Die Briten sind schon ein seltsames Völkchen. Mit der Insellage Groß- britanniens jedenfalls ist es wohl nicht zu erklären, dass sie einst die Kunst der Divisions on a Ground auch weiterhin schätzten und pflegten, während Variationen über einem ostinaten Bass auf dem Kontinent längst aus der Mode gekommen waren. Das Ensemble Musica Alta Ripa spürt auf dieser CD den Eigenheiten englischer Musik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhun- derts nach – und hat dabei ein bezauberndes Programm zusammen- gestellt, das so manche Entdeckung zu bieten hat.
Man höre nur die faszinierende Fantazia on a ground in D von Henry Purcell (1659 bis 1696), der auf dieser CD auch noch mit anderen Werken vertreten ist. Es erklingt außerdem Musik von William Lawes (1602 bis 1645), Thomas Tomkins (1572 bis 1656), Matthew Locke (?1621 bis 1677) und William Williams (1675 bis 1701). Manches klingt noch nach der elisabethanischen Ära; bei anderen Stücken ist, bei aller konservativen Neigung zum typisch Britischen, die Auseinandersetzung mit der kontinentalen Musik dann doch wahrzunehmen. Musica Alta Ripa lässt sich gekonnt hören, mit Sinn für bizarre Einfälle und ungewöhnliche Wendungen. Und auch die tiefe Melancholie, die der englischen Musik jener Zeit oftmals zu eigen ist, zelebrieren die Musiker hingebungsvoll. Diese CD ist wirklich sehr hörenswert, rundum gelungen.
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Samstag, 29. Juli 2017
Montag, 1. Dezember 2014
Hasse: Bella, mi parto (MDG)
Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) gehörte einst zu den großen
Stars, insbesondere der Opernwelt. Der Musiker, der aus Bergedorf bei
Hamburg stammt, wurde 1718 als Tenor Mitglied des Ensembles der
Hamburger Oper am Gänsemarkt. In Italien studierte er dann den
aktuellen Opernstil sozusagen an der Quelle. Und als sein Lehrer
Alessandro Scarlatti starb, gelang es ihm, die entstandene Lücke zu
füllen: Innerhalb weniger Jahre wurde Hasse zu einem der
erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit.
Von Neapel und Venedig bis nach Dresden und von London bis Warschau erklang Hasses Musik. Selbst in Spanien waren seine Arien bekannt und beliebt; sie gehörten zu jenen Stücken, die der Kastrat Farinelli täglich für den schwermütigen König Philipp V. sang. Doch Hasse schuf nicht nur Opern. Seine Zeitgenossen schätzten ihn auch wegen seiner Instrumen- talmusik und seiner Kammerkantaten.
Wer sie heute aufführen möchte, der steht allerdings vor dem Problem, dass nur wenige dieser Werke im Druck erschienen sind. Die meisten Kantaten Hasses sind nur in Form von Abschriften überliefert, verfasst von den unterschiedlichsten Kopisten und verstreut über halb Europa.
Das Ensemble Musica Alta Ripa hat nun einige dieser Raritäten gekonnt bei Dabringhaus und Grimm eingespielt. Drei Solokantaten des Kompo- nisten für Altus trägt Kai Wessel vor; zudem erklingt ein wenig Kammer- musik. Besonders angetan hat es mir das charmante Konzert für Solo-Mandoline, zwei Violinen und Basso continuo. Auch wenn vermutet wird, dass Hasse diese Musik für das Musizieren im privaten Kreise geschrieben hat – es ist wundervolle Musik, und der Komponist sorgt geschickt dafür, dass der zarte Klang der Mandoline gebührend zur Geltung kommt. Sehr gelungen!
Von Neapel und Venedig bis nach Dresden und von London bis Warschau erklang Hasses Musik. Selbst in Spanien waren seine Arien bekannt und beliebt; sie gehörten zu jenen Stücken, die der Kastrat Farinelli täglich für den schwermütigen König Philipp V. sang. Doch Hasse schuf nicht nur Opern. Seine Zeitgenossen schätzten ihn auch wegen seiner Instrumen- talmusik und seiner Kammerkantaten.
Wer sie heute aufführen möchte, der steht allerdings vor dem Problem, dass nur wenige dieser Werke im Druck erschienen sind. Die meisten Kantaten Hasses sind nur in Form von Abschriften überliefert, verfasst von den unterschiedlichsten Kopisten und verstreut über halb Europa.
Das Ensemble Musica Alta Ripa hat nun einige dieser Raritäten gekonnt bei Dabringhaus und Grimm eingespielt. Drei Solokantaten des Kompo- nisten für Altus trägt Kai Wessel vor; zudem erklingt ein wenig Kammer- musik. Besonders angetan hat es mir das charmante Konzert für Solo-Mandoline, zwei Violinen und Basso continuo. Auch wenn vermutet wird, dass Hasse diese Musik für das Musizieren im privaten Kreise geschrieben hat – es ist wundervolle Musik, und der Komponist sorgt geschickt dafür, dass der zarte Klang der Mandoline gebührend zur Geltung kommt. Sehr gelungen!
Sonntag, 25. März 2012
Monteverdi: Marienvesper; Knabenchor Hannover, Breiding (Rondeau)
400 Jahre nach der Erstveröffent- lichung 1610 hat der Knabenchor Hannover die berühmte Marien- vesper von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) in der St. Michae- lis-Kirche zu Hildesheim aufge- führt. Der Mitschnitt dieses Kon- zertes zum Festjahr "1000 Jahre St. Michaelis" ist nun bei Rondeau auf zwei CD erschienen.
Die Aufnahme beeindruckt gleich mehrfach. So ist es erfreulich, dass die Psalmen der Vesper durch Antiphonen ergänzt wurden, gesungen von der Choralschola Vox Werdensis. Das vermittelt einen Eindruck davon, wie ein solches Werk zu Monteverdis Zeiten erklungen sein dürfte. Der Knabenchor Hannover singt unter Leitung von Jörg Breiding mit hohem Engagement und entfaltet, unterstützt und getragen von den Instrumentalisten des Ensembles Musica Alta Ripa und den Posaunen und Zinken des Concerto Palatino, die dem Werk angemessene Klangpracht. Die jungen Sänger werden dabei zudem durch die Himlische Cantorey ergänzt - in diesem Falle besetzt mit Veronika Winter und Gerlinde Sämann, Sopran, Henning Voss, Altus, Jan Kobow, Georg Poplutz und Nils Ole Peters, Tenor, sowie Michael Jäckel und Ralf Grobe, Bass. Diese Sänger haben durchweg reiche Erfahrungen mit der "historischen" Aufführungspraxis, und in ihrem Zusammenwirken zeigt sich, dass sie sowohl hervorragende Ensemblesänger als auch exzellente Solisten sind. Das perfekt vorgetragene Solo von Knabensopran Daniel Bühl zeigt allerdings, dass sich auch die jungen Sänger des Knabenchores durchaus hören lassen können. Der Chor singt sauber, schwungvoll und homogen. Hier gelingt ihm eine Monteverdi-Interpretation, die mit den Referenzaufnahmen durchaus mithalten kann.
Die Aufnahme beeindruckt gleich mehrfach. So ist es erfreulich, dass die Psalmen der Vesper durch Antiphonen ergänzt wurden, gesungen von der Choralschola Vox Werdensis. Das vermittelt einen Eindruck davon, wie ein solches Werk zu Monteverdis Zeiten erklungen sein dürfte. Der Knabenchor Hannover singt unter Leitung von Jörg Breiding mit hohem Engagement und entfaltet, unterstützt und getragen von den Instrumentalisten des Ensembles Musica Alta Ripa und den Posaunen und Zinken des Concerto Palatino, die dem Werk angemessene Klangpracht. Die jungen Sänger werden dabei zudem durch die Himlische Cantorey ergänzt - in diesem Falle besetzt mit Veronika Winter und Gerlinde Sämann, Sopran, Henning Voss, Altus, Jan Kobow, Georg Poplutz und Nils Ole Peters, Tenor, sowie Michael Jäckel und Ralf Grobe, Bass. Diese Sänger haben durchweg reiche Erfahrungen mit der "historischen" Aufführungspraxis, und in ihrem Zusammenwirken zeigt sich, dass sie sowohl hervorragende Ensemblesänger als auch exzellente Solisten sind. Das perfekt vorgetragene Solo von Knabensopran Daniel Bühl zeigt allerdings, dass sich auch die jungen Sänger des Knabenchores durchaus hören lassen können. Der Chor singt sauber, schwungvoll und homogen. Hier gelingt ihm eine Monteverdi-Interpretation, die mit den Referenzaufnahmen durchaus mithalten kann.
Dienstag, 22. Juni 2010
Giro d'Italia (MDG)
Eine Rundreise durch Italien, mit den Stationen Venedig, Burano, Bergamo, Mailand, Lucca und Neapel - denn das sind die Geburts- orte jener Komponisten, deren Werke diese CD enthält. Somit erweist sich diese Silberscheibe auch als Reiseführer durch eine musikalische Landschaft, die sich als sehr abwechslungsreich erweist.
Im 18. Jahrhundert war die italienische Musik zudem Vorbild für viele europäische Kompo- nisten, die musikalische Formen und Strukturen, die sie oftmals ebenfalls auf Reisen durch das Land kennenlernten, adaptierten und weiterentwickelten. Das Ensemble Musica Alta Ripa hat für diese CD einige ganz besondere Pretiosen ausgewählt - zumeist weniger be- kannte, aber nichtsdestotrotz sehr hübsche Werke von Giuseppe Sammartini, Baldassare Galuppi, Luigi Boccherini, Antonio Vivaldi, Pietro Antonio Locatelli und Francesco Mancini. Sie zeigen, wie die Italiener selber die Ideen eines Corelli oder auch Vivaldi weiter- entwickelt haben - und führen den Zuhörer bis an die Schwelle der Frühklassik. Das Konzept ist faszinierend, die Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich, und auch die Musik gefällt, denn sie wird mit leichter Hand, Schwung und Humor inszeniert.
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