Musik für die blaue Stunde präsentiert Andreas Ottensamer auf dieser CD. Um die ganz besondere Stimmung jener kurzen Zeitspanne zwischen dem Sonnenuntergang und der nächtlichen Dunkelheit in Klängen zu vermitteln, wählte der Klarinettist romantische Musik von Johannes Brahms, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy.
Kernstück des Albums ist Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll. Ottensamer musiziert gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, dirigiert von Mariss Jansons. Man kennt sich, und man schätzt sich – Ottensamer, der einer Klarinettistendynastie entstammt, ist seit 2001 Soloklarinettist des Orchesters.
Mindestens ebenso interessant sind aber die anderen Stücke des Programmes, die Ottensamer zusammen mit der Pianistin Yuja Wang vorträgt. Schon bei Brahms' Intermezzo in A-Dur, in einem Arrangement von Nicolai Popov, zeigt sich, welch betörende Gesangslinien die Klarinette in den Abendhimmel zu schicken vermag. Diese Sanglichkeit sowie ein faszinierendes Spektrum an Klangfarben fasziniert auch bei Mendelssohns Liedern ohne Worte, die Andreas Ottensamer selbst für Klarinette und Klavier bearbeitet hat – allerdings in einem dynamischen Prozess, wie der Musiker im Beiheft berichtet: „Ich hatte zunächst ein Arrangement gemacht, das von der Struktur her durchaus funktionierte“, so Ottensamer. „Dann habe ich es gemeinsam mit Yuja durchgespielt und geprobt und dabei sind nochmal komplett neue Ideen und Ansätze entstanden. Zum Beispiel dachte ich zunächst bei einer bestimmten Passage, es wäre schön, wenn das Klavier die Melodie übernimmt. Aber als wir das zusammen probten, entschieden wir, diese Linie zusammen unisono zu spielen. An anderer Stelle erwies es sich wiederum als interessanter, wenn Yuja allein übernimmt. Diese Flexibilität ist ein Luxus, den man nur hat, wenn man selbst arrangiert.“
Aus den Originalnoten spielte Ottensamer hingegen Brahms' Lied Wie Melodien zieht es mir, den Text stets vor Augen. „Dieser Text ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr blumig, es geht um Blüten, Düfte, um den Hauch – was sich ja wunderbar verbindet mit dem Klarinettenton“, so der Musiker. Johannes Brahms ist für Ottensamer ohnehin der romanti- sche Komponist.
Wie das Klarinettenkonzert, so schrieb Weber seinerzeit auch das Grand Duo für Klarinette und Klavier für den grandiosen Solisten Heinrich Joseph Baermann. Ottensamer sieht darin eine Hommage an die italieni- sche Oper: „Was mir besonders gefällt, ist, dass Weber im Seitenthema des ersten Satzes einen Gassenhauer zitiert. Der Text lautet: 'Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht'. Die Melodie ist dieselbe, aber in einem anderen Metrum. Und daran sieht man den Charme, den Weber immer hat, der aber oft untergeht in der Wahrnehmung“, so der Musiker. „Gerade für die Klarinettisten gilt dieses Stück als hochseriöses Kernstück des Repertoires. Da entsteht dann die Gefahr, dass man die Leichtigkeit und den Witz vergisst.“
Ottensamer nimmt daher das Werk eher heiter und beschwingt als gewichtig-pathetisch. Gemeinsam mit Yuja Wang schwelgt er in herrlichen Melodielinien, lässt die Töne schweben – und bevor der Zuhörer gar zu sehr in schwärmerische Stimmung gerät, würzen die beiden Musiker ihren Vortrag dann ab und zu auch mit einer winzigen Prise Ironie. Sehr gelungen!
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Montag, 20. Mai 2019
Samstag, 14. Februar 2015
Martin Fröst - Mozart (BIS Records)
Schon einmal hatte Martin Fröst das Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt. Die Aufnahme, 2002 erschienen, gehört bis heute bei BIS zu den Bestsellern – und der Katalog dieses Labels ist wahrlich geprägt durch exzellente Musiker und herausragende Interpretationen. Was also veranlasst Fröst dazu, ein solches Werk noch einmal anzugehen? Nun – zum einen gibt es ganz sicher nichts, was man nicht letztendlich gern noch besser machen möchte. Und aus der Erfah- rung sowie aus dem gemeinsamen Musizieren heraus ergeben sich auch neue Ideen. Die Deutsche Kammer- philharmonie Bremen jedenfalls, die Fröst gleich selbst dirigierte, agiert sehr sensibel und feinsinnig.
Bei der Auswahl der Noten entschied sich Fröst zudem für eine Variante, die dem (verlorenen) Original, das Mozart einst für Anton Stadler komponierte, möglicherweise am nächsten kommt. Genutzt wurde nicht die übliche Version, die dem Tonumfang der A-Klarinette angepasst ist. Fröst spielt statt dessen die moderne Rekonstruktion einer Bassettklari- nette. Für dieses tiefere Instrument aus der Klarinettenfamilie ist das Werk einst entstanden, und es ergibt sich natürlich ein anderes Klangbild, wenn nicht ganze Passagen hochoktaviert gespielt werden müssen. Fröst musiziert mit wundervollem, samtweichem Ton und perfekter sanglicher Phrasierung.
Da das Klarinettenkonzert, Mozarts letztes Instrumentalkonzert, leider ein Solitär ist, hat Fröst die CD durch das Kegelstatt-Trio und das selten zu hörende Allegro für Klarinette und Streichquartett komplettiert. Dafür hat sich der Klarinettist die Mitwirkung namhafter Musikerkollegen gesichert. Sie waren ganz sicher auch beim kritischen Blick auf die Partitur inspi- rierende Partner. Das Trio für Klarinette, Viola und Piano KV 498 gestaltet Fröst gemeinsam mit Antoine Tamestit, Viola, und Leif Ove Andsnes am Klavier als intime Miniatur, wie einen Blick in einen Wiener Salon mit seiner gepflegten Konversation.
Das Allegro für Klarinette und Streichquartett B-Dur ist eigentlich ein Fragment; Robert Levin hat das Werk in den 60er Jahren kunstvoll ergänzt, so dass es gespielt werden kann. Fröst musiziert hier mit einem wirklich hochkarätig besetzten Streichquartett zusammen: Zu hören sind Janine Jansen und Boris Brovtsyn, Violine, Maxim Rysanov, Viola und Torleif Thedéen, Violoncello. Faszinierend!
Bei der Auswahl der Noten entschied sich Fröst zudem für eine Variante, die dem (verlorenen) Original, das Mozart einst für Anton Stadler komponierte, möglicherweise am nächsten kommt. Genutzt wurde nicht die übliche Version, die dem Tonumfang der A-Klarinette angepasst ist. Fröst spielt statt dessen die moderne Rekonstruktion einer Bassettklari- nette. Für dieses tiefere Instrument aus der Klarinettenfamilie ist das Werk einst entstanden, und es ergibt sich natürlich ein anderes Klangbild, wenn nicht ganze Passagen hochoktaviert gespielt werden müssen. Fröst musiziert mit wundervollem, samtweichem Ton und perfekter sanglicher Phrasierung.
Da das Klarinettenkonzert, Mozarts letztes Instrumentalkonzert, leider ein Solitär ist, hat Fröst die CD durch das Kegelstatt-Trio und das selten zu hörende Allegro für Klarinette und Streichquartett komplettiert. Dafür hat sich der Klarinettist die Mitwirkung namhafter Musikerkollegen gesichert. Sie waren ganz sicher auch beim kritischen Blick auf die Partitur inspi- rierende Partner. Das Trio für Klarinette, Viola und Piano KV 498 gestaltet Fröst gemeinsam mit Antoine Tamestit, Viola, und Leif Ove Andsnes am Klavier als intime Miniatur, wie einen Blick in einen Wiener Salon mit seiner gepflegten Konversation.
Das Allegro für Klarinette und Streichquartett B-Dur ist eigentlich ein Fragment; Robert Levin hat das Werk in den 60er Jahren kunstvoll ergänzt, so dass es gespielt werden kann. Fröst musiziert hier mit einem wirklich hochkarätig besetzten Streichquartett zusammen: Zu hören sind Janine Jansen und Boris Brovtsyn, Violine, Maxim Rysanov, Viola und Torleif Thedéen, Violoncello. Faszinierend!
Dienstag, 30. Dezember 2014
Mozart: Clarinet Concerto & Quintet; Schorn (Cavi Music)
Zwei Mitschnitte aus dem Jahre 2012, die auch beide bereits auf CD erschienen sind, fasst Cavi Music hier noch einmal separat zusammen. Das erscheint durchaus sinnvoll, denn damit liegen nun beide Mozart-Aufnahmen von Matthias Schorn auf einer Silberscheibe vor. Der Soloklari- nettist der Wiener Philharmoniker hat das Klarinettenquintett KV 581 gemeinsam mit dem Minetti Quartett eingespielt. Das Klarinettenkonzert KV 622 musizierte er gemeinsam mit dem Innviertler Symphonie Orchester – einem quasi-professionellen En- semble, das sich zweimal jährlich in der Gemeinde Mettmach zu Konzert- projekten versammelt. Enthusiasmus und Spielfreude dieses unkonventio- nellen Orchesters, in dem sich gestandene Berufsmusiker ebenso engagieren wie Studierende, bleiben selbst in der Aufnahme noch erlebbar. Schorn musiziert ebenfalls sehr hörenswert; sein schlanker, eleganter Ton passt zu Mozart ganz hervorragend.
Montag, 10. Oktober 2011
Sharon Kam - Mozart (Berlin Classics)
Dem Klarinettisten Anton Stadler war Wolfgang Amadeus Mozart in Freundschaft verbunden - und er schrieb für ihn einige der schön- sten Soli für dieses Instrument. Die Klarinette war damals eine Innova- tion; das Instrument galt als Ersatz für die schwieriger zu spielende Trompete (italienisch clarino), was ihm seinen Namen gab, und wurde um 1750 in den Orchestern zuneh- mend gebräuchlich.
Mozart erlebte seinen Klang erst- mals 1777 in Mannheim, und war davon sehr angetan. So komponier- te er für die Klarinette und ihre Verwandten, in erster Linie das Bassetthorn und die Bassettklarinette, viele berühmte Melodien. Für Stadler schuf er auch das Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622, und das Klarinettenquintett A-Dur KV 581.
Sharon Kam hat diese beiden Werke nun auf der Bassettklarinette für Berlin Classics eingespielt. Die israelische Musikerin gehört ohne Zweifel zu den führenden Klarinettenvirtuosen ihrer Generation. Ihr Ton ist stets kultiviert; ihr Spiel bringt die höchst unterschiedlichen Klangfarben des Instrumentes in den verschiedenen Lagen sehr schön zur Geltung. Selbst im Diskant wird ihr Ton nie schrill und spitz. An Sabine Meyer freilich, die Mozarts Konzert seinerzeit mit den Berliner Philharmonikern sowie mit der Staatskapelle Dresden einge- spielt hat, reicht sie nicht ganz heran; Kams Ton ist nicht so weich, so schwebend-ätherisch, und auch ihre Phrasierung wirkt eher boden- ständig-irdisch.
Für das Klarinettenkonzert ist ihr die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie mit Sitz auf Schloss Esterházy in Eisenstadt ein ausdrucksstarker Partner. Das Klarinettenquintett spielt Sharon Kam gemeinsam mit Isabelle van Keulen und Ulrike-Anima Mathé, Violine, Volker Jacobsen, Viola und Gustav Rivinius, Violoncello. Sie gehören eindeutig zur europäischen Musik-Elite, und auch ihr Zusammenspiel erfreut.
Mozart erlebte seinen Klang erst- mals 1777 in Mannheim, und war davon sehr angetan. So komponier- te er für die Klarinette und ihre Verwandten, in erster Linie das Bassetthorn und die Bassettklarinette, viele berühmte Melodien. Für Stadler schuf er auch das Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622, und das Klarinettenquintett A-Dur KV 581.
Sharon Kam hat diese beiden Werke nun auf der Bassettklarinette für Berlin Classics eingespielt. Die israelische Musikerin gehört ohne Zweifel zu den führenden Klarinettenvirtuosen ihrer Generation. Ihr Ton ist stets kultiviert; ihr Spiel bringt die höchst unterschiedlichen Klangfarben des Instrumentes in den verschiedenen Lagen sehr schön zur Geltung. Selbst im Diskant wird ihr Ton nie schrill und spitz. An Sabine Meyer freilich, die Mozarts Konzert seinerzeit mit den Berliner Philharmonikern sowie mit der Staatskapelle Dresden einge- spielt hat, reicht sie nicht ganz heran; Kams Ton ist nicht so weich, so schwebend-ätherisch, und auch ihre Phrasierung wirkt eher boden- ständig-irdisch.
Für das Klarinettenkonzert ist ihr die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie mit Sitz auf Schloss Esterházy in Eisenstadt ein ausdrucksstarker Partner. Das Klarinettenquintett spielt Sharon Kam gemeinsam mit Isabelle van Keulen und Ulrike-Anima Mathé, Violine, Volker Jacobsen, Viola und Gustav Rivinius, Violoncello. Sie gehören eindeutig zur europäischen Musik-Elite, und auch ihr Zusammenspiel erfreut.
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