Posts mit dem Label Il Gardellino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Il Gardellino werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. September 2021

Stille Klagen (Passacaille)

 

Buße, Reue und Erlösung stehen im Zentrum der vorliegenden CD. Für diese Aufnahme haben Griet de Geyter und das Ensemble Il Gardellino drei Kantaten aus der Barockzeit ausgewählt: Dieterich Buxtehude vertonte für O dulcis Jesu BuxWV 83 einen Text, der dem Zisterzienser Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird. Ein Bußpsalm ist die Textgrundlage für Georg Philipp Telemanns Ach Herr, strafe mich nicht TWV 7:2. Johann Sebastian Bachs Kantate Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199 wiederum basiert auf dem biblischen Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner. 

Es ist durchaus möglich, dass die alten Texte einen Menschen heutzutage zunächst wenig ansprechen; zu fremd erscheint ihr Ausdruck, überwältigend oft ihre Metaphernwelt. Desto beredter kann allerdings die Musik wirken, die in ihrer emotionalen Kraft die Botschaft des Textes quasi übersetzt. Die Musiker von Il Gardellino sowie Organist Leo van Doeselaar bringen den schlanken, klaren Sopran von Griet de Geyter exquisit zur Geltung. Besonders schön erklingt die Gesangsstimme dabei im Duett mit der Oboe von Marcel Ponseele (Telemann) bzw. Lidewei De Sterck (Bach). Zum Programm gehören zudem eine Buxtehude-Sonate und zwei Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, ebenfalls hinreißend musiziert. Bravi! 


Mittwoch, 14. September 2016

Telemann: The Oboe Album (Accent)

Es war kein Zufall, dass die Leipziger Stadtväter Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) nach dem Tode Johann Kuhnaus 1722 gern als neuen Thomaskantor gewonnen hätten. Zum einen hatte Telemann in Leipzig studiert und zugleich seine Laufbahn als Musiker begonnen; er war an der Pleiße also kein Unbekannter. Zum anderen war er ohne Zweifel damals der wohl bekannteste deutsche Kom- ponist überhaupt; ähnlich prominent war wohl nur noch Händel. 
Über Bach hingegen, der die Stelle schließlich erhielt, nachdem auch ein Christoph Graupner absagen musste, meinten die Stadträte, so steht es im Ratsprotokoll, „da man nun die besten nicht bekommen könne, müße man mittlere nehmen“. Aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts heraus aber veränderte sich diese Bewertung: Bach wurde zum Genie, Telemann jedoch wurde zum Vielschreiber, dem die aufkommende Musikwissenschaft zudem Oberflächlichkeit zuschrieb – schließlich hatte er nicht nur Kirchenmusik, sondern obendrein obendrein noch Opern geschrieben.
Aus diesem Grunde aber wird das Werk des Komponisten erst jetzt in seiner vollen Breite erschlossen, sowie in seiner vollen Schönheit und Bedeutung erkannt. Dass sich die Auseinandersetzung mit der Musik Telemanns lohnt, beweist auch die jüngste Doppel-CD mit dem Oboisten Marcel Pon- seele, der bei Accent gemeinsam mit dem Ensemble Il Gardellino Oboen- musik des Meisters eingespielt hat. Die Concerti, Triosonaten, Sonaten und die Partita Belegen Telemanns enormen Einfallsreichtum, und bieten auch klanglich Abwechslung, nicht zuletzt durch eine Vielzahl unter- schiedlicher Besetzungen, aber schlicht auch aufgrund der versierten musikalischen Gestaltung. Dazu kommt bei dieser Aufnahme noch der faszinierende Klang der Barockoboe, die derzeit wohl niemand so virtuos spielt wie Marcel Ponseele. Zu hören sind mehr als zwei Stunden (!) Programm – und keine einzige Sekunde davon habe ich mich gelangweilt. Bravi! Das ist wirklich große Kunst.

Montag, 11. April 2016

Bach: Solo Cantatas; Wörner (Passacaille)

Drei Kirchenkantaten für Solo-Bass sind im Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs überliefert, dazu wird ihm ein weltliches Stück für diese Stimmlage zugeschrieben: Amore traditore BWV 203 ähnelt eher einer Arie, und könnte möglicherweise in Köthen entstanden sein. 
Bekannt sind Ich habe genung BWV 82 und Ich will den Kreuzstab gerne tragen BWV 56; Der Friede sei mit dir BWV 158 hingegen erklingt eher selten. Es wird diskutiert, ob es sich dabei um ein Fragment handelt. 
Dominik Wörner hat diese Werke bei Passacaille eingespielt. Der Bassba- riton, Gewinner des renommierten Leipziger Bach-Wettbewerbes im Jahre 2002, musiziert gemeinsam mit dem Ensemble Il Gardellino. Es wurde 1988 von dem Oboisten Marcel Ponseele und dem Traversflötisten Jan De Winne gegründet und wird von Konzertmeister Ryo Terakado geleitet. Marcel Ponseele prägt diese Aufnahme mit hinreißend gespielten Oboen- partien – ihn muss man fast noch vor dem Sänger loben, der seinen Part ebenfalls feinsinnig und tiefgründig ausdeutet. Unterstützt wird Wörner durch Franz Vitzthum, Sopran, Beat Duddeck, Altus, und Satoshi Mizu- koshi, Tenor.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Concertos for various instruments (Accent)

Nach den Gebrüdern Graun, Jo- hann Friedrich Fasch und Johann Gottlieb Janitsch hat sich das Ensemble Il Gardellino nun einer weiteren Musikerpersönlichkeit zugewandt, die das Berliner Musikleben zur Zeit Friedrichs des Großen maßgeblich mit geprägt hat: Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788), dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. Male jährt. Er wirkte von 1738 bis 1768 als Hofcembalist des selbst hervorragend Flöte spielenden Königs. 
Friedrich von Preußen schätzte „seinen“ Bach durchaus; doch die Stücke, die dieser komponierte, erweckten bei dem in musikalischen Dingen eher konservativen Monarchen wenig Begeisterung. Ähnli- ches mussten auch andere Hofmusiker erleben – was letzten Endes dazu führte, dass sie die adligen und großbürgerlichen Salons Berlins und Potsdams mit ihren Werken bereicherten. Daraus entwickelten sich regelrechte Konzertreihen, wie die legendären Freitagsakade- mien im Hause Janitsch. Auch Carl Philipp Emanuel Bach war an diesen Aufführungen beteiligt. Drei seiner Konzerte hat das Ensemble Il Gardellino für diese CD ausgewählt. Es handelt sich dabei um das Flötenkonzert Wq 13, das Violoncellokonzert Wq 170 und das elegan- te Oboenkonzert Wq 164. Als Solisten musizieren Jan De Winne, Emmanuel Balssa und Marcel Ponseele. Es ist traumhaft schöne Musik. Insbesondere das Cellokonzert erweist sich als eine echte Bereicherung des Repertoires; es ist wirklich originell und hätte einen Platz im Konzertleben verdient. Besten Dank für diese Entdeckung! 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Janitsch: Berliner Quartette (Accent)

Johann Gottlieb Janitsch (1708 bis vermutlich 1763) stammte aus Schweidnitz und studierte Jura an der Universität in Frankfurt/Oder. Dort erhielt er auch die ersten Aufträge, Festmusiken zu kompo- nieren. 1733 wurde Janitsch Sekretär eines Ministers; 1736 wurde er Kammermusiker des preußischen Kronprinzen, erst in Ruppin und dann im Schloss Rheinsberg . 1740 wurde er als „Contraviolinist“ in die königliche Hofkapelle Friedrichs des Großen übernommen. 
Janitsch hatte bereits in Rheinsberg die sogenannten Freitags-Akademien eingerichtet. Diese Konzerte, an denen mit allerhöchster Erlaubnis sowohl professionelle Musiker als auch „geschickte Privat- musicis und Liebhaber“ mitwirkten, führte er in seinem Berliner Hause weiter. Diese halböffentlichen Veranstaltungen gelten als eine der ersten Berliner Orchesterkonzert-Reihen. 
Die Quartette und Sonate da camera, die das belgische Ensemble Il Gardellino auf dieser CD eingespielt hat, dürfte Janitsch eigens für diese Veranstaltungen abseits des Hofes geschrieben haben. Besonders auffällig ist die Besetzung, die stets mindestens einen Holzbläser, oft aber sogar Traversflöte und Oboe gemeinsam vorsieht – was eine breite Palette an Klangfarben und sehr viel Abwechslung ermöglicht. 
Janitschs Werke sind originell und ausdrucksstark; man höre nur das erste Quartett, das auf der Melodie des Kirchenliedes O Haupt voll Blut und Wunden beruht. Der Komponist beherrscht selbstredend den guten alten Kontrapunkt, aber er nutzt ihn eher beiläufig. So wirkt diese Musik elegant und gänzlich unverstaubt. Besten Dank an Il Gardellino für diese Entdeckung! 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Fasch: Concertos for various instruments (Accent)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) erhielt seine Ausbildung als Chorknabe in Weißenfels und bei den Leipziger Thomanern; an- schließend studierte er an der Universität in der Pleißestadt.
1711 komponierte er seine erste Oper. 1713 ging er nach Darm- stadt, um von Christoph Graupner und Gottfried Grünewald zu lernen. Sein Aufenthalt dort scheint aber nur kurz gewesen zu sein, denn schon ein Jahr später findet man ihn im Dienst der Reußen, als Kammerschreiber in Gera und als Orga- nist in Greiz. 1721 ging Fasch als Kapellmeister der Grafen Morzin nach Prag, doch schon ein Jahr später wurde er Hofkapellmeister in Zerbst. 

Dort wirkte er den Rest seines Lebens - und das scheint durchaus reich an Herausforderungen gewesen zu sein. Denn in Zerbst schuf Fasch nicht nur jede Menge Kirchenmusik, sondern auch zahlreiche Werke für  festliche Anlässe. Trotzdem gelang es dem Musiker, in engem Kontakt mit Kollegen und Freunden wie Graupner, Telemann, Pisendel und Heinichen zu bleiben. Die Komponisten tauschten unter anderem Noten aus. So erklang in Zerbst auch Musik von anderen Höfen, und Faschs Werke wurden beispielsweise in Hamburg gespielt, wo Telemann 1773 Kantaten des Freundes aufführte. 
Zu Lebzeiten des Komponisten wurde kein einziges Werk Faschs ge- druckt. Es ist erstaunlich, wieviele seiner Instrumentalkompositionen dennoch erhalten geblieben sind. Sie befinden sich heute zum größten Teil in vier Archiven: Die Reste der Zerbster Hofbibliothek sind im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt und im Institut für Musikwissen- schaft der Martin-Luther-Universität Halle/Saale einzusehen. In der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden und in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt werden die Noten aufbewahrt, die Fasch einst seinen Kollegen geschickt hat. 
Die Konzerte, die auf der vorliegenden CD durch das renommierte Ensemble Il Gardellino eingespielt wurden, befinden sich in Darm- stadt und Dresden. Sie demonstrieren nicht nur Faschs Fähigkeit, bewährte Formen durch Innovationen zu ergänzen, sondern auch sein Faible für Klangfarben und -effekte. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist das Concerto für zwei Oboe da silva, zwei Bratschen, zwei Fagotte und Basso continuo. Eine Oboe da silva ist eine Oboe da caccia, der Vorgänger des Englischhorns. Das Instrument erklingt tiefer als eine "normale" Oboe und eher dunkel timbriert. 
Im grandiosen Concerto für drei Trompeten, zwei Oboen, Fagott und Solovioline lässt er Bläser und Solovioline eher abwechselnd als in Form eines Concertinos mit dem Orchester musizieren. Auch das führt zu erstaunlichen Klangeffekten. Man muss schon sagen, dass die Konzerte des Meisters alles andere sind als langweilig - zumal dann, wenn sie so brillant und lustvoll vorgetragen werden wie durch die Musiker von Il Gardellino. Diese CD bietet Hörvergnügen pur - genau das richtige für kalte, neblige Herbsttage! 

Samstag, 26. März 2011

De Profundis (Passacaille)

Marcel Ponseele gehört zu den führenden Barock-Oboisten. Mit seinem Bruder Francis baut er zudem Oboen nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert. Nach gut 30 Jahren Tätigkeit als Berufsmusiker wagt er sich nun zum ersten Male selbst an eine Bach-Interpretation; dieses Projekt umfasst fünf CD mit unterschiedlichen inhaltlichen Akzenten. 
Auf dieser CD stellt er gemeinsam mit den Musikern, mit denen er bereits seit 1988 im Ensemble Il Gardellino musiziert, Kantaten von Bach und Graupner vor. "In ,De profundis' geht es um die Bitte um Befreiung", erläutert Ponseele sein Konzept. Und natürlich spielt die Oboe eine gewichtige Rolle: "Die Oboe ist vor allem ein Instrument, das singen muss; der leicht melancholische Klang rührt die Seele an, begeistert und reißt mit." 
Musiziert wird in schlanker Besetzung. Zu den zehn hervorragenden Instrumentalisten kommen vier Solisten sowie ein "Chor", der aus sieben Ripienisten besteht. Die Aufnahme ist durchweg exzellent; diese CD ist wirklich ein Erlebnis - und die Kantate von Christoph Graupner erweist sich als echte Bereicherung des Repertoires; es wäre wünschenswert, dass seine Werke nun endlich systematisch erschlossen und ediert werden.