Nach den Gebrüdern Graun, Jo- hann Friedrich Fasch und Johann Gottlieb Janitsch hat sich das Ensemble Il Gardellino nun einer weiteren Musikerpersönlichkeit zugewandt, die das Berliner Musikleben zur Zeit Friedrichs des Großen maßgeblich mit geprägt hat: Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788), dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. Male jährt. Er wirkte von 1738 bis 1768 als Hofcembalist des selbst hervorragend Flöte spielenden Königs.
Friedrich von Preußen schätzte „seinen“ Bach durchaus; doch die Stücke, die dieser komponierte, erweckten bei dem in musikalischen Dingen eher konservativen Monarchen wenig Begeisterung. Ähnli- ches mussten auch andere Hofmusiker erleben – was letzten Endes dazu führte, dass sie die adligen und großbürgerlichen Salons Berlins und Potsdams mit ihren Werken bereicherten. Daraus entwickelten sich regelrechte Konzertreihen, wie die legendären Freitagsakade- mien im Hause Janitsch. Auch Carl Philipp Emanuel Bach war an diesen Aufführungen beteiligt. Drei seiner Konzerte hat das Ensemble Il Gardellino für diese CD ausgewählt. Es handelt sich dabei um das Flötenkonzert Wq 13, das Violoncellokonzert Wq 170 und das elegan- te Oboenkonzert Wq 164. Als Solisten musizieren Jan De Winne, Emmanuel Balssa und Marcel Ponseele. Es ist traumhaft schöne Musik. Insbesondere das Cellokonzert erweist sich als eine echte Bereicherung des Repertoires; es ist wirklich originell und hätte einen Platz im Konzertleben verdient. Besten Dank für diese Entdeckung!
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Donnerstag, 1. Mai 2014
Montag, 23. August 2010
Witt: Symphony in C major "Jena" - Flute Concerto in G major (Naxos)
Auch Friedrich Witt würde heute im Konzertleben keine Rolle mehr spielen, hätte man nicht seine Sinfonie in C-Dur zunächst irrtüm- lich für ein Werk des jungen Beethoven gehalten. 1909 hatte Fritz Stein, Musikdirektor der Universität Jena, im Notenarchiv das komplette Aufführungs- material dieses Werkes entdeckt. Das Titelblatt fehlte. Auf einer Stimme war zu lesen "par Louis von Beethoven", auf einer anderen stand "Symphonie von Beethoven" - und der Komponist selber hatte einmal geäußert, dass er sich in jungen Jahren an einer Sinfonie in C-Dur nach dem Vorbild der Nr. 97 von Haydn versucht habe.
Später klärte sich freilich der Sachverhalt, und der Autor des Werkes steht mittlerweile zweifelsfrei fest: Friedrich Witt, geboren 1770 im württembergischen Niederstetten, hatte sein erstes Engagement als Cellist in der Kapelle des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Dort erhielt er Kompositionsunterricht vom Hofkapellmeister Anton Rösler, bekannter als Antonio Rosetti. Haydn selbst übersandte dem Fürsten einige seiner Londoner Sinfonien - womit auch die Herkunft der Inspirationsquelle geklärt wäre.
1793 ging Witt auf Konzertreisen; 1802 übernahm er die Leitung der Fürstbischöflichen Kapelle in Würzburg. Nach ihrer Auflösung 1814 wurde er Kapellmeister am Würzburger Theater, für das er wohl auch etliche Opern schrieb. Witt komponierte zudem 23 Sinfonien, einige Messen, diverse Konzerte, Harmonie- und Kammermusik. 1836 starb er in Würzburg.
Die vorliegende CD enthält neben der "Jenaer" Sinfonie eine weitere Sinfonie in A-Dur sowie das Flötenkonzert in G-Dur, op. 8. Es ist kein Wunder, dass die C-Dur-Sinfonie gut 50 Jahre lang für ein Werk des jungen Beethoven gehalten wurde. Denn genau so klingt sie - auf dem Wege zwischen Haydn und den späteren Werken des Wiener Kompo- nisten; formbewusst, geistreich und schwungvoll. Außerordentlich anspruchsvoll, aber auch sehr lohnenswert ist das Flötenkonzert. Es wird in dieser Aufnahme von Patrick Gallois gespielt, einem Schüler von Jean-Pierre Rampal, der auch dirigiert - in diesem Falle das Orchester Sinfonia Finlandia Jyväskylä, dessen künstlerischer Leiter er seit 2003 ist. Musiziert wird auf hohem Niveau, sehr differenziert, beinahe kammermusikalisch. Bravi!
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