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Montag, 15. Januar 2018

Arve Tellefsen plays Ole Bull (Simax)

Ole Bornemann Bull (1810 bis 1880) und Edvard Grieg waren die ersten Musiker aus Norwegen, die weltweit berühmt wurden. Bereits im Kindesalter glänzte Ole Bull mit seinem Geigenspiel. Dennoch sollte er Pfarrer werden, aber die Eignungs- prüfung zum Theologiestudium bestand er nicht – und so wurde letztendlich doch die Musik sein Lebensinhalt. 
Als Geiger kam er weit herum. So hörte er 1831 in Paris Niccolò Paganini, was ihn sehr beeindruckte (und wohl auch dazu motivierte, seine Technik zu verbessern). Auch den deutschen Violinvirtuosen Louis Spohr besuchte Bull; Konzertreisen führten ihn nach Irland und England sowie in die USA.  
Der norwegische Geiger Arve Tellefsen engagiert sich seit vielen Jahren, um das Schaffen seines Landsmannes wieder einer größeren musikali- schen Öffentlichkeit nahezubringen. So hat er zum 200. Geburtstag von Ole Bull im Jahre 2010 eine CD mit Werken des Jubilars eingespielt. 
Das Programm enthält einige Stücke für Violine und Orchester; hier ist Tellefsen zusammen mit dem Trondheim Symphony Orchestra unter Leitung von Eivind Aadland sowie mit einem Streicherensemble zu hören. So erklingen das Nocturne for fiolin og orkester aus dem Jahr 1842 oder das Adagio Sostenuto, der zweite Satz aus Bulls Violinkonzert in e-Moll, entstanden 1840/41. 
Im Jahre 1873 trat Ole Bull gemeinsam mit dem Pianisten Edvard Grieg in Boston auf. Tellefsen hat für diese CD zwei Stücke von Grieg herausge- sucht, die damals auf dem Programm standen. Und er hat eine Vielzahl kleinerer Stücke zusammengetragen, um dem Hörer einen Eindruck von jenem speziellen Klang zu geben, der Bulls Werken offenbar zu eigen ist: Bulls Musik ist ausgesprochen virtuos, und melodiös-melancholisch. Es sind romantische Miniaturen von einem ganz eigenen Charakter – und man kann Tellefsen gar nicht dankbar genug dafür sein, dass er auf diese musikalischen Schätze aufmerksam macht. 

Donnerstag, 29. September 2016

The Great Violins (Athene)

Herausragende Geigen aus berühm- ten Werkstätten stehen im Mittel- punkt einer neuen Serie des Labels Athene. „During my time as Instrument Curator at the Royal Academy I welcomed many violin making students from around the world to view the treasures oft the collection. The reaction to these works was interesting to observe“, schildert der renommierte Instru- mentenbauer David Rattray in seinem Geleitwort ein Phänomen, das sich beim Anhören dieser Aufnahmen vielleicht auch beim Zuhörer einstel- len könnte: „The Stradivari's were greeted with voices of excitement and wide eyed reference, Guarneri's with nervous chuckles and often an element of bewilderness, however presenting an Andrea Amati violin the room would fall silent, this shared experience of being in the presence of something akin to the luthier's ,Holy Grail' was a privilege and honour.“ 
Die Reihe eröffnet eine Doppel-CD, auf der eine Geige von Andrea Amati aus dem Jahr 1570 erklingt, die von der Royal Academy of Music im Auftrag eines privaten Sammlers verwahrt wird. Peter Sheppard Skærved ist mit diesem Instrument seit langer Zeit vertraut und hat es bereits mehrmals in Konzerten gespielt. Die Fantasien Georg Philipp Telemanns klingen seiner Meinung nach auf keinem Instrument besser, zumal auch der verwendete Nachbau eines historischen Bogens, angefertigt von dem Genueser Bogenbauer Antonino Airenti, dazu offenbar perfekt passt, was dem Interpreten Klangräume eröffnet. 
Peter Sheppard Skærved hat nicht nur die zwölf Fantasien eingespielt, die Telemann für die Geige komponierte. Auch die zwölf Flöten-Fantasien haben es dem Geiger angetan: „Early on, I noticed that the earliest known edition oft the Flute Fantasies (in the Brussels Conservatoire Library) reads, on the front page „Violino“. I am not suggesting for a minute that these are violin pieces, but modestly, that violinists should learn them, as a balance to the rather earthier (I generalise) violin works.“ Der Solist hat mit Bläsern über diese Werke gesprochen, und sie dann geübt: „I studied and played the Telemann flute Fantasies, in private, and at a safe distance from the critical ears of my flutist friends“, berichtet er. „This led, naturally, to the performance and recording oft the violin works.“ 
Die zweite CD der Reihe enthält nicht, wie zunächst angekündigt, Bachs Sonaten und Partiten auf der Joachim-Stradivari, sondern eine musika- lische Referenz an den norwegischen Geiger Ole Bull (1810 bis 1880). Dieser besaß etliche Instrumente. Bekannt sind Bulls Violine von Gasparo da Salò und ein weiteres Instrument von Giuseppe Guarneri del Gesù; spielen durfte Sheppard Skærved zudem eine Geige von Joseph Guarneri sowie eine weitere von Jean-Baptiste Vuillaume (1790 bis 1875) aus dem Besitz von Ole Bull. Bei einem Besuch in Bulls Haus auf der Insel Lysøen, seit 1984 in dem Sommermonaten als Museum geöffnet, zeigte Kurator Bertil Høgheim dem Geiger zudem einen Koffer für zwei Violinen – eine davon, so eine Aufschrift, stamme von „Nikolaus Amati 1647“. Wo aber war sie? 
„Sitting at my father-in-law's breakfast table in New York, on a freezing morning in January 2015, an E-mail arrived. Would I be interested in seeing the 1647 Amati owned by Bull? I was thunderstruck“, schreibt Sheppard Skærved. „One month later, I held it in my hands for the first time.“ Die Geige begeistert den Musiker; er schwärmt, sie sei eines der schönsten Instrumente, die er je gesehen habe, und ihr Ton vermittele eine Ahnung von jener Reinheit und Intimität, die Bull offenbar gesucht habe.  Noch im gleichen Jahr konnte er diese Amati-Geige in einigen Konzerten spielen, unter anderem auf dem Festival Bergen Festspillene. 
In diesem Zusammenhang sei er, so erzählt der Musiker im Beiheft, mit Nachkommen Bulls sowie einem Tross von Journalisten, der Geige und Bulls Geigenbogen nach Lysøen gefahren, in Bulls einstiges Musizier- zimmer. „I had the extraordinary privilege of playing the violin in this wonderful room; the first time since Bull's death. Then, with the cameras still rolling, I took it over the double violin case, with the embroided cover (..). The violin fitted its case perfectly: It had come home.“ Mit Bulls Amati-Violine gestaltet Peter Sheppard Skærved, mitunter begleitet von dem Pianisten Roderick Chadwick, ein Salonkonzert  im Stile Ole Bulls. Dabei erklingen auch etliche Werke des Virtuosen. 
Andrea Amati (um 1505 bis 1577) gilt als Stammvater des Geigenbaus in Cremona. Über seinen Lebensweg ist wenig bekannt. Nicola Amati (1596 bis 1684), sein Enkel, war möglicherweise der beste Geigenbauer der Familie. Er unterwies zahlreiche Lehrlinge, darunter wahrscheinlich Antonio Stradivari und Andrea Guarneri. 

Dienstag, 6. August 2013

Fabulous London - Les Escapades (Christophorus)

„In London, they are at work with a downright furore to resuscitate archaic music!“ Das berichtete ein Korrespondent 1896 mehr oder minder kopfschüttelnd. Ein Enthu- siast namens Arnold Dolmetsch suchte in Archiven nach Musik aus dem elisabethanischen Zeitalter, die er dann, auf wiederbelebten Instrumenten und mit Hilfe seiner Familie, in Konzerten vorstellte. Das muss ein großes Erlebnis gewesen sein. Denn Dolmetsch gelang es tatsächlich, die Consortmusik wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – eine Tradition, die seitdem nicht nur in England wieder gepflegt wird. 
So haben Franziska Finckh, Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer und Adina Scheyhing – die vier Damen musizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsam als Gambenconsort Les Escapades – unterstützt durch Barbara Leitherer, Bassgambe, und Andrea Cordula Baur, Renaissancelaute, kürzlich bei Christophorus eine CD mit englischer Gambenmusik veröffentlicht. 
Es sind Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten, vom Tanz bis zur Klage und von kunstvoll bis schlicht. Ein abwechslungs- reiches Programm, gekonnt vorgetragen, das mit einer enormen Palette an Klangfarben überrascht. Diese stimmungsvolle CD sei daher an dieser Stelle empfohlen – sie ist wirklich rundum gelungen! 

Freitag, 1. März 2013

Tine (Emi Classics)

Diese Musikerin kann sich Under- statement leisten: Die norwegische Trompetenvirtuosin Tine Thing Helseth nannte ihr neues Album schlicht Tine. Auf der CD spielt sie gemeinsam mit der Pianistin Kathryn Stott Trompetenstücke und Arrangements von Werken, die ursprünglich für ein anderes Melodieinstrument oder Sing- stimme geschrieben wurden, aber auch auf der Trompete verblüffend gut klingen.
"In gewisser Weise kann man wohl sagen, dass diese Liste von Stücken für mich den perfekten Musikabend darstellt", schreibt Helseth in Beiheft, "vom Beginn mit der spielerischen, jazzigen Impromptu von Ibert bis zur monumen- talen Hindemith-Sonate am Ende, deren abschließende Choralzeile lautet ,Alle Menschen müssen sterben' - darauf kann nicht mehr viel folgen." Doch es folgen darauf noch die Vocalise von Rachmaninoff und zwei hübsche Kreisler-Stücke.
"Die Trompete ist genau so ein expressives Instrument die die Vio- line, die Querflöte oder die menschliche Stimme", meint die Musi- kerin. "Wir Trompeter können dies in einem Stück wie der Vocalise klar herausstellen." In dem informativen Beiheft erläutert Helseth ihre Werkauswahl und gibt Informationen zu den einzelnen Stücken. Das ist durchaus interessant, denn die CD enthält nicht nur Musik von bekannten Komponisten wie Jacques Ibert, Alexander Glasunow, Giacomo Puccini, Manuel de Falla oder George Enescu. Die Trompete- rin spielt auch Werke ihrer Landsleute Edvard Hagerup Bull und Oistein Sommerfeldt.   
Das Programm dieser CD ist aber nicht nur abwechslungsreich, es gibt den beiden Musikerinnen auch die Gelegenheit, sehr verschiedene Klangfarben einzusetzen, und sehr unterschiedliche technische Herausforderungen zu bewältigen. Helseth erweist sich erneut als eine brillante Trompeterin, die hörbar Vergnügen daran hat, die Möglichkeiten ihres Instrumentes auszuloten. Mit Charme und Spielfreude führt sie zudem gemeinsam mit Stott das Publikum auch an weniger populäre Bereiche des Repertoires heran. Ich jedenfalls habe den beiden jungen Damen gern dabei zugehört.