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Montag, 20. Juni 2016

Mercadante: Flute Concertos Nos. 1, 2 and 4 (Naxos)

Obwohl Saverio Mercadante (1795 bis 1870) in erster Linie Opern kompo- niert hat, lohnt sich doch auch der Blick auf sein Instrumentalwerk, wie diese CD beweist. Der Musiker, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, erhielt seine Ausbildung am Conser- vatorio di San Sebastiano in Neapel. Dort lernte er, Geige und Flöte zu spielen, und erhielt zudem Gesangs- unterricht sowie ab 1813 auch Unterricht im Fach Komposition. 
Während seiner Zeit am Konserva- torium schuf er ziemlich viele Instrumentalwerke; nach dem Studium allerdings schrieb er vorwiegend Opern. Von 1827 bis 1830 arbeitete Mercadante in Spanien; nach seiner Rückkehr wurde er 1833 Kapellmeister der Kathedrale zu Novara und 1840 der Nachfolger seines Lehrers Niccolò Antonio Zingarelli als Direktor des Konservatoriums in Neapel, wo er bis an sein Lebensende wirkte. 
Mercadante war, neben Bellini und Donizetti, der bedeutendste italienische Opernkomponist seiner Zeit und als solcher sehr erfolgreich. Erstaunli- cherweise sind seine Werke in Vergessenheit geraten. Patrick Gallois hat nun gemeinsam mit der Sinfonia Finlandia Jyväskylä für Naxos eine Gesamteinspielung der Flötenkonzerte von Mercadante begonnen. Sie startet mit dem Flötenkonzert Nr. 2 in e-Moll op. 57 – dem wohl bekanntesten Werk des Komponisten, das dieser bereits 1813 zu Papier gebracht hatte. Zu hören sind auf der ersten CD zudem die Konzerte Nr. 4 in G-Dur und Nr. 1 in E-Dur, op. 49. Sie beginnen stets mit einem umfangreichen Allegro maestoso; dann folgt ein relativ kurzer langsamer Mittelsatz, und zum Schluss erklingt ein virtuoser Kehraus – hier mit polnischen bzw. russischen Motiven. 
Mercadante setzt die Flöte wirkungsvoll in Szene; der Solist erhält reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Gallois musiziert hörenswert, und dirigiert obendrein noch das Orchester, das erfreulich präzise agiert. Insgesamt sieben Flötenkonzerte, davon sechs für Soloflöte und eines für zwei Flöten, hat Mercadante geschrieben. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man also gespannt bleiben. 

Montag, 23. August 2010

Witt: Symphony in C major "Jena" - Flute Concerto in G major (Naxos)

Auch Friedrich Witt würde heute im Konzertleben keine Rolle mehr spielen, hätte man nicht seine Sinfonie in C-Dur zunächst irrtüm- lich für ein Werk des jungen Beethoven gehalten. 1909 hatte Fritz Stein, Musikdirektor der Universität Jena, im Notenarchiv das komplette Aufführungs- material dieses Werkes entdeckt. Das Titelblatt fehlte. Auf einer Stimme war zu lesen "par Louis von Beethoven", auf einer anderen stand "Symphonie von Beethoven" - und der Komponist selber hatte einmal geäußert, dass er sich in jungen Jahren an einer Sinfonie in C-Dur nach dem Vorbild der Nr. 97 von Haydn versucht habe.
Später klärte sich freilich der Sachverhalt, und der Autor des Werkes steht mittlerweile zweifelsfrei fest: Friedrich Witt, geboren 1770 im württembergischen Niederstetten, hatte sein erstes Engagement als Cellist in der Kapelle des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Dort erhielt er Kompositionsunterricht vom Hofkapellmeister Anton Rösler, bekannter als Antonio Rosetti. Haydn selbst übersandte dem Fürsten einige seiner Londoner Sinfonien - womit auch die Herkunft der Inspirationsquelle geklärt wäre. 
1793 ging Witt auf Konzertreisen; 1802 übernahm er die Leitung der Fürstbischöflichen Kapelle in Würzburg. Nach ihrer Auflösung 1814 wurde er Kapellmeister am Würzburger Theater, für das er wohl auch etliche Opern schrieb. Witt komponierte zudem 23 Sinfonien, einige Messen, diverse Konzerte, Harmonie- und Kammermusik. 1836 starb er in Würzburg. 
Die vorliegende CD enthält neben der "Jenaer" Sinfonie eine weitere Sinfonie in A-Dur sowie das Flötenkonzert in G-Dur, op. 8. Es ist kein Wunder, dass die C-Dur-Sinfonie gut 50 Jahre lang für ein Werk des jungen Beethoven gehalten wurde. Denn genau so klingt sie - auf dem Wege zwischen Haydn und den späteren Werken des Wiener Kompo- nisten; formbewusst, geistreich und schwungvoll. Außerordentlich anspruchsvoll, aber auch sehr lohnenswert ist das Flötenkonzert. Es wird in dieser Aufnahme von Patrick Gallois gespielt, einem Schüler von Jean-Pierre Rampal, der auch dirigiert - in diesem Falle das Orchester Sinfonia Finlandia Jyväskylä, dessen künstlerischer Leiter er seit 2003 ist. Musiziert wird auf hohem Niveau, sehr differenziert, beinahe kammermusikalisch. Bravi!