Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker lockt alljährlich bis zu 100.000 Besucher in den festlich beleuchteten Park von Schloss Schönbrunn. In diesem Jahr musizierte das Orchester unter Leitung von Gustavo Dudamel. „Rhapsody in Blue“ lautete das Motto des Programmes – und da verwundert es nicht, dass faktisch alle Stücke irgend etwas mit Amerika zu tun hatten. Zugleich haben etliche von ihnen einen Bezug zur Wiener Musiktradition.
Das Programm beginnt mit Leonard Bernsteins schwungvoller Ouvertüre zu Candide. Der Komponist, Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker, dirigierte sie in Wien sogar einmal selbst – beim Philharmonikerball 1978. Den Jubilee Waltz schrieb Johann Strauss 1872, als er in die USA reiste, um in Boston seine Musik beim World's Peace Jubilee zu dirigieren. 1893 reiste auch Carl Michael Ziehrer in die USA. In Chicago musizierte er mit seinem 60köpfigen Orchester in „Old Vienna“, einem Kulissendorf, in dem auch Händler und Gastronomen Spezialitäten aus dem Österreich anboten. Als Referenz an das Publikum schrieb Ziehrer den Sternenbanner-Marsch, in dem er populäre amerikanische Melodien jener Zeit verarbeitete.
Die Idee zu The Stars and Stripes Forever hatte John Philipp Sousa auf der Rückreise von einem Urlaub in Europa 1896. Das Stück kann man getrost als amerikanischen Nationalmarsch ansehen. Etwas aus dem ansonsten recht beschwingten Rahmen fällt das berühmte Adagio von Samuel Barber. Er war der erste amerikanische Komponist, dessen Musik die Wiener Philharmoniker seinerzeit spielten – und die New Yorker Uraufführung dieses Stückes dirigierte einst 1938 Arturo Toscanini; seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern hatte dieser allerdings nach dem deutschen Einmarsch beendet.
George Gershwin, auf dieser CD vertreten mit der Rhapsodie in Blue, arbeitete am Broadway eng mit Max Steiner zusammen. Der gebürtige Wiener schuf die Musik für über 300 Filme, zu hören ist hier die Casablanca-Suite.
Böhmische und amerikanische Musiktraditionen verknüpfte Antonín Dvořák in seiner Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Der Komponist wirkte mehrere Jahre als Leiter eines Konservatoriums in den USA. Sein Werk wurde 1896 erstmals von den Wiener Philharmonikern aufgeführt. Dvořák war dem Orchester verbunden, und er hat es auch mehrfach dirigiert.
Als Zugabe erklingt der Hoe-Down aus Aaron Coplands Ballett Rodeo, schwungvoll präsentiert von den Musikern. In diesem Konzert führte Gustavo Dudamel zwei sehr unterschiedliche musikalische Traditions- linien gekonnt zusammen, und zeigte, wie viele Berührungspunkte es doch gibt. Bei der Rhapsodie in Blue war Yuja Wang die grandiose Solistin. In der magischen Atmosphäre des wohl größten Klassik-Open-Airs konnte das Publikum somit ein ebenso unterhaltsames wie stimmungsvolles Konzert genießen.
Posts mit dem Label Bernstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bernstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 27. September 2019
Mittwoch, 13. Februar 2019
Swan Songs (Avi-Music)
Der Sage nach stimmen Schwäne vor ihrem Tode ein letztes Lied an – und sie singen traurig, aber zugleich wunderschön. Ein berühmtes Beispiel für ein solches Werk ist der letzte Liederzyklus von Franz Schubert; er wurde nach dem Tode des Komponisten von seinem Verleger unter dem Titel „Schwanengesang“ veröffentlicht.
Für diese CD hat Christian Immler einige dieser Lieder ausgewählt, und dazu noch weitere Werke zusammengetragen, die jeweils am Ende eines bewegten Lebens entstanden sind. Zu hören sind die Vier ernsten Gesänge, die Johannes Brahms ein Jahr vor seinem Tod im Andenken an die verstorbene Clara Schumann geschrieben hat. Bei den Liedern von Schubert und Brahms wird der Bariton am Klavier beleitet von Christoph Berner.
Samuel Barber schrieb seine Drei Lieder op. 45 für Dietrich Fischer-Dieskau. Sie „haben mich schon seit meiner Studienzeit wegen ihrer Vielschichtigkeit, textlichen Raffinesse und melancholisch-morbiden Schönheit angesprochen“, meint Immler: „Das zweite Lied ‘A Green Lowland of Pianos’, das Barber als ‘das Lustige’ (‘a funny one’) beschrieben hat, transportiert uns elegant zu einer surrealer Kulisse in einem anderen Universum, wo eben des Abends ganz selbstverständlich ‘Herden schwarzer Klaviere den Fröschen’ lauschen!“ Entsprechend kurios ist die musikalische Gestaltung; die beiden anderen allerdings wirken ziemlich melancholisch. Pianist ist hier Danny Driver.
Leonard Bernsteins Schwanengesang Arias and Barcarolles, aus dem Jahre 1988, ist voll Energie und Lebensfreude. Immler singt gemeinsam mit Mezzo-Sopranistin Anna Stéphany und begleitet von dem Klavierduo Danny Driver und Silvia Fraser diese abwechslungsreichen Miniaturen, ja, fast Miniatur-Opern. Das ist zunächst großes Drama, ganz wie am Broadway – doch dann klingt alles ruhig und innig aus. Ein sehr persönlicher Beitrag zum Bernstein-Jubiläum; voll Ehrfurcht erinnert sich Immler übrigens noch heute daran, wie er als 14jähriger Solist des Tölzer Knabenchores in Salzburg Bernstein das Solo aus Mahlers 4. Sinfonie vorsingen durfte.
Für diese CD hat Christian Immler einige dieser Lieder ausgewählt, und dazu noch weitere Werke zusammengetragen, die jeweils am Ende eines bewegten Lebens entstanden sind. Zu hören sind die Vier ernsten Gesänge, die Johannes Brahms ein Jahr vor seinem Tod im Andenken an die verstorbene Clara Schumann geschrieben hat. Bei den Liedern von Schubert und Brahms wird der Bariton am Klavier beleitet von Christoph Berner.
Samuel Barber schrieb seine Drei Lieder op. 45 für Dietrich Fischer-Dieskau. Sie „haben mich schon seit meiner Studienzeit wegen ihrer Vielschichtigkeit, textlichen Raffinesse und melancholisch-morbiden Schönheit angesprochen“, meint Immler: „Das zweite Lied ‘A Green Lowland of Pianos’, das Barber als ‘das Lustige’ (‘a funny one’) beschrieben hat, transportiert uns elegant zu einer surrealer Kulisse in einem anderen Universum, wo eben des Abends ganz selbstverständlich ‘Herden schwarzer Klaviere den Fröschen’ lauschen!“ Entsprechend kurios ist die musikalische Gestaltung; die beiden anderen allerdings wirken ziemlich melancholisch. Pianist ist hier Danny Driver.
Leonard Bernsteins Schwanengesang Arias and Barcarolles, aus dem Jahre 1988, ist voll Energie und Lebensfreude. Immler singt gemeinsam mit Mezzo-Sopranistin Anna Stéphany und begleitet von dem Klavierduo Danny Driver und Silvia Fraser diese abwechslungsreichen Miniaturen, ja, fast Miniatur-Opern. Das ist zunächst großes Drama, ganz wie am Broadway – doch dann klingt alles ruhig und innig aus. Ein sehr persönlicher Beitrag zum Bernstein-Jubiläum; voll Ehrfurcht erinnert sich Immler übrigens noch heute daran, wie er als 14jähriger Solist des Tölzer Knabenchores in Salzburg Bernstein das Solo aus Mahlers 4. Sinfonie vorsingen durfte.
Donnerstag, 15. März 2018
Leonard Bernstein - Marin Alsop: The Complete Naxos Recordings (Naxos)
Naxos ehrt Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Das Label hat sich für den hundertsten Geburtstag des Komponisten und Dirigenten ein ganz besonderes Geschenk einfallen lassen: Es fasst die Bernstein-Einspielungen von Marin Alsop in einem Schuber zusammen.
Die Dirigentin, Jahrgang 1956, ist Bernstein ganz besonders verbunden. Diese enge Beziehung begann bereits in ihrer Kindheit, berichtet Alsop: „Seeing him conduct when I was only nine years old at a New York Philharmonic Young People's Concert convinced me that conducting was the only thing in the world that I want to do. That alone would have been enough of a gift; but then at the age of 31, he took me under his wing and imparted to me the heart and soul of the craft.“
Bernstein trug dazu bei, dass sich Marin Alsop als Dirigentin etablieren konnte. Das war seinerzeit ein Tabubruch. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber das Dirigentenpult war eine Männerbastion. Marin Alsop war die erste Frau überhaupt, die zur Chefdirigentin eines Klangkörpers von Weltrang berufen wurde. Sie war auch die erste Frau, die die Last Night of the Proms dirigierte.
Zur Musik ihres Mentors Leonard Bernstein hat Marin Alsop eine beson- ders enge Beziehung. So hat sie mit dem Baltimore Symphony Orchestra sämtliche Sinfonien des Komponisten eingespielt. Die Aufnahmen sind in dieser fabelhaften Box ebenso zu finden, wie Bernsteins ziemlich unkonventionelle Messen. Zu hören sind, neben bekannten Hits wie dem Mambo aus West Side Story oder der Ouverture zu Candide, auch etliche Raritäten, teilweise sogar in Weltersteinspielungen. Als Zugabe enthält die Box die preisgekrönte DVD-Dokumentation „Leonard Bernstein – Larger than Life“ von Georg Wübbolt.
Die Dirigentin, Jahrgang 1956, ist Bernstein ganz besonders verbunden. Diese enge Beziehung begann bereits in ihrer Kindheit, berichtet Alsop: „Seeing him conduct when I was only nine years old at a New York Philharmonic Young People's Concert convinced me that conducting was the only thing in the world that I want to do. That alone would have been enough of a gift; but then at the age of 31, he took me under his wing and imparted to me the heart and soul of the craft.“
Bernstein trug dazu bei, dass sich Marin Alsop als Dirigentin etablieren konnte. Das war seinerzeit ein Tabubruch. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber das Dirigentenpult war eine Männerbastion. Marin Alsop war die erste Frau überhaupt, die zur Chefdirigentin eines Klangkörpers von Weltrang berufen wurde. Sie war auch die erste Frau, die die Last Night of the Proms dirigierte.
Zur Musik ihres Mentors Leonard Bernstein hat Marin Alsop eine beson- ders enge Beziehung. So hat sie mit dem Baltimore Symphony Orchestra sämtliche Sinfonien des Komponisten eingespielt. Die Aufnahmen sind in dieser fabelhaften Box ebenso zu finden, wie Bernsteins ziemlich unkonventionelle Messen. Zu hören sind, neben bekannten Hits wie dem Mambo aus West Side Story oder der Ouverture zu Candide, auch etliche Raritäten, teilweise sogar in Weltersteinspielungen. Als Zugabe enthält die Box die preisgekrönte DVD-Dokumentation „Leonard Bernstein – Larger than Life“ von Georg Wübbolt.
Mittwoch, 26. Juli 2017
Kind of Jazz (Genuin)
Die Musikstücke, die François Benda für seine sechste CD bei Genuin ausgewählt hat, wird man im Konzert eher selten hören. Gemeinsam mit seinem Vater, dem Pianisten Sebastian Benda (1926 bis 2003), hat er im Jahre 2001 Werke aus dem Grenzbereich zwischen der sogenannten „E-Musik“ und dem Jazz eingespielt. Das ist eine ausgesprochen interessante Region, wie man bereits beim ersten Stück feststellen wird: Die Three Preludes von George Gershwin (1898 bis 1937) – ursprünglich komponiert für Klavier, und hier in einer Bearbeitung für Klarinette und Klavier zu hören – lassen erahnen, dass New York in den 20er Jahren musikalisch enorm viel zu bieten hatte. Gershwin griff vieles davon auf.
Auch Joseph Horovitz, Jahrgang 1926, kennt offenbar keine Berührungs- ängste. Die jazzige Sonatina für Klarinette und Klavier schrieb er 1981 für seinen Freund Gervase de Peyer. Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) sah in Jazzrhythmen eine Chance, die Avantgarde sinnlich zu machen, vital. In seiner Hot-Sonate aus dem Jahre 1930 verknüpfte er klassische Musik und Jazz. Benda spielt dieses aufmüpfige Musikstück, das ursprünglich für Altsaxophon entstanden ist, in einer Version für Klarinette.
Dass die beiden Musiker geniale Grenzgänger sind, zeigt sich auch bei der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Sie war das erste veröffentlichte Werk des Komponisten, der sich seinen Musikunterricht finanzierte, indem er in einer Jazzband musizierte und Arrangements schrieb. Was für ein Sound! Lustvoll musizieren Vater und Sohn, und wer sie hört, der wird sich den Kopf ganz sicher nicht über Genregrenzen zerbrechen. Diese Aufnahme lässt uns genießen, wie farbenreich und betörend doch eine Klarinette klingen kann. Großartig spielt auch der Pianist Sebastian Benda; er zeigt, wie innig ein musikali- scher Dialog sein kann. Moderne kann eben sehr viel Spaß machen. Komplettiert wird die CD durch eine Sonate des Kosmopoliten Daniel Schnyder (*1961).
Auch Joseph Horovitz, Jahrgang 1926, kennt offenbar keine Berührungs- ängste. Die jazzige Sonatina für Klarinette und Klavier schrieb er 1981 für seinen Freund Gervase de Peyer. Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) sah in Jazzrhythmen eine Chance, die Avantgarde sinnlich zu machen, vital. In seiner Hot-Sonate aus dem Jahre 1930 verknüpfte er klassische Musik und Jazz. Benda spielt dieses aufmüpfige Musikstück, das ursprünglich für Altsaxophon entstanden ist, in einer Version für Klarinette.
Dass die beiden Musiker geniale Grenzgänger sind, zeigt sich auch bei der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Sie war das erste veröffentlichte Werk des Komponisten, der sich seinen Musikunterricht finanzierte, indem er in einer Jazzband musizierte und Arrangements schrieb. Was für ein Sound! Lustvoll musizieren Vater und Sohn, und wer sie hört, der wird sich den Kopf ganz sicher nicht über Genregrenzen zerbrechen. Diese Aufnahme lässt uns genießen, wie farbenreich und betörend doch eine Klarinette klingen kann. Großartig spielt auch der Pianist Sebastian Benda; er zeigt, wie innig ein musikali- scher Dialog sein kann. Moderne kann eben sehr viel Spaß machen. Komplettiert wird die CD durch eine Sonate des Kosmopoliten Daniel Schnyder (*1961).
Dienstag, 30. August 2016
Fantasia - Alliage Quintett & Sabine Meyer (Sony)
Was denn – das sollen wirklich nur vier Saxophone plus ein Klavier sein? Das Alliage Quintett überrascht mit sattem orchestralen Sound; Daniel Gauthier, Magdalena Lapaj, Asya Fateyeva und Sebastian Pottmeier können allerdings auch verblüffend schlank und lieblich musizieren, ebenso wie Jang Eun Bae am Klavier.
Auf ihrem neuen Album Fantasia laden die zweifachen Echo-Klassik-Preisträger zu einer musikalischen Märchenreise ein – und dafür haben sie sich mit der Klarinettistin Sabine Meyer zusammengetan. Die CD beginnt mit den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Fürst Igor, für diese Besetzung arrangiert von Stéphane Gassot und Camille Pépin.
Ebenso populär ist Der Feuervogel von Igor Strawinsky, hier zu hören in einer Bearbeitung von Sebastian Gottschick. Goethes Zauberlehrling inspirierte einst Paul Dukas zu einer Komposition; sie erklingt auf dieser CD in einem Arrangement von Rainer Schottstädt. Ihm ist es beispiels- weise kongenial gelungen, den wankenden Besen, im Original hörbar gemacht durch Fagott und Klarinette, auf Bariton-Saxophon und Klarinette zu übertragen.
Die Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein arrangierte Itai Soboi speziell für die sechs Musiker. Die Fünf Stücke für Orchester von Dmitri Schostakowitsch entstammen seinen Filmmusiken und Balletten; davon existiert eine Fassung für zwei Violinen und Klavier von Schostakowitschs Freund Levon Atovmian. Das Alliage Quintett setzte diese mit Blasinstru- menten um, in unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufnahme verbindet kammermusikalische Intimität und Raffinesse mit magischem Orchester- klang. Faszinierend!
Auf ihrem neuen Album Fantasia laden die zweifachen Echo-Klassik-Preisträger zu einer musikalischen Märchenreise ein – und dafür haben sie sich mit der Klarinettistin Sabine Meyer zusammengetan. Die CD beginnt mit den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Fürst Igor, für diese Besetzung arrangiert von Stéphane Gassot und Camille Pépin.
Ebenso populär ist Der Feuervogel von Igor Strawinsky, hier zu hören in einer Bearbeitung von Sebastian Gottschick. Goethes Zauberlehrling inspirierte einst Paul Dukas zu einer Komposition; sie erklingt auf dieser CD in einem Arrangement von Rainer Schottstädt. Ihm ist es beispiels- weise kongenial gelungen, den wankenden Besen, im Original hörbar gemacht durch Fagott und Klarinette, auf Bariton-Saxophon und Klarinette zu übertragen.
Die Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein arrangierte Itai Soboi speziell für die sechs Musiker. Die Fünf Stücke für Orchester von Dmitri Schostakowitsch entstammen seinen Filmmusiken und Balletten; davon existiert eine Fassung für zwei Violinen und Klavier von Schostakowitschs Freund Levon Atovmian. Das Alliage Quintett setzte diese mit Blasinstru- menten um, in unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufnahme verbindet kammermusikalische Intimität und Raffinesse mit magischem Orchester- klang. Faszinierend!
Dienstag, 23. August 2016
In Residence (Genuin)
Was für ein Sound! Inspiriert durch seine Arbeit in Venezuela mit dem Venezuelan Brass Ensemble, grün- dete Thomas Clamor, nach langen Jahren als Trompeter bei den Berliner Philharmonikern heute ein interna- tional gefragter Dirigent und Leiter der Sächsischen Bläserphilharmonie sowie künstlerischer Leiter der Deutschen Bläserakademie, im Jahre 2010 gemeinsam mit Karl Schagerl ein ganz besonderes Orchester, über Nationen und Grenzen hinweg: Das European Brass Ensemble. Mehr als 150 Musiker aus 24 verschiedenen Nationen haben sich bereits an der Arbeit in dem Elite-Ensemble beteiligt, das im Stift Melk seine Heimstätte gefunden hat. Das Stift, das zum Unesco-Welterbe gehört, und die dortigen Benediktiner haben quasi die Schirmherrschaft für das Orchester übernommen. Seine Arbeit wird zudem durch das Land Niederösterreich finanziell unterstützt.
Einen besseren Botschafter als das European Brass Ensemble kann man sich kaum vorstellen. Schon beim ersten Stück, der genialen Stift Melk Fanfare, komponiert für diese Bläserformation von dem Jazzmusiker James Morrison, der darin auch selbst die Piccolo-Trompete spielt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Denn nicht nur Morrison, sondern das gesamte Ensemble spielt sensationell. Das Label Genuin schwärmt von einer „Phalanx aus Edelmetall“ – und mir fehlen die Superlative, um dieses Musikerlebnis angemessen zu beschreiben. Phänomenal! Unbedingt anhören!
Einen besseren Botschafter als das European Brass Ensemble kann man sich kaum vorstellen. Schon beim ersten Stück, der genialen Stift Melk Fanfare, komponiert für diese Bläserformation von dem Jazzmusiker James Morrison, der darin auch selbst die Piccolo-Trompete spielt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Denn nicht nur Morrison, sondern das gesamte Ensemble spielt sensationell. Das Label Genuin schwärmt von einer „Phalanx aus Edelmetall“ – und mir fehlen die Superlative, um dieses Musikerlebnis angemessen zu beschreiben. Phänomenal! Unbedingt anhören!
Freitag, 24. Mai 2013
Americana - Modern Mandolin Quartet (Sono Luminus)
„Americana“, nennt das Modern Mandolin Quartet schlicht seine neue CD. Doch wer unter dieser Überschrift Folk und Pop erwartet, der irrt. Wenn Paul Binkley, Matt Flinner, Dana Rath und Adam Roskiewicz tatsächlich einmal ein Traditional in ihr Programm ein- bauen, dann in einem Arrange- ment, das es in sich hat. So erklingt Shenandoah in einer Version des Jazzpianisten Keith Jarrett. Ein Medley bringt Melodien von Bill Monroe, dem Vater des Bluegrass. Und ein weiterer Folk Song wurde von Aaron Copland 1942 in einem Ballett verwendet.
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!
Mittwoch, 24. Oktober 2012
American Classics (Genuin)
Die sächsische Bläserphilhar- monie, ein Orchester mit mehr als 60jähriger Tradition, spielt Ame- rican Classics. Darunter versteht das Ensemble, das unter seinem künstlerischen Leiter Thomas Clamor musiziert, die bekannten Werke von Leonard Bernstein, George Gershwin und Henry Man- cini - natürlich, Moon River - aber es erklingt auch ein Traditional sowie ein Stück des 1928 gebore- nen Jef Peters, das nicht umsonst Glenn Meets Wolfgang heißt. Bei einigen Stücken ist Sängerin Ines Agnes Krautwurst zu hören.
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Sonntag, 28. März 2010
Fiesta - Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela, Dudamel (Deutsche Grammophon)
Das Simón Bolívar-Jugend- orchester aus Venezuela spielt lateinamerikanische Musik - aber da geht der Bär ab! Satte Bläser- chöre, ein Schlagwerk, wie es im Konzertsaal selten zu hören ist, und dazu Streicher, die offenbar das Tanzen im Blut haben. Was für ein Programm, und was für ein Temperament! Hier ist Spielfreude pur zu erleben - was aber die Präzision nicht vermindert, mit der das Orchester agiert. Dudamel spielt mit Akzenten und Klang- farben, und die Jugendlichen folgen ihm mit Begeisterung.
Die CD beginnt mit Silvestre Revueltas Sensemayá - einem Stück voll indianischer Anklänge, das mit seinen Dissonanzen insgesamt etwas aus dem Rahmen fällt. Die folgenden Werke sind rhythmusgetrie- bener, tänzerischer und zugleich oftmals bildhafter. Dudamel beweist Sinn für Dramatik, lässt aber auch die kantablen Stellen nicht in der allgemeinen Party untergehen. Die CD endet mit dem Mambo aus West Side Story - eine Referenz an Leonard Bernstein. Wer sich einen Eindruck von zeitgenössischer lateinamerikanischer Orchestermusik verschaffen will - diese CD sei empfohlen.
Die CD beginnt mit Silvestre Revueltas Sensemayá - einem Stück voll indianischer Anklänge, das mit seinen Dissonanzen insgesamt etwas aus dem Rahmen fällt. Die folgenden Werke sind rhythmusgetrie- bener, tänzerischer und zugleich oftmals bildhafter. Dudamel beweist Sinn für Dramatik, lässt aber auch die kantablen Stellen nicht in der allgemeinen Party untergehen. Die CD endet mit dem Mambo aus West Side Story - eine Referenz an Leonard Bernstein. Wer sich einen Eindruck von zeitgenössischer lateinamerikanischer Orchestermusik verschaffen will - diese CD sei empfohlen.
Abonnieren
Posts (Atom)








