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Sonntag, 29. Mai 2016

Serenade for Dieter Klöcker Vol. 2 (MDG)

Dieter Klöcker (1936 bis 2011) hätte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert. Dabringhaus und Grimm erinnert mit einer ganz besonderen Edition an den Jubilar: Auf vier CD präsentiert das Label Kostbarkeiten aus dem Schallarchiv des Westdeutschen Rundfunks. Die Aufnahmen, entstanden zwischen 1969 und 1993, zeigen Klöcker als überaus versierten und engagierten Kammermusiker – und stets auf der Suche nach Raritäten. Mit Leiden- schaft hat der Klarinettist zeitlebens in Archiven und Musikbibliotheken nach Kompositionen gesucht, deren Wiederentdeckung lohnt. Es verwun- dert daher nicht, dass auch in dieser Box wieder etliche Ersteinspielungen zu finden sind. Und grandios gut musiziert wird natürlich auch – eine würdige Jubiläumsgabe, mit Aufnahmen, die rundum begeistern. 

Dienstag, 13. Oktober 2015

Haydn: Clarinet Quartets (MDG)

Das audiophile Label Dabringhaus und Grimm, weithin bekannt für seine Entdeckungen und für die herausragende Qualität seiner Auf- nahmen, hat wieder einmal in die Schatztruhe gegriffen und eine Ein- spielung von höchster Güte wieder- veröffentlicht: Klarinettenquartette von Joseph Haydn mit dem legen- dären Dieter Klöcker und seinem Consortium Classicum. 
Klarinettenquartette von Haydn? Wer sich darüber wundert, der staunt zu Recht. Denn die Werke, die hier erklingen, hat der Komponist so nicht geschrieben. „Er saß in Wien zu Füßen der großen Meister, komponierte selbst fleißig und arrangierte deren Werke für seine musikliebenden Freunde in Paris“, zitiert Klöcker im Beiheft eine Quelle aus dem 19. Jahr- hundert, die Auskunft gibt über das Wirken eines gewissen Vincent Gambaro. Dieser nämlich hat als „Extraits des Oeuvres de Haydn“ die drei Quartette zusammengestellt, die auf dieser CD zu hören sind. In Gambaros Pariser Musikverlag ist allerdings nur eines davon erschienen, berichtet Klöcker, „die anderen beiden Stücke durfte ich im Manuskript auffinden.“ Das könnte mit daran liegen, dass der Klarinettenpart für die damalige Zeit ziemlich anspruchsvoll war. Möglicherweise sind die Trois Quatours concertants für einen Verwandten entstanden: Johann Baptist Gambaro war ein hervorragender Klarinettist, und musizierte im italienischen Theater in Paris. 
Dieter Klöcker spielt diese Musik mit der für ihn typischen virtuosen Leichtigkeit. Doch auch seine Musikerkollegen Kurt Guntner, Violine, Helmut Nicolai, Viola und Helmar Stieler, Violoncello, bekommen gut zu tun: „Je brillanter die Klarinette existiert“, urteilt Klöcker, „umso auf- regender ziehen die anderen Stimmen nach. Hier öffnet sich bereits der Weg zur Beethovenschen Vorstellungswelt.“ Das wiederum ist auch für den Zuhörer faszinierend. Bravi! 

Freitag, 13. September 2013

Danzi, Mozart: Concertos for Clarinet, Bassoon and Orchestra (MDG)

Eine lang vergriffene Aufnahme hat das audiophile Label Dabringhaus und Grimm nun wieder zugänglich gemacht: Konzerte für Klarinette und Fagott bis zur Zeit der Früh- romantik, hervorragend gespielt von Dieter Klöcker, Karl-Otto Hartmann und dem ebenso exzellenten Suk-Kammerorchester Prag unter Petr Skvor. 
Klöcker hat hier einmal mehr jenen Spürsinn bewiesen, der dem Klarinettisten im Laufe der Jahre zu so mancher Entdeckung verholfen hat. Das gilt in diesem Falle insbesondere für das Duo von Carl Philipp Emanuel Bach, wohl eines der ersten originären Werke für Klarinette überhaupt, und für das Arrangement von Mozarts zauberhafter Concertone von der Hand seines Freundes Franz Anton Hoffmeister (1754 bis 1812). 
Das darf man in diesem Falle ruhig wörtlich nehmen, denn im Beiheft dankt Klöcker „meinem Freund und Kollegen, Prof. Eberhard Buschmann, für die Herstellung des Spielmaterials aus einer fast unleserlichen autographen Partitur“. Sie stammt aus der Sammlung der Mährischen Brüder in Altbrünn, und ist Mitte des 19. Jahrhun- derts im Gepäck eines Auswanderers nach Amerika gelangt. Auch wenn Klöcker letzten Endes glücklicherweise Musiker geworden ist und nicht, wie ursprünglich geplant, Archäologe – solche Über- raschungen machten seine Einspielungen immer wieder besonders reizvoll. 
Der Zuhörer darf sich zudem über Klöckers einzigartigen Ton, die Eleganz seines Vortrages und seine enorme Musikalität freuen. Gemeinsam mit seinen virtuosen Kollegen aus dem Consortium Classicum hat der Musiker, der leider kurz nach seinem 75. Geburts- tag 2011 gestorben ist, so manchen Schatz gehoben. Dazu gehört auch die Sinfonia concertante für Klarinette, Fagott und Orchester von Franz Danzi (1763 bis 1826), die als drittes Stück auf dieser CD erklingt. Diesen Musikern zu lauschen, das ist immer wieder ein Vergnügen. 

Freitag, 19. Oktober 2012

Serenade for Dieter Klöcker (MDG)

Eigentlich wollte Dieter Klöcker Archäologe werden. Doch dann zeigte ihm sein Klarinettenlehrer Karl Kroll, dass man auch als Musiker Entdeckungen machen kann. Denn Kroll war vor dem Ersten Weltkrieg Soloklarinettist des St. Petersburger Hoforchesters gewesen - und steckte mit seiner Begeisterung für die Pretiosen, die er dort in der Bibliothek vorge- funden hatte, auch seinen Schüler an.
Bereits bei seinem Musikstudium in Detmold bei Jost Michaels begann Klöcker, sich für die Kammermusik zu engagieren. Doch der Detmolder Bläserkreis, mit dem Klöcker seine ersten Konzertreisen und Rundfunkaufnahmen absolvierte, zerstreute sich nach dem Examen seiner Mitglieder. Aus den Augen verloren haben sich die Bläser aber nicht; gemeinsamen Auftritten als "Rheinisches Bläsersextett" folgte 1965 die Gründung des Ensembles Consortium Classicum. Das klang nicht nur eleganter - es ließ auch Raum für gemischte Besetzungen, beispielsweise mit Streichern und Klavier.
1968 beschloss Klöcker, die Anstellung im Orchester aufzugeben, um sich ganz der Kammermusik und seiner Solistenkarriere zu widmen. Er ging in Archiven und Musikbibliotheken auf die Suche - und fand dort Musik, die das Publikum entzückte. Wenn Namen wie Cannabich, Lachner oder Hummel heute dem Musikfreund wieder präsent sind, so ist das nicht zuletzt sein Verdienst. Schallplatteneditionen zu Themenkomplexen wie Bayerns Schlösser und Residenzen, Haydn - seine Freunde und Schüler oder Mozart - Original und Fälschung geben Zeugnis von seiner Entdeckerfreude. So ist Klöcker, obwohl er doch Musiker geworden ist, dennoch so manche Ausgrabung gelungen.
Seit 1986 erschienen die Aufnahmen von Dieter Klöcker und dem Consortium Classicum bei Dabringhaus und Grimm. Am 21. Mai 2011, kurz nach seinem 75. Geburtstag, ist der Musiker gestorben. MDG ehrt das Andenken dieses virtuosen Klarinettisten, hochgeschätzten Lehrers und akribischen Forschers nun mit einer Auswahl aus dem umfangreichen Fundus seiner Aufnahmen.
Die Edition beginnt mit den Bläserquartetten von Gioacchino Rossini, aberwitzig virtuosen Stücken, die wirken, als wären sie für das Con- sortium Classicum geschrieben. Noch immer hört man, wieviel Ver- gnügen Wolfgang Dünschede, Flöte, Dieter Klöcker an der Klarinette, Klaus Wallendorf, Horn und  Karl-Otto Hartmann am Fagott mit diesen brillanten Werken hatten. Dieses Feuerwerk an Musizierlust und Esprit war die erste Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt – und das Debüt des Ensembles bei MDG.
Klöcker verdanken wir die Wiederentdeckung von großartiger Musik lange vergessener Komponisten, aber auch den Zugang zu berühmten Meisterwerken in zeitgenössischen Arrangements. Ohne seine beharrliche Suche nach solchen Raritäten würden die zauberhaften Serenaden von Johann Nepomuk Hummel und Ignaz Pleyel sowie die Kammermusik von Carl Czerny wohl noch immer im Archivstaub vor sich hin schlummern. Die interessanten Bearbeitungen für Klarinette und Streichtrio von Vincent Gambaro nach Streichquartetten von Joseph Haydn wären ebenso unbekannt geblieben wie ihr Autor. Und natürlich stellte Klöcker auch neben Mozarts berühmte Sinfonia concertante KV 297b zwei Überraschungen.
Ergänzt wird die Sieben-CD-Box durch die Portrait-CD des Consor- tium Classicum aus dem Jahre 1993, die ebenfalls das außerordent- lich breite Repertoire dieses Ensembles präsentiert. Musiziert wird stets auf allerhöchstem Niveau. Jede dieser Aufnahmen ist gelungen, und die Angabe "Vol. 1" auf der Box lässt darauf hoffen, dass weitere folgen werden. 

Samstag, 21. August 2010

Goepfert: 3 Clarinet Concerts (cpo)

Andreas Goepfert, geboren 1768 in Rimpur bei Würzburg, gehört zur großen Schar jener Musiker, die fleißig und auch tüchtig waren, aber dennoch nicht die Aufmerk- samkeit des breiten Publikums auf sich und ihr Werk lenken konnten.
Goepfert erhielt in Würzburg eine solide musikalische Ausbildung, insbesondere auf der Klarinette - und anschließend, wohl auf Empfehlung seines Lehrers Philipp Meissner, eine Anstellung als Hof- musiker und Erster Klarinettist in Meiningen. 1793 wurde er zum Cammermusicus ernannt.
Glücklich ist er dort nicht geworden. Denn die kleine Residenz erwies sich als Gefängnis. Goepfert muss sich regelmäßig um Urlaub bemüht haben, um sich musikalisch weiterzubilden. Er wäre gern Schüler Mozarts geworden; doch selbst nach Mozarts Tod durfte er einem Ruf aus Wien nicht folgen - die Dienstherrschaft ließ ihn nicht, Punktum. 
Goepferts Gesundheitszustand verschlechterte sich. Bald wird er nicht mehr als Bläser benannt, sondern nur noch als Komponist. Als er 1818 starb, waren seine Vermögensverhältnisse so miserabel, dass seine Witwe sich selbst und zwei Kinder durch den Verkauf von Trockenfisch und Tabakwaren durchbringen musste.
Diese CD stellt seine Klarinettenkonzerte op. 35 in Es-Dur, op. 20 in B-Dur und op. 14 in Es-Dur vor. Es sind typische Werke des Virtuosenzeitalters - ganz auf den Solisten zugeschnitten, dessen Part in den schnellen Sätzen möglichst effektvoll und in den langsamen Sätzen klangschön sanglich-beseelt gestaltet wurde, flankiert von einer mal mehr, mal weniger gelungenen Orchesterbegleitung. Das hat schöne Stellen, aber auch einige Ecken und Kanten, die dem Hörer weniger gelungen erscheinen. 
Ähnliches lässt sich auch von dieser Aufnahme sagen. Klöcker, Professor für Klarinette und Bläserkammermusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg/Br., spielt sehr solide, aber nicht überragend. Das gilt ebenso für die Jenaer Philharmonie, Thüringens größtes Konzertorchester, das hier von Johannes Moesus geleitet wird.