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Sonntag, 29. Mai 2016

Serenade for Dieter Klöcker Vol. 2 (MDG)

Dieter Klöcker (1936 bis 2011) hätte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert. Dabringhaus und Grimm erinnert mit einer ganz besonderen Edition an den Jubilar: Auf vier CD präsentiert das Label Kostbarkeiten aus dem Schallarchiv des Westdeutschen Rundfunks. Die Aufnahmen, entstanden zwischen 1969 und 1993, zeigen Klöcker als überaus versierten und engagierten Kammermusiker – und stets auf der Suche nach Raritäten. Mit Leiden- schaft hat der Klarinettist zeitlebens in Archiven und Musikbibliotheken nach Kompositionen gesucht, deren Wiederentdeckung lohnt. Es verwun- dert daher nicht, dass auch in dieser Box wieder etliche Ersteinspielungen zu finden sind. Und grandios gut musiziert wird natürlich auch – eine würdige Jubiläumsgabe, mit Aufnahmen, die rundum begeistern. 

Mittwoch, 17. November 2010

Myslivecek: Complete Wind Quintets & Octets (cpo)

Josef Myslivecek, geboren 1737 in Prag, gehörte zu jenen jungen Mu- sikern aus Böhmen und Mähren, die im 18. Jahrhundert ihre Heimat verließen, um in den europäischen Musikmetropolen ihr Glück zu versuchen. Myslivecek war dabei ziemlich erfolgreich. Dem begab- ten Prager Müllermeister gelang es, einen Mäzen zu finden, der es ihm ermöglichte, in Venedig Ge- sang und Komposition zu studie- ren. Und er war der einzige dieser oftmals exzellenten tschechischen Musiker, der sich in Italien als Opernkomponist etablieren konnte. Leider starb er bereits 1781 in Rom, verarmt und von der Syphilis entstellt.
Auf dieser CD erklingen allerdings keine Arien, sondern Bläseroktette und -quintette, die wie eine Reverenz an böhmische Traditionen wirken, auch wenn sie italienische Leichtigkeit vortäuschen. Es sind bildhübsche musikalische Miniaturen, geschöpft aus einem schier unendlichen Schatz an Melodien. 
Weniger erfreulich ist leider die Interpretation dieser Werke durch das L'Orfeo Bläserensemble unter Carin van Heerden. Gespielt wird auf historischen Instrumenten, und da mag live schon hier und da, zumal bei den Hörnern, ein Ton danebengehen - doch wenn Profis mehrere Tage an einer solchen Aufnahme arbeiten können, dann sollte das Ergebnis nicht klingen wie ein Musikschulorchester, Leistungsklasse Mittelstufe. Grauslig!