„Händels Orgelkonzerte wurden gezielt auf den ergreifenden wie brillanten Aspekt hin komponiert“, schreibt Matthias Kirschnereit im Geleitwort zu dieser CD. „Die Art und Weise, wie der Komponist dem Solisten großzügige Möglichkeiten der exponierten Präsentation bietet, erscheint mir hochmodern.“
Doch diese Spielräume wollen auch genutzt sein. Die Lösung, die Kirsch- nereit für diese Herausforderung gefunden hat, überzeugt auch bei seiner zweiten Einspielung der Orgelkonzerte auf einem modernen Konzertflügel. Es ist durchaus spannend, zu erleben, welche klanglichen Alternativen der Pianist anstelle der Orgelregister gefunden hat. Die Klangfarben der Orgel durch die dynamischen Möglichkeiten des Klaviers zu ersetzen, das gelingt Kirschnereit brillant – nicht zuletzt deshalb, weil er dabei sehr zurückhaltend agiert und sich nicht in den Vordergrund spielt. Wie der Pianist gemeinsam mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Lavard Skou Larsen musiziert, und eben nicht als Solist mit Orchesterbegleitung, das ist einmal mehr berückend. Auf dieser CD erklingen Händels Konzerte ohne Opuszahl, darunter das berühmte „The Cuckoo and the Nightingale“ – meine unbedingte Empfehlung!
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Samstag, 13. September 2014
Sonntag, 2. März 2014
Händel: Six Piano Concertos op. 4; Kirschnereit (cpo)
Auch Matthias Kirschnereit hat Händels Orgelkonzerte – in diesem Falle die sechs Konzerte op. 4 – eingespielt. Die Aufnahme setzt konsequent auf moderne Instru- mente – und ebenso konsequent auf eine historisch angemessene Musizierweise. „Dass Händel seine Orgelkonzerte ohne Pedal konzipierte, erleichtert deren Spielbarkeit auf dem Klavier“, meint Kirschnereit. Er beruft sich bei seiner Entscheidung für den Steinway zudem darauf, dass Händel selbst etliche seiner Werke für verschiedene Instrumente bearbeitet hat.
Wenn man diese Aufnahme anhört, dann fragt man sich freilich, warum zuvor noch niemand diese Konzerte auf einem Flügel eingespielt hat – abgesehen von Ragna Schirmer, siehe oben, die aber mit dem musikalischen Material wesentlich freier verfahren ist. Kirschnereit hingegen bleibt möglichst dicht am Original. „Eine ,sprechende' Artikulation, kantables Spiel (für mich erschließt sich Händel besonders über seine Opern und Oratorien) wie auch der sparsame Gebrauch des rechten Pedals sind dieser Musik in hohem Maße angemessen“, beschreibt der Pianist im Beiheft sein Vorgehen. „Das Imitieren der einzelnen Orgelregister dürfte – wie überhaupt das innere Hören des menschlichen Gesanges und der unterschiedli- chen Orchesterinstrumente – eine Grundvoraussetzung darstellen.“ Umfangreiche Passagen der Orgelstimme sind nur fragmentarisch notiert bzw. mit Generalbass beziffert. „Hier einen Klaviersatz zu finden, der sinnvoll, klangschön und nicht allzu akademisch er- scheint, war eine besondere Herausforderung“, meint Kirschnereit, der von Haus aus kein Spezialist für „Alte“ Musik ist.
Es ist dem Pianisten dennoch bestens gelungen. Seine Interpretation ist berückend elegant und rundum stimmig. Die Aufnahme dokumen- tiert zudem eine Musizierlust, die noch beim Anhören beschwingt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Neuss unter Lavard Skou Larsen ist dem Solisten ein grandioser Musizierpartner. Wie sich Kirschnereit und das Orchester die Phrasen zuspielen, das ist wirklich sehr hörens- wert. Bravi! Und bitte mehr davon! Auf die Orgelkonzerte op. 7 darf man sich wohl schon jetzt freuen.
Wenn man diese Aufnahme anhört, dann fragt man sich freilich, warum zuvor noch niemand diese Konzerte auf einem Flügel eingespielt hat – abgesehen von Ragna Schirmer, siehe oben, die aber mit dem musikalischen Material wesentlich freier verfahren ist. Kirschnereit hingegen bleibt möglichst dicht am Original. „Eine ,sprechende' Artikulation, kantables Spiel (für mich erschließt sich Händel besonders über seine Opern und Oratorien) wie auch der sparsame Gebrauch des rechten Pedals sind dieser Musik in hohem Maße angemessen“, beschreibt der Pianist im Beiheft sein Vorgehen. „Das Imitieren der einzelnen Orgelregister dürfte – wie überhaupt das innere Hören des menschlichen Gesanges und der unterschiedli- chen Orchesterinstrumente – eine Grundvoraussetzung darstellen.“ Umfangreiche Passagen der Orgelstimme sind nur fragmentarisch notiert bzw. mit Generalbass beziffert. „Hier einen Klaviersatz zu finden, der sinnvoll, klangschön und nicht allzu akademisch er- scheint, war eine besondere Herausforderung“, meint Kirschnereit, der von Haus aus kein Spezialist für „Alte“ Musik ist.
Es ist dem Pianisten dennoch bestens gelungen. Seine Interpretation ist berückend elegant und rundum stimmig. Die Aufnahme dokumen- tiert zudem eine Musizierlust, die noch beim Anhören beschwingt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Neuss unter Lavard Skou Larsen ist dem Solisten ein grandioser Musizierpartner. Wie sich Kirschnereit und das Orchester die Phrasen zuspielen, das ist wirklich sehr hörens- wert. Bravi! Und bitte mehr davon! Auf die Orgelkonzerte op. 7 darf man sich wohl schon jetzt freuen.
Freitag, 4. Mai 2012
Kuhlau: Oeuvres pour Flutes (Premiers Horizons)
Dies ist der Mitschnitt eines denkwürdigen Konzertes, das am 18. Dezember 1987 im Münchner Herkulessaal stattgefunden hat. Das Programm ist spannend, denn es erklingen ausgesprochene Rari- täten, vorgestellt von renommier- ten Solisten.
Zu hören sind Jean-Pierre Rampal (1922 bis 2000), seine Schüler András Adorján, William Bennett und Ransom Wilson, Michel De- bost, Hiroshi Hari, Aurèle Nicolet, das Kuhlau-Kvartet, bestehend aus den dänischen Flötisten Toke Lund Christiansen, Bent Larsen, Ole Birger Pedersen und Henrik Svitzer, sowie die Harfenistin Sonja Gislinge. Elf Flötisten also sind zu diesem Kuhlaufest aufgeboten - und die Musik, die sie spielen, ist wundervoll.
Sie stammt von Friedrich Daniel Rudolph Kuhlau (1786 bis 1832). Er kam in dem norddeutschen Städtchen Uelzen als Sohn eines Militär- musikers zur Welt, erhielt seine musikalische Ausbildung in Braun- schweig und in Hamburg, und floh schließlich 1810 nach Dänemark, um nicht in Napoleons Armee dienen zu müssen. In Kopenhagen wirkte er zunächst als Kammermusicus und Flötist in der Hofkapelle. 1813 wurde er dänischer Staatsbürger, und er gilt als der dänische Nationalkomponist seiner Zeit. Insbesondere seine Bemühungen um die dänische Oper führten dazu, dass Kuhlau gefeiert, zum Professor und königlich dänischen Hofkomponisten ernannt und vom Kapell- dienst befreit wurde.
Jedem Flötisten ist sein Name bekannt, denn Kuhlau schuf zahlreiche Werke für Flöte - darunter herrliche Duette, Trios und sogar ein bedeutendes Quartett. Um den Komponisten zu ehren, haben die Flötisten etliche davon neu arrangiert - denn beispielsweise das Trio G-Dur op. 119 lässt sich nicht nur mit zwei Flöten und Klavier auffüh- ren, wie von Kuhlau einst vorgesehen, sondern durchaus auch durch ein Flötenensemble - wenn es denn so virtuos ist, wie das hier konzer- tierende. Die Musiker, die an dieser Einspielung mitgewirkt haben, stellt allerdings kein noch so anspruchsvolles Arrangement vor Pro- bleme. Sie spielen stets vorbildlich, klangschön und mit einer Homo- genität, die sehr beeindruckt.
Zu hören sind Jean-Pierre Rampal (1922 bis 2000), seine Schüler András Adorján, William Bennett und Ransom Wilson, Michel De- bost, Hiroshi Hari, Aurèle Nicolet, das Kuhlau-Kvartet, bestehend aus den dänischen Flötisten Toke Lund Christiansen, Bent Larsen, Ole Birger Pedersen und Henrik Svitzer, sowie die Harfenistin Sonja Gislinge. Elf Flötisten also sind zu diesem Kuhlaufest aufgeboten - und die Musik, die sie spielen, ist wundervoll.
Sie stammt von Friedrich Daniel Rudolph Kuhlau (1786 bis 1832). Er kam in dem norddeutschen Städtchen Uelzen als Sohn eines Militär- musikers zur Welt, erhielt seine musikalische Ausbildung in Braun- schweig und in Hamburg, und floh schließlich 1810 nach Dänemark, um nicht in Napoleons Armee dienen zu müssen. In Kopenhagen wirkte er zunächst als Kammermusicus und Flötist in der Hofkapelle. 1813 wurde er dänischer Staatsbürger, und er gilt als der dänische Nationalkomponist seiner Zeit. Insbesondere seine Bemühungen um die dänische Oper führten dazu, dass Kuhlau gefeiert, zum Professor und königlich dänischen Hofkomponisten ernannt und vom Kapell- dienst befreit wurde.
Jedem Flötisten ist sein Name bekannt, denn Kuhlau schuf zahlreiche Werke für Flöte - darunter herrliche Duette, Trios und sogar ein bedeutendes Quartett. Um den Komponisten zu ehren, haben die Flötisten etliche davon neu arrangiert - denn beispielsweise das Trio G-Dur op. 119 lässt sich nicht nur mit zwei Flöten und Klavier auffüh- ren, wie von Kuhlau einst vorgesehen, sondern durchaus auch durch ein Flötenensemble - wenn es denn so virtuos ist, wie das hier konzer- tierende. Die Musiker, die an dieser Einspielung mitgewirkt haben, stellt allerdings kein noch so anspruchsvolles Arrangement vor Pro- bleme. Sie spielen stets vorbildlich, klangschön und mit einer Homo- genität, die sehr beeindruckt.
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