Um die „Vielfalt in der Einheit“ zu erkunden, die der Komponist einst beschwor, kombinierten sie ausgewählte Motetten sowie das Klaviertrio Nr. 2 op. 66 und das Adagio aus der Cello-Sonate op. 58. Musiziert wird zudem großartig. Ein Klangerlebnis, dem man sich nicht entziehen kann.
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Mittwoch, 8. April 2020
Mendelssohn Bartholdy: Motets & Piano Trio (Evil Penguin Records)
„What is the common ground between the chamber music and the choral works of Felix Mendelssohn Bartholdy?” Mit dieser CD versuchen der Flemish Radio Choir unter Leitung von Hervé Niquet und die Kammermusikpartner Pekka Kuusisto, Violine, Pieter Wispelwey, Violoncello, und Alasdair Beatson am Konzertflügel, eine Antwort auf diese Frage zu geben.
Um die „Vielfalt in der Einheit“ zu erkunden, die der Komponist einst beschwor, kombinierten sie ausgewählte Motetten sowie das Klaviertrio Nr. 2 op. 66 und das Adagio aus der Cello-Sonate op. 58. Musiziert wird zudem großartig. Ein Klangerlebnis, dem man sich nicht entziehen kann.
Um die „Vielfalt in der Einheit“ zu erkunden, die der Komponist einst beschwor, kombinierten sie ausgewählte Motetten sowie das Klaviertrio Nr. 2 op. 66 und das Adagio aus der Cello-Sonate op. 58. Musiziert wird zudem großartig. Ein Klangerlebnis, dem man sich nicht entziehen kann.
Dienstag, 16. Juni 2015
Schubert - Brahms: The complete duos (Evil Penguin Records)
„Dit project is ontstaan uit een drievoudige liefde“, schwärmt Pieter Wispelwey im Beiheft zu dieser CD, „voor Schubert, voor Brahms en voor de cello.“ Doch bei aller Liebe – Schubert hat kein einziges Stück für Violoncello und Klavier geschrieben, und Brahms lediglich zwei Cello- sonaten. „Aangezien ik geen viool, altviool, fluit of arpeggione speel, zou ik veertien duos missen van twee van mijn favoriete componisten“, überlegte der Cellist – und gibt der Versuchung nach, die 14 Duos doch zu spielen.
Die Arpeggione-Sonate von Franz Schubert gehört ohnehin schon lange zum Repertoire der Cellisten. Und Johannes Brahms schuf zwar seine Sonaten op. 120 für den Klarinettisten Richard Mühlfeld – aber der Komponist höchstselbst veröffentlichte sie auch in einer Version für Viola. Insofern beruft sich Wispelwey auf eine Freiheit in der Instrumentierung, die über Jahrhundert ohnehin üblich war, und von der auch die Romanti- ker selbst gern noch Gebrauch machten.
Auf dieser ersten CD spielt der Cellist gemeinsam mit seinem Klavierpart- ner Paolo Giacometti Schuberts Fantasie in C-Dur, D 934, ursprünglich entstanden für Violine und Klavier, eine der einstigen Klarinettensonaten von Brahms, gerahmt von jeweils einem Satz aus zwei Suiten für Violon- cello solo von Max Reger, und Schuberts g-Moll-Sonate D 408. „We hopen opnieuw te laten horen hoe flexibel en wendbaar de cello is en hoe onterecht het is dat hij soms nog wordt geassocieerd met sentimentaliteit en zwaarmoedigheid“, so Wispelwey. Das Brahms-Schubert-Projekt ist ein engagiertes Plädoyer für das Violoncello mit seiner Fähigkeit, zu singen und mit seiner klanglichen Wandlungsfähigkeit. Auf die Fortsetzung darf man sehr gespannt sein.
Die Arpeggione-Sonate von Franz Schubert gehört ohnehin schon lange zum Repertoire der Cellisten. Und Johannes Brahms schuf zwar seine Sonaten op. 120 für den Klarinettisten Richard Mühlfeld – aber der Komponist höchstselbst veröffentlichte sie auch in einer Version für Viola. Insofern beruft sich Wispelwey auf eine Freiheit in der Instrumentierung, die über Jahrhundert ohnehin üblich war, und von der auch die Romanti- ker selbst gern noch Gebrauch machten.
Auf dieser ersten CD spielt der Cellist gemeinsam mit seinem Klavierpart- ner Paolo Giacometti Schuberts Fantasie in C-Dur, D 934, ursprünglich entstanden für Violine und Klavier, eine der einstigen Klarinettensonaten von Brahms, gerahmt von jeweils einem Satz aus zwei Suiten für Violon- cello solo von Max Reger, und Schuberts g-Moll-Sonate D 408. „We hopen opnieuw te laten horen hoe flexibel en wendbaar de cello is en hoe onterecht het is dat hij soms nog wordt geassocieerd met sentimentaliteit en zwaarmoedigheid“, so Wispelwey. Das Brahms-Schubert-Projekt ist ein engagiertes Plädoyer für das Violoncello mit seiner Fähigkeit, zu singen und mit seiner klanglichen Wandlungsfähigkeit. Auf die Fortsetzung darf man sehr gespannt sein.
Donnerstag, 12. Februar 2015
Rococo (Evil Penguin Records)
„Spel staat centraal bij de keuze van de drie stukken in deze opname“, darauf verweist Pieter Wispelwey im Beiheft zu dieser CD. „Het spelen met stijl, met travestie en illegaliteit. Het theater van dubbele bodems, vermomming en verleiding. Het plezier in het spelen mit conventies, de knipoog bij de uitvoering van formaliteiten, het uitdagen van dogma's en het doorbreken von regels.“ Drei Werke hat der Cellist ausgesucht, um die Bedeutung des Spiels mit Konventionen für die Musikgeschichte aufzuzeigen. Die Rokoko-Variationen von Peter Iljitsch Tschaikowski sind dafür in der Tat ein gutes Beispiel. Sie erklingen auf dieser CD in der ursprünglichen Version, mit acht Variationen des „Rokoko“-Themas, das natürlich ebenfalls durch den Komponisten erdacht worden ist.
Igor Strawinskys Suite Italienne hat ihren Ursprung in einer Ballettmusik: Pulcinella wurde in einem ersten Schritt zur Orchestersuite zusammen- gefasst. Daraus wiederum ist 1932 eine Suite für Cello und Klavier entstanden, die auf dieser CD in einer Bearbeitung für Cello und Streichorchester von Benjamin Wallfisch erklingt. Für die Ballettmusik hatte sich Strawinsky seinerzeit Barockmusik sozusagen ausgeliehen, die Pergolesi zugeschrieben wurde. Die alten Melodien hatte der Komponist dann mit modernen Harmonien und Rhythmen gekoppelt – das Ergebnis ist ein attraktives Stück, das zwar zeitgenössisch wirkt, aber hier und da dennoch ein paar hübsche antike Schnörkelchen aufweist.
Carl Philipp Emanuel Bach, ausgebildet von seinem Vater, hatte einen kunstsinnigen Dienstherrn, der keineswegs so rückwärtsgewandt gewesen sein kann, wie ihm das gern unterstellt wird. Denn Friedrich II. beschäf- tigte in seinem Orchester sowohl Christian Ludwig Hesse, einen der letzten großen Gambenvirtuosen, als auch Jean-Pierre Duport, den ersten Cello- virtuosen überhaupt. Der preußische Hof scheint also, über die legendären Flötenkonzerte von Sanssouci hinaus, dem musikalischen Experiment doch nicht gänzlich abgeneigt gewesen zu sein. Wispelwey präsentiert hier ein Cellokonzert des Bach-Sohnes aus dem Jahre 1753, das sich beinahe wie ein Gambenkonzert anhört – zumal der Cellist die ohnehin hohe Solo-Partie noch eine weitere Oktave nach oben verlagert hat. Galant und brav freilich ist dieses Werk nicht; es steckt voll Energie und voller Über- raschungen.
Für den Solisten sind alle drei Werke dankbare Aufgaben. Wispelwey musiziert gemeinsam mit Jonathan Morton und dem Musikkollegium Winterthur, schwungvoll und vergnügt. Sehr gelungen!
Igor Strawinskys Suite Italienne hat ihren Ursprung in einer Ballettmusik: Pulcinella wurde in einem ersten Schritt zur Orchestersuite zusammen- gefasst. Daraus wiederum ist 1932 eine Suite für Cello und Klavier entstanden, die auf dieser CD in einer Bearbeitung für Cello und Streichorchester von Benjamin Wallfisch erklingt. Für die Ballettmusik hatte sich Strawinsky seinerzeit Barockmusik sozusagen ausgeliehen, die Pergolesi zugeschrieben wurde. Die alten Melodien hatte der Komponist dann mit modernen Harmonien und Rhythmen gekoppelt – das Ergebnis ist ein attraktives Stück, das zwar zeitgenössisch wirkt, aber hier und da dennoch ein paar hübsche antike Schnörkelchen aufweist.
Carl Philipp Emanuel Bach, ausgebildet von seinem Vater, hatte einen kunstsinnigen Dienstherrn, der keineswegs so rückwärtsgewandt gewesen sein kann, wie ihm das gern unterstellt wird. Denn Friedrich II. beschäf- tigte in seinem Orchester sowohl Christian Ludwig Hesse, einen der letzten großen Gambenvirtuosen, als auch Jean-Pierre Duport, den ersten Cello- virtuosen überhaupt. Der preußische Hof scheint also, über die legendären Flötenkonzerte von Sanssouci hinaus, dem musikalischen Experiment doch nicht gänzlich abgeneigt gewesen zu sein. Wispelwey präsentiert hier ein Cellokonzert des Bach-Sohnes aus dem Jahre 1753, das sich beinahe wie ein Gambenkonzert anhört – zumal der Cellist die ohnehin hohe Solo-Partie noch eine weitere Oktave nach oben verlagert hat. Galant und brav freilich ist dieses Werk nicht; es steckt voll Energie und voller Über- raschungen.
Für den Solisten sind alle drei Werke dankbare Aufgaben. Wispelwey musiziert gemeinsam mit Jonathan Morton und dem Musikkollegium Winterthur, schwungvoll und vergnügt. Sehr gelungen!
Freitag, 2. Januar 2015
Fauré: Requiem (Evil Penguin Records Classic)
Der Flämische Rundfunkchor stellt auf dieser CD gemeinsam mit Solisten der Brüsseler Philharmoniker unter Hervé Niquet die Variante von 1893 vor, herausgegeben von John Rutter. Auf die Knabenstimmen verzichtet die Aufnahme; dafür gibt Niquet im Beiheft eine längere und ziemlich launige Begründung. Das Pie Jesu, üblicherweise ein Sopran-Solo, lässt er die Choristinnen singen. Das Bariton-Solo hingegen vergibt er an Bassbariton Andrew Foster-Williams. Die Streicher werden durch vier Hörner berei- chert. Dennoch wirkt Faurés Musik in dieser Einspielung seltsam kraft- und farblos; man ist geneigt, die klanglich deutlich attraktivere Version letzter Hand herbeizusehen.
Wesentlich spannender sind die beiden anderen Stücke, die diese CD komplettieren: Das Ave Verum, vor allem aber Les sept paroles du Christ sur la croix von Charles Gounod (1818 bis 1893). Hier wird hörbar, dass der Komponist die Werke der „Alten“ Meister, insbesondere auch Palestri- nas, mit Hingabe studiert hat. Diese A-capella-Andachtsmusik mit ihren Anleihen beim stile antico ist von höchster Intensität und Ausdruckskraft – und der Chor kann endlich zeigen, was er kann. Dieser Teil der CD ist wirklich beeindruckend.
Montag, 15. Oktober 2012
Bach and sons - Clavichord and flute (Evil Penguin Records)
Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war das Clavichord das Instrument der Wahl für das häusliche Musizie- ren. Die Saiten werden mit Tasten angeschlagen. Das Instrument funktioniert jedoch nach einen völlig anderen Prinzip als bei- spielsweise das Cembalo. Denn der Druck auf die Taste bewegt über einen simplen Hebel die sogenann- te Tangente aufwärts, ein Messing- blättchen, das an die Saite anschlägt und sie damit einerseits zum Klingen bringt. Andererseits unterteilt die Tangente die Saite aber auch in einen schwingenden und einen stummem Teil, der durch einen Filzstreifen am Klingen gehin- dert wird. Wird die Taste losgelassen, dann wird die gesamte Saite gedämpft, und der Ton verstummt.
Diese Art des direkten Spiels gibt Könnern reichlich Gelegenheit, den Ton zu formen und zu beeinflussen. So lässt sich durch periodisch wechselnden Druck der Finger auf die Tasten eine Art Vibrato erzeugen, die sogenannte Bebung. Der sanfte, wandlungsfähige Ton machte das Clavichord zum Lieblingsinstrument der Empfindsamkeit. Doch dann wurde es rasch vom Klavier verdrängt, das virtuosere Läufe ermöglicht, einen größeren Tonumfang hat - und wesentlich lauter ist.
Der Klang des Clavichords erscheint unseren Ohren flüsterleise. Das wird man beim Anhören der vorliegenden CD feststellen, auf der Benjamin-Joseph Steens entweder gemeinsam mit dem Flötisten Jacques-Antoine Bresch Werke der Bach-Familie vorstellt, die für Traversflöte und obligates "Clavier" geschrieben wurden - was in diesem Falle das Clavichord meint - oder aber das Tasteninstrument im Solo präsentiert. Diese CD ist zugleich eine Schule des Hörens. Denn wer die Differenzierungsmöglichkeiten des Clavichords wahr- nehmen möchte, der muss in der Tat die Ohren spitzen. Doch das lohnt sich.
Diese Art des direkten Spiels gibt Könnern reichlich Gelegenheit, den Ton zu formen und zu beeinflussen. So lässt sich durch periodisch wechselnden Druck der Finger auf die Tasten eine Art Vibrato erzeugen, die sogenannte Bebung. Der sanfte, wandlungsfähige Ton machte das Clavichord zum Lieblingsinstrument der Empfindsamkeit. Doch dann wurde es rasch vom Klavier verdrängt, das virtuosere Läufe ermöglicht, einen größeren Tonumfang hat - und wesentlich lauter ist.
Der Klang des Clavichords erscheint unseren Ohren flüsterleise. Das wird man beim Anhören der vorliegenden CD feststellen, auf der Benjamin-Joseph Steens entweder gemeinsam mit dem Flötisten Jacques-Antoine Bresch Werke der Bach-Familie vorstellt, die für Traversflöte und obligates "Clavier" geschrieben wurden - was in diesem Falle das Clavichord meint - oder aber das Tasteninstrument im Solo präsentiert. Diese CD ist zugleich eine Schule des Hörens. Denn wer die Differenzierungsmöglichkeiten des Clavichords wahr- nehmen möchte, der muss in der Tat die Ohren spitzen. Doch das lohnt sich.
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