Arnold Ludwig Mendelssohn (1855 bis 1933) ist heute, obwohl er Lehrer von Paul Hindemith und Günter Raphael war, weitgehend vergessen. Er war ein Neffe zweiten Grades von Felix Mendelssohn Bartholdy und wuchs behütet und allseits gefördert auf. So erhielt er Klavierunterricht bei Carl August Haupt, dem späteren Direktor des Königlichen Institutes für Kirchenmusik in Berlin. Dennoch begann der Abiturient 1876 zunächst ein Jura-Studium in Tübingen, da seine Mutter Musik eher als eine brotlose Kunst ansah. Mendelssohn wiederum wollte sich ein Leben als Arzt, Richter, Lehrer oder Offizier nicht vorstellen – und kehrte er noch im selben Jahr nach Berlin zurück, um weiter bei Haupt sowie an der Akade- mischen Hochschule für Musik zu studieren.
1880 erhielt der junge Musiker eine erste Anstellung in Bonn. Er wirkte dort an der Neuen Evangelischen Kirche als Organist und Chordirigent, und unterrichtete zudem an der Universität Orgelspiel und Musiktheorie. Aus der Bekanntschaft mit Friedrich Spitta ergab sich die Auseinander- setzung mit Werken von Heinrich Schütz und dessen Lehrer Giovanni Gabrieli. Mendelssohn hat während seiner Bonner Jahre etliche Werke Schütz' erstmals wieder aufgeführt.
Von 1883 bis 1886 wirkte Mendelssohn in Bielefeld, dann als Lehrer für Orgel und Theorie am Konservatorium in Köln. 1891 wurde er zum Kirchenmusikmeister der Evangelischen Landeskirche in Hessen berufen. Er lebte in Darmstadt, kümmerte sich um die Orgeln im Lande, komponier- te viel, und engagierte sich zudem für Bach und Schütz, deren Werke er immer wieder dirigierte. Außerdem lehrte er seit 1912 am Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt/Main.
Mendelssohn war unter anderem mit Engelbert Humperdinck und dem Thomaskantor Karl Straube befreundet. So schrieb er viele seiner Werke für den Thomanerchor. Der Kirchenmusiker wurde von seinen Zeitgenossen hochgeehrt und vielfach ausgezeichnet. Im Februar 1933 erlag er einem Herzinfarkt; so musste er nicht mehr erleben, was damals Familien geschah, die jüdische Wurzeln hatten. Seine Musik geriet rasch in Ver- gessenheit. Daran hat sich leider bis heute wenig geändert.
Das SWR Vokalensemble Stuttgart unter Leitung von Frieder Bernius hat bei Hänssler Classic eine Auswahl wichtiger Chorwerke veröffentlicht. Die CD enthält die Deutsche Messe op. 89, sowie drei Motetten aus der Geistlichen Chormusik op. 90: Die Advents-Motette Träufelt ihr Himmel von oben, die Motette Lobt Gott, ihr Christen zum Weihnachtsfest und Siehe! Finsternis decket das Erdreich zum Epiphaniasfest. Es handelt sich durchweg um Kompositionen für achtstimmigen Chor und Soli – und sie sind keine leichte Kost, weder für die Sänger noch für das Publikum. Dabei hat sich der Komponist an den Arbeiten der alten Meister orientiert: Die Werke von Bach, vor allem aber auch Schütz, Monteverdi oder Hassler boten ihm Inspiration, doch in seiner Musik interpretierte er diese Anre- gungen mit den Mitteln der Spätromantik.
Es könnte auch sein, dass Mendelssohns Musik so selten zu hören ist, weil sie sehr anspruchsvoll ist, und weil in Deutschland Chöre, die leistungs- stark genug sind, sich daran zu wagen, mittlerweile selten geworden sind. Das SWR Vokalensemble Stuttgart engagiert sich besonders im Bereich der zeitgenössischen Musik. Der professionelle Chor ist aber ebenso erfahren im stilsicheren Umgang mit Werken aus der Musikgeschichte. Bei Men- delssohns Motetten können die Sänger beides einsetzen und beeindrucken so mit Aufnahmen von hoher Sensibilität und höchster Qualität. Bravi!
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Freitag, 25. Dezember 2015
Mittwoch, 8. August 2012
Eine Deutsche Messe (Genuin)
Das Ensemble Nobiles, gegründet 2006, gehört zu den Vokalforma- tionen, die aus dem Leipziger Thomanerchor hervorgegangen sind. Christian Pohlers, Paul Heller, Felix Hübner, Lucas Heller und Lukas Lomtscher überzeugen durch die Sensibilität und Homo- genität ihres Gesanges - was für die musikalische Ausbildung bei dem Leipziger Knabenchor spricht, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert. Dort werden die Chorknaben offenbar so gut geschult, dass etliche von ihnen auch nach dem Abitur ihren Platz im Konzert- leben finden.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
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