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Sonntag, 26. Juni 2011

Schirokkos Telemann (Ambitus)

„Neuentdeckte Geistliche Arien“, steht als Untertitel wie ein Motto über dieser CD. Sie befinden sich in dem Manuskript Etliche Geistliche Arien, TWV 10:13 bis 10:20, aus der Staatsbibliothek Hamburg – acht Stück sind es also, und sie sind sämtlich auf dieser CD zu finden. Die Musiker des Ensembles Schirokko um Rachel Harris haben sie um Telemanns Violinkonzert in a-Moll sowie durch passende Cho- ralstrophen ergänzt, die instru- mentaliter vorgetragen werden. An einer Stelle grüßt mit der großartigen Arp-Schnitger-Orgel, gespielt durch Martin Böcker, sogar der Ort, an dem diese Aufnahme aufge- zeichnet wurde – die Kirche Ss. Cosmae et Damiani Stade. Diese Werke Telemanns  waren lang verschollen; sie lagen als "Beute- kunst" in St. Petersburg, und wurden erst 1992 in die Bestände der Staatsbibliothek Hamburg zurückgeführt. Die Texte der Arien sind im Beiheft – anders als auf der CD, die einer musikalischen Logik folgt – in ihrer korrekten Reihenfolge abgedruckt. Sie mahnen, ganz im Stile der Zeit ihrer Entstehung, zu einem Gott gefälligen Leben und drohen Sündern die entsprechenden Strafen an. 
Das liest sich heute gewöhnungsbedürftig; und so fühlte sich Rachel Harris, die Gründerin und Leiterin des Ensembles Schirokko Hamburg, dazu herausgefordert, sie im Beiheft durch einen Essay über das Glück und den Müßiggang zu begleiten. Ob dieser Aufsatz tiefer geht als Telemanns Texte, das freilich mag jeder selbst ent- scheiden.
Die Arien jedenfalls sind hörenswert, und Sopranistin Tanya Aspelmeier singt mit geschmeidiger, fokussierter, schlanker Stimme, was man ebenfalls mit Vergnügen anhört. Ihre Textverständlichkeit freilich könnte besser sein, was jedoch bei diesen Stücken wenig ins Gewicht fällt. Die Musiker des Ensembles Schirokko zeigen sich engagiert, und sie überzeugen mit Witz  und Spielfreude. Bravi!

Montag, 28. März 2011

Biber: Mystery Sonatas (Sono Luminus)

"I first discovered Biber's Mystery Sonatas when I was a graduate student at Indiana University, and hearing them inspired me to be- come a baroque violinist", erklärt Julia Wedmann. Die kanadische Geigerin hat bereits etliche CD vor- gelegt; jetzt gab ihr das Label Sono Luminus die Möglichkeit, Bibers bedeutendes Werk einzuspielen. 
Die Rosenkranz-Sonaten, wie sie auch genannt werden, vollziehen in insgesamt 15 Sonaten die fünf freudenreichen, fünf schmerzhaf- ten und fünf glorreichen Geheimnisse der Gottesmutter Maria nach. Die abschließende Passacaglia hingegen schildert die Begleitung des gläubigen Menschen durch seinen Schutzengel. 
Eines muss man Wedmann lassen: Ihre Version der Mysteriensonaten ist sehr gut fundiert, ja, geradezu basslastig. Das Continuo ist mit Felix Deak, Violoncello und Viola da gamba, Lucas Harris, Theorbe und Erzlaute, Charlotte Nediger, Orgel und Cembalo, sowie Julia Seager Scott, Harfe, überaus opulent ausgestattet. In der Art und Weise, wie diese Instrumente jeweils eingesetzt werden, vermag ich aber kein System zu erkennen. 
Auch sonst wird nicht ersichtlich, dass der Inhalt des Geheimnisses sich in irgendeiner Art und Weise auf die Interpretation auswirkt. Sorry, aber für diese Pseudo-Barockmusik, die kein bisschen rheto- risch, dafür aber sehr breiig-gefühlig gespielt wird, kann ich mich nicht begeistern. Wer hören will, wie dieser Zyklus klingen kann, wenn er mit Verstand vorgetragen wird, dem sei beispielsweise die Aufnahme mit Reinhard Goebel und Musica Antiqua Köln empfohlen.