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Mittwoch, 14. Dezember 2016

L'Inverno degli Flauti (MGD)

Haben Sie schon einmal eine Kontra- bass- oder gar eine Subkontrabass- flöte gehört und gesehen? Bei den 14 Berliner Flötisten gibt es gleich vier Spezialisten für die Querflöten mit dem sehr tiefen Klang. Dieses Ensemble, 1996 von Musikern aus Ost und West gemeinsam gegründet, ist auch sonst Grenzgängen nicht abgeneigt. 
Auf ihrem jüngsten Album erkunden die Flötisten um Andreas Blau, den langjährigen Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, weihnacht- liche und winterliche Musik – wobei festzustellen ist, dass sie exzellente Arrangeure in ihren Reihen haben. Und auch an Humor mangelt es nicht, wie gleich das erste Stück beweist: Werner Tast, mittlerweile im Ruhestand, hat aus Richard Eilenbergs Petersburger Schlittenfahrt ganz locker Peters Schlittenfahrt gemacht – Tschaikowskis Nussknacker lässt grüßen. 
Bei Prélude und Schlusschoral aus dem Oratorio de Noël von Camille Saint-Saëns wird deutlich, dass Flöten wunderbar den Klang einer Kirchenorgel imitieren können. Doch auch sinfonische Klänge sind für die Holzbläser überhaupt kein Problem; der Abendsegen von Engelbert Humperdinck beispielsweise klingt in dieser Besetzung einfach großartig. Und natürlich enthält das Programm auch einige wenige Weihnachts- lieder
Nur mit Flöten lässt sich aber auch hervorragend Barockmusik aufführen; die 14 Berliner Flötisten spielen das berühmte Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, den Winter aus den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium – und dabei präsentieren sie einmal mehr den Farbenreichtum eines solchen Flötenensembles. Apropos: Wer die Namensliste durchzählt, der wird bemerken, dass sich die 14 für diese Aufnahme Verstärkung geholt haben. Eigentlich sind es sogar 18 Berliner Flötisten, plus Schlagzeuger. 
Sehr gelungen finde ich The snow is dancing, ein Stück aus Claude Debussys Children's Corner, hier in einer Bearbeitung von Werner Tast. Mein persönlicher Favorit auf dieser CD allerdings ist Perseus aus der Sternbilder-Suite von Gotthard Odermatt (*1974), ein Werk, das eigens für die 14 Berliner Flötisten komponiert worden ist.  Zauberhaft!  

Sonntag, 20. Januar 2013

Eilenberg: Petersburger Schlittenfahrt (cpo)

Ähnlich populär wie die Strauß-Familie in Wien war einst in Berlin Richard Eilenberg (1848 bis 1927). Sein Vater war Stabstrompeter beim 12. Husarenregiment in Merseburg bei Leipzig. So wird Richard Eilen- berg mit Militärmusik aufgewachsen sein. Ausgebildet wurde er dann im Militärknabenerziehungsinstitut im sächsischen Annaberg. Mit Fleiß widmete er sich dort insbesondere dem Klavierspiel und dem Fach Komposition; mit 16 Jahren legte Eilenberg bereits eine Konzert- ouvertüre vor. 1873 ging er als Musikdirektor und Dirigent nach Stettin. 
Eilenberg scheint ein versierter Kapellmeister gewesen zu sein; er erhielt Einladungen zu Gastspielreisen aus ganz Europa, unter anderem von Zar Alexander II. und vom rumänischen König. 1889 zog er nach Berlin um. Und stets komponierte er - Operetten, ein Ballett, Charakterstücke, Tänze, Märsche, Salonmusik, etwa 350 Werke Eilenbergs sind überliefert. Dennoch ist seine Musik auf dem Konzertpodium heute kaum noch zu hören. Dass der Komponist nicht vollends dem Vergessen anheim gefallen ist, verdankt er in erster Linie der berühmten Petersburger Schlittenfahrt - einem Werk, das ähnlich populär ist wie etwa An der schönen blauen Donau. Jeder Klassikfreund kann diese Melodien mitpfeifen. 
Das WDR Rundfunkorchester hat sich unter Leitung von Christian Simonis schon des öfteren selten gespielter Musik angenommen. So hat das Orchester, dass auf Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau spezialisiert ist, bei cpo bereits eine CD mit Werken von Benjamin Bilse vorgelegt. Hier folgt nun eine Entdeckungsreise durch das Werk Eilenbergs. Das ist er- freulich, denn diese Musik erweist sich als abwechslungsreich, ideenreich, und anschaulich, wo sie charakterisiert. Wie der Komponist in der Mando- linen-Serenade op. 117 die Violinen einsetzt, wie er die Norwegische Rentierpost op. 314 dahinflitzen lässt oder den Kosakenritt op. 149, das ist schon großes Kino. Schade nur, dass diese witzigen Werke so selten zu hören sind. Um so dankbarer ist der Zuhörer Simonis und dem WDR Rundfunkorchester, das diese Perlen der leichten Muse mit Esprit zele- briert.