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Donnerstag, 15. März 2018

Leonard Bernstein - Marin Alsop: The Complete Naxos Recordings (Naxos)

Naxos ehrt Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Das Label hat sich für den hundertsten Geburtstag des Komponisten und Dirigenten ein ganz besonderes Geschenk einfallen lassen: Es fasst die Bernstein-Einspielungen von Marin Alsop in einem Schuber zusammen. 
Die Dirigentin, Jahrgang 1956, ist Bernstein ganz besonders verbunden. Diese enge Beziehung begann bereits in ihrer Kindheit, berichtet Alsop: „Seeing him conduct when I was only nine years old at a New York Philharmonic Young People's Concert convinced me that conducting was the only thing in the world that I want to do. That alone would have been enough of a gift; but then at the age of 31, he took me under his wing and imparted to me the heart and soul of the craft.“ 
Bernstein trug dazu bei, dass sich Marin Alsop als Dirigentin etablieren konnte. Das war seinerzeit ein Tabubruch. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber das Dirigentenpult war eine Männerbastion. Marin Alsop war die erste Frau überhaupt, die zur Chefdirigentin eines Klangkörpers von Weltrang berufen wurde. Sie war auch die erste Frau, die die Last Night of the Proms dirigierte. 
Zur Musik ihres Mentors Leonard Bernstein hat Marin Alsop eine beson- ders enge Beziehung. So hat sie mit dem Baltimore Symphony Orchestra sämtliche Sinfonien des Komponisten eingespielt. Die Aufnahmen sind in dieser fabelhaften Box ebenso zu finden, wie Bernsteins ziemlich unkonventionelle Messen. Zu hören sind, neben bekannten Hits wie dem Mambo aus West Side Story oder der Ouverture zu Candide, auch etliche Raritäten, teilweise sogar in Weltersteinspielungen. Als Zugabe enthält die Box die preisgekrönte DVD-Dokumentation „Leonard Bernstein – Larger than Life“ von Georg Wübbolt. 

Samstag, 19. November 2011

Johann Ludwig Bach: Trauermusik (Capriccio)

Johann Ludwig Bach (1677 bis 1731), der "Meininger Bach", war der Sohn des Organisten Johann Jacob Bach aus Thal bei Eisenach. Er lernte am Gymnasium in Gotha, und wurde 1699 als "Hoboist und Laquai" Mitglied der Meininger Hofkapelle. 1711 wurde er zum Kapellmeister ernannt, und er wirkte in dieser Position bis an sein Lebensende. 
Nur wenige seiner Werke sind überliefert. So sind 18 seiner Kantaten erhalten, weil Johann Sebastian Bach, der seinen weitläufigen Verwandten sehr schätzte, sie 1726 in Leipzig aufführte. Auch die Missa brevis Allein Gott in der Höh sei Ehr fand sich im Nachlass des Thomaskantors. Elf Motetten von Johann Ludwig Bach wurden in zwei Sammelbänden in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar aufbewahrt. 
Das ambitionierteste Werk, das uns heute vorliegt, ist jedoch die Trauermusik, die der Kapellmeister 1724 für seinen Dienstherrn, Herzog Ernst Ludwig von Sachsen-Meiningen komponierte. Der Text dafür beruht auf einem Strophenlied, dass der Herzog, der eher Dichtkunst und Frömmigkeit zuneigte als der Staatskunst und dem Militär, für diesen Zweck selbst verfasst hatte. Diese Trauermusik steht auch im Mittelpunkt der vorliegenden Drei-CD-Box, die Aufnahmen aus dem Jahre 1998 wieder zugänglich machen. Damals hatte Hermann Max mit seinen Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert sowie einer Vielzahl exzellenter Solisten diesen musikalischen Schatz gehoben. Die Box enthält zudem eine Auswahl aus den Motetten und Kantaten sowie die Missa brevis

Montag, 16. Mai 2011

Bach: Magnificat (Newton)

Aufgezeichnet 1993 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin - ursprüng- lich für Philipps - begeistert diese Doppel-CD mit einer fast durchweg erstklassigen Besetzung. Zu hören sind Barbara Bonney, Sopran, Bir- git Remmert, Mezzosopran, Rainer Trost, Tenor und Olaf Bär, Bariton, ein hervorragend studierter Rias-Kammerchor und das ebenfalls exzellente Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter Lei- tung von Peter Schreier. 
Es ist sehr erfreulich, dass Newton Classics diese Aufnahme nun wieder zugänglich macht. Sie ist rundum gelungen, und begeistert besonders, weil sie so ganz auf die Sänger, die menschliche Stimme, und damit auf Bachs Botschaft konzentriert ist. Eine der besten Aufnahmen von Bachs Magnificat, kombiniert mit vier Missae, die selten zu finden sind - meine unbedingte Empfeh- lung! 

Freitag, 25. März 2011

Haydn: Missa brevis, Harmoniemesse (Naxos)

"Ich glaubte damals, dass es gut wäre, wenn nur das Papier recht voll würde", schildert Haydn seine ersten Kompositionsversuche. "Reutter lachte über meine unrei- fen Versuche, über Takte, die keine Kehle und kein Instrument hätten ausführen können, und er schalt mich dafür, dass ich in sechzehn Stimmen komponierte, bevor ich noch eine zweistimmige Verto- nung zustanden brachte."  Mit einem Schmunzeln erinnerte sich der Komponist später an seine ersten Versuche, zu Papier gebracht während seiner Zeit als Chor- knabe am Wiener Stephansdom unter Georg Reutter. 1749 schuf er seine erste Messe, die Missa brevis in F-Dur (Hob.XXII:1). 
Als Haydn in den Stimmbruch kam, musste er Chor und Schule ver- lassen; durch Zufall - er wohnte in demselben Haus wie Metastasio - lernte er Nicola Porpora kennen, der nicht nur ein erfolgreicher Komponist, sondern auch ein begnadeter Musikpädagoge gewesen sein muss. Dieser machte den Jungen, der wohl zeitweise sein Kammerdiener war, mit dem italienischen Stil vertraut. 
1761 erhielt Haydn dann eine Anstellung als Gehilfe des alternden Kapellmeisters Gregor Joseph Werner am Hofe des Fürsten von Esterházy. Im Dienste dieser Familie verbrachte er den größten Teil seines Lebens. Zu seinen dienstlichen Verpflichtungen gehörte es, alljährlich zum Namenstag der Fürstin, mit der er sich wohl gut verstand, eine Messe zu schreiben. So entstanden Heiligmesse, Paukenmesse, Nelsonmesse, Theresienmesse, Schöpfungsmesse und die sogenannte Harmoniemesse (Hob.XXII:14) aus dem Jahre 1802, Haydns letzte große Komposition. Auch sie ist auf dieser CD zu hören. Von Zeitgenossen wurde Haydn für diese Werke gescholten - sie seien zu fröhlich, hieß es, zu weltlich, und würden die rechte Andacht nicht aufkommen lassen. Ob gute Laune die Frömmigkeit beeinträchtigt, das mag nun jeder Hörer für sich entscheiden. 
Die Harmoniemesse jedenfalls erhielt ihren Namen, weil dem Kompo- nisten seinerzeit am glanzvoll gefeierten Namenstag ein Bläserensem- ble, auch als Harmonie bezeichnet, zur Verfügung stand. Das war ungewöhnlich, aber es macht dieses Werk ausgesprochen prachtvoll. Die Musik setzt auf Kontraste; Haydn nutzt die verfügbare Klangpalet- te gekonnt aus. Es ist erstaunlich, aber diese Messe strotzt förmlich vor Energie - ganz anders als ihr Schöpfer, dessen Kräfte versiegten. 
Es musizieren das Rebel Baroque Orchestra und der Trinity Choir, der einmal mehr seinem Ruf als eines der besten Ensembles des Landes gerecht wird. So schwungvoll, klangschön, und in allen Stimmen gleichermaßen leistungsstark singen selbst in den USA nur wenige Chöre. Haydn hätte an dieser Aufnahme ganz sicher seine Freude gehabt.