Und noch ein Nachtrag zum Osterfest: Der Kantatenzyklus Membra Jesu nostri patientis sanctissima von Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707) ist eine musikalische Meditation über den Anblick des gekreuzigten Heilandes, von den Füßen über die Hände bis zum Gesicht. Die sieben Kantaten beruhen auf einer mittelalterlichen Andachtsdichtung, die Buxtehude allerdings nur auszugsweise verwendet und mit Bibelversen kombiniert.
Das Werk wurde in jüngster Vergangenheit des öfteren eingespielt. Für diese Aufnahme hat sich das Ensemble Orpheus Britannicus unter Leitung von Andrew Arthur mit dem Gambenconsort Newe Vialles und dem Chapel Choir of Trinity Hall, Cambridge, zusammengefunden. Als Solisten sind Eloise Irving, Charlotte Ives, Daniel Collins, Nicholas Mulroy und Reuben Thomas zu hören. Ausgesprochen klangschön und auch sonst sehr gelungen!
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Dienstag, 30. April 2019
Donnerstag, 28. September 2017
L'Opéra - Jonas Kaufmann (Sony)
Arien und Duette aus
französischen Opern des 19. Jahrhunderts präsentiert Jonas Kaufmann
auf seinem jüngsten Album. Der Sänger hat dafür nicht nur bekannte
Melodien und große Szenen ausgewählt, sondern vor allem auch Werke
und Rollen, die für ihn Schlüsselerlebnisse waren: „Ein solches
hatte ich mit der Partie des Wilhelm Meister, meiner ersten großen
französischen Rolle, 2001 in Toulouse“, erzählt Kaufmann im
Beiheft. „Zu diesem Zeitpunkt war mein Französisch noch so
dürftig, dass ich mich in Gegenwart des Regisseurs Nicolas Joel, der
alle Sprachen beherrscht, ziemlich schämte und dachte: Das muss
unbedingt besser werden!“
Den Werther sang Kaufmann dann neun Jahre später zum ersten Mal – „an der Pariser Oper“, so der Tenor, „in der Höhle des Löwen, umgeben von lauter französischen Sängern und vor einem Publikum, das keinen Spaß versteht, wenn du nicht halbwegs idiomatisch klingst.“ Zu diesem Zeitpunkt lobte die Kritik dann bereits sein perfektes Französisch.
Im Repertoire kennt sich Kaufmann inzwischen ebenfalls bestens aus, wie seine Auswahl beweist. Und er singt noch immer wunderbar, begeistert auch bei dieser Einspielung mit betörender Technik und gestalterischer Intelligenz. Die beiden Duo-Partner, Sopranistin Sonya Yoncheva in Massenets Manon und Bariton Ludovic Tézier im berühmten Duett aus Bizets Perlenfischern, harmonieren mit Kaufmann bestens. Den Instrumentalpart übernahm das vielfach ausgezeichnete Bayerische Staatsorchester unter Bertrand de Billy – und es liefert weit mehr als nur eine Begleitung. Prächtig!
Den Werther sang Kaufmann dann neun Jahre später zum ersten Mal – „an der Pariser Oper“, so der Tenor, „in der Höhle des Löwen, umgeben von lauter französischen Sängern und vor einem Publikum, das keinen Spaß versteht, wenn du nicht halbwegs idiomatisch klingst.“ Zu diesem Zeitpunkt lobte die Kritik dann bereits sein perfektes Französisch.
Im Repertoire kennt sich Kaufmann inzwischen ebenfalls bestens aus, wie seine Auswahl beweist. Und er singt noch immer wunderbar, begeistert auch bei dieser Einspielung mit betörender Technik und gestalterischer Intelligenz. Die beiden Duo-Partner, Sopranistin Sonya Yoncheva in Massenets Manon und Bariton Ludovic Tézier im berühmten Duett aus Bizets Perlenfischern, harmonieren mit Kaufmann bestens. Den Instrumentalpart übernahm das vielfach ausgezeichnete Bayerische Staatsorchester unter Bertrand de Billy – und es liefert weit mehr als nur eine Begleitung. Prächtig!
Mittwoch, 17. Mai 2017
Revive - Elina Garanca (Deutsche Grammophon)
Das Konzept dieses Albums? „Starke Frauen in schwachen Momenten, die aber wieder zu sich selbst und zu ihrer Stärke finden“, beschreibt Elīna Garanča die Idee hinter ihrer neuen CD. Die lettische Mezzosopranistin hat festgestellt, dass sich ihre Stimme zunehmend hin zum dramatischen Fach entwickelt. Ihre erste Partie in diesem Bereich, so berichtet sie im Beiheft, war die Santuzza aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni.
Um ihre Romanze Voi lo sapete, o mamma hat Elīna Garanča ein Pro- gramm gestaltet, das von der berühmten Arie der Mignon aus der gleich- namigen Oper von Ambroise Thomas bis hin zu einer Arie der Marina aus Boris Godunov von Modest Mussorgski reicht.
Neben dem italienischen ist auch das französische Repertoire stark ver- treten. „Wahrscheinlich werde ich einige der auf diesem Album versam- melten Arien und Szenen nie auf der Opernbühne singen“, bedauert die Sängerin. Denn beispielsweise Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder Camille Saint-Saëns' Henry VIII schaffen es nur sehr selten auf den Spielplan.
Typischerweise singen Heldinnen von Opern in der Sopranlage. Ausnah- men sind selten – und Elīna Garanča schildert noch ein weiteres Problem : „Im italienischen Repertoire gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen der Mezzosopran eine junge Frau verkörpert. Eboli in Don Carlos, Preziosilla in Forza und Amneris in Aida – das war's aus meiner Sicht. Ulrica im Ballo ist ein altes Weib, Azucena im Trovatore sollte – schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit – älter sein als ihr Sohn Manrico. Wenn der Tenor zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, müsste die Azucena also mindestens 60 oder 65 Jahre alt sein – das wird schwierig.“
Im französischen Repertoire sieht Garanča bessere Chancen - „schließlich ist das Repertoire für Mezzosopran hier viel größer und breiter gefächert. Es zeigt auch eher jüngere Frauen, die in komplizierten Geschichten agieren“, meint die Sängerin. „Und letzten Endes bin ich überzeugt, dass im französischen Repertoire der lyrische Anteil meiner Stimme am besten zur Geltung kommt.“ Figuren wie Didon aus Les Troyens von Hector Berlioz, Dalila aus Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns oder Héro- diade aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet geben Elīna Garanča Gelegenheit, ihre stimmlichen Möglichkeiten und ihre Wand- lungsfähigkeit zu demonstrieren. Begleitet wurde sie dabei vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Leitung von Roberto Abbado.
Um ihre Romanze Voi lo sapete, o mamma hat Elīna Garanča ein Pro- gramm gestaltet, das von der berühmten Arie der Mignon aus der gleich- namigen Oper von Ambroise Thomas bis hin zu einer Arie der Marina aus Boris Godunov von Modest Mussorgski reicht.
Neben dem italienischen ist auch das französische Repertoire stark ver- treten. „Wahrscheinlich werde ich einige der auf diesem Album versam- melten Arien und Szenen nie auf der Opernbühne singen“, bedauert die Sängerin. Denn beispielsweise Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder Camille Saint-Saëns' Henry VIII schaffen es nur sehr selten auf den Spielplan.
Typischerweise singen Heldinnen von Opern in der Sopranlage. Ausnah- men sind selten – und Elīna Garanča schildert noch ein weiteres Problem : „Im italienischen Repertoire gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen der Mezzosopran eine junge Frau verkörpert. Eboli in Don Carlos, Preziosilla in Forza und Amneris in Aida – das war's aus meiner Sicht. Ulrica im Ballo ist ein altes Weib, Azucena im Trovatore sollte – schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit – älter sein als ihr Sohn Manrico. Wenn der Tenor zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, müsste die Azucena also mindestens 60 oder 65 Jahre alt sein – das wird schwierig.“
Im französischen Repertoire sieht Garanča bessere Chancen - „schließlich ist das Repertoire für Mezzosopran hier viel größer und breiter gefächert. Es zeigt auch eher jüngere Frauen, die in komplizierten Geschichten agieren“, meint die Sängerin. „Und letzten Endes bin ich überzeugt, dass im französischen Repertoire der lyrische Anteil meiner Stimme am besten zur Geltung kommt.“ Figuren wie Didon aus Les Troyens von Hector Berlioz, Dalila aus Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns oder Héro- diade aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet geben Elīna Garanča Gelegenheit, ihre stimmlichen Möglichkeiten und ihre Wand- lungsfähigkeit zu demonstrieren. Begleitet wurde sie dabei vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Leitung von Roberto Abbado.
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Vivaldi: Sacred works for soprano and concertos (Channel Classics)
So möchte man die Musik von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) gern öfters hören. Das Ensemble Florilegium, schlank besetzt mit bis zu zehn Musikern, musiziert wundervoll; die drei Konzerte, die Florilegium für diese CD ausge- wählt hat, gehören zudem nicht zu den Vivaldi-Hits, die man schon mitpfeifen kann. Das macht die Aufnahme doppelt reizvoll. Die Konzerte bilden aber nur einen Rahmen für das Laudate Pueri
RV 601 und die Motette Nulla in mundo RV 630, gesungen von Elin Manahan Thomas. Und das macht die Sopranistin großartig. Ihre gut geführte Stimme, die selbst durch rasante Koloraturen nie in Bedrängnis zu bringen ist, fügt sich geradezu orchestral ein in das brillante Ensemble. So intensiv ist die Interaktion zwischen Sängern und Instrumentalisten selten zu erleben. Grandios!
RV 601 und die Motette Nulla in mundo RV 630, gesungen von Elin Manahan Thomas. Und das macht die Sopranistin großartig. Ihre gut geführte Stimme, die selbst durch rasante Koloraturen nie in Bedrängnis zu bringen ist, fügt sich geradezu orchestral ein in das brillante Ensemble. So intensiv ist die Interaktion zwischen Sängern und Instrumentalisten selten zu erleben. Grandios!
Mittwoch, 8. August 2012
Eine Deutsche Messe (Genuin)
Das Ensemble Nobiles, gegründet 2006, gehört zu den Vokalforma- tionen, die aus dem Leipziger Thomanerchor hervorgegangen sind. Christian Pohlers, Paul Heller, Felix Hübner, Lucas Heller und Lukas Lomtscher überzeugen durch die Sensibilität und Homo- genität ihres Gesanges - was für die musikalische Ausbildung bei dem Leipziger Knabenchor spricht, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert. Dort werden die Chorknaben offenbar so gut geschult, dass etliche von ihnen auch nach dem Abitur ihren Platz im Konzert- leben finden.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
Für ihr Debütalbum haben sich die fünf jungen Sänger auf ein Reper- toire konzentriert, das ihnen aus ihrer Zeit bei den Thomanern heraus bestens vertraut ist: Kirchenmusik. Dabei kombinieren sie die Ge- sänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe D 872 von Franz Schubert, in einer Bearbeitung für vier Männerstimmen von seinem Bruder Ferdinand, mit passenden Motetten. Sie entstammen teilweise dem Schaffen von Thomaskantoren; vertreten sind mit ihren Werken insbesondere Moritz Hauptmann (1792 bis 1868), Kurt Thomas (1904 bis 1973), Erhard Mauersberger (1903 bis 1982) und der derzeitige Thomaskantor Georg Christoph Biller. Es erklingen aber auch Werke von Camille Saint-Saens, dessen Pfingstmotette Veni Creator Spiritus zugleich das einzige Stück auf Latein auf dieser CD ist, Michael Praetorius, Hugo Distler, Peter Cornelius, Paul Heller und Manfred Schlenker, der seine Komposition Gott wohnt in einem Lichte dem Ensemble Nobiles widmete.
Und obwohl die Musik Jahrhunderte durchschreitet, überrascht die CD durch eine stimmige, bruchlose Dramaturgie. Hier präsentiert sich ein junges, aber trotzdem sehr professionelles und ehrgeiziges Quin- tett, von dem man in Zukunft noch viel erwarten darf.
Sonntag, 27. Februar 2011
Wagner: Lohengrin (EMI Classics)
Wer diese Aufnahme hört, der vergisst, dass sie 1962/63 im Theater an der Wien aufgezeichnet worden ist. Was für eine Besetzung! Gottlob Frick als König Heinrich der Vogler, Otto Wiener als Herald, Christa Ludwig als Ortrud und Dietrich Fischer-Dieskau als Friedrich von Telramund - und Elisabeth Grümmer als wunderbar mädchenhafte Elsa von Brabant.
Wenn sie ihr "Einsam in trüben Tagen" anstimmt, glaubt man ihr jedes Wort. Schöner, inniger und sensibler war diese Partie wohl nie zu hören. Und auch die Szenen, in denen Elsa und Ortrud aufeinandertreffen, gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten dieser Einspielung. Jess Thomas als Lohengrin singt sehr gut, aber nicht überragend, und dass er Amerikaner ist, das ist leider unüberhörbar.
Eine wichtige Rolle in dieser Oper Wagners spielen Chor und Orche- ster. Hier singt der Wiener Staatsopernchor, und es musizieren die Wiener Philharmoniker - beide sind, wie zu erwarten, exzellent. Und Rudolf Kempe (1910 bis 1976) erweist sich als ein großartiger Wag- ner-Dirigent. Gänzlich uneitel, verzichtet er auf vordergründige Effekte, und macht statt dessen erstaunlich viele Details hörbar. Eine grandiose Aufnahme, nach wie vor unübertroffen.
Wenn sie ihr "Einsam in trüben Tagen" anstimmt, glaubt man ihr jedes Wort. Schöner, inniger und sensibler war diese Partie wohl nie zu hören. Und auch die Szenen, in denen Elsa und Ortrud aufeinandertreffen, gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten dieser Einspielung. Jess Thomas als Lohengrin singt sehr gut, aber nicht überragend, und dass er Amerikaner ist, das ist leider unüberhörbar.
Eine wichtige Rolle in dieser Oper Wagners spielen Chor und Orche- ster. Hier singt der Wiener Staatsopernchor, und es musizieren die Wiener Philharmoniker - beide sind, wie zu erwarten, exzellent. Und Rudolf Kempe (1910 bis 1976) erweist sich als ein großartiger Wag- ner-Dirigent. Gänzlich uneitel, verzichtet er auf vordergründige Effekte, und macht statt dessen erstaunlich viele Details hörbar. Eine grandiose Aufnahme, nach wie vor unübertroffen.
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