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Montag, 5. April 2010

Verdi: Messa da Requiem (Deutsche Grammophon)

Ein Konzertmitschnitt aus der Stuttgarter Liederhalle, entstanden im November 1960 - in einer Zeit, als die Stars noch in der Nachbar- schaft wohnten, und nicht nur zum Konzert eingeflogen wurden. Auch die Gesangskultur war eine andere, wie dieses Solistenquartett zeigt - da wird miteinander musiziert, statt um die Wette zu tönen. Natürlich sind die vier Sänger keine Spezialisten fürs italienische Fach; selbst Fritz Wunderlich wirkt etwas angestrengt, aber er wäre in solche Partien ganz sicher hineingewachsen, wenn ihm die Lebenszeit dazu vergönnt gewesen wäre. Wer also den legendären Tenor mit diesem Werk hören will, der muss sich mit dieser Aufnahme be- scheiden - und damit abfinden, dass hier neben dem Südfunk-Chor auch der Stuttgarter Lehrergesangsverein und der Bachchor Stuttgart mitsingen, ein wackerer Haufen zwar begeisterter, aber dennoch musikalischer Laien. Auch Hans Müller-Kray, der diese Sänger- scharen sowie das Südfunk-Sinfonieorchester dirigierte, hat ganz sicher nicht das Format eines Karajan oder Toscanini. Wer sich aber mit dem Gedanken anfreunden kann, dass es sich hier um die Auf- zeichnung eines Konzertes mit lokaler Besetzung und ursprünglich auch nur regionaler Relevanz handelt, der wird viel Staunenswertes finden.

Sonntag, 14. März 2010

Bach: Matthäus-Passion; Münchinger (Decca)

Eine der wohl besten Aufnahmen von Bachs Matthäus-Passion. Das Solisten-Ensemble ist durchweg erstklassig: Peter Pears als Evangelist, Hermann Prey als Jesus, August Messthaler als Judas, Heinz Blankenburg als Petrus/Hohepriester/Pontius Pilatus, sowie Elly Ameling (Sopran), Marga Höffgen (Alt), Fritz Wunderlich (Tenor) und Tom Krause (Bass). Die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben singen die Chöre inbrünstig, wenn auch nicht immer perfekt. Die Sänger werden begleitet vom Stuttgarter Kammerorchester, unter Leitung des legendären Karl Münchinger.  
Die Musiker achten sehr genau auf die musikalische Struktur von Bachs monumentalem Werk, das mit fast vier Stunden Musik ganz eindeutig nicht dafür gedacht war, sich in den Rahmen eines Gottesdienstes einzufügen. So kamen sie zu einer Interpretation, die bis heute Referenzrang hat. Dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1964 stammt, stellt man beim Blick in das Beiheft mit Erstaunen fest.