„Aber so ist das mit einem Sängerleben – uns bleibt Gott sei Dank nur die Erinnerung!“, mit diesen Worten schließt Peter Schreier seine Gratulation an Theo Adam, der jüngst seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. Glücklicherweise sind im Laufe einer langen Sängerkarriere aber auch zahlreiche Mitschnitte und Aufnahmen entstanden, so dass man den Dresdner Bassbariton in einigen seiner Partien noch immer hören kann.
So hat Berlin Classics als besondere Gabe zum Ehrentag des Jubilars drei CD in einer Box zusammengefasst, die an die erfolgreiche Laufbahn des Sängers erinnern. Es erklingen sowohl geistliche Arien aus Bachs Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion und einigen Kantaten, als auch Arien aus Mozarts Opern sowie Ausschnitte aus Opern von Richard Strauss und Richard Wagner. Entstanden sind all diese Einspielungen in der sächsischen Heimat. Doch der Wirkungskreis von Theo Adam war weit; er reichte von der Dresdner Semperoper über die New Yorker Met und die Mailänder Scala bis nach Bayreuth.
Vom Meister Ortel in den Meistersingern bis hin zum Ochs von Lerchenau im Rosenkavalier – im Laufe der Jahre hat Theo Adam weit über hundert verschiedene Rollen gesungen und verkörpert. Sein Humor ist ebenso legendär wie seine sängerische Präzision, sein Stilbewusstsein und sein Ringen um Textverständlichkeit (was weit darüber hinaus zielte, dass das Publikum jedes Wort verstehen kann). Von der Bühne und aus dem öffentlichen Leben hat sich Theo Adam mittlerweile zurückgezogen. Diese drei CD zeigen uns den großen Sänger noch einmal auf der Höhe seiner Kraft und seines Könnens – ausgesprochen beeindruckend!
Posts mit dem Label Mauersberger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mauersberger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 5. August 2016
Sonntag, 24. April 2016
Fangt euer Tagwerk fröhlich an - Volkslieder (Berlin Classics)
Dass der Dresdner Kreuzchor heute noch immer zu den besten Knaben- chören Deutschlands gehört, ist maßgeblich das Verdienst von Rudolf Mauersberger (1889 bis 1972). Er wurde 1930 Kreuzkantor, führte den Chor durch zwei Diktaturen, und dabei gelang ihm das Kunststück, seine Säkularisierung erfolgreich zu verhindern.
In den 30er Jahren sorgte er dafür, dass der Kreuzchor eng in die Liturgie der Kreuzkirche eingebunden wurde.
Mit großem persönlichen Engagement trat er für die Wiederbelebung des Chores nach der Zerstörung Dresdens ein, bei der auch elf Kruzianer ums Leben gekommen waren. Die Pflege des Erbes, insbesondere der Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, hatte für den Kreuzkantor ebenso großes Gewicht wie die zeitgenössische Musik. Mit einer Vielzahl von Aufnahmen und Tourneen erarbeitete sich der Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger internationales Renommee.
Wer hören möchte, wie der Kreuzchor unter Mauersberger gesungen hat, dem sei diese CD mit Volksliedern empfohlen. Aufgezeichnet wurde sie im Juni 1964 in der Dresdner Lukaskirche. Die Chorsätze sind ausgesprochen abwechslungsreich; sie stammen teils von Mauersberger selbst, teils von anderen Komponisten, von Michael Praetorius über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Ernst Pepping.
In den 30er Jahren sorgte er dafür, dass der Kreuzchor eng in die Liturgie der Kreuzkirche eingebunden wurde.
Mit großem persönlichen Engagement trat er für die Wiederbelebung des Chores nach der Zerstörung Dresdens ein, bei der auch elf Kruzianer ums Leben gekommen waren. Die Pflege des Erbes, insbesondere der Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, hatte für den Kreuzkantor ebenso großes Gewicht wie die zeitgenössische Musik. Mit einer Vielzahl von Aufnahmen und Tourneen erarbeitete sich der Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger internationales Renommee.
Wer hören möchte, wie der Kreuzchor unter Mauersberger gesungen hat, dem sei diese CD mit Volksliedern empfohlen. Aufgezeichnet wurde sie im Juni 1964 in der Dresdner Lukaskirche. Die Chorsätze sind ausgesprochen abwechslungsreich; sie stammen teils von Mauersberger selbst, teils von anderen Komponisten, von Michael Praetorius über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Ernst Pepping.
Mittwoch, 8. August 2012
Eine Deutsche Messe (Genuin)
Das Ensemble Nobiles, gegründet 2006, gehört zu den Vokalforma- tionen, die aus dem Leipziger Thomanerchor hervorgegangen sind. Christian Pohlers, Paul Heller, Felix Hübner, Lucas Heller und Lukas Lomtscher überzeugen durch die Sensibilität und Homo- genität ihres Gesanges - was für die musikalische Ausbildung bei dem Leipziger Knabenchor spricht, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert. Dort werden die Chorknaben offenbar so gut geschult, dass etliche von ihnen auch nach dem Abitur ihren Platz im Konzert- leben finden.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
Samstag, 3. April 2010
Bach: Matthäus-Passion; Mauersberger (Berlin Classics)
Bei Wieder-Anhören dieser Auf- nahme ist man zunächst erstaunt: Was, so langsam haben die Gebrüder Mauersberger seinerzeit die Matthäus-Passion dirigiert? Das Instrumentalvorspiel jedenfalls schleppt sich dahin. Doch dann setzt der Chor ein, und plötzlich stimmen die Relationen. Denn die Eindringlichkeit und die Glaubens- wucht dieser Aufnahme verträgt sich nicht mit dem Eilzugtempo und jener beschwingten Phrasie- rung, wie sie derzeit, "historisch informiert", noch der Kantor im letzten Dorf anstrebt.
Wenn Peter Schreier hier das Evangelium vorträgt, dann ist das nicht nur Gesangskunst, sondern darüber hinaus unüberhörbar auch ein Bekenntnis des christlichen Glaubens - was von den DDR-Funktionä- ren scharf bekämpft wurde. In diesem Kontext wird Bachs Matthäus- Passion von einer Musikaufzeichnung zum künstlerischen Vermächt- nis.
Denn diese Aufnahme entstand 1970 - in einer Zeit, in der Rudolf Mauersberger um den Fortbestand "seiner" Kruzianer fürchten und ringen musste. Jahre beständiger Schikane und kleinlicher Macht- kämpfe lagen hinter ihm, und die Verhältnisse wurden nicht besser. Man stelle sich vor, dass der Kreuzkantor im Alter von 82 Jahren am 6. Februar 1971 noch sein "Dresdner Requiem" eigenhändig dirigierte, um die Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger gesichert zu wissen - am 22. Februar 1971 ist er gestorben.
Denn diese Aufnahme entstand 1970 - in einer Zeit, in der Rudolf Mauersberger um den Fortbestand "seiner" Kruzianer fürchten und ringen musste. Jahre beständiger Schikane und kleinlicher Macht- kämpfe lagen hinter ihm, und die Verhältnisse wurden nicht besser. Man stelle sich vor, dass der Kreuzkantor im Alter von 82 Jahren am 6. Februar 1971 noch sein "Dresdner Requiem" eigenhändig dirigierte, um die Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger gesichert zu wissen - am 22. Februar 1971 ist er gestorben.
In einer solchen Umgebung und unter solchen Bedingungen wiegen das Herzblut und die Inbrunst, mit der hier musiziert wird, doppelt. Diese CD belegt: Rudolf Mauersberger und sein jüngerer Bruder Erhard, der 1961 Thomaskantor wurde, konnten zudem die beiden traditionsreichen sächsischen Knabenchöre in diesem schwierigen Umfeld auf hohem sanglichen Niveau halten. Obwohl die Aufnahme in der Lukaskirche Dresden entstand, musiziert das Gewandhaus- orchester Leipzig mit seinen erstklassigen Solisten. Und die Continuo-Orgeln spielen Thomasorganist Hannes Kästner und Kreuzorganist Herbert Collum.
Als besondere Stärke dieser Einspielung erweisen sich die überwie- gend exzellenten Gesangssolisten, mit denen selbst die kleinsten Partien besetzt sind. Neben dem Evangelisten Peter Schreier sind beispielsweise Theo Adam als Jesus, Siegfried Vogel als Petrus, Johannes Künzel als Judas und Hermann Christian Polster als Pontius Pilatus zu hören. Wer könnte Adele Stolte "Blute nur, du liebes Herz" klagen hören, oder Annelies Burmeisters ergreifende "Erbarme dich"- Arie, ohne Ostern zu erfassen? Die Tenor-Arien singt Hans-Joachim Rotzsch; er wurde übrigens Mauersbergers Nachfolger als Thomas- kantor, und sein Rücktritt 1991 ist dem Chor leider nicht gut bekommen.
Obwohl ganz im Sinne der DDR-"Erbe-Pflege", also nicht-"historisch authentisch" und mit modernen Instrumenten eingespielt, und obwohl letztendlich nicht jeder Ton perfekt sitzt, gehört dieses Dokument für mich zu den Referenzaufnahmen von Bachs "großer Passion". Die Aufnahme gibt Zeugnis von jener großartigen mitteldeutschen Musiktradition, die vorreformatorischer Zeit entspringt, die Uniformen, Stiefel und Gleichschritt überlebt hat - und hoffentlich auch unser vollelektronisches Zeitalter überdauern wird.
Dienstag, 12. Februar 2008
Heinrich Schütz - Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)
Um die Wiederentdeckung der Werke von Heinrich Schütz hat sich der Dresdner Kreuzchor große Verdienste erworben. Insbesondere Rudolf Mauersberger, von 1930 bis zu seinem Tode 1971 Kreuzkantor, hatte es sich zur Lebensaufgabe erwählt, die Werke des Komponisten zur Aufführung zu bringen. Es darf vermutet werden, dass Mauersberger, der die Zerstörung Dresdens erleben musste, sich Schütz eng verbunden fühlte, der ja auch unter einem Kriege, dem 30jährigen nämlich, sehr gelitten hatte.
Für Schütz' Musik engagierte sich auch Mauersbergers Nachfolger Martin Flämig. Die "Schütz-Tage" waren ein Ereignis: Ein Fest alter, zumeist geistlicher Musik, und das in der DDR zu Ulbrichts Zeiten!? Aufzeichnungen dieser Konzerte sind beeindruckende Dokumente der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben inmitten realsozialistischer Propaganda. Gerade Schütz’ deklamatorische Musik, die in ihrer Struktur darauf zielt, dem Wort zu dienen und es auszulegen, war dafür wie geschaffen. In einer Box mit zehn CD fasst Edel Classics wichtige historische Aufnahmen aus jener Zeit nun noch einmal zusammen. Leider brach diese Tradition irgendwann ab. In der Box fehlen beispielsweise die „Musikalischen Exequien“ – und die „Historia von der Geburt unseres Herrn Jesu Christi“. Ein Blick in die Chronik des Kreuzchors belegt, dass ausgerechnet die Weihnachts-Historie des Dresdner Hofkapellmeisters von den Kruzianern niemals eingespielt wurde.
Für Schütz' Musik engagierte sich auch Mauersbergers Nachfolger Martin Flämig. Die "Schütz-Tage" waren ein Ereignis: Ein Fest alter, zumeist geistlicher Musik, und das in der DDR zu Ulbrichts Zeiten!? Aufzeichnungen dieser Konzerte sind beeindruckende Dokumente der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben inmitten realsozialistischer Propaganda. Gerade Schütz’ deklamatorische Musik, die in ihrer Struktur darauf zielt, dem Wort zu dienen und es auszulegen, war dafür wie geschaffen. In einer Box mit zehn CD fasst Edel Classics wichtige historische Aufnahmen aus jener Zeit nun noch einmal zusammen. Leider brach diese Tradition irgendwann ab. In der Box fehlen beispielsweise die „Musikalischen Exequien“ – und die „Historia von der Geburt unseres Herrn Jesu Christi“. Ein Blick in die Chronik des Kreuzchors belegt, dass ausgerechnet die Weihnachts-Historie des Dresdner Hofkapellmeisters von den Kruzianern niemals eingespielt wurde.
Abonnieren
Kommentare (Atom)



