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Dienstag, 16. Februar 2016

Jan Lisiecki - Schumann (Deutsche Grammophon)

Jan Lisiecki hat Schumanns Klavierkonzert eingespielt – es erklingt auf der CD in Kombination mit zwei weiteren Stücken, die so gut wie nie zu hören sind: Konzertstück (Introduktion und Allegro appassionato) op. 92 und Konzert-Allegro mit Introduktion op. 134 – letzteres wurde in der 117jährigen Geschichte der Deutschen Grammophon bislang überhaupt noch nicht aufgenommen. Als Zugabe spielt Lisiecki dann eine subtile Träumerei
„Das starre Konzertsystem von Ouvertüre, Konzert und Symphonie war zu Schumanns Zeit bereits mehr oder weniger fest etabliert“, so Lisiecki, „das ist auch einer der Haupt- gründe, warum die beiden Werke in Vergessenheit gerieten; ganz nebenbei sind sie aber auch sehr schwierig – man muss sehr hart arbeiten, um all diese vielschichtigen und komplizierten Details zu meistern, und es ergibt sich kaum einmal eine Gelegenheit, die Werke mehrfach aufzuführen.“ 
Entstanden sind Schumanns Werke einst für seine Frau Clara, die bekanntlich eine begnadete Pianistin war. In jeder Rezension ihrer Konzerte werde der Klang hervorgehoben, unterstreicht Lisiecki, „singend und warm, und vor allem darauf kommt es meiner Meinung nach in all diesen drei Stücken auch an. Ich denke, sie besaß auch die Fähigkeit – und das war Schumann wichtig, als er diese Stücke schrieb, vor allem beim Konzert – , sich ins Orchester einzufügen und nicht herauszustechen.“ Nicht das Virtuosenkonzert, das die Brillanz des Pianisten hervorhebt, war das Ziel des Komponisten; Schumann wollte vielmehr, so Lisiecki, „Klavier und Orchester dasselbe Gewicht geben“
Das „Mitspielen“ mit dem Orchester, das Gestalten eines Soloparts, der mitunter schlicht das Orchester begleitet, ist für einen Pianisten eine anspruchsvolle Aufgabe, betont Lisiecki. Der junge Musiker konzertiert bei dieser Aufnahme gemeinsam mit dem Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia Rom unter Antonio Pappano. Er hat damit seine Wunsch- partner zur Verfügung, und der Zuhörer darf sich auf einen anspruchs- vollen musikalischen Dialog freuen. 

Freitag, 24. Mai 2013

Chopin Études - Jan Lisiecki (Deutsche Grammophon)

Der kanadische Pianist Jan Lisiecki spielt Chopin schon sehr lange. Als er sechs Jahre alt war, gab ihm seine Klavierlehrerin eine erste Etüde. Mit 13 Jahren spielte er in Warschau zur Eröffnung des Festivals Chopin i Jego Europa das f-Moll-Konzert, ein Jahr später das e-Moll-Konzert. „These are works I could play in the middle of the night and feel extremly comfor- table with – every note has its place“, sagt der junge Musiker, dessen Familie ursprünglich aus Polen stammt. Nun hat er für die Deutsche Grammophon die 12 Étu- des op. 10 und die 12 Études op. 25 eingespielt. Die meisten Kritiker feiern ihn dafür; es fiel sogar das Wort „Genie“. 
Das erscheint etwas übertrieben – aber die CD ist in der Tat sehr gelungen. Hört man Lisiecki, dann fällt erst auf, wie bemüht originell und wie unmusikalisch so manche andere Aufnahme ist. Bei dem jungen Pianisten hingegen steht nicht Virtuosität, sondern die Musik an sich im Mittelpunkt. Lisiecki strebt nicht nach Geschwindigkeits- rekorden, er spielt Chopin klar strukturiert, durchhörbar und geradezu altmodisch beseelt. Gern zitiert Lisiecki den Komponisten: „Every single note had to sing; and after all the work, the goal should be simplicity – because, for Chopin, that was the crowning reward of art. Those two remarks reflect the essence of his music – pure beauty. That’s why I love Chopin’s works.“ Und das hört man auch. Unbedingte Empfehlung! 

Sonntag, 6. Mai 2012

Mozart: Piano Concertos Nos. 20 & 21; Lisiecki (Deutsche Grammophon)

"Ich liebe, was ich tue", sagt Jan Lisiecki. "Ich sehe das eigentlich nicht als Karriere; es ist kein Job, keine Arbeit. Es ist eher ein Beruf, etwas, das Ernsthaftigkeit und Konzentration, Motivation und Inspiration verlangt. Mich hat nie jemand gedrängt, Pianist zu wer- den, weder meine Eltern noch meine Lehrer. Das hat sich einfach so ergeben, ganz natürlich, ohne jede Absicht." Der 17jährige hat im Januar sein Debütalbum einge- spielt, das nun bei der Deutschen Grammophon erschienen ist - und dafür wählte er Mozarts Klavier- konzerte KV 466 und 467. 
Bei der Aufnahme musizierte er gemeinsam mit dem Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks unter Christian Zacharias, der selbst ein gestandender Pianist ist, und Mozarts Klavierkonzerte bei Dabringhaus und Grimm veröffentlicht. Nun ist das Symphonieorche- ster des Bayerischen Rundfunks nicht das Orchestre de Chambre de Lausanne; und auch Lisiecki hat ziemlich konkrete Vorstellungen, wie Musik funktioniert: "Dieser Pianist ist nicht nur unglaublich begabt, sondern zum Glück auch erstaunlich offen und entspannt", berichtet Zacharias. "Er spürt sofort, was ihm das Orchester anbietet, er rea- giert und antwortet."  Dieser Dialog führt zu einer Interpretation, die auf Leichtigkeit setzt, Mozarts Melodien genüsslich erkundet, aber auch die dramatischen Passagen auskostet. Ein vielversprechender Erstling eines jungen Pianisten, der ganz sicher eine große Zukunft vor sich hat. 

Dienstag, 20. April 2010

Chopin: Piano Concertos 1&2; Lisiecki (Narodowy Instytut Fryderyka Chopina)

Chopins Klavierkonzerte sind Jugendwerke; zum ersten Male aufgeführt wurden sie 1830, kurz bevor Chopin Polen verließ, um auf Konzertreise durch Europa zu gehen - eine Reise ohne Wieder- kehr, denn kurze Zeit später brach der Novemberaufstand aus. 
Davon aber ist in diesen beiden Konzerten noch keine Spur zu finden; sie folgen formal den Konventionen des brillanten Stils, klingen aber dabei ganz erstaunlich romantisch. Es sind ohne jeden Zweifel nahe Verwandte der Konzerte Schumanns und Mendelssohns, Brahms und Liszts. In Chopins Schaffen, das sich überwiegend auf das Klavier konzentriert, sind diese Werke für Klavier und Orchester Solitäre; ein drittes Klavier- konzert blieb Fragment.
Im vergangenen Sommer wurde in Polen ein junger Pianist für seine Interpretationen der zwei Konzerte gefeiert. Zu recht, denn wenn man nicht wüsste, dass dort ein 14jähriger musiziert, man würde das nicht vermuten. Der Kanadier Jan Lisiecki, Jahrgang 1995, spielt "seinen" Chopin souverän, gemeinsam mit dem Orchester Sinfonia Varsovia unter Howard Shelley, und lässt den Steinway singen. 
Das Narodowy Instytut Fryderyka Chopina eröffnet mit dem Mit- schnitt dieser Musikereignisse seine "weiße Serie", die Werke Chopins  auf modernen Instrumenten präsentiert. Der Chopin-Wettbewerb im Oktober allerdings wird wohl ohne ihn stattfinden - denn wer an diesem renommierten Wettbewerb teilnehmen will, der muss laut Ausschreibung mindestens 17 Jahre alt sein. Schade.