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Samstag, 13. September 2014

Händel: Piano Concertos 13 - 16 (cpo)

„Händels Orgelkonzerte wurden gezielt auf den ergreifenden wie brillanten Aspekt hin komponiert“, schreibt Matthias Kirschnereit im Geleitwort zu dieser CD. „Die Art und Weise, wie der Komponist dem Solisten großzügige Möglichkeiten der exponierten Präsentation bietet, erscheint mir hochmodern.“ 
Doch diese Spielräume wollen auch genutzt sein. Die Lösung, die Kirsch- nereit für diese Herausforderung gefunden hat, überzeugt auch bei seiner zweiten Einspielung der Orgelkonzerte auf einem modernen Konzertflügel. Es ist durchaus spannend, zu erleben, welche klanglichen Alternativen der Pianist anstelle der Orgelregister gefunden hat. Die Klangfarben der Orgel durch die dynamischen Möglichkeiten des Klaviers zu ersetzen, das gelingt Kirschnereit brillant – nicht zuletzt deshalb, weil er dabei sehr zurückhaltend agiert und sich nicht in den Vordergrund spielt. Wie der Pianist gemeinsam mit der Deutschen Kammerakademie Neuss unter Lavard Skou Larsen musiziert, und eben nicht als Solist mit Orchesterbegleitung, das ist einmal mehr berückend. Auf dieser CD erklingen Händels Konzerte ohne Opuszahl, darunter das berühmte „The Cuckoo and the Nightingale“ – meine unbedingte Empfehlung! 

Sonntag, 2. März 2014

Händel: Six Piano Concertos op. 4; Kirschnereit (cpo)

Auch Matthias Kirschnereit hat Händels Orgelkonzerte – in diesem Falle die sechs Konzerte op. 4 – eingespielt. Die Aufnahme setzt konsequent auf moderne Instru- mente – und ebenso konsequent auf eine historisch angemessene Musizierweise. „Dass Händel seine Orgelkonzerte ohne Pedal konzipierte, erleichtert deren Spielbarkeit auf dem Klavier“, meint Kirschnereit. Er beruft sich bei seiner Entscheidung für den Steinway zudem darauf, dass Händel selbst etliche seiner Werke für verschiedene Instrumente bearbeitet hat. 
Wenn man diese Aufnahme anhört, dann fragt man sich freilich, warum zuvor noch niemand diese Konzerte auf einem Flügel eingespielt hat – abgesehen von Ragna Schirmer, siehe oben, die aber mit dem musikalischen Material wesentlich freier verfahren ist. Kirschnereit hingegen bleibt möglichst dicht am Original. „Eine ,sprechende' Artikulation, kantables Spiel (für mich erschließt sich Händel besonders über seine Opern und Oratorien) wie auch der sparsame Gebrauch des rechten Pedals sind dieser Musik in hohem Maße angemessen“, beschreibt der Pianist im Beiheft sein Vorgehen. „Das Imitieren der einzelnen Orgelregister dürfte – wie überhaupt das innere Hören des menschlichen Gesanges und der unterschiedli- chen Orchesterinstrumente – eine Grundvoraussetzung darstellen.“ Umfangreiche Passagen der Orgelstimme sind nur fragmentarisch notiert bzw. mit Generalbass beziffert. „Hier einen Klaviersatz zu finden, der sinnvoll, klangschön und nicht allzu akademisch er- scheint, war eine besondere Herausforderung“, meint Kirschnereit, der von Haus aus kein Spezialist für „Alte“ Musik ist. 
Es ist dem Pianisten dennoch bestens gelungen. Seine Interpretation ist berückend elegant und rundum stimmig. Die Aufnahme dokumen- tiert zudem eine Musizierlust, die noch beim Anhören beschwingt. Die Deutsche Kammerphilharmonie Neuss unter Lavard Skou Larsen ist dem Solisten ein grandioser Musizierpartner. Wie sich Kirschnereit und das Orchester die Phrasen zuspielen, das ist wirklich sehr hörens- wert. Bravi! Und bitte mehr davon! Auf die Orgelkonzerte op. 7 darf man sich wohl schon jetzt freuen. 

Freitag, 12. August 2011

Graun: Montezuma (Capriccio)

"Liebste Schwester! Ich erlaube mir, Dir einen Mexikaner zu Füßen zu legen, der noch nicht ganz kul- tiviert ist. Ich habe ihm Franzö- sisch beigebracht; jetzt soll er Italienisch lernen", schrieb Fried- rich der Große an Wilhelmine. Der König höchstpersönlich hatte in französischer Prosa das Libretto verfasst, sein Hofdichter brachte es anschließend in italienische Verse. Und gemeinsam mit Carl Heinrich Graun, seinem Hofkapellmeister, setzte sich der König auch über so manche Konvention der italienischen Oper hinweg: "Die Mehrzahl der Arien soll kein Dacapo erhalten; nur die zwei Arien des Kaisers und der Eupaforice sind dazu bestimmt", kündigte er seiner Schwester an. Zudem eilt am Schluss des Werkes kein Gott herbei, um Montezuma, den König der Mexikaner, und sein Volk vor dem Spa- nier Cortes zu erretten. Die Oper endet mit dem Schreckenschor der Azteken, die versuchen, den Flammen und dem Gemetzel zu entrin- nen - wahrlich nicht das genretypische Happy End.
Musikalisch ist das alles perfekt umgesetzt; Graun hat sein Handwerk verstanden, und auch das Fünkchen Genie, das aus einer historisch interessanten Komposition eine noch heute anhörenswerte macht, war hier beteiligt: Montezuma ist eine grandiose Opera seria. Die vorliegende Aufnahme aus dem Jahre 1992, aufgezeichnet im Kölner Gürzenich, bringt Grauns Werk sehr gut zur Geltung. Amüsanterweise wird diese Oper hier durchweg von Frauenstimmen gesungen. Doch das Ensemble ist sehr ausgewogen besetzt, und die Deutsche Kammerakademie musiziert unter Johannes Goritzki ebenfalls sehr hörenswert. 
Friedrich II., der König von Preußen, zeigte in seinem Libretto exemplarisch, was geschieht, wenn ein allzu aufgeklärter Herrscher auf die Kraft der Vernunft statt auf schlagkräftige Truppen setzt. 1755 hatte diese Oper in Berlin Premiere; ein Jahr später marschierte der König, der doch eigentlich ein Aufklärer war, in Sachsen ein, um einem Angriff auf Preußen zuvorzukommen: Der Siebenjährige Krieg hatte begonnen. 

Sonntag, 11. April 2010

Michael Haydn: Symphonies 14, 17, 19, 24, 29, 33, 40 & 41 (cpo)

Johann Michael Haydn, der jüngere Bruder von Franz Joseph Haydn, wirkte mehr als 40 Jahre lang am Hofe des Fürstbischofs zu Salzburg  - zunächst, unter Vize- kapellmeister Leopold Mozart, als "HofMusicus und Concert-Meister"; 1782, nach dem Eklat um Wolfgang Amadeus Mozart, wurde er dessen Nachfolger als Hof- und Domorga- nist. 
Haydn prägte das Musikleben in Salzburg über einen langen Zeitraum. Bekannt wurde er vor allem durch seine eindrucksvolle Kirchenmusik, die bis heute ihren Platz im Repertoire hat; er schrieb jedoch auch zahlreiche Vokal- werke zur Aufführung in geselliger Runde, und  gilt er als der Schöpfer des Männerquartetts. Michael Haydn war zudem ein exzellenter Musikpädagoge; zu seinen Schülern gehören beispielsweise Antonio Diabelli und Carl Maria von Weber.
Seine Sinfonien und Märsche sind gefällig, aber nicht außergewöhn- lich; sie sind abwechslungsreich und sorgsam instrumentiert. Die Deutsche Kammerakademie Neuss, geleitet von Frank Beermann bzw. Johannes Goritzki spielt seine Werke liebevoll und mit Esprit.