Carl Heinrich Carsten Reinecke (1824 bis 1910) gehört zu den bedeutenden Pianisten, Dirigenten und Kompo- nisten der Romantik. Er war befreundet mit zahlreichen Musikerkollegen, wie Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Franz Liszt.
Seine Ausbildung begann Reinecke bei seinem Vater, einem Musiklehrer; er übte sich im Klavierspiel, komponierte und musizierte zudem auf der Violine. Bereits 1835 gab der Junge in seiner Heimatstadt Altona sein Debüt als Pianist, und ging dann auf Konzertreisen durch ganz Europa. Ein Stipendium des dänischen Königs ermöglichte es Reinecke, in Leipzig zu studieren.
1847 wurde Carl Reinecke dänischer Hofpianist; allerdings zwang ihn der Krieg 1848, auf diese Stelle zu verzichten. Nach Stationen in Leipzig und Bremen reiste der Musiker mit einer Empfehlung von Franz Liszt an Hector Berlioz nach Paris, wo er konzertierte, und Liszts Töchter Blandine und Cosima unterrichtete. Außerdem traf er Ferdinand Hiller wieder, den er aus Leipzig kannte.
Dieser war mittlerweile Direktor des Konservatoriums in Köln geworden, und er konnte Reinecke dafür gewinnen, dort Klavierspiel und Komposition zu lehren. Anschließend wirkte Reinecke fünf Jahre lang als städtischer Musikdirektor in Barmen, bis er dann 1859 nach Breslau ging. Doch noch im gleichen Jahr wurde er dann Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Dieses Amt hatte er bis 1895 inne; außerdem lehrte er am Leipziger Konservatorium. Dieses leitete er von 1897 bis 1902.
Die Liste der Schüler Carl Reineckes ist lang und illuster. Er unterrichtete beispielsweise Max Bruch, Edvard Grieg, Isaac Albéniz, Leoš Janáček und Sigfrid Karg-Elert. Mir war er bislang vor allem als Liederkomponist bekannt. Diese CD bietet die Gelegenheit, Reinecke auch als Urheber exquisiter Kammermusik kennenzulernen. Und das lohnt sich.
Martin Rummel zeigt gemeinsam mit seinem Klavierpartner Roland Krüger, dass die drei Violoncello-Sonaten sowie die Drei Stücke für Violoncello und Klavier op. 146 durchaus einen Platz im Repertoire verdienen. Sie sind über einen Zeitraum von gut 40 Jahren entstanden, und zeichnen sich durch einen Reichtum an herrlichen Melodien ebenso aus wie durch einen anspruchsvollen Klavierpart, der weit mehr ist als eine Begleitung.
Rummel zelebriert die gesanglichen Passagen mit sattem Ton und großen Bögen, und die virtuosen Teile spielt er mit Eleganz und mit Leichtigkeit, immer im Dialog mit Roland Krüger am Klavier. Den beiden Musizier- partnern, die schon des öfteren auf zu Unrecht wenig gespielte Werke aufmerksam gemacht haben, ist mit dieser Einspielung wieder einmal eine Entdeckung gelungen.
Posts mit dem Label Musik für Violoncello und Klavier werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Musik für Violoncello und Klavier werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 2. Juni 2019
Montag, 30. April 2018
Klengel: Complete Concertinos for Cello and Piano (Naxos)
Julius Klengel (1859 bis 1933) war Solo-Cellist des schon damals welt- berühmten Gewandhausorchesters Leipzig. In der Pleißestadt kam er zur Welt, und er wurde in eine hoch- musikalische Familie hineingeboren.
Schon sein Großvater Moritz Klengel spielte als Geiger im Gewandhaus- orchester, und unterrichtete zudem am Leipziger Konservatorium. Sein Vater Wilhelm Julius Klengel war mit Mendelssohn befreundet, und musikalisch beschlagen genug, um seinen sieben Kindern den Anfangsunterricht selbst zu erteilen. Julius' Bruder Paul wirkte ebenfalls als Geiger, Pianist und Komponist.
Julius Klengel galt als Wunderkind. Als er sieben Jahre alt war, begann seine Ausbildung bei Emil Hegar. Dieser war ein Schüler Friedrich Grützmachers, und Stimmführer der Violoncellisten am Gewandhaus- orchester. Mit 15 Jahren trat Klengel selbst in das renommierte Orchester ein; 1881 wurde er Solo-Cellist und zugleich Lehrer am Konservatorium. Außerdem war er als Solist und Kammermusikpartner gleichermaßen gefragt, und ging regelmäßig auf Konzertreisen.
Klengel war auch ein exzellenter Pianist, und er komponierte viele Stücke für das Violoncello. Diese CD porträtiert ihn allerdings weniger als Virtuosen denn vielmehr als Lehrenden: Klengels Concertinos für Cello und Klavier gehören noch heute zu dem Repertoire, das nahezu jeder Cellist im Laufe seiner Ausbildung erarbeitet. Klengel war als Pädagoge von enormer Bedeutung; er hat ganze Heerscharen von Studenten unterrichtet. Zu seinen Schülern zählten legendäre Künstler wie etwa Emanuel Feuermann, Rudolf Metzmacher und Gregor Piatigorsky.
Auf dieser CD werden Klengels Concertinos von Martin Rummel großartig gespielt, der übrigens der letzte Schüler von William Pleeth war, und somit ein Enkelschüler Klengels ist. Rummel musiziert gemeinsam mit der Pianistin Mari Kato – und das Konzertstück d-Moll op. 10 bietet auch ihr die Möglichkeit, gleichberechtigt neben dem Cello zu konzertieren. Sehr gelungen!
Schon sein Großvater Moritz Klengel spielte als Geiger im Gewandhaus- orchester, und unterrichtete zudem am Leipziger Konservatorium. Sein Vater Wilhelm Julius Klengel war mit Mendelssohn befreundet, und musikalisch beschlagen genug, um seinen sieben Kindern den Anfangsunterricht selbst zu erteilen. Julius' Bruder Paul wirkte ebenfalls als Geiger, Pianist und Komponist.
Julius Klengel galt als Wunderkind. Als er sieben Jahre alt war, begann seine Ausbildung bei Emil Hegar. Dieser war ein Schüler Friedrich Grützmachers, und Stimmführer der Violoncellisten am Gewandhaus- orchester. Mit 15 Jahren trat Klengel selbst in das renommierte Orchester ein; 1881 wurde er Solo-Cellist und zugleich Lehrer am Konservatorium. Außerdem war er als Solist und Kammermusikpartner gleichermaßen gefragt, und ging regelmäßig auf Konzertreisen.
Klengel war auch ein exzellenter Pianist, und er komponierte viele Stücke für das Violoncello. Diese CD porträtiert ihn allerdings weniger als Virtuosen denn vielmehr als Lehrenden: Klengels Concertinos für Cello und Klavier gehören noch heute zu dem Repertoire, das nahezu jeder Cellist im Laufe seiner Ausbildung erarbeitet. Klengel war als Pädagoge von enormer Bedeutung; er hat ganze Heerscharen von Studenten unterrichtet. Zu seinen Schülern zählten legendäre Künstler wie etwa Emanuel Feuermann, Rudolf Metzmacher und Gregor Piatigorsky.
Auf dieser CD werden Klengels Concertinos von Martin Rummel großartig gespielt, der übrigens der letzte Schüler von William Pleeth war, und somit ein Enkelschüler Klengels ist. Rummel musiziert gemeinsam mit der Pianistin Mari Kato – und das Konzertstück d-Moll op. 10 bietet auch ihr die Möglichkeit, gleichberechtigt neben dem Cello zu konzertieren. Sehr gelungen!
Freitag, 10. November 2017
Moscheles: Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach (FCI)
Diese CD bietet gleich zwei Raritäten. Der Cellist Niklas Schmidt spielt gemeinsam mit Stepan Simonian, Klavier, eine Sonate für Violoncello und Klavier in D-Dur von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795), dem „Bückeburger Bach“. Unter den drei Bach-Söhnen, die als Musiker brillierten, gilt er als virtuos, aber unscheinbar; er wirkte fast
50 Jahre lang als Cembalist und Kapellmeister am schaumburg-lippischen Hof.
Fast noch interessanter ist das andere Werk auf der CD, die Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S.Bach mit einer hinzukompo- nierten Violoncellostimme op.137a von Ignaz Moscheles (1794 bis 1870). Der Musiker war ein enger Freund von Felix Mendelssohn Bartholdy, und teilte dessen Bach-Begeisterung. Den Cellopart hat er eigens geschaffen, um die „herrlichen Präludien den Laien und dem grössern Publikum (wieder) zugänglich zu machen“. Dabei setzt er auf den „concertierenden Effect“ der Instrumente und „moderne“ Klangfarben, wie er schreibt.
Mit diesem Projekt, das wir heute möglicherweise als ziemlich kühn empfinden, folgt Moscheles dem Beispiel auch anderer Romantiker, die sich Bachs Werke – die damals wiederentdeckt wurden – erschlossen, indem sie sie bearbeiteten. Das Beiheft zu dieser CD listet eine lange Reihe derartiger Arrangements auf. Sie folgen damit einer Tradition, die auch Bach selbst pflegte; so studierte er beispielsweise Vivaldis Konzerte, indem er sie auf Orgel und Cembalo übertrug.
Bach aus der Perspektive der Romantik zu interpretieren, das ist ein Experiment, dem sich Niklas Schmidt und Stepan Simonian mit großem Können und dazu mit hörbarem Vergnügen stellen. Eine gelungene Aufnahme, die rundum erfreut.
50 Jahre lang als Cembalist und Kapellmeister am schaumburg-lippischen Hof.
Fast noch interessanter ist das andere Werk auf der CD, die Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S.Bach mit einer hinzukompo- nierten Violoncellostimme op.137a von Ignaz Moscheles (1794 bis 1870). Der Musiker war ein enger Freund von Felix Mendelssohn Bartholdy, und teilte dessen Bach-Begeisterung. Den Cellopart hat er eigens geschaffen, um die „herrlichen Präludien den Laien und dem grössern Publikum (wieder) zugänglich zu machen“. Dabei setzt er auf den „concertierenden Effect“ der Instrumente und „moderne“ Klangfarben, wie er schreibt.
Mit diesem Projekt, das wir heute möglicherweise als ziemlich kühn empfinden, folgt Moscheles dem Beispiel auch anderer Romantiker, die sich Bachs Werke – die damals wiederentdeckt wurden – erschlossen, indem sie sie bearbeiteten. Das Beiheft zu dieser CD listet eine lange Reihe derartiger Arrangements auf. Sie folgen damit einer Tradition, die auch Bach selbst pflegte; so studierte er beispielsweise Vivaldis Konzerte, indem er sie auf Orgel und Cembalo übertrug.
Bach aus der Perspektive der Romantik zu interpretieren, das ist ein Experiment, dem sich Niklas Schmidt und Stepan Simonian mit großem Können und dazu mit hörbarem Vergnügen stellen. Eine gelungene Aufnahme, die rundum erfreut.
Dienstag, 2. August 2016
Romantic Cello (Es-Dur)
Zum 70. Geburtstag gratuliert mit dieser CD dem Cellisten David Geringas das Label Es-Dur. Was könnte zu einem solchen Anlass besser passen als ein Programm mit Werken der Romantiker? Und so sind hier die Sonate in a-Moll D. 821 Arpeggione von Franz Schubert zu hören, die Fantasiestücke op. 73 und die Fünf Stücke im Volkston op. 102 von Robert Schumann, sechs Lieder von Johannes Brahms – die Transkriptionen sind noch zu Leb- zeiten des Komponisten bei seinem Verleger Simrock erschienen – und die Romanze in F-Dur von Richard Strauss.
Die Aufnahmen, aus dem Jahre 1993, hat David Geringas gemeinsam mit seiner Frau Tatjana eingespielt. Sie musizierte mit ihm zusammen bereits während des Studiums am Moskauer Konservatorium, und war ihm mehr als 40 Jahre lang eine perfekte Duopartnerin.
David Geringas, ein Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, hat nicht nur Konzerte mit einer Vielzahl von Orchestern und Dirigenten gegeben und knapp hundert CD eingespielt. Er hat selbst auch sehr erfolgreich junge Cellisten ausgebildet. Geringas lehrte als Professor in Hamburg, Lübeck und Berlin; in seiner Celloklasse haben unter anderem Jens Peter Maintz, Tatjana Vassilieva, Johannes Moser, Sol Gabetta und Gustav Rivinius studiert. Der Musiker wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Auszeich- nungen geehrt. Und er musiziert immer noch, mit Leidenschaft und Präzision; seinen Ehrentag feierte der Jubilar beim Siena Festival, und auch im August wird er mehrere Konzerte spielen. Wir wünschen dem Musiker weiterhin Gesundheit, Kraft und Kreativität – herzlichen Glückwunsch!
Die Aufnahmen, aus dem Jahre 1993, hat David Geringas gemeinsam mit seiner Frau Tatjana eingespielt. Sie musizierte mit ihm zusammen bereits während des Studiums am Moskauer Konservatorium, und war ihm mehr als 40 Jahre lang eine perfekte Duopartnerin.
David Geringas, ein Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, hat nicht nur Konzerte mit einer Vielzahl von Orchestern und Dirigenten gegeben und knapp hundert CD eingespielt. Er hat selbst auch sehr erfolgreich junge Cellisten ausgebildet. Geringas lehrte als Professor in Hamburg, Lübeck und Berlin; in seiner Celloklasse haben unter anderem Jens Peter Maintz, Tatjana Vassilieva, Johannes Moser, Sol Gabetta und Gustav Rivinius studiert. Der Musiker wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Auszeich- nungen geehrt. Und er musiziert immer noch, mit Leidenschaft und Präzision; seinen Ehrentag feierte der Jubilar beim Siena Festival, und auch im August wird er mehrere Konzerte spielen. Wir wünschen dem Musiker weiterhin Gesundheit, Kraft und Kreativität – herzlichen Glückwunsch!
Mittwoch, 27. Juli 2016
Beethoven: Sämtliche Werke für Violoncello und Klavier (Hänssler Classic)
„Sie wissen, wie man einen Ochsen in eine Nachtigall verwandelt“, meinte einst der Philosoph Voltaire zum Cello-Virtuosen Jean-Louis Duport (1749 bis 1819). Nachdem es lange vor allem als Generalbass- instrument eingesetzt wurde, setzte damals eine Wiederentdeckung des Violoncellos auch als Soloinstrument ein. So musizierte Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) im Jahre 1796 auf der einzigen größeren Reise seines Lebens in Potsdam im Schloss Sanssouci gemeinsam mit Duport, dem Cellolehrer des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, der eben- falls brillant Violoncello gespielt haben soll. Der Komponist widmete dem Monarchen schließlich seine Sonaten op. 5.
Beethoven liebte den Klang des Violoncellos, seinen ebenso edlen wie wandlungsfähigen Ton. Nur für das Klavier hat er mehr Werke geschaffen. Bei Hänssler Classic ist jetzt auf drei CD eine Gesamteinspielung sämtli- cher Musikstücke erhältlich, bei denen Beethoven beide Lieblingsinstru- mente eingesetzt hat. Eingespielt wurde sie von David Geringas, Violon- cello, gemeinsam mit dem Pianisten Ian Fountain.
Die Musiker hatten vor einigen Jahren die Stimmen für die neue Urtext- ausgabe eingerichtet, die im G. Henle Verlag erschienen ist. Wie tief- greifend sie sich mit den Cellokompositionen Beethovens auseinander- gesetzt haben, das spürt man in dieser Aufnahme in nahezu jedem Takt. Cellist und Pianist musizieren bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt. Jedes Werk ist mit einer Sorgfalt gearbeitet, die beeindruckt. Eine großartige Einspielung, die neben den fünf Sonaten für Klavier und Violoncello auch die drei Variationszyklen sowie die Hornsonate op. 17 in Beethovens Fassung für Violoncello und die Duosonate op. 64 umfasst.
Beethoven liebte den Klang des Violoncellos, seinen ebenso edlen wie wandlungsfähigen Ton. Nur für das Klavier hat er mehr Werke geschaffen. Bei Hänssler Classic ist jetzt auf drei CD eine Gesamteinspielung sämtli- cher Musikstücke erhältlich, bei denen Beethoven beide Lieblingsinstru- mente eingesetzt hat. Eingespielt wurde sie von David Geringas, Violon- cello, gemeinsam mit dem Pianisten Ian Fountain.
Die Musiker hatten vor einigen Jahren die Stimmen für die neue Urtext- ausgabe eingerichtet, die im G. Henle Verlag erschienen ist. Wie tief- greifend sie sich mit den Cellokompositionen Beethovens auseinander- gesetzt haben, das spürt man in dieser Aufnahme in nahezu jedem Takt. Cellist und Pianist musizieren bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt. Jedes Werk ist mit einer Sorgfalt gearbeitet, die beeindruckt. Eine großartige Einspielung, die neben den fünf Sonaten für Klavier und Violoncello auch die drei Variationszyklen sowie die Hornsonate op. 17 in Beethovens Fassung für Violoncello und die Duosonate op. 64 umfasst.
Sonntag, 17. Juli 2016
Mannheim Cellists (Passacaille)
Was waren das doch für Zeiten, als Herrscher darum wetteiferten, die besten Musiker an ihre Höfe zu engagieren – man muss sich das in der Tat so ähnlich vorstellen, wie heute Transfers von Fußballstars. Ein solcher Regent war Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, der die einstige Festung Mannheim in eine Kunst- metropole verwandelte und dort innerhalb weniger Jahre eine Hofkapelle etablierte, die in ganz Europa bewundert wurde.
„Kein Orchester der Welt hat es je in der Ausführung dem Mannheimer zuvorgethan“, schwärmte Christian Friedrich Daniel Schubart 1784. „Sein Forte ist ein Donner, sein Crescendo ein Catarakt, sein Diminuendo ein in der Ferne plätschernder Krystallfluss, sein Piano ein Frühlingshauch.“ Und Charles Burney, der Mannheim natürlich ebenfalls besucht hat, berichtete, in diesem Orchester „there are more solo players and good composers, then perhaps in any other orchestra in Europe. It is an army of generals, equally fit to plan a battle, as to fight it.“
Karl Theodor holte Musiker aus den verschiedensten Ländern in sein Orchester; er ermöglichte ihnen dann ein Studium in Italien, oder aber er gestattete ihnen, auf Konzertreisen zu gehen – eine clevere Strategie, denn Erfolge seiner Musiker in Wien oder in Paris mehrten letztendlich auch den Ruhm des Kurfürsten.
Die vorliegende CD stellt Cellisten vor, die in Mannheim wirkten. Dazu gehörten Innocenz Danzi, auf dieser CD nicht vertreten, und der ihm als Zweiter Cellist nachgeordnete Anton Filtz (1733 bis 1760). Zu hören ist auch ein Werk von Filtz' Schüler Johann Georg Christoph Schetky (1737 bis 1824), der 1772 auf einer Konzertreise nach London eine Stelle in Edinburgh annahm – und dort blieb.
Jean Balthasar Triklir (1750 bis 1813) stammte aus Dijon; er ging mit 15 Jahren nach Mannheim, wo er erst studierte und dann in der Hofkapelle musizierte, bis er schließlich 1783 als Erster Cellist nach Dresden wechselte. In Mannheim blieb hingegen Peter Ritter (1763 bis 1846) – er wurde in der Stadt geboren, er lernte und musizierte, und er starb dann auch dort. Er war ein Schüler Danzis. Ritter entschied sich 1783, nicht mit der Hofkapelle nach München umzuziehen, sondern im Orchester des neugegründeten Nationaltheaters in Mannheim zu spielen. Er war dort zunächst Erster Cellist, dann ab 1801 Konzertmeister und schließlich Kapellmeister.
Marco Testori, Violoncello, und Davide Pozzi, Hammerklavier, zeigen anhand der ausgewählten Sonaten, dass das Violoncello seinerzeit rasant Karriere machte: Es wurde nicht länger vorrangig als Continuo-Cello eingesetzt, sondern es bekam solistische Aufgaben, die immer höhere technische Anforderungen stellten. Auch die Begleitung sagte dem Generalbass-Zeitalter Adieu; das Tasteninstrument wird schließlich nicht mehr kontrapunktisch, sondern eher dialogisch geführt. Spannend!
„Kein Orchester der Welt hat es je in der Ausführung dem Mannheimer zuvorgethan“, schwärmte Christian Friedrich Daniel Schubart 1784. „Sein Forte ist ein Donner, sein Crescendo ein Catarakt, sein Diminuendo ein in der Ferne plätschernder Krystallfluss, sein Piano ein Frühlingshauch.“ Und Charles Burney, der Mannheim natürlich ebenfalls besucht hat, berichtete, in diesem Orchester „there are more solo players and good composers, then perhaps in any other orchestra in Europe. It is an army of generals, equally fit to plan a battle, as to fight it.“
Karl Theodor holte Musiker aus den verschiedensten Ländern in sein Orchester; er ermöglichte ihnen dann ein Studium in Italien, oder aber er gestattete ihnen, auf Konzertreisen zu gehen – eine clevere Strategie, denn Erfolge seiner Musiker in Wien oder in Paris mehrten letztendlich auch den Ruhm des Kurfürsten.
Die vorliegende CD stellt Cellisten vor, die in Mannheim wirkten. Dazu gehörten Innocenz Danzi, auf dieser CD nicht vertreten, und der ihm als Zweiter Cellist nachgeordnete Anton Filtz (1733 bis 1760). Zu hören ist auch ein Werk von Filtz' Schüler Johann Georg Christoph Schetky (1737 bis 1824), der 1772 auf einer Konzertreise nach London eine Stelle in Edinburgh annahm – und dort blieb.
Jean Balthasar Triklir (1750 bis 1813) stammte aus Dijon; er ging mit 15 Jahren nach Mannheim, wo er erst studierte und dann in der Hofkapelle musizierte, bis er schließlich 1783 als Erster Cellist nach Dresden wechselte. In Mannheim blieb hingegen Peter Ritter (1763 bis 1846) – er wurde in der Stadt geboren, er lernte und musizierte, und er starb dann auch dort. Er war ein Schüler Danzis. Ritter entschied sich 1783, nicht mit der Hofkapelle nach München umzuziehen, sondern im Orchester des neugegründeten Nationaltheaters in Mannheim zu spielen. Er war dort zunächst Erster Cellist, dann ab 1801 Konzertmeister und schließlich Kapellmeister.
Marco Testori, Violoncello, und Davide Pozzi, Hammerklavier, zeigen anhand der ausgewählten Sonaten, dass das Violoncello seinerzeit rasant Karriere machte: Es wurde nicht länger vorrangig als Continuo-Cello eingesetzt, sondern es bekam solistische Aufgaben, die immer höhere technische Anforderungen stellten. Auch die Begleitung sagte dem Generalbass-Zeitalter Adieu; das Tasteninstrument wird schließlich nicht mehr kontrapunktisch, sondern eher dialogisch geführt. Spannend!
Dienstag, 16. Juni 2015
Schubert - Brahms: The complete duos (Evil Penguin Records)
„Dit project is ontstaan uit een drievoudige liefde“, schwärmt Pieter Wispelwey im Beiheft zu dieser CD, „voor Schubert, voor Brahms en voor de cello.“ Doch bei aller Liebe – Schubert hat kein einziges Stück für Violoncello und Klavier geschrieben, und Brahms lediglich zwei Cello- sonaten. „Aangezien ik geen viool, altviool, fluit of arpeggione speel, zou ik veertien duos missen van twee van mijn favoriete componisten“, überlegte der Cellist – und gibt der Versuchung nach, die 14 Duos doch zu spielen.
Die Arpeggione-Sonate von Franz Schubert gehört ohnehin schon lange zum Repertoire der Cellisten. Und Johannes Brahms schuf zwar seine Sonaten op. 120 für den Klarinettisten Richard Mühlfeld – aber der Komponist höchstselbst veröffentlichte sie auch in einer Version für Viola. Insofern beruft sich Wispelwey auf eine Freiheit in der Instrumentierung, die über Jahrhundert ohnehin üblich war, und von der auch die Romanti- ker selbst gern noch Gebrauch machten.
Auf dieser ersten CD spielt der Cellist gemeinsam mit seinem Klavierpart- ner Paolo Giacometti Schuberts Fantasie in C-Dur, D 934, ursprünglich entstanden für Violine und Klavier, eine der einstigen Klarinettensonaten von Brahms, gerahmt von jeweils einem Satz aus zwei Suiten für Violon- cello solo von Max Reger, und Schuberts g-Moll-Sonate D 408. „We hopen opnieuw te laten horen hoe flexibel en wendbaar de cello is en hoe onterecht het is dat hij soms nog wordt geassocieerd met sentimentaliteit en zwaarmoedigheid“, so Wispelwey. Das Brahms-Schubert-Projekt ist ein engagiertes Plädoyer für das Violoncello mit seiner Fähigkeit, zu singen und mit seiner klanglichen Wandlungsfähigkeit. Auf die Fortsetzung darf man sehr gespannt sein.
Die Arpeggione-Sonate von Franz Schubert gehört ohnehin schon lange zum Repertoire der Cellisten. Und Johannes Brahms schuf zwar seine Sonaten op. 120 für den Klarinettisten Richard Mühlfeld – aber der Komponist höchstselbst veröffentlichte sie auch in einer Version für Viola. Insofern beruft sich Wispelwey auf eine Freiheit in der Instrumentierung, die über Jahrhundert ohnehin üblich war, und von der auch die Romanti- ker selbst gern noch Gebrauch machten.
Auf dieser ersten CD spielt der Cellist gemeinsam mit seinem Klavierpart- ner Paolo Giacometti Schuberts Fantasie in C-Dur, D 934, ursprünglich entstanden für Violine und Klavier, eine der einstigen Klarinettensonaten von Brahms, gerahmt von jeweils einem Satz aus zwei Suiten für Violon- cello solo von Max Reger, und Schuberts g-Moll-Sonate D 408. „We hopen opnieuw te laten horen hoe flexibel en wendbaar de cello is en hoe onterecht het is dat hij soms nog wordt geassocieerd met sentimentaliteit en zwaarmoedigheid“, so Wispelwey. Das Brahms-Schubert-Projekt ist ein engagiertes Plädoyer für das Violoncello mit seiner Fähigkeit, zu singen und mit seiner klanglichen Wandlungsfähigkeit. Auf die Fortsetzung darf man sehr gespannt sein.
Sonntag, 24. Mai 2015
Recital for Cello & Piano (Oehms Classics)
Wen-Sinn Yang, Professor für Violoncello an der Hochschule für Musik und Theater München, präsentiert hier gemeinsam mit dem Pianisten Adrian Oetiker, der ebenfalls an dieser Hochschule lehrt, ein perfektes Konzertprogramm. Man glaubt es kaum, doch diese Aufnahmen sind im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks entstanden.
Drei bedeutende Werke spielen die beiden Musiker – die Sonatine für Violoncello und Klavier von Zoltán Kodály (1882 bis 1967), die Arpeggione-Sonate D 821 von Franz Schubert (1797 bis 1828) und die Sonate für Pianoforte und Violoncello b-Moll op. 8 von Ernst von Dohnányi (1877 bis 1960).
Kodály verknüpft in seiner Sonatine ungarische Melodien mit französi- schem Esprit. Dieses eigenwillige Werk, dahingetupft im Stile des Impressionismus, hält im Dialog der beiden Instrumente so manche Überraschung für den Hörer bereit. Bekannter ist die Sonate, die Franz Schubert einst für ein neues Streichinstrument geschrieben hat. Der Arpeggione, offenbar eine Kreuzung aus Gitarre und Cello, konnte sich nicht durchsetzen – Schuberts Musik aber wird sowohl von den Bratschern als auch von den Cellisten sehr geschätzt. Yang macht dieses Werk zum Ereignis; sein Cello-Ton ist wundervoll, unverkennbar, eher schlank und hell.
Durch Beethoven und Brahms inspiriert ist die Sonate von Dohnányi. Und weil zu einem Konzert natürlich auch Zugaben gehören, spielen die beiden Musiker dann noch, ganz klassisch, das Tambourin chinois op. 3 von Fritz Kreisler 1875 bis 1926), eine Bearbeitung der bekannten Melodie des Figaro aus Rossinis Barbier von Sevilla von Mario Castelnuovo-Tedesco (1895 bis 1968) und die Feldeinsamkeit op. 86 Nr. 2 von Johannes Brahms (1833 bis 1897).
Drei bedeutende Werke spielen die beiden Musiker – die Sonatine für Violoncello und Klavier von Zoltán Kodály (1882 bis 1967), die Arpeggione-Sonate D 821 von Franz Schubert (1797 bis 1828) und die Sonate für Pianoforte und Violoncello b-Moll op. 8 von Ernst von Dohnányi (1877 bis 1960).
Kodály verknüpft in seiner Sonatine ungarische Melodien mit französi- schem Esprit. Dieses eigenwillige Werk, dahingetupft im Stile des Impressionismus, hält im Dialog der beiden Instrumente so manche Überraschung für den Hörer bereit. Bekannter ist die Sonate, die Franz Schubert einst für ein neues Streichinstrument geschrieben hat. Der Arpeggione, offenbar eine Kreuzung aus Gitarre und Cello, konnte sich nicht durchsetzen – Schuberts Musik aber wird sowohl von den Bratschern als auch von den Cellisten sehr geschätzt. Yang macht dieses Werk zum Ereignis; sein Cello-Ton ist wundervoll, unverkennbar, eher schlank und hell.
Durch Beethoven und Brahms inspiriert ist die Sonate von Dohnányi. Und weil zu einem Konzert natürlich auch Zugaben gehören, spielen die beiden Musiker dann noch, ganz klassisch, das Tambourin chinois op. 3 von Fritz Kreisler 1875 bis 1926), eine Bearbeitung der bekannten Melodie des Figaro aus Rossinis Barbier von Sevilla von Mario Castelnuovo-Tedesco (1895 bis 1968) und die Feldeinsamkeit op. 86 Nr. 2 von Johannes Brahms (1833 bis 1897).
Freitag, 5. Dezember 2014
Grützmacher: Vortragsstücke und Etüden für Cello (Musicaphon)
Drei große Cellisten hat die Familie Grützmacher hervorgebracht. Friedrich Wilhelm Grützmacher (1832 bis 1903) stammte aus Dessau und war ein Enkelschüler von Justus Johann Friedrich Dotzauer (1783 bis 1869). Grützmacher debütierte 1849 in Leipzig und wurde sofort Solo- cellist des Gewandhausorchesters. 1860 wurde er nach Dresden abge- worben, wo er bis zu seinem Tode als Solist, Orchester- und Kammermu- siker, Komponist und Herausgeber sowie als Musikpädagoge und Vor- stand des Tonkünstlervereins tätig war. Grützmacher unterrichtete zahlreiche Schüler; einige davon wurden berühmte Cellisten. Und er schuf die berühmt-berüchtigte Etüdensamm- lung Technologie des Violoncellospiels op. 38.
„Veröffentlicht ursprünglich in zwei Bänden (Nr. 1 bis 12 ohne, Nr. 13 bis 24 mit Daumenaufsatz), findet sie immer noch Verwendung für besonders fortgeschrittene Studenten, kommt aber gegen die ,Hohe Schule des Violoncellospiels' von David Popper sowohl in Popularität als auch in pädagogischem Wert nicht wirklich an“, schreibt Martin Rummel im Beiheft zu dieser CD. „Anders als Popper beschränkt sich Grützmacher pro Etüde nicht auf ein instrumentaltechnisches Problem, sondern geht vielmehr scheinbar als Komponist an die Sache heran, was unweigerlich zur Aneinanderreihung von mehreren instrumentaltechnischen Schwie- rigkeiten innerhalb einer Etüde führt.“
Das macht die Stücke einerseits knifflig – andererseits aber auch attraktiv, wie Rummel mit dieser Einspielung zeigt. Der Cellist hat für diese CD elf Etüden aus Grützmachers Sammlung ausgewählt. Und wenn er auch an ihren pädagogischen Qualitäten zweifelt, so hat Rummel doch ganz offenkundig an ihren virtuosen Effekten sein Vergnügen. Ergänzt wird das Programm durch einige Salonstücke Grützmachers für Violoncello und Klavier, wie die Fantaisie Hongroise op. 7, die Rummel gemeinsam mit der Pianistin Gerda Guttenberg vorträgt. Es sind hörenswerte Werke, die es durchaus verdient hätten, wieder mehr gespielt zu werden. Die sogenannte Virtuosenmusik sorgt doch immer wieder für Überraschungen.
„Veröffentlicht ursprünglich in zwei Bänden (Nr. 1 bis 12 ohne, Nr. 13 bis 24 mit Daumenaufsatz), findet sie immer noch Verwendung für besonders fortgeschrittene Studenten, kommt aber gegen die ,Hohe Schule des Violoncellospiels' von David Popper sowohl in Popularität als auch in pädagogischem Wert nicht wirklich an“, schreibt Martin Rummel im Beiheft zu dieser CD. „Anders als Popper beschränkt sich Grützmacher pro Etüde nicht auf ein instrumentaltechnisches Problem, sondern geht vielmehr scheinbar als Komponist an die Sache heran, was unweigerlich zur Aneinanderreihung von mehreren instrumentaltechnischen Schwie- rigkeiten innerhalb einer Etüde führt.“
Das macht die Stücke einerseits knifflig – andererseits aber auch attraktiv, wie Rummel mit dieser Einspielung zeigt. Der Cellist hat für diese CD elf Etüden aus Grützmachers Sammlung ausgewählt. Und wenn er auch an ihren pädagogischen Qualitäten zweifelt, so hat Rummel doch ganz offenkundig an ihren virtuosen Effekten sein Vergnügen. Ergänzt wird das Programm durch einige Salonstücke Grützmachers für Violoncello und Klavier, wie die Fantaisie Hongroise op. 7, die Rummel gemeinsam mit der Pianistin Gerda Guttenberg vorträgt. Es sind hörenswerte Werke, die es durchaus verdient hätten, wieder mehr gespielt zu werden. Die sogenannte Virtuosenmusik sorgt doch immer wieder für Überraschungen.
Donnerstag, 24. April 2014
Schumann: Cello Sonatas Nos. 1 and 2, Konzertstücke, Op. 20 (Naxos)
Camillo Schumann (1872 bis 1946) stammte aus dem sächsischen Königstein. Der Sohn des Stadt- musikdirektors erlernte schon als Kind diverse Instrumente; im Alter von zwölf Jahren war er bereits für die Bläser verantwortlich, die vom Turm der Stadtkirche in seiner Heimatstadt herab musizierten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden begann er 1889 seine Ausbildung am Leipziger Konser- vatorium; 1894/95 vervollstän- digte er diese an der Hochschule für Musik in Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten Carl Reinecke und Woldemar Bargiel.
1896 erhielt Schumann eine Anstellung als Organist in Eisenach. Dort wirkte er sehr engagiert, und erwarb sich binnen kurzem einen exzellenten Ruf weit über die Region hinaus. 1914 ging Schumann nach Bad Gottleuba, um sich ganz dem Komponieren zu widmen. Daraus wurde letztendlich nichts, denn die wirtschaftliche Not zwang den Musiker zurück in die Kirchenmusik. So kamen etliche sächsische Gemeinden in den Genuss herausragender Orgelkonzerte. Parallel dazu entstanden zahlreiche weitere Werke. Sie sind, so berichtet das sehr informative Beiheft zu dieser CD, nahezu vollständig erhalten und befinden sich heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
Camillo Schumann war ein bekennender Spätromantiker. Die Ton- sprache des Komponisten zeigt ihn in der Nachfolge von Brahms, Liszt und Rachmaninoff. In dem umfangreichen Gesamtwerk hat die Kammermusik bei weitem das größte Gewicht. Doch zu hören sind Stücke von Camillo Schumann nur sehr selten. Desto erfreulicher ist es, dass nun ein Teil seiner Werke für Violoncello in einer faszinieren- den Einspielung bei Naxos erschienen ist. Maria Kliegel lässt sich am Cello mit wundervollem, satten Ton hören. Mit Schwung und großen melodischen Bögen gestaltet sie das musikalische Zwiegespräch mit Francesco Piemontesi, ihrem Partner am Klavier. Es erklingen die Sonaten Nr. 1 und 2 für Klavier (!) und Violoncello sowie Romanze und Mazurka, großformatige Konzertstücke op. 20.
1896 erhielt Schumann eine Anstellung als Organist in Eisenach. Dort wirkte er sehr engagiert, und erwarb sich binnen kurzem einen exzellenten Ruf weit über die Region hinaus. 1914 ging Schumann nach Bad Gottleuba, um sich ganz dem Komponieren zu widmen. Daraus wurde letztendlich nichts, denn die wirtschaftliche Not zwang den Musiker zurück in die Kirchenmusik. So kamen etliche sächsische Gemeinden in den Genuss herausragender Orgelkonzerte. Parallel dazu entstanden zahlreiche weitere Werke. Sie sind, so berichtet das sehr informative Beiheft zu dieser CD, nahezu vollständig erhalten und befinden sich heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
Camillo Schumann war ein bekennender Spätromantiker. Die Ton- sprache des Komponisten zeigt ihn in der Nachfolge von Brahms, Liszt und Rachmaninoff. In dem umfangreichen Gesamtwerk hat die Kammermusik bei weitem das größte Gewicht. Doch zu hören sind Stücke von Camillo Schumann nur sehr selten. Desto erfreulicher ist es, dass nun ein Teil seiner Werke für Violoncello in einer faszinieren- den Einspielung bei Naxos erschienen ist. Maria Kliegel lässt sich am Cello mit wundervollem, satten Ton hören. Mit Schwung und großen melodischen Bögen gestaltet sie das musikalische Zwiegespräch mit Francesco Piemontesi, ihrem Partner am Klavier. Es erklingen die Sonaten Nr. 1 und 2 für Klavier (!) und Violoncello sowie Romanze und Mazurka, großformatige Konzertstücke op. 20.
Donnerstag, 27. März 2014
Inspired by the Freemasons (Genuin)
Spuren, die Freimaurer in der Musik hinterlassen haben, sind das Thema einer interessanten CD mit Cellistin Katja Zakotnik und Piani- stin Naila Alvarenga-Lahmann. Bekannt ist, dass Joseph Haydn sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart Mitglieder in Wiener Freimaurerlogen waren. Als Ludwig van Beethoven nach Wien kam, hatte der Kaiser die Freimaurerei bereits verboten. Die beiden Musikerinnen lassen Melodien aus Mozarts Freimaurer-Oper Die Zauberflöte erklingen – in Variationen, die Beethoven komponiert hat.
Johann Nepomuk Hummel war ein Schüler Mozarts. Er heiratete Elisabeth Röckel, eine enge Freundin Beethovens; Trauzeuge war Antonio Salieri. Auch Hummel hat hörenswerte Variationen für Violoncello und Klavier geschrieben; es ist nicht nachvollziehbar, warum seine Werke im Konzertleben heute kaum noch eine Rolle spielen.
Francesco Gemiani kam zu einer Zeit nach England, als die Freimau- rerei dort gerade Fuß fasste. Er war Gründungsmitglied einer kleinen, kulturell engagierten Loge, und ist auf dieser CD mit einer Sonate vertreten. Ein Freimaurer war auch Jean Sibelius. Die beiden Musikerinnen stellen die Vier Stücke op. 78 vor, ursprünglich für Violine und Klavier entstanden – und gar nicht düster.
Johann Nepomuk Hummel war ein Schüler Mozarts. Er heiratete Elisabeth Röckel, eine enge Freundin Beethovens; Trauzeuge war Antonio Salieri. Auch Hummel hat hörenswerte Variationen für Violoncello und Klavier geschrieben; es ist nicht nachvollziehbar, warum seine Werke im Konzertleben heute kaum noch eine Rolle spielen.
Francesco Gemiani kam zu einer Zeit nach England, als die Freimau- rerei dort gerade Fuß fasste. Er war Gründungsmitglied einer kleinen, kulturell engagierten Loge, und ist auf dieser CD mit einer Sonate vertreten. Ein Freimaurer war auch Jean Sibelius. Die beiden Musikerinnen stellen die Vier Stücke op. 78 vor, ursprünglich für Violine und Klavier entstanden – und gar nicht düster.
Abonnieren
Posts (Atom)










