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Dienstag, 16. Februar 2021

Bach & Piazzolla (Berlin Classics)


 Bach und Piazzolla kombiniert Nikola Djoric miteinander auf einem Album. Der serbische, in Österreich lebende Akkordeonist hat gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter der Leitung von Hans-Peter Hoffmann sowohl Bachs Cembalokonzerte BWV 1058 und 1052 als auch Piazzollas bekanntes Konzert für Bandoneon „Aconcagua“ eingespielt. Dabei legt er besonderen Wert auf die Feststellung, dass alle Werke originalgetreu auf seinem Konzertakkordeon erklingen – jede einzelne Note ist an ihrem Platz. 

„Das Instrument bietet mit seiner Fähigkeit zum Singen und seiner Komplexität einen unvergleichlichen Reiz“, erläutert der Akkordeonvirtuose. „Stellen Sie sich vor: Ein Blasinstrument, das beim Ein- und Ausatmen polyphon spielt und den Klang in der Luft entstehen lässt; ein Tasteninstrument, das Töne wie Streicher mit dem Bogen phrasieren kann, mit zwei unterschiedlichen Manualen, über 500 Tönen, 20 Klangregistern und einem Musiker, der mit allen zehn Fingern spielt und frei atmen kann – das ist das Knopfakkordeon, es singt und atmet.“ 

Dieses „Atmen“ bekommt vor allem Bachs Cembalokonzerten ausgezeichnet, die im Original oftmals etwas hektisch klingen. Das Akkordeon bringt einerseits Farbe, andererseits wirkt auch die Phrasierung auf einmal ganz neu und interessant. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 


Montag, 27. August 2018

Cantata - yet can I hear... (Pentatone)

Was ist eine Kantate? Mit dieser Frage hat sich Bejun Mehta sehr intensiv auseinandergesetzt. Angefangen hatte alles mit einer einzigen Arie, berichtet der Sänger im Beiheft zu dieser CD: „In 2015, I stumbled upon the aria ,Yet Can I Hear That Dulcet Lay' and fell madly in love. It is simple, direct, ravishing. I knew immediately that I want to sing the aria myself, and it eventually became the first building block of the program you now hold in your hands.“ 
Der amerikanische Countertenor hat für diesen CD eine sehr persönliche Auswahl an geistlichen und weltlichen Solo-Kantaten aus der italienischen, deutschen und englischen Tradition zusammengestellt, von virtuos bis besinnlich, in großen und kleinen Besetzungen. So erklingen unter anderem Georg Friedrich Händels Kantate Mi palpita il cor HWV 132c, Johann Sebastian Bachs Kantate Ich habe genug BWV 82, Antonio Vivaldis Pianti, sospiri e dimander mercede RV 676 oder Johann Christoph Bachs berühmtes Lamento Ach, dass ich Wassers g'nug
Bejun Mehta singt phantastisch; dank seiner exzellenten Technik gelingt es ihm mühelos, Virtuosität und Ausdruck zu verbinden. Jede Phrase ist überlegt gestaltet, nichts dem Zufall überlassen. Begleitet wird der Countertenor von der Akademie für Alte Musik Berlin. Die Instrumenta- listen – hervorgehoben seien an dieser Stelle nur die Solisten Xenia Löffler, Oboe, und Christoph Huntgeburth, Traversflöte – sind ebenfalls großartig. 
Das Label Pentatone hat dieser Einspielung obendrein eine ansprechend gestaltete Box und ein ausführliches dreisprachiges Beiheft spendiert, in dem auch sämtliche Kantatentexte nachzulesen sind. Kurz und gut: Eine Edition, von der sich nur Positives berichten lässt. Meine Empfehlung! 

Montag, 20. November 2017

The Violin & the Mandolin: Accomplices and Rivals (Concerto)

Das Ensemble Baschenis stellt auf dieser CD Werke von zwei Virtuosen vor, die Musik für Mandoline komponiert haben. Die Manuskripte, auf denen diese Aufnahmen beruhen, stellte die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien zur Verfügung. 
Giovanni Hoffmann gehörte offensichtlich in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts zu den besten Mandolinisten. Es wird vermutet, dass er eigentlich Johann Hoffmann hieß; ansonsten ist über seinen Lebensweg reinweg gar nichts bekannt. Auf dieser Doppel-CD erklingen vier Divertimenti für Mandoline, Violine und Basso continuo, die er geschaffen hat. 
Giovanni Francesco Giuliani (1760 bis 1818) war ein Schüler von Pietro Nardini. Er war Geiger, Harfenist, Cembalist und Gesangslehrer, und wirkte in Florenz. Das Ensemble Baschenis hat für dieses Musikprojekt sechs Quartette ausgewählt, die mit Mandoline, Violine, Violoncello und Theorbe besetzt sind. 
Zu hören sind dabei jeweils zwei lombardische Mandolas und zwei neapolitanische Mandolinen, virtuos gespielt von Marco Luca Capucci. In die Geigenparts teilen sich Ruggero Fededegni und Enrico Groppo. Alessandra Milesi spielt das Violoncello, Giorgio Ferraris die Theorbe. 
Und man muss sagen, Giulianis Quartette sind wirklich ausgesprochen reizvoll; in diesen Stücken sind Violine und Mandoline Komplizen – und ihr gemeinsames Anliegen, die Hörer gut zu unterhalten, verwirklichen sie bravourös. 

Sonntag, 26. März 2017

Ferdinand Fischer - From Heaven on Earth (Challenge)

„Als ich vor einigen Jahren das Benediktinerstift Kremsmünster in Oberösterreich besuchte, um die dort verwahrten Lauten zu sehen, konnte ich noch nicht ahnen, dass dieser Besuch mein Leben als Laute spielender Musiker von Grund auf verändern würde“, berichtet Hubert Hoffmann im Geleitwort zu dieser CD. Der Lautenist schaute sich nicht nur die Instrumente an, er sichtete auch das Notenarchiv  – und dabei fand er in einigen Tabulaturbüchern Variationssätze, die ihn faszinierten: „Diese waren liebevoll kalligrafisch in winzigen Buchstaben niedergeschrieben und setzten für ihre Realisie- rung beträchtliches spieltechnisches Vermögen voraus.“ 
Hoffmann stellte fest, dass diese Werke Pater Ferdinando Fischer (1652 bis 1725) niedergeschrieben hat, der einst im Kloster lebte – seine Laute übri- gens ist erhalten geblieben, im Beiheft sieht man sie im Bild. Die Stücke, die Fischer notiert hat, seien  in keinem der vielen anderen Lautenmanu- skripte jener Zeit zu finden. „Es handelte sich also um Unikate“, so Hoffmann – und je mehr sich der Lautenist mit dieser Musik beschäftigte, desto stärker wurde in ihm der Wunsch, sie dem Publikum vorzustellen. „Da ich zudem über ein sehr außergewöhnliches elfchöriges Instrument aus der Werkstatt Andreas von Holst verfüge, welches für die Wiedergabe dieser Musik wie geschaffen schien, war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Plan diese wirklich ,neuen Lautenfrüchte' auf einer CD zu präsentieren“, schreibt Hoffmann. 
In den Galaxy Studios zu Mol/Belgien – einem der stillsten Aufnahme- räume ganz Europas, wie der Lautenist berichtet – ist dann diese Einspielung entstanden. Die drei Partiten zeigen uns Pater Fischer als einen Musiker von hoher technischer Brillanz, ausgezeichneter Repertoirekenntnis und ganz erstaunlicher Originalität. Fischer kennt offenbar die französischen Vorbilder und schätzt sie, aber er kopiert sie nicht. Man kann vermuten, dass es ihm weniger darum ging, mit seinem Lautenspiel zu beeindrucken, dass ihm vielmehr an einer musikalischen Meditation gelegen war. Denn Fischer liebte die Variation, insbesondere die Passacaglia, und er legte wenig Wert auf üppige Verzierungen. 
Hoffmann entführt uns in diese musikalische Welt, manchmal versonnen, mitunter auch galant – aber immer sehr eigen. Der Zuhörer darf sich auf eine Entdeckung freuen, sehr schön eingespielt und vor allem auch exzellent aufgenommen. Das klingt, als säße der Lautenist direkt vor einem im Zimmer, unglaublich! 

Sonntag, 20. November 2016

Hoffmann: Symphony - Ouvertures (cpo)

Für ein Festkonzert zum Geburtstag des preußischen Königs im Jahre 1806 komponierte Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1766 bis 1822) seine Sinfonie in Es-Dur. Der Jurist war in Warschau als Regierungsrat tätig, und fand nebenbei noch genug Muße zum Musizieren, Komponieren und dafür, die Musikalische Gesell- schaft zu gründen und zu leiten, ein Liebhaberorchester. Dieses Ensemble hat auch, dem König zum Preise und zur Feier der Einrichtung eines Konzertsaales im Mniszekschen Palais, Hoffmanns einzige Sinfonie uraufgeführt. 
Sie hat Haydns Londoner Sinfonien zum Vorbild, ist aber dennoch in der musikalischen Substanz und in den durchaus auch witzigen Ideen ein echter Hoffmann. Und wer genauer hinhört, der wird feststellen, dass sie sehr sorgfältig gearbeitet worden ist. Insofern ist das Werk ein Solitär, und man kann Michael Alexander Willens nur dankbar dafür sein, dass er sie mit der Kölner Akademie eingespielt hat, in Begleitung der Ouvertüren zu den Opern Undine und Aurora. Es sind dies die beiden letzten Opern Hoff- manns; sie gelten als die beiden ersten deutschsprachigen romantischen Opern überhaupt. 
Komplettiert wird die CD durch die Sinfonia in A-Dur von Friedrich Witt (1770 bis 1836). Er war Cellist, wirkte zeitweilig in der Oettingen-Waller- steinschen Hofkapelle, und wurde 1802 Kapellmeister in Würzburg. Die Kölner Akademie musiziert auch hier historisierend, sehr klar strukturiert und mit einem guten Gespür für die Tempi und für Details. Sehr gelungen!

Sonntag, 8. Juni 2014

Musik am Gothaer Hof: Andreas Romberg (Es-Dur)

Andreas Jakob Romberg (1767 bis 1821) ist einst in einem Zuge mit Haydn, Mozart und Beethoven genannt worden. Er entstammte einer Musikerdynastie, und begann seine musikalische Laufbahn ge- meinsam mit seinem fast gleich- altrigen Cousin Bernhard Rom- berg. Die beiden Wunderkinder konzertierten als Geiger und als Cellist, tatkräftig unterstützt auf ihren Konzertreisen durch die Väter. 
1790 traten sie schließlich in die Bonner Hofkapelle ein, in der damals etliche außergewöhnliche Talente musizierten. Dort begegneten sie beispielsweise dem jungen Ludwig van Beethoven, Anton und Josef Reicha, dem Geiger Franz Josef Ries und dem Hornisten und späteren Musikverleger Nikolaus Simrock. Napoleons Truppen setzten dem allerdings ein Ende: 1793 gingen die Rombergs nach Hamburg, wo sie sehr erfolgreich waren. Andreas Romberg wurde mittlerweile auch als Komponist gefeiert – nur seine Opern fielen beim Publikum stets durch. Reisen führten Romberg nach Italien, nach Wien und nach Paris. Doch der Krieg machte den Musikern das Leben schwer. 1812 kam der Konzert- betrieb in Hamburg gänzlich zum Erliegen. 
In dieser Situation entschied sich Romberg, als Nachfolger von Louis Spohr die Konzertmeisterstelle am Gothaer Hof anzunehmen. 1815 trat er seinen Dienst dort an; 1821 starb er. Seine Musik, obwohl zu Lebzeiten weithin präsent, geriet in Vergessenheit. Das mag mit durch den Genie-Kult bedingt sein, der die Plätze auf dem Olymp (und in den Konzertprogrammen) limitiert und einer Handvoll Auserwählter zugewiesen hat. Rombergs Musik jedenfalls hat daran keinen Anteil, ein „Kleinmeister“ war er nicht. Es ist daher schade, dass Aufnahmen seiner Werke zu den Raritäten gehören. 
Das unterstreicht eine CD, die jüngst bei dem Label Es-Dur erschienen ist. Die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl unter Hermann Breuer hat dafür einige Werke Rombergs eingespielt. Nicht nur als Kompo- nisten, sondern auch als Violinvirtuosen zeigt ihn beispielsweise das Potpourri A-Dur nach Melodien von Mozarts Oper Don Giovanni für Violine und Orchester. Den attraktiven Solopart hat Antje Weithaas übernommen. Notenmaterial hat die Arbeitsstelle Andreas Romberg an der Universität seiner Geburtsstadt Vechta bereitgestellt. Das Engagement der Forscher um Professor Dr. Karlheinz Höfer lässt darauf hoffen, dass zuverlässige Editionen in Zukunft auch anderen Werke Rombergs zu einer Wiederentdeckung verhelfen – seine Musik ist jede Mühe wert. 

Donnerstag, 5. Juni 2014

Hoffmann: Missa / Miserere (cpo)

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 bis 1822) ist ohne Zweifel einer der ganz großen Schriftsteller der deutschen Romantik. Der Jurist und spätere preußische Kammergerichtsrat liebäugelte allerdings zeitlebens mit einer ganz anderen Muse. Nicht nur seine Figuren wie der Kapellmeister Johannes Kreisler bezeugen seine Leidenschaft für die Musik. Auch seine Namenswahl – eigentlich hatte Hoffmann die Vornamen Ernst Theodor Wilhelm – sowie viele eigene Kompositionen geben Auskunft darüber, wo er seine Vorbilder sah. 
Hoffmann, obwohl selbst evangelisch, hat seine Kirchenmusik kurioserweise für den Gebrauch im katholischen Gottesdienst geschrieben. Entsprechend prächtig klingt sie auch, mitunter wie eine Kombination aus Mozart und Palestrina – doch es ist keine Kopie der großen Meister, es bleibt immer Hoffmann. Der Romantiker war ein versierter Komponist; man staunt, dass er mit seinen Werken zu Lebzeiten nicht mehr Erfolg hatte. Dass er musikalisch durchaus eigene Wege ging, zeigt nun eine CD aus dem Hause cpo. Sie enthält die Messe in d-Moll sowie das Miserere, in einer sehr schönen Einspielung mit einer handverlesenen Sängerriege sowie dem WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber. 

Samstag, 19. Januar 2013

Kompositionen für Corno da caccia & Orgel (Fagott)

Die Orgel der evangelischen Kirche in St. Margarethen, gelegen im Kanton St. Gallen in der Schweiz, ist ein Neubau aus dem Jahre 1992. Der Orgelklang lässt auf- horchen - denn auch wenn der Stimmton modern ist, so imitiert dieses Instrument, das durch die Firma Orgelbau Felsberg errichtet wurde, doch ganz eindeutig mitteldeutsche Barockorgeln. Insbesondere die Werke des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann (1683 bis 1753) sorgten dafür, dass sächsische Dorfkirchen für Kenner und Liebhaber zu Pilgerstätten geworden sind.
Auch Orgelbau Felsberg hat die alten Instrumente mit Sorgfalt studiert, und dann für St. Margarethen ein neues angefertigt, das die Silbermann-Tradition und seinen charakteristischen Klang in die Moderne transponiert. Organist Alexander Koschel stellt auf dieser CD diese Orgel vor. Dazu hat er Raritäten ausgewählt, die - mit einer Ausnahme - von Komponisten aus Mitteldeutschland stammen. 
Bei einigen Werken erklingt zudem das Corno da caccia. Es wird von dem in Basel ansässigen Trompeter Urban F. Walser geblasen. Anders als Ludwig Güttler, der bei ähnlichen Einspielungen das Corno da caccia verwendet hat, um seiner Partie Glanz und Strahlkraft zu verleihen, wählt Walser einen hornartigen, eher gedeckten Klang.  So bleibt die Orgel Königin - für ein Orgelporträt ist dies eine interes- sante Variante.  

Sonntag, 26. Dezember 2010

E.T.A. Hoffmann: Liebe und Eifersucht (cpo)

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann, geboren 1776 in Königsberg, stammte aus einer Juristen- dynastie. Und selbstverständlich wurde auch er Jurist. Hoffmann war aber vielseitig begabt: Dieser preußische Beamte malte, ver- diente ein ordentliches Zubrot als Schriftsteller, und komponierte. Napoleon mochte er keinen Treu- eid leisten; statt dessen ging er ans Theater und war auch als Kapell- meister tätig - nicht sonderlich erfolgreich freilich, so dass er nach dem Sieg Preußens gern in den Staatsdienst zurückkehrte. 
Fast hätte seine spitze Feder Hoffmann noch ein Disziplinarverfahren eingetragen. Doch dann erkrankte der Herr Kammergerichtsrat schwer und starb 1822 - an einer Atemlähmung als Folge einer fortgeschrittenen Syphilis. Seine literarischen Figuren, wie Kater Murr, Pate Droßelmeier, Kapellmeister Kreisler oder Archivarius Lindhorst, sichern ihm für alle Zeit einen Platz im Herzen von Freunden phantastisch-satirischer Geschichten.
Sein musikalisches Schaffen hingegen vermag nicht ganz so begei- stern. Das gilt auch für eine spektakuläre Wiederentdeckung: Liebe und Eifersucht, ein Singspiel in drei Akten AV 33, das Hoffmann 1807 komponierte, nachdem er Calderón de la Barcas La banda y flor in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel gelesen hatte. Die Handlung erinnert ein bisschen an Mozarts Gärtnerin aus Liebe, doch ist Die Schärpe und die Blume lang nicht so dramatisch wie die Geschichte der Marchesa Onesti, die als Gärtnerin Sandrina in die Fremde zieht, um ihren Grafen Belfiore aufzuspüren, obwohl der sie zuvor beinahe umgebracht hätte - und die Musik ist deutlich schwächer.
Vor zwei Jahren haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele in Kooperation mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz München Liebe und Eifersucht uraufgeführt. Das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele auf Originalklanginstrumenten, so das Beiheft, unter Michael Hofstetter musiziert farbenreich. Doch das zeigt die Schwächen des Werkes nur um so deutlicher: Hier werden jede Menge Emotionen behauptet - die Musik aber weiß davon wenig. Man kann verstehen, warum kein Theater seinerzeit das Stück bringen mochte, denn schon bald langweilt man sich furchtbar. Getrappel und Chargieren der Darsteller verstärken noch den Eindruck, nur die Tonspur zu einem ohnehin wenig aufregenden Film zu erleben. Ein Abend ist lang. Und drei ambitionierte Finali, frei nach Mozart, machen noch keine Oper.

Mittwoch, 10. November 2010

Mozart. Don Giovanni (Preiser)

Eine der ersten Gesamtaufnahmen von Mozarts Oper Don Giovanni, aufgezeichnet 1951 mit Chor und Orchester des Nordwestdeutschen Rundfunks in Hamburg unter Leopold Ludwig - gesungen aber von jener Besetzung, die damals in Wien wirkte. So ist in der Titelrolle der Bariton Paul Schöffler zu hören; den Leporello singt Erich Kunz. Anton Dermota ist als Don Ottavio zu erleben, Ludwig Hof- mann als Il Commendatore und Gustav Neidlinger als Masetto. Das sind durchweg grandiose Sänger, die zu den besten ihrer Generation gehörten. Ähnlich stark ist mit Carla Martinis (Donna Anna), Suzanne Danco (Donna Elvira) und Lore Hoffmann (Zerlina) die Front der Damen besetzt, die gegen Don Giovanni antritt. Man staunt, wie lebendig diese Aufnahme klingt, und welche Qualität diese Stimmen hatten - auch wenn Mono auf Dauer nicht wirklich vergnüglich anzu- hören ist.