzeit erprobt wurden, vom strengen Kontrapunkt bis hin zu Strukturen, die man eher von der Frühklassik erwarten würde. Torrefranco ließ sich sogar dazu hinreißen, Plattis musikalische Ausdrucksweise mit dem Ausdruck "rhythmischer Impressionismus" zu preisen.
Wir halten uns mit solchen Zuschreibungen zurück, und erfreuen uns an vier langen CD mit faszinierender, teilweise sogar raffinierter Cembalomusik, ausdrucksstark vorgetragen von einem exzellenten Musiker. Ravizza hat bereits mehrfach Werke vergessener Komponi- sten eingespielt - die Wiederentdeckung Plattis muss man ihm danken, zumal solche Aufnahmen deutlich machen, dass der Weg von Bach zu Haydn keineswegs durch die Genies im Sprung, sondern durch zahlreiche Musiker und in vielen kleinen Schritten absolviert worden ist.
Filippo Emanuele Ravizza hat für Concerto auf vier CD die Cembalo- sonaten Plattis eingespielt. Sie erscheinen hier von 1 bis 18 durch- nummeriert, und folgen weitgehend einer Edition, die Fausto Torrefranco 1963 bei Ricordi unter dem Titel Giovanni Benedetto Platti e la Sonata moderna vorgelegt hat.
Wer es nicht weiß, der wird staunen. Denn diese Cembalosonaten, die geradezu exemplarisch die technischen Möglichkeiten des Instru- ments vorführen und ausreizen, sind in einer Zeit entstanden, da das Hammerklavier schon erfunden war - und Platti war damit auch bestens vertraut. Vielleicht gelingen ihm aber gerade deshalb diese Sonaten, die man sich auf einem Klavier vorgetragen schlicht nicht vorstellen kann. So setzt Platti im Umgang mit dem Cembalo auf die Tatsache, dass es sich dabei um ein Zupfinstrument handelt, und auf die Klangfarben, die sich damit erzielen lassen. Auch spielte er jene Modelle durch, die für die Sonate seinerzeit erprobt wurden, vom strengen Kontrapunkt bis hin zu Strukturen, die man eher von der Frühklassik erwarten würde. Torrefranco ließ sich sogar dazu hinreißen, Plattis musikalische Ausdrucksweise mit dem Ausdruck "rhythmischer Impressionismus" zu preisen.
Wir halten uns mit solchen Zuschreibungen zurück, und erfreuen uns an vier langen CD mit faszinierender, teilweise sogar raffinierter Cembalomusik, ausdrucksstark vorgetragen von einem exzellenten Musiker. Ravizza hat bereits mehrfach Werke vergessener Komponi- sten eingespielt - die Wiederentdeckung Plattis muss man ihm danken, zumal solche Aufnahmen deutlich machen, dass der Weg von Bach zu Haydn keineswegs durch die Genies im Sprung, sondern durch zahlreiche Musiker und in vielen kleinen Schritten absolviert worden ist.
Montag, 22. August 2011
Soler: Selected Sonatas for Harp (MDG)
Padre Antonio Soler (1729 bis 1783) war der Sohn eines Militär- musikers. Ausgebildet wurde er ab 1736 als Chorknabe in der Escola- nia de Monserrat, einem Benedik- tinerkloster im Gebirge in der Nähe von Barcelona mit einer der älte- sten Musikschulen der Welt. Zu seinen Lehrern gehörte der Orga- nist José Elas.
Es wird berichtet, das eines Tages ein Bischof Soler befragte, ob er einen Organisten für das legendäre Kloster El Escorial bei Madrid wisse - und dass der Musiker ohne zu zögern sich selbst vorgeschla- gen habe. So trat Padre Antonio 1952 den Hieronymiten bei, legte die Gelübde ab, und wirkte dann bis zu seinem Tode in diesem Kloster als Organist und Magisterio di Capilla.
Man stelle sich allerdings das Klosterleben nicht gar zu weltabge- wandt vor - denn die Königsfamilie verbrachte alljährlich den Herbst im El Escorial, und die Hieronymiten wiederum verfügten auch über ein Kloster in Madrid. So unterrichtete Soler Prinz Gabriel, und kom- ponierte für seinen Schüler unter anderem mehr als 140 Clavierso- naten, sechs Quintette für Tasteninstrument und Streichquartett, und sechs Konzerte für zwei Orgeln. Er selbst nahm Unterricht bei José de Nebra, dem Hoforganisten, und lernte von Domenico Scarlatti, dem Cembalolehrer der Königin. Obwohl seine Kompositionen auch italienische Einflüsse verraten, sind sie doch deutlich durch die spa- nische Musiktradition geprägt.
Godelieve Schrama spielt einige seiner Cembalo-Sonaten - auf der modernen Harfe. "Solers Sonaten bergen große Anforderungen in sich, wenn sie verständlich, artikuliert und mit jenen schlangen- förmigen Figuren in der Musik gespielt werden, wie z.B. die arabes- que-ähnlichen Notengruppen oder die ausgeschriebenen Bögen nach dem Beginn der Sonate Nr. 19", erläutert die Musikerin, die als Pro- fessorin an der Hochschule für Musik in Detmold lehrt. "Ich habe immer das Gefühl, in diesen Takten den Einfluss der maurischen Kultur Nordafrikas zu hören. Und diese Dinge funktionieren ganz gut auf der modernen Pedal-Harfe: Soler lässt sich auf der Harfe spielen, Bach nicht."
Schrama hat hörbar Vergnügen an der mitunter kniffligen Aufgabe, Solers temperamentvolle Cembalowerke angemessen auf der Harfe zum Klingen zu bringen. Diese CD stellt daher gleich in zweifacher Hinsicht eine Rarität dar - und sei daher an dieser Stelle nicht nur den Freunden virtuoser Harfenmusik empfohlen.
Es wird berichtet, das eines Tages ein Bischof Soler befragte, ob er einen Organisten für das legendäre Kloster El Escorial bei Madrid wisse - und dass der Musiker ohne zu zögern sich selbst vorgeschla- gen habe. So trat Padre Antonio 1952 den Hieronymiten bei, legte die Gelübde ab, und wirkte dann bis zu seinem Tode in diesem Kloster als Organist und Magisterio di Capilla.
Man stelle sich allerdings das Klosterleben nicht gar zu weltabge- wandt vor - denn die Königsfamilie verbrachte alljährlich den Herbst im El Escorial, und die Hieronymiten wiederum verfügten auch über ein Kloster in Madrid. So unterrichtete Soler Prinz Gabriel, und kom- ponierte für seinen Schüler unter anderem mehr als 140 Clavierso- naten, sechs Quintette für Tasteninstrument und Streichquartett, und sechs Konzerte für zwei Orgeln. Er selbst nahm Unterricht bei José de Nebra, dem Hoforganisten, und lernte von Domenico Scarlatti, dem Cembalolehrer der Königin. Obwohl seine Kompositionen auch italienische Einflüsse verraten, sind sie doch deutlich durch die spa- nische Musiktradition geprägt.
Godelieve Schrama spielt einige seiner Cembalo-Sonaten - auf der modernen Harfe. "Solers Sonaten bergen große Anforderungen in sich, wenn sie verständlich, artikuliert und mit jenen schlangen- förmigen Figuren in der Musik gespielt werden, wie z.B. die arabes- que-ähnlichen Notengruppen oder die ausgeschriebenen Bögen nach dem Beginn der Sonate Nr. 19", erläutert die Musikerin, die als Pro- fessorin an der Hochschule für Musik in Detmold lehrt. "Ich habe immer das Gefühl, in diesen Takten den Einfluss der maurischen Kultur Nordafrikas zu hören. Und diese Dinge funktionieren ganz gut auf der modernen Pedal-Harfe: Soler lässt sich auf der Harfe spielen, Bach nicht."
Schrama hat hörbar Vergnügen an der mitunter kniffligen Aufgabe, Solers temperamentvolle Cembalowerke angemessen auf der Harfe zum Klingen zu bringen. Diese CD stellt daher gleich in zweifacher Hinsicht eine Rarität dar - und sei daher an dieser Stelle nicht nur den Freunden virtuoser Harfenmusik empfohlen.
Sonntag, 14. August 2011
Alexandre Tharaud plays Scarlatti (Virgin Classics)
555 Sonaten soll Domenico Scar- latti (1685 bis 1757), der Sohn von Alessandro Scarlatti, für Cembalo komponiert haben - im Dienste der Infantin Maria Barbara von Portu- gal, die 1729 den späteren spani- schen König Ferdinand VI. heira- tete. Sie spielte dieses Instrument virtuos und komponierte selbst; auch ihr Gemahl soll der Musik leidenschaftlich zugetan gewesen sein.
In seinen Sonaten spiegelt er so- wohl die Klänge der iberischen Halbinsel - die von Zigeunern und orientalischen Einflüssen geprägte Volksmusik, Flamenco, Gitarren und Kastagnetten - als auch die Ele- ganz und die Melancholie des Hoflebens. Seine Werke sind eigenwillig, raffiniert, mitunter ungestüm. "Nach meinen CDs mit Bach, Couperin und Rameau schien es mir folgerichtig, auch ihren Zeitgenossen Domenico Scarlatti einzuspielen", erklärt Alexandre Tharaud in dem informativen Beiheft. "Von diesen vier Komponisten ist er meiner Meinung nach derjenige, dessen Musik dem Klavier am nächsten kommt. Sie war natürlich für Cembalo gedacht - die ersten Piano- fortes haben ihn offensichtlich nicht interessiert -, aber sie klingt auf einem modernen Klavier überzeugend."
21 Sonaten hat der Pianist ausgewählt und auf einem Yamaha-Flügel eingespielt; 18 davon wurden letztendlich auf dieser CD veröffent- licht. Sie zeigen etliche Facetten von Scarlattis Werk. Tharaud spielt seinen Flügel knochentrocken, so dass im Klangbild zumeist die Nähe zum Cembalo erahnbar ist. Warum er nicht gleich dieses Instrument verwendet, erschließt sich insofern nicht. Davon abgesehen, ist die CD abwechslungsreich und anhörenswert.
In seinen Sonaten spiegelt er so- wohl die Klänge der iberischen Halbinsel - die von Zigeunern und orientalischen Einflüssen geprägte Volksmusik, Flamenco, Gitarren und Kastagnetten - als auch die Ele- ganz und die Melancholie des Hoflebens. Seine Werke sind eigenwillig, raffiniert, mitunter ungestüm. "Nach meinen CDs mit Bach, Couperin und Rameau schien es mir folgerichtig, auch ihren Zeitgenossen Domenico Scarlatti einzuspielen", erklärt Alexandre Tharaud in dem informativen Beiheft. "Von diesen vier Komponisten ist er meiner Meinung nach derjenige, dessen Musik dem Klavier am nächsten kommt. Sie war natürlich für Cembalo gedacht - die ersten Piano- fortes haben ihn offensichtlich nicht interessiert -, aber sie klingt auf einem modernen Klavier überzeugend."
21 Sonaten hat der Pianist ausgewählt und auf einem Yamaha-Flügel eingespielt; 18 davon wurden letztendlich auf dieser CD veröffent- licht. Sie zeigen etliche Facetten von Scarlattis Werk. Tharaud spielt seinen Flügel knochentrocken, so dass im Klangbild zumeist die Nähe zum Cembalo erahnbar ist. Warum er nicht gleich dieses Instrument verwendet, erschließt sich insofern nicht. Davon abgesehen, ist die CD abwechslungsreich und anhörenswert.
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