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Donnerstag, 14. März 2013

Il Convegno (Telos Music)

Il Convegno - Die Zusammenkunft oder aber auch Das Stelldichein - heißt ein berühmtes Werk, das der italienische Komponist Amilcare Ponchielli 1868 geschrieben hat, als er noch das Orchester der Stadt Cremona leitete. Deshalb entstand dieses Stück, das bis heute als das Paradestück für Klarinettenduo schlechthin gilt, für die Bläser- solisten und die sogenannte Banda, die typisch italienische Blaskapelle.
Wenn der WDR eigens für die beiden Klarinettisten Andy Miles und Dirk Schultheiß eine Orchesterfassung erstellen lässt, dann hat dies seinen Grund: "Sie sind Mitglieder des WDR Rundfunkorchesters Köln, sprechen und musizieren nach fünfzehn gemeinsamen Dienst- jahren immer noch miteinander, trinken hin und wieder miteinander ein Glas Wein im privaten Rahmen UND musizieren freiwillig und gerne zusammen", so beschreibt ihn Dirk Schultheiß im Begleitheft zu dieser CD.
Ähnlich sonnige Laune verbreitet die Silberscheibe - auch wenn leider nicht durchweg die beiden Virtuosen zu hören sind. "Da die beiden Musiker der Meinung sind, dass Musik für zwei Klarinetten in einer Dauer von sechzig bis siebzig Minuten schwer erträglich ist, haben sie zu den Klarinettenkompositionen korrespondierende Orchesterwerke ausgesucht - alles Aufnahmen mit dem WDR Rundfunkorchester Köln", so Schultheiß.
So ergibt sich eine Zusammenstellung von Aufnahmen, die aus den Jahren 1999 bis 2009 stammen. Zu hören sind zwei Konzertstücke für Klarinette, Bassethorn und Orchester von Felix Mendelssohn Bartholdy, unterbrochen durch das Nocturne aus dem Sommer- nachtstraum. Die Konzertstücke erinnern an die enge Freundschaft zwischen dem Komponisten und zwei Musikern - Heinrich Baermann (1784 bis 1847) und sein Sohn Carl, der wohl auch mit dem Kochlöffel virtuos umzugehen wusste. Denn auf das Titelblatt des einen Stückes schrieb Mendelssohn Bartholdy die launige Widmung "Die Schlacht von Prag. Ein großes Duett für Dampfnudel und Rahmstrudel".
Von Wolfgang Amadeus Mozart erklingen die Ouvertüre zur Oper Titus sowie der zauberhafte Quintettsatz A-Dur KV Anhang 90 für Klarinette, Bassethorn und Streichtrio - leider hat Mozart dieses Werk nicht vollendet, so dass wir uns heute mit dem Fragment bescheiden müssen.
Ob das charmante Konzertstück für zwei Klarinetten und Orchester, der darauf folgt, wirklich von Giaccomo Rossini stammt, das ist nicht unumstritten. Für den Hörer, der daran sein Vergnügen hat, ist dies aber unerheblich. Und Hörvergnügen bereitet diese CD unbestreit- bar. Die beiden Solisten musizieren gekonnt, mit phantastischem Ton und mit hohem Engagement. Ihre Leidenschaft für das Instrument ist zu spüren - und zugleich nimmt man erfreut wahr, dass Miles und Schultheiß offenbar die Gemeinschaft, das Zusammenspiel,  wichtiger nehmen als ihre Virtuosenpersönlichkeit. So ergänzten sie auch hier das durch Klarinetten dominierte Werk um Rossinis Ouvertüre zur Oper Die diebische Elster. Danach folgt Ponchiellis Il Convegno - was für ein Feuerwerk an Musikalität und Musizierlust!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Schumann: Dichterliebe; Behle (Capriccio)

Der Zyklus Dichterliebe von Ro- bert Schumann nach Texten von Heinrich Heine gehört zu jenen Werken, die selbst gestandene Interpreten zum Grübeln bringen. Denn im Konzertsaal sind sie ebenso präsent wie auf Tonträger.
"Bei einem so oft gesungenen Werk kann ich nichts Neues erfinden", sagt Daniel Behle. "Was wir aller- dings bewusst angestrebt haben - und das ist mein Credo für alle Liedeinspielungen -, ist die äußer- ste Schlichtheit. Noch mehr als bei Schubert ist es dem Sänger verboten, den Dichter zu verkitschen, die Emotionen zu vergrößern und damit zu vergröbern."
Der Tenor Daniel Behle präsentiert sich auf dieser CD als ein großarti- ger Liedersänger, der zwischen Schuberts Heidenröslein und Schu- manns Im Rhein, im heiligen Strome eine Vielzahl von Ausdrucks- nuancen aufzeigt. Besonders beeindruckend ist Schuberts Lied Nachthelle für eine Singstimme und vierstimmigen Männerchor mit Begleitung des Pianoforte. Hier erfreuen zwölf Herren des Rias-Kammerchores mit kraftvollem Chorgesang, über den sich strahlend die Solostimme erhebt. 
Schumanns Dichterliebe singt der lyrische Tenor Daniel Behle mit edlem Timbre und analytischem Blick in die Partitur. Seine schlanke, fokussierte Stimmführung und insbesondere auch der Klang seiner Stimme in der Höhe erinnern an Wunderlich - was der Sänger natürlich weiß, und was aber gerade Anlass sein sollte, Wunderlichs Schmachtseufzer nicht zu kopieren. Ansonsten ist Behles Gesang von Manierismen erfreulich frei. 
Mit dem norwegischen Pianisten Sveinung Bjelland steht Behle ein exzellenter Klavierbegleiter zur Seite. Die beiden haben 2009 bereits eine weitere Schubert-CD aufgenommen. Ihre Version des Lieder- zyklus Die schöne Müllerin sollte man vom Ende her hören. Bjelland macht den Bach zu einem Protagonisten des Kammerspiels um den Müllerburschen, der sich aussichtslos in eine Beziehung verrennt, die - daran lässt die Musik keinen Zweifel - niemals bestanden hat. Wenn das Wasser am Ende sein Lied singt, dann ist das hier das Finale jenes Dialoges, den der Müller zu Beginn des Liederzyklus mit dem Bach geführt hat. Und um den Eindruck abzurunden, haben die Musiker noch Auf dem Strom angefügt, ein Rellstab-Lied, das im Konzert selten zu hören ist, weil Schubert eine Stimme dem Solo-Horn zugewiesen hat. Den anspruchsvollen Horn-Part hat auf der CD Ab Koster übernommen.