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Mittwoch, 28. August 2019

Bach's Family - Choral Motets (Hänssler Classic)

Mit seinen vielen Schülern, zu denen auch seine Söhne gehörten, hat Johann Sebastian Bach das Musikleben seiner Zeit wohl mehr geprägt als durch seine Werke. Auf dieser CD sind Choralmotetten aus diesem Umfeld zu hören, bestens interpretiert vom Stuttgarter Kammerchor unter Leitung von Frieder Bernius. 
Zwei der dafür ausgewählten Werke stammen von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795). Der zweitjüngste Bach-Sohn galt an den Tasten als der „stärkste Spieler“ der jüngeren Generation – was kein geringerer als sein Bruder Wilhelm Friedemann Bach festgestellt hat, der ja bekanntermaßen ebenfalls ein Virtuose an Orgel und Cembalo war. Dennoch ist Johann Christoph Friedrich Bach, der zeitlebens als Kammermusiker am Hofe des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe in Bückeburg wirkte, eher wenig bekannt. 
Das gilt auch für Johann Christoph Altnickol (1719 bis 1759). Er stammte aus der Oberlausitz; 1744 kam er zum Studium nach Leipzig, und wurde bald darauf auch Bachs Schüler und Assistent. So wurde er zwar kein Pfarrer, aber Organist an der Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg, und Bachs Schwiegersohn. 

Freitag, 10. November 2017

Moscheles: Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach (FCI)

Diese CD bietet gleich zwei Raritäten. Der Cellist Niklas Schmidt spielt gemeinsam mit Stepan Simonian, Klavier, eine Sonate für Violoncello und Klavier in D-Dur von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795), dem „Bückeburger Bach“. Unter den drei Bach-Söhnen, die als Musiker brillierten, gilt er als virtuos, aber unscheinbar; er wirkte fast
50 Jahre lang als Cembalist und Kapellmeister am schaumburg-lippischen Hof. 

Fast noch interessanter ist das andere Werk auf der CD, die Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S.Bach mit einer hinzukompo- nierten Violoncellostimme op.137a von Ignaz Moscheles (1794 bis 1870). Der Musiker war ein enger Freund von Felix Mendelssohn Bartholdy, und teilte dessen Bach-Begeisterung. Den Cellopart hat er eigens geschaffen, um die „herrlichen Präludien den Laien und dem grössern Publikum (wieder) zugänglich zu machen“. Dabei setzt er auf den „concertierenden Effect“ der Instrumente und „moderne“ Klangfarben, wie er schreibt. 
Mit diesem Projekt, das wir heute möglicherweise als ziemlich kühn empfinden, folgt Moscheles dem Beispiel auch anderer Romantiker, die sich Bachs Werke – die damals wiederentdeckt wurden – erschlossen, indem sie sie bearbeiteten. Das Beiheft zu dieser CD listet eine lange Reihe derartiger Arrangements auf. Sie folgen damit einer Tradition, die auch Bach selbst pflegte; so studierte er beispielsweise Vivaldis Konzerte, indem er sie auf Orgel und Cembalo übertrug. 
Bach aus der Perspektive der Romantik zu interpretieren, das ist ein Experiment, dem sich Niklas Schmidt und Stepan Simonian mit großem Können und dazu mit hörbarem Vergnügen stellen. Eine gelungene Aufnahme, die rundum erfreut. 

Mittwoch, 11. Juni 2014

Johann Christoph Friedrich Bach: Sonatas for traverso & fortepiano (Glossa)

Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795) soll unter den Söhnen des Thomaskantors derjenige gewesen sein, der am besten Cembalo spielte. Der dritte von sechs überlebenden Söhnen Johann Sebastian Bachs ging im Frühjahr 1750, gerade einmal 18 Jahre alt, als „Cammer-Musicus“ an den Hof des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. Dort wirkte der „Bückeburger Bach“ bis an sein Lebensende. Er machte die Hof- kapelle seines Dienstherrn zu einem exzellenten Orchester, heiratete die Hofsängerin, war mit Johann Gottfried Herder befreundet – der dann allerdings zu Bachs Leidwesen 1776 nach Weimar berufen wurde – und komponierte zahlreiche Werke. 
Leider interessierte sich zunächst kaum jemand für seine Musik, weil sein Lebenslauf und sein eher regionales Wirken so gar nicht zum Genie-Kult der Romantik passten. Und im Zweiten Weltkrieg sind dann viele seiner Manuskripte verloren gegangen. Umso erfreulicher ist es, dass nun bei Glossa eine sehr hörenswerte Einspielung wieder erhältlich ist, die im Juni 2004 in Pisa aufgezeichnet wurde. 
Marcello Gatti und Giovanni Togni spielen einige seiner Sonaten für Clavier mit Begleitung einer Flöte oder Violine, hier in der Besetzung mit Traversflöte, sowie eine Sonate per Flauto traverso o Violino, Violoncello e Cembalo concertato (o Piano-Forte), mit Giovanna Barbati am Violoncello. Es ist eine bezaubernde Aufnahme wunder- voller, feinsinniger Musikstücke – sensibel, ohne kitschig zu werden. Herrliche Melodien, vielfältige Wendungen und musikalische Ideen – und was für ein harmonisches Musizieren! Diese CD hört man gern immer wieder. Bravi!  

Montag, 15. Oktober 2012

Bach and sons - Clavichord and flute (Evil Penguin Records)

Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war das Clavichord das Instrument der Wahl für das häusliche Musizie- ren. Die Saiten werden mit Tasten angeschlagen. Das Instrument funktioniert jedoch nach einen völlig anderen Prinzip als bei- spielsweise das Cembalo. Denn der Druck auf die Taste bewegt über einen simplen Hebel die sogenann- te Tangente aufwärts, ein Messing- blättchen, das an die Saite anschlägt und sie damit einerseits zum Klingen bringt. Andererseits unterteilt die Tangente die Saite aber auch in einen schwingenden und einen stummem Teil, der durch einen Filzstreifen am Klingen gehin- dert wird. Wird die Taste losgelassen, dann wird die gesamte Saite gedämpft, und der Ton verstummt. 
Diese Art des direkten Spiels gibt Könnern reichlich Gelegenheit, den Ton zu formen und zu beeinflussen. So lässt sich durch periodisch wechselnden Druck der Finger auf die Tasten eine Art Vibrato erzeugen, die sogenannte Bebung. Der sanfte, wandlungsfähige Ton machte das Clavichord zum Lieblingsinstrument der Empfindsamkeit. Doch dann wurde es rasch vom Klavier verdrängt, das virtuosere Läufe ermöglicht, einen größeren Tonumfang hat - und wesentlich lauter ist. 
Der Klang des Clavichords erscheint unseren Ohren flüsterleise. Das wird man beim Anhören der vorliegenden CD feststellen, auf der Benjamin-Joseph Steens entweder gemeinsam mit dem Flötisten Jacques-Antoine Bresch Werke der Bach-Familie vorstellt, die für Traversflöte und obligates "Clavier" geschrieben wurden - was in diesem Falle das Clavichord meint - oder aber das Tasteninstrument im Solo präsentiert. Diese CD ist zugleich eine Schule des Hörens. Denn wer die Differenzierungsmöglichkeiten des Clavichords wahr- nehmen möchte, der muss in der Tat die Ohren spitzen. Doch das lohnt sich. 

Samstag, 12. Mai 2012

Johann Christoph Friedrich Bach: Die Kindheit Jesu (Capriccio)

Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795), der zweitjüngste Sohn Johann Sebastian Bachs, ging 1750 an den Hof der Grafen zu Schaumburg-Lippe nach Bücke- burg, wo er bis an sein Lebensende wirkte. War er zunächst als Cam- mer-Musicus angestellt, wurde er 1759 zum Concert-Meister der etwa 15köpfigen Hofkapelle, und verantwortete in dieser Funktion das gesamte musikalische Ge- schehen an dem norddeutschen Hof. 
Das Ensemble war durch venezianische Musiker geprägt. Bach hatte die italienische Musiktradition mit Sicherheit in Dresden erlebt, setzte in Bückeburg jedoch eigene Akzente. So stand er mit seinem Bruder Carl Philipp Emanuel Bach, insbesondere nach dessen Übersiedlung nach Hamburg, in engem Kontakt, und übernahm auch künstlerisch so manche Idee, was seinen Stil deutlich in Richtung Empfindsamkeit wandelte.
1771 wurde der Dichter und Theologe Johann Gottfried Herder nach Bückeburg berufen. Auch das brachte Bach so manche Anregung. So schrieb Herder 1772 Die Kindheit Jesu. Er nannte das Werk Ein biblisches Gemälde, und sandte es als Weihnachtsgabe an seine Braut Caroline Flachsland nach Darmstadt. Zugleich aber gab er es dem Musiker zur Vertonung, und so erklang das fertige Opus im Februar 1773 erstmals am Bückeburger Hof. Kleine Kostprobe: "Er bricht! Der Himmel bricht! O Licht!" Herders Text ist, selbst für damalige Ver- hältnisse, eher viel Gefühl als, nun ja, Verstand. Bachs Musik ist aber besser. 
Wie weit sich der Bach-Sohn von seinem Vater und Lehrer entfernt hat, zeigt noch eindeutiger die vierstimmige Motette zu dem bekann- ten Kirchenlied Wachet auf, ruft uns die Stimme. Der Bückeburger Bach schuf sie ein halbes Jahrhundert nachdem sein Vater die gleichnamige Kantate komponiert hatte. Es ist ein kühnes Werk, das so gar nichts hat von der Galanterie beispielsweise eines Mozart, der etwa zur gleichen Zeit seine Krönungsmesse geschrieben hat. Musikwissenschaftler stehen etwas ratlos vor diesem Monument, das einige Anleihen beim Werk des Thomaskantors nicht verleugnet, diese zugleich aber durch moderne Klänge ergänzt, die Bach junior erstaunlicherweise mit dem alten, kontrapunktischen Stil einbin- det. Es ist Hermann Max und seines Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert zu verdanken, dass wir die beiden Werke heute in sehr ordentlichen Aufnahmen aus dem Jahre 1988 auf CD vorliegen haben.