"Ich liebe, was ich tue", sagt Jan Lisiecki. "Ich sehe das eigentlich nicht als Karriere; es ist kein Job, keine Arbeit. Es ist eher ein Beruf, etwas, das Ernsthaftigkeit und Konzentration, Motivation und Inspiration verlangt. Mich hat nie jemand gedrängt, Pianist zu wer- den, weder meine Eltern noch meine Lehrer. Das hat sich einfach so ergeben, ganz natürlich, ohne jede Absicht." Der 17jährige hat im Januar sein Debütalbum einge- spielt, das nun bei der Deutschen Grammophon erschienen ist - und dafür wählte er Mozarts Klavier- konzerte KV 466 und 467.
Bei der Aufnahme musizierte er gemeinsam mit dem Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks unter Christian Zacharias, der selbst ein gestandender Pianist ist, und Mozarts Klavierkonzerte bei Dabringhaus und Grimm veröffentlicht. Nun ist das Symphonieorche- ster des Bayerischen Rundfunks nicht das Orchestre de Chambre de Lausanne; und auch Lisiecki hat ziemlich konkrete Vorstellungen, wie Musik funktioniert: "Dieser Pianist ist nicht nur unglaublich begabt, sondern zum Glück auch erstaunlich offen und entspannt", berichtet Zacharias. "Er spürt sofort, was ihm das Orchester anbietet, er rea- giert und antwortet." Dieser Dialog führt zu einer Interpretation, die auf Leichtigkeit setzt, Mozarts Melodien genüsslich erkundet, aber auch die dramatischen Passagen auskostet. Ein vielversprechender Erstling eines jungen Pianisten, der ganz sicher eine große Zukunft vor sich hat.
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Sonntag, 6. Mai 2012
Montag, 5. Juli 2010
Mozart: Flötenkonzert Oboenkonzert (BR Klassik)
Noch eine Einspielung von Mozarts Flöten- und Oboenkonzert! Doch diese CD anzuhören, hat sich ge- lohnt. Denn Irena Grafenauer, die Soloflötistin des Symphonie- orchesters des Bayerischen Rund- funks, spielt Mozarts einziges Flötenkonzert KV 313 mit gerade- zu traumwandlerischer Stilsicher- heit und durchweg schönem Ton. Bei der hier erstmals veröffent- lichten Aufnahme aus dem Jahre 1981 - sie war damals gerade einmal 24 Jahre alt - wird sie von ihren Kolleginnen und Kollegen unter der Leitung von Günter Wand begleitet. Sein markanter, schnörkelloser, zugleich aber ausgespro- chen eleganter Mozart harmoniert exzellent mit der kantablen Linienführung der Solistin.
Aus dem Jahre 2001 stammt die Aufnahme von Mozarts Oboenkon- zert KV 314, gespielt vom damaligen Solo-Oboisten des Orchesters, Francois Leleux. Am Pult: Sir Colin Davis, Chefdirigent des Orchesters von 1983 bis 1992. Diese Aufnahme überzeugt durch ihre Delikatesse, ihren Witz - und durch die traumschöne Kantilene im Adagio. Als Zugabe enthält die CD Mozarts Symphonie Nr. 32 G-Dur, KV 318, aufgenommen 1985.
Sonntag, 3. Januar 2010
Puccini: La Bohème (Deutsche Grammophon)
"La Bohème" dürfte wohl die populärste Oper Puccinis sein. Entsprechend oft wurde sie eingespielt. Es gehört mittlerweile Mut dazu, neben die vielen vorhandenen Interpretationen eine weitere zu stellen. Einen Grund dafür sollte es schon geben, und das sollte sinnvollerweise nicht ausschließlich der Name eines aktuellen Opernsternchens sein.
Auch reicht es - selbst im Multimedia-Zeitalter - nicht aus, wenn die Sänger rein optisch-schauspielerisch als Idealbesetzung ihrer Rollen durchgehen könnten. Was also könnte die Deutsche Grammophon bewogen haben, diese CD auf den Markt zu bringen? Das Vertrauen auf das schlechte Gedächtnis und das noch schlechtere Gehör der Leute?
Man höre und vergleiche: Mit der Intensität einer Mirella Freni oder einer Maria Callas (deren stärkste Partie die Mimi freilich nicht war) kann eine Anna Netrebko nicht annähernd mithalten, vom Gesang gleich ganz zu schweigen. Und was Netrebko unterm System fehlt, das lässt Rolando Villazón als Rodolfo überm System vermissen. Beide wirken angestrengt und etwas orientierungslos. Die comprimari sind ebenfalls wenig glücklich besetzt. Und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musiziert unter Bertrand de Billy derart farb-, saft- und ideenlos - es ist ein Trauerspiel, man mag gar nicht hinhören.
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