Ein Astronom, der sehr gut Laute spielte, und ein Lautenist, der die Sterne beobachtete – Galileo Galilei (1564 bis 1642) und sein Bruder Michelagnolo Galilei (1575 bis 1631) waren einander eng verbunden. 1607 wurde Michelagnolo Lautenist am Münchner Hof; diese Stelle hatte er bis zum Ende seines Lebens inne.
Das Leben des Musikers war überschattet von Geldsorgen – das Gehalt, das Kurfürst Maximilian I. seinem Hoflautenisten zahlte, scheint nie ausgereicht zu haben. Michelagnolo jedenfalls sah sich außerstande, seinen berühmten älteren Bruder dabei zu unterstützen, die Aussteuer für seine Schwestern aufzubringen. Aus dem hochinteressanten Beiheft zu dieser CD erfährt man, dass der Musiker zwar ein Fernrohr besaß, aber Frau und Kinder nach Italien zu Galileo Galilei schickte, damit sie versorgt waren.
Um Geld scheint es in den Briefwechseln der beiden Brüder regelmäßig gegangen zu sein. Auch als Michelagnolo 1620 sein Primo libro d’intavolatura di liuto drucken ließ, beschwerte sich Galileo über die seiner Meinung nach zu hohen Kosten. Wir dürfen uns jedoch darüber freuen, dass der Musiker zumindest einige seiner Werke veröffentlicht hat, denn so wurden sie überliefert . Auf dieser CD hat Anthony Bailes erstmals eine Auswahl daraus eingespielt, kombiniert mit Musik von Vincenzo Galilei (um 1520 bis 1591). Der Vater der Brüder wirkte als Lautenist und Musiktheoretiker in Florenz. Auch er hat Musikstücke hinterlassen, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen, und bislang weitgehend unbekannt geblieben sind. Dieses Repertoire passt zu Ramée, dem High-End-Label von Rainer Arndt, ganz ausgezeichnet.
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Montag, 13. Juni 2016
Montag, 27. Januar 2014
Luca Marenzio e il suo tempo (Tactus)
Luca Marenzio (um 1553 bis 1599) wird seitens der Musikgeschichts- schreibung, gemeinsam mit Gesualdo und Monteverdi, als Vollender des Madrigals geführt. Seine Werke waren in ganz Europa verbreitet. Sie wurden bewundert und nachgeahmt. Ob John Dowland, Hans Leo Hassler oder Johann Hermann Schein – sehr viele Musiker haben von diesem Vorbild gelernt.
Wie Marenzio in seiner Melodie- linie und im Rhythmus den Text aufgreift und ihn zugleich auslegt, mit welcher Eleganz er gestaltet und wie lässig und gekonnt er dabei die musikalischen Mittel einsetzt, das beeindruckt noch heute. Eine Aufnahme des Labels Tactus sei an dieser Stelle empfohlen, das Anhören lohnt sich: Sopranistin Angela Alesci sowie die Lautenisten Domenico Cerasani und Massimo Lonardi haben auf dieser CD einige Madrigale, Villanellen und auch eine Canzonetta von Marenzio eingespielt, umgeben von Lauten- musik seiner Zeitgenossen. Das sorgt auch klanglich für Abwechslung. In dem sehr informativen Beiheft – aber leider nur in englischer und italienischer Sprache – finden sich ausführliche Notizen zu den einzelnen Stücken.
Wie Marenzio in seiner Melodie- linie und im Rhythmus den Text aufgreift und ihn zugleich auslegt, mit welcher Eleganz er gestaltet und wie lässig und gekonnt er dabei die musikalischen Mittel einsetzt, das beeindruckt noch heute. Eine Aufnahme des Labels Tactus sei an dieser Stelle empfohlen, das Anhören lohnt sich: Sopranistin Angela Alesci sowie die Lautenisten Domenico Cerasani und Massimo Lonardi haben auf dieser CD einige Madrigale, Villanellen und auch eine Canzonetta von Marenzio eingespielt, umgeben von Lauten- musik seiner Zeitgenossen. Das sorgt auch klanglich für Abwechslung. In dem sehr informativen Beiheft – aber leider nur in englischer und italienischer Sprache – finden sich ausführliche Notizen zu den einzelnen Stücken.
Samstag, 23. April 2011
Striggio: Mass in 40 Parts (Decca)
Alessandro Striggio d.Ä. (1536/37 bis 1592) war der natürliche Sohn und Erbe eines Aristokraten aus Mantua. 1559 ging er an den Hof von Herzog Cosimo I. de Medici in Florenz. Sein gehobener sozialer Rang ermöglichte ihm eine Doppel- karriere als Musiker und Diplomat. Beides war eng miteinander ver- knüpft. So reiste er 1567 im Winter quer durch Europa, um Maximilian II., dem neuen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, im Namen seines Herrn eines seiner Werke, die Missa Ecco si beato giorno, zu präsentierten. Striggio traf den Kaiser in Brünn und berichtete, dieser sei entzückt gewesen.
Der Komponist reiste weiter nach München, wo die Messe für Herzog Albert V. erklang - sehr wahrscheinlich unter der Leitung von Orlan- do di Lasso - und ging dann anschließend nach Paris, wo er eine außerliturgische Aufführung vor dem jungen Charles IX. und seiner Mutter Catherine de Medici, einer Kusine Cosimos, leitete. Brieflich bat er dann seinen Dienstherrn, noch England aufsuchen zu dürfen, was ihm offenbar auch gestattet wurde.
Auch dort scheint er sein Werk vorgestellt zu haben. Ein Zeitgenosse, der die Aufführung möglicherweise miterlebt hat, berichtet, diese Musik - "whence the Italians obteyned the name to be called Apices of the world" - habe eine himmlische Harmonie verbreitet. Und ein Herzog habe gefragt, ob es nicht auch in England jemanden gebe, der ein solches Werk zu schaffen in der Lage sei. Thomas Tallis solle sich doch daran versuchen - was der auch tat, indem er Spem in alium schrieb, eine ebenfalls 40stimmige Motette, die zwar einige der italienischen Kompositionstechniken adaptiert, aber zugleich den Kontrapunkt, den Striggio sorgsam meidet, geradezu meisterhaft einsetzt. Dadurch entstehen außerordentlich faszinierende Disso- nanzen - und Tallis gelang so ein Kunstwerk, das dem Vorbild des italienischen Kollegen mindestens ebenbürtig ist.
Etliche Werke Striggios sind überliefert, darunter sieben Bücher mit Madrigalen sowie die Madrigalkomödie Il cicalamento delle donne al bucato. Sein gleichnamiger Sohn schrieb später übrigens das Libretto zu Monteverdis Orfeo. Robert Hollingworth hat nun mit dem Ensem- ble I Fagiolini für das Label Decca eine hochinteressante Auswahl der Werke Alessandro Striggios eingespielt. Sie beginnt mit der Motette Ecce beatam lucem, die im April 1591, wohl im Dom von Florenz, päpstlichen Gesandten zu Ehren im Rahmen eines aufwendigen Spek- takels erstmals aufgeführt wurde. Dabei scheinen - wie im Theater - maskierte und kostümierte Sänger und Instrumentalisten dank Wolkenmaschinen durch den Raum "geschwebt" zu sein. Und wie man hört, verstand man sich nicht nur in Venedig trefflich auf die Gestal- tung von mehrchörigen Gesängen.
Aus dem erfolgreichen Werk wurde dann in zwei Schritten die Paro- diemesse Missa Ecco si beato giorno, ein ganz erstaunliches Musik- stück, teilweise sogar sechzigstimmig. Sie galt als verloren, doch dann wurden vor einiger Zeit die Stimmbücher in Paris entdeckt. So er- klingt sie hier auf dieser CD als Weltersteinspielung, gefolgt von einigen Madrigalen Striggios, die übrigens erneut zeigen, wie im
16. Jahrhundert Musik zur Repräsentation und als Mittel der Politik genutzt wurde.
16. Jahrhundert Musik zur Repräsentation und als Mittel der Politik genutzt wurde.
Als zusätzliche kleine Kostbarkeit enthält die CD ein kurzes Stück von Vincenzo Galilei, mit dem Striggio befreundet war. Und natürlich wird Tallis' Spem in alium vorgetragen, erstmals nach einer neuen Edition von Hugh Keites. Die Besetzung und die Verteilung der einzel- nen Stimmen hat Hollingworth klug überlegt; zu dem gigantischen Solistenensemble - Chor kann man diese Formation nicht wirklich nennen - kommen ganze Scharen an Instrumentalisten, die durchweg historisch korrekt streichen, blasen und zupfen. Das Ergebnis klingt grandios. Diese CD ist ein Ereignis - und wohl dem, der technisch so ausgestattet ist, dass er die räumlichen Effekte, die durch die Mehr- chörigkeit zustande kommen, wahrnehmen und genießen kann.
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