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Sonntag, 30. Juni 2013

Wagner: Tristan und Isolde (Pentatone)

Die Musik und nur die Musik steht im Mittelpunkt des konzertanten Wagner-Zyklus, den das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Ma- rek Janowski im November 2010 mit der Oper Der fliegende Hollän- der begonnen haben. Der Dirigent ist ganz Herr des Geschehens; er muss sich nicht mit „fachfremden“ Ideen herumplagen, wie denen eines Regisseurs. Aber es lastet damit auch die Verantwortung für das Gelingen der Einspielung sehr weitgehend auf seinen Schultern. 
Das kann gutgehen – muss es aber nicht, wie der Mitschnitt der konzertanten Aufführung von Wagners Oper Tristan und Isolde vom 27. März 2012 zeigt. Es ist bislang die schwächste Aufnahme des Berliner Wagner-Zyklus. 
Zwar steht Janowski für dieses Projekt die internationale Wagner-Sängerelite zur Verfügung. Doch Stephen Gould als Tristan, das ist für meine Ohren ein Totalausfall. Einen solchen Umgang mit einer Partie habe ich selbst in der tiefsten sächsischen Provinz jahrzehntelang nicht mehr erlebt. 
Außerordentlich spannend besetzt sind hingegen die Isolde und die Brangäne. Nina Stemme ist eine grandiose Isolde – kein unbedarftes Königstöchterlein, sondern ziemlich handfest, und voll Leidenschaft. Ihr Sopran klingt dunkler, erfahrener, emotionaler als die Stimme ihrer Vertrauten Brangäne, die hier mit einem schlanken, hellen Timbre überrascht. Die südafrikanische Mezzosopranistin Michelle Breedts zeigt in dieser Rolle zudem, dass Wagners Wurzeln im Belcanto zu finden sind – und wie! Die beiden Damen singen zu hören, das ist ein Erlebnis. Auch Kwangchul Youn als Marke und Johan Reuter als Kurwenal sind große Klasse. 
Rundfunkchor und Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin agieren mit gewohnter Präzision. Allerdings hat Janowski mit Wagners Musik diesmal so seine Probleme. Wer Klangrausch sucht und knisternde Erotik, der wird sich verwundert die Augen reiben. Denn hier wird im Detail wunderschön, aber oft auch verblüffend zügig und seltsam steif musiziert. Janowski setzt auf Struktur statt auf Glut. Spannung kann sich so nicht aufbauen. 

Dienstag, 25. Juni 2013

Glenn Gould plays Bach (Idis)

Der kanadische Pianist Glenn Gould (1932 bis 1982) wurde durch seine Einspielung der Goldberg-Varia- tionen für Columbia Records im Jahre 1955 berühmt. Er ging nur einige Jahre auf Konzertreisen; dann zog sich der Musiker, der als exzentrisch galt, ins Studio zurück. Das Label Idis hat nun Konzertmit- schnitte aus den 50er und 60er Jahren auf zwei CD vorgelegt, bei denen Gould mit Werken Bachs zu hören ist. 
Der Pianist spielt auch hier Bachs Musik geradezu mathematisch exakt, ausgesprochen rhythmusbetont und strikt kontrapunktisch – wobei ihm das Kunststück gelingt, mit- unter jeder Stimme eine andere Klangfarbe zu geben. Gern überrascht der Pianist zudem durch das gewählte Tempo. 
Das ist, wenn man so will, die auf die Spitze und in die Konsequenz ge- triebene spätromantische Version des Musizierens, die dem Musiker, zumal dem Solisten, sehr weitreichende Spielräume für eine individu- elle Interpretation zugesteht. Gould jedenfalls scheut Extreme nicht, was gelegentlich zu verblüffenden Klangeffekten führt. So wirkt sein Spiel mitunter, als imitierte Gould ein Cembalo. Manchmal hört man den Pianisten mitsingen, was nicht besonders bereichert. Aber wer einen Künstler diesen Formats erleben will, der muss auch seine Marotten hinnehmen. 

Montag, 27. Februar 2012

Glenn Gould plays Bach (Idis)

Mit einer Einspielung der Gold- berg-Variationen für Columbia Records sorgte Glenn Gould (1932 bis 1982) 1955 weltweit für Auf- sehen. Hört man diese Rundfunk- aufnahmen des Musikers aus den frühen 50er Jahren heute an, so wirken seine Bach-Interpreta- tionen jedoch eher visionär als beunruhigend. Der Pianist, der als exzentrisch galt, zelebrierte "sei- nen" Bach strikt kontrapunktisch, dabei sehr rhythmusbetont und gestochen scharf artikuliert. Derart vorgetragen, wirken die Stücke klanglich beinahe, als imitierte Gould ein Cembalo. Und man muss sagen, dass diese Aufnahmen auch heute noch beeindrucken.