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Freitag, 18. September 2015

Andreas Ottensamer - Brahms (Deutsche Grammophon)

Johannes Brahms, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland, gilt üblicherweise nicht gerade als Volksmusikexperte; seine Hinwen- dung zu ungarischen Melodien wird eher als ein Flirt mit exotischen Klängen gesehen, und nicht als Ergebnis einer ernsthaften und tiefgreifenden Auseinandersetzung mit den Originalen. Für sein zweites Album bei der Deutschen Grammo- phon hat sich der Klarinettist Andreas Ottensamer im Werk des Komponisten auf die Spurensuche begeben. 
Selbst zur Hälfte Ungar, hat er mit scharfem Blick in die Noten und Dokumente geschaut, und festgestellt, dass das ungarische Idiom für Brahms' Tonsprache weit mehr war als nur Kolorit. Im Mittelpunkt der CD steht das legendäre Klarinettenquintett op. 115, in dem man mitunter sogar eine komplette ungarische Kapelle zu hören meint. „Jeder Klari- nettist träumt davon, dieses Stück zu spielen“, meint Ottensamer. Weni- ger offensichtlich ist das ungarische Element in den beiden nachfolgenden Walzern des Komponisten. Sie erscheinen höchst wienerisch – doch die Musiker zeigen, dass sie auch durch den Csárdás mit geprägt wurden. 
Andreas Ottensamer hat sich für diese Aufnahmen ein Ensemble zusam- menstellt, das diese Musik ebenfalls quasi im Blut hat: Leonidas Kavakos und Christoph Koncz, Violine, Antoine Tamestit, Viola, Stephan Koncz, Violoncello, Ödön Rácz, Kontrabass und Oszkár Ökrös am Zymbal sorgen mit Leidenschaft und virtuosem Spiel für facettenreiche Klänge. Die Musik klingt, zumal bei den beiden ausgewählten Ungarischen Tänzen, wie improvisiert. Und wer sich fragt, ob diese Tänze denn wirklich ungarische Originale sind, der erhält mit dieser CD auf diese Frage ebenfalls eine Antwort. 
Zum Abschluss erklingen zwei Sätze, Két Tétel, von Leó Weiner, die sehr schön in diesen Reigen passen. Und zum Kehraus gibt’s dann noch ein Medley mit Tanzliedern aus Transsylvanien, und mit so mancher über- raschenden Wendung. Das Ensemble wird eigens dazu durch das Akkor- deon von Predrag Tomić verstärkt. Sehr spannend! 

Dienstag, 30. Dezember 2014

Mozart: Clarinet Concerto & Quintet; Schorn (Cavi Music)

Zwei Mitschnitte aus dem Jahre 2012, die auch beide bereits auf CD erschienen sind, fasst Cavi Music hier noch einmal separat zusammen. Das erscheint durchaus sinnvoll, denn damit liegen nun beide Mozart-Aufnahmen von Matthias Schorn auf einer Silberscheibe vor. Der Soloklari- nettist der Wiener Philharmoniker hat das Klarinettenquintett KV 581 gemeinsam mit dem Minetti Quartett eingespielt. Das Klarinettenkonzert KV 622 musizierte er gemeinsam mit dem Innviertler Symphonie Orchester – einem quasi-professionellen En- semble, das sich zweimal jährlich in der Gemeinde Mettmach zu Konzert- projekten versammelt. Enthusiasmus und Spielfreude dieses unkonventio- nellen Orchesters, in dem sich gestandene Berufsmusiker ebenso engagieren wie Studierende, bleiben selbst in der Aufnahme noch erlebbar. Schorn musiziert ebenfalls sehr hörenswert; sein schlanker, eleganter Ton passt zu Mozart ganz hervorragend. 

Montag, 29. Juli 2013

Mozart - Brahms - Sulzer: Clarinet Quintets (Avi-Music)

Großartige Musiker haben oftmals Komponisten dazu veranlasst, großartige Musik zu schaffen. So schrieb Wolfgang Amadeus Mozart, inspiriert durch seinen Freund Anton Stadler, einige der schönsten Werke für Instrumente der Klarinettenfamilie. Und Johannes Brahms zeigte sich geradezu überwältigt von den Fertigkeiten Richard Mühlfelds, der in Meiningen wirkte. 
Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, hat gemeinsam mit dem Minetti Quartett Mozarts A-Dur-Quintett KV 581 und Brahms' h-Moll-Quintett op. 115 eingespielt. Die jungen Musiker erfreuen durch ihr harmonisches Ensemblespiel – obwohl sie hier erstmals miteinander auf CD zu hören sind, klingt diese Aufnahme, als würden sie schon Dekaden zusammen musizieren. Und weil's so schön ist, komplettiert ein soeben erst entstandenes Klarinettenquintett von Balduin Sulzer diese CD. Der österreichische Komponist hat seine Invention den fünf Musikern gewidmet. Das ebenso anspruchsvolle wie ansprechende Werk erklingt hier in Weltersteinspielung.