Hoch erfreut darf ich vermelden, dass sich wieder einmal ein Ensemble dem Schaffen von Philipp Heinrich Erlebach (1657 bis 1714) zugewandt hat. Er wirkte als Kapellmeister am Hofe des Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Leider ist 1735 bei einem Brand in dem thüringischen Schloss fast die gesamte musikalische Hinterlassenschaft des Komponisten vernichtet worden. Nur eine Handvoll seiner Werke sind uns erhalten geblieben, weil sie von ihm zu Lebzeiten veröffentlicht oder in Abschriften außerhalb seiner Wirkungsstätte aufgefunden wurden. Doch diese Raritäten lassen erahnen, wie groß der Verlust ist.
Auf dieser CD erklingen sechs Sonaten für Violine, Viola da gamba und Basso continuo, die Erlebach 1694 drucken lassen konnte. Wie der Komponist französische und italienische Einflüsse in seinen ganz persönlichen Stil integrierte, das ist an diesen Werken gut zu erkennen. Mit seinem Ensemble L’Achéron erweckt François Joubert-Caillet diese Raritäten liebevoll wieder zum Klingen. Sensibilität und Sorgfalt zeichnen diese Einspielung aus, die den Charme dieser Musik aufs Schönste zur Geltung bringt. Unbedingte Empfehlung!
Posts mit dem Label L'Achéron werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label L'Achéron werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 25. November 2019
Donnerstag, 1. Dezember 2016
Kerll / Fux: Requiems (Ricercar)
Als Wolfgang Amadeus Mozart sein Requiem komponierte, überschritt er damit nicht nur die Schwelle zur Romantik. Er orientierte sich zugleich an alten musikalischen Modellen – es klingt paradox, aber nie war Mozart traditioneller als bei diesem Werk das als sein modernstes und visionäres gilt. Diese Aufnahme des Ensembles Vox Luminis führt uns in diese Vergangenheit, aus der Mozart schöpfte.
Die Sänger um Lionel Meunier öffnen eine ganz besondere Schatztruhe: Zu hören sind zwei Totenmessen von Johann Caspar Kerll (1627 bis 1693) und Johann Joseph Fux (1660 bis 1741). Fux schrieb sein Requiem 1720 für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, der Witwe des Kaisers Leopold I. Es erklang später auch noch bei weiteren Trauerfeiern des Hofes, zuletzt 1740 beim Begräbnis Karls VI. Geprägt wird dieses Werk nicht etwa durch Schmerz und Verzweifung, sondern durch feierliche Erhabenheit. Entsprechend strahlend ist auch sein Klang; zu den beiden Sopranen, Alt , Tenor und Bass kommen neben Orgelpositiv und Violone noch zwei Geigen und eine Bratsche, sowie, passend zum Anlass, zwei stille Zinken, zwei Posaunen und ein Fagott. Es musiziert gekonnt das Scorpio Collectief – und man muss sagen, Fux' Requiem klingt wirklich staatstragend.
Das zweite Werk auf dieser CD wirkt intimer und auch düsterer. Hier sind statt zweier Soprane zwei Tenöre besetzt, was den Klang tiefer und gedeck- ter erscheinen lässt. Auch die Instrumente unterstreichen diesen Eindruck. Kerlls Missa pro Defunctis wird durch ein Gambenconsort begleitet; das Ensemble L'Achéron übernimmt diesen Part sehr eindrucksvoll. Sie findet sich in einem Band, der insgesamt fünf Messen des Komponisten enthält, 1689 gedruckt wurde und Kaiser Leopold I. gewidmet ist.
Die Sänger um Lionel Meunier öffnen eine ganz besondere Schatztruhe: Zu hören sind zwei Totenmessen von Johann Caspar Kerll (1627 bis 1693) und Johann Joseph Fux (1660 bis 1741). Fux schrieb sein Requiem 1720 für die Beisetzungsfeierlichkeiten von Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, der Witwe des Kaisers Leopold I. Es erklang später auch noch bei weiteren Trauerfeiern des Hofes, zuletzt 1740 beim Begräbnis Karls VI. Geprägt wird dieses Werk nicht etwa durch Schmerz und Verzweifung, sondern durch feierliche Erhabenheit. Entsprechend strahlend ist auch sein Klang; zu den beiden Sopranen, Alt , Tenor und Bass kommen neben Orgelpositiv und Violone noch zwei Geigen und eine Bratsche, sowie, passend zum Anlass, zwei stille Zinken, zwei Posaunen und ein Fagott. Es musiziert gekonnt das Scorpio Collectief – und man muss sagen, Fux' Requiem klingt wirklich staatstragend.
Das zweite Werk auf dieser CD wirkt intimer und auch düsterer. Hier sind statt zweier Soprane zwei Tenöre besetzt, was den Klang tiefer und gedeck- ter erscheinen lässt. Auch die Instrumente unterstreichen diesen Eindruck. Kerlls Missa pro Defunctis wird durch ein Gambenconsort begleitet; das Ensemble L'Achéron übernimmt diesen Part sehr eindrucksvoll. Sie findet sich in einem Band, der insgesamt fünf Messen des Komponisten enthält, 1689 gedruckt wurde und Kaiser Leopold I. gewidmet ist.
Montag, 21. November 2016
Johann Bernhard Bach: Ouvertures (Ricercar)
„No 18. Joh. Bernhard Bach,ältester Sohn von Johann Egydio Bachen Sub No. 8 ist in Erffurth An. 1676 gebohren. Lebet noch anjetzo (nehmlich 1735) als CammerMusicus u Organist in Eisenach. Succedirte Joh. Christ. Bachen Sub No. 13.“ Das notierte Johann Sebastian Bach über Johann Bernhard Bach (1676 bis 1749) in seiner Genealogie der weit verzweigten Musikerfamilie.
Er war zunächst Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt, bevor er 1699 Organist an der Magdeburger Katharinenkirche wurde. 1703 ging er nach Eisenach – im selben Jahr trat Johann Sebastian in Arnstadt, einen straffen Tagesmarsch entfernt, seine erste Organistenstelle an. Johann Bernhard wirkte auch als Cembalist bei Hofe, und wurde 1712 zum Hof- kapellmeister ernannt.
Ob sich die beiden Cousins jemals persönlich getroffen haben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ganz unwahrscheinlich ist dies nicht; zum einen traf sich die Bach-Familie regelmäßig. Und zum anderen wurde 1706 Georg Philipp Telemann erster Geiger und Kapellmeister des Herzogs von Eisenach, der wiederum mit Johann Sebastian Bach eng befreundet war und Taufpate seines zweiten Sohnes wurde.
Die Ouvertüren von Johann Bernhard jedenfalls waren Johann Sebastian bekannt; er hat Stimmen eigenhändig mit angefertigt, wahrscheinlich für eine Aufführung mit dem Collegium musicum. In Leipzig sind wohl nur drei davon erklungen; das Ensemble L'Achéron, geleitet vom Bassgambi- sten François Joubert-Caillet, hat auf dieser CD alle vier überlieferten Ouvertüren veröffentlicht. Es sind elegante Suiten, die das französische Vorbild mit viel Charme nach Thüringen eingemeinden: Das stilistische Modell sei „clairement français, classique, inspiré de cet esprit et de goût typiques des danses et Ouvertures d'outre-Rhin“, stellt Joubert-Caillet in einem Geleitwort fest. „On ne pourrait pourtant pas imaginer cette musique écrite par un musicien français.“ Bach orientiere sich an diesem Modell, „et l'adapte à son style propre, créant ainsi une musique toute personelle.“
Das Ensemble L'Achéron hat sich für diese Aufnahme zum Orchester erweitert. Die Musiker spüren den Ideen und Klangfarben nach, die einst dem Komponisten wichtig waren: „En adoptant des instrumentations variées, typées, nous avons tenté de repeindre ici les inspirations s'exprimant dans chacune de ces miniatures“, so Joubert-Caillet. Aus diesem Grunde belassen es die Musiker auch nicht bei der Besetzung der Stimmen mit Streichern; Traversflöte und Piccolo, Blockflöten, Flageolett, Oboe und Fagott sorgen für klangliche Abwechslung. Auch im Continuo treten zu Kontrabass und Bassgambe ergänzend Erzlaute, Gitarre und Cembalo. Musiziert wird mit Leidenschaft und mit Esprit. Das Ensemble L'Achéron schreibt mit dieser CD ein spannendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte weiter, die stets geprägt war durch den Austausch über alle Grenzen hinweg.
Er war zunächst Organist an der Kaufmannskirche in Erfurt, bevor er 1699 Organist an der Magdeburger Katharinenkirche wurde. 1703 ging er nach Eisenach – im selben Jahr trat Johann Sebastian in Arnstadt, einen straffen Tagesmarsch entfernt, seine erste Organistenstelle an. Johann Bernhard wirkte auch als Cembalist bei Hofe, und wurde 1712 zum Hof- kapellmeister ernannt.
Ob sich die beiden Cousins jemals persönlich getroffen haben, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Ganz unwahrscheinlich ist dies nicht; zum einen traf sich die Bach-Familie regelmäßig. Und zum anderen wurde 1706 Georg Philipp Telemann erster Geiger und Kapellmeister des Herzogs von Eisenach, der wiederum mit Johann Sebastian Bach eng befreundet war und Taufpate seines zweiten Sohnes wurde.
Die Ouvertüren von Johann Bernhard jedenfalls waren Johann Sebastian bekannt; er hat Stimmen eigenhändig mit angefertigt, wahrscheinlich für eine Aufführung mit dem Collegium musicum. In Leipzig sind wohl nur drei davon erklungen; das Ensemble L'Achéron, geleitet vom Bassgambi- sten François Joubert-Caillet, hat auf dieser CD alle vier überlieferten Ouvertüren veröffentlicht. Es sind elegante Suiten, die das französische Vorbild mit viel Charme nach Thüringen eingemeinden: Das stilistische Modell sei „clairement français, classique, inspiré de cet esprit et de goût typiques des danses et Ouvertures d'outre-Rhin“, stellt Joubert-Caillet in einem Geleitwort fest. „On ne pourrait pourtant pas imaginer cette musique écrite par un musicien français.“ Bach orientiere sich an diesem Modell, „et l'adapte à son style propre, créant ainsi une musique toute personelle.“
Das Ensemble L'Achéron hat sich für diese Aufnahme zum Orchester erweitert. Die Musiker spüren den Ideen und Klangfarben nach, die einst dem Komponisten wichtig waren: „En adoptant des instrumentations variées, typées, nous avons tenté de repeindre ici les inspirations s'exprimant dans chacune de ces miniatures“, so Joubert-Caillet. Aus diesem Grunde belassen es die Musiker auch nicht bei der Besetzung der Stimmen mit Streichern; Traversflöte und Piccolo, Blockflöten, Flageolett, Oboe und Fagott sorgen für klangliche Abwechslung. Auch im Continuo treten zu Kontrabass und Bassgambe ergänzend Erzlaute, Gitarre und Cembalo. Musiziert wird mit Leidenschaft und mit Esprit. Das Ensemble L'Achéron schreibt mit dieser CD ein spannendes Kapitel der europäischen Musikgeschichte weiter, die stets geprägt war durch den Austausch über alle Grenzen hinweg.
Abonnieren
Posts (Atom)


