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Samstag, 24. Juli 2021

Mendelssohn Bartholdy: Te Deum (Hänssler Classic)

 


Was für ein Chorklang! Wenn Frieder Bernius mit dem Kammerchor Stuttgart das Te Deum von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführt, dann ist man beinahe geneigt zu vergessen, dass diese Vokalmusik einst nicht für einige wenige professionell trainierte Sänger, sondern für stimmgewaltige Massen von Amateuren komponiert worden ist. 

Dass diese Werke seinerzeit nicht von Profis, sondern von ambitionierten Laien – die Singakademie Berlin hatte zu Mendelssohns Zeiten mehr als 200 Mitglieder! – gesungen worden sind, lässt uns heute nur noch staunen. Dennoch entscheidet sich Bernius gegen einen derartigen Riesenchor; er vertraut nicht nur das Te Deum, sondern auch noch Mendelssohns Hora est und Ave Maria „seinem“ Kammerchor Stuttgart an. 

Eine gute Entscheidung, denn die kleine Besetzung lässt die Polyphonie dieser selten aufgeführten geistlichen Werke in einer Klarheit hervortreten, die begeistert. Es ist herrliche Musik, und sie wird hier in geradezu transzendenter Schönheit zelebriert. Ich habe jede Sekunde dieser Aufnahme genossen. Unbedingt anhören, lohnt sich! 


Mittwoch, 28. August 2019

Bach's Family - Choral Motets (Hänssler Classic)

Mit seinen vielen Schülern, zu denen auch seine Söhne gehörten, hat Johann Sebastian Bach das Musikleben seiner Zeit wohl mehr geprägt als durch seine Werke. Auf dieser CD sind Choralmotetten aus diesem Umfeld zu hören, bestens interpretiert vom Stuttgarter Kammerchor unter Leitung von Frieder Bernius. 
Zwei der dafür ausgewählten Werke stammen von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795). Der zweitjüngste Bach-Sohn galt an den Tasten als der „stärkste Spieler“ der jüngeren Generation – was kein geringerer als sein Bruder Wilhelm Friedemann Bach festgestellt hat, der ja bekanntermaßen ebenfalls ein Virtuose an Orgel und Cembalo war. Dennoch ist Johann Christoph Friedrich Bach, der zeitlebens als Kammermusiker am Hofe des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe in Bückeburg wirkte, eher wenig bekannt. 
Das gilt auch für Johann Christoph Altnickol (1719 bis 1759). Er stammte aus der Oberlausitz; 1744 kam er zum Studium nach Leipzig, und wurde bald darauf auch Bachs Schüler und Assistent. So wurde er zwar kein Pfarrer, aber Organist an der Stadtkirche St. Wenzel in Naumburg, und Bachs Schwiegersohn. 

Samstag, 3. September 2016

Danzi: Der Berggeist (Carus)

Der Berggeist Rübezahl mag Menschen nicht. Zur Strafe für sein rücksichtsloses Benehmen wurde seine Gattin, die mildtätige Nixen- königin Erli, in den Tiefschlaf versetzt – und aufwachen wird sie erst, wenn eine Jungfrau den Zauber löst. Was tun? Rübezahl versucht es mit guten Taten. Er bringt verirrte Wanderer wohlbehalten nach Hause, und übergibt der Tochter obendrein ein Säckel, das ein Vermögen ent- hält. 
Doch das Geld bringt Anne kein Glück, denn ihr Vater hält sich nun für einen reichen Mann, und will die Tochter mit dem Geldgeber verheiraten. Anne ist aber bereits verlobt – und gelobt ihrem Heinrich ewige Treue. Rübezahl hat alle Hände voll zu tun, die Verwicklungen zu lösen, die sich daraus ergeben. Und natürlich geht am Ende die Geschichte, die Franz Ignaz Danzi (1763 bis 1826) in seiner Oper Der Berggeist erzählt, gut aus. 
Danzi wuchs in Mannheim auf. Seine Ausbildung erhielt er durch den Vater, einen exzellenten Cellisten, und durch den berühmten Abbé Vogler. Als die kurfürstliche Hofkapelle nach München umzog, blieb er zunächst in Mannheim. 1784 wurde er in München Nachfolger seines Vaters in der Position des Solo-Cellisten, später stieg er zum Vize-Kapellmeister auf. Nach einer Zwischenstation in Stuttgart wirkte er ab 1812 als Hofkapell- meister in Karlsruhe. 
Auch wenn Danzi heute in erster Linie für seine Instrumentalmusik bekannt ist, war er doch der Oper sehr zugetan und auch ein passionierter Opernkomponist. Der Berggeist oder Schicksal und Treue wurde 1813 im Hoftheater Karlsruhe uraufgeführt. Danzi selbst nannte das Werk eine romantische Oper; allerdings ist diese, anders als beispielsweise Der Freischütz von Carl Maria von Weber, eher durch Ensembleszenen geprägt als durch Arien. Das Übersinnliche ist stets präsent. Und Danzi lässt seine Geister gern dramatisch vom Orchester umwittern, das, bei allen lieblichen Melodien, hier doch eher Farbe liefert. 
Frieder Bernius hat mit Kammerchor und Hofkapelle Stuttgart dieses Opus aus dem Archivstaub erweckt und sich an die Weltersteinspielung gewagt. Die Rollen – und das sind ziemlich viele! – sind solide mit jungen Sängern besetzt, darunter mit Vincent Frisch sogar ein Knabensopran. Fürs heutige Theater wäre die Oper eher nichts, fürchte ich – aber musikhistorisch bedeutsam ist das Werk ohne Zweifel. 

Freitag, 25. März 2016

Bach: Matthäus-Passion (Carus)

Bachs Matthäus-Passion hat Frieder Bernius mit seinen beiden Ensembles, dem Kammerchor Stuttgart und dem Barockorchester Stuttgart, für Carus neu eingespielt. Diese Edition gibt es in zwei Varianten – als normale CD im Jewel-Case, und als limitierte Deluxe-Ausgabe im SACD-Format. Die Notenedition, die die Grundlage dieser Aufnahme bildet, ist ebenfalls bei Carus erschienen. 
Die Matthäus-Passion gehört zu jenen Werken, die alle Jahre wieder von neuen Formationen mit mehr oder minder neuen Konzepten vorgestellt werden. Vergleicht man die Einspielung, die Bernius nun präsentiert, mit prägnanten Aufnahmen aus früheren Jahren, so wird man ziemlich enttäuscht sein: Glattpolierte Orchesterklänge, lieblos dahingeschluderte Da-capo-Arien, die gähnende Langeweile bereiten – so öde habe ich beispielsweise Ich will dir mein Herze schenken wirklich noch nie gehört – Chöre, die einfach nur laut sind statt eindrücklich, und, als Zugabe, satte Schlussritardandi bei fast jedem Stück. Einziger Lichtpunkt ist Tilman Lichdi in der Partie des Evangelisten. Schade drum! ich hatte mir von dieser exzellenten Besetzung wesentlich mehr erhofft. 

Samstag, 14. März 2015

Carl Philipp Emanuel Bach: Die Israeliten in der Wüste (Carus)

Das Oratorium Die Israeliten in der Wüste erklang erstmals 1769 zur Einweihung der neu errichteten Lazarett-Kirche vor den Toren der Stadt Hamburg. Seit anderthalb Jahren wirkte Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) damals als Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der fünf Hauptkirchen in der Hansestadt. Anders als sein Vater seinerzeit in Leipzig, betrieb der junge Bach keinen Aufwand, um die gut 120 kirchenmusikalischen Anlässe jährlich möglichst rasch mit eigenen Werken zu bestreiten. So gibt es von Bach filius keine Kantatenjahrgänge. Desto mehr Beachtung fand seinerzeit dieses Oratorium, das schildert, wie die Israeliten bei ihrem Zug durch die Wüste nach Wasser seufzen. Sie fangen an, zu zweifeln, zu murren und sich gar zurück nach Ägypten zu sehnen – all dies natürlich in schönstem Operngesang. Das Volk klagt und mault in wohlgeordneten, harmoni- schen Chören – ebenso wohlsortiert wird es dann jubeln, nachdem Moses dafür gesorgt hat, dass Wasser aus dem Felsen fließt. Die Zeitgenossen waren davon sehr angetan: „Ein Meisterstück des Herrn Capellm. Bachs, denn es herrscht ein solcher fliessender, angenehmer und natürlicher Gesang darinnen, wie in Kayser (Keiser) und Graun nur jemals gehabt haben“, lobte beispielsweise Johann Friedrich Reichardt, königlich-preus- sischer Hofkapellmeister. Bei Carus ist anlässlich des 300. Geburtstages von Carl Philipp Emanuel Bach, nach der hauseigenen Notenedition, auch eine Einspielung des Werkes erschienen. Damit ehren Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart gemeinsam mit dem Barockorchester Stuttgart den Jubilar. Erwähnenswert ist hier zudem noch Bassist Tobias Berndt, ein wirklich charismatischer Moses. 

Sonntag, 18. November 2012

Bach: Motetten; Bernius (Carus)

Aufnahmen von Bachs Motetten gibt es in großer Zahl. Ob im Chor oder in solistischer Besetzung, mit Knabenstimmen, mit Orchester oder nur mit Continuo - vom Thomanerchor bis hin zur Rheini- schen Kantorei, vom Niederländi- schen Kammerchor über das Collegium Vocale Gent bis zum Bach Collegium Japan und vom Monteverdi Choir bis zu Amar- cord, man muss nur kurz beispielsweise bei Amazon das Stichwort eingeben, und wird eine riesige Auswahl vorfinden. Auch Frieder Bernius hat mit dem Kammerchor und dem Barockorchester Stuttgart 1989 bereits eine Version eingespielt. 
Warum er sich entschlossen hat, nun noch einmal diese Werke vorzulegen, das würde der neugierige Hörer gern aus dem Beiheft zu dieser CD erfahren. Doch dort findet sich lediglich ein langer Text, der sich mit Echtheits- und Überlieferungsproblemen auseinandersetzt. Das ist ja ganz nett, aber es macht uns nicht schlauer. 
Und die Aufnahme erklärt es ebenfalls nicht. Auch wenn Bernius hier auf das Orchester gänzlich verzichtet und die Motetten pur, nur unter Mitwirkung von Hartwig Groth an der Gambe und Christof Roos an der Orgel, vortragen lässt. Vielleicht ist es ein Wunsch des Labels, denn die populären Motetten werden sicherlich Umsatz bringen - zumal wenn sie so perfekt gesungen erklingen. 
Der Kammerchor Stuttgart singt harmonisch und ausbalanciert, das Ensemble zeigt - wie gewohnt - sängerische Brillanz und einen un- glaublich ausgewogenen Chorklang. Darüber geht allerdings jeglicher Affekt flöten. Was für ein Jammer! Ich lasse dich nicht klingt hier genauso wie Singet dem Herrn ein neues Lied oder Jesu meine Freude. Gerade von Bernius und seinem stimmstarken Ensemble hatte man mehr erhofft als eine bloße Hochglanz-Aufnahme. Doch so enttäuscht diese CD mit Schönklang, der Langeweile verbreitet. Schade! 

Mittwoch, 30. Mai 2012

Nicolai: Herr, auf dich traue ich (Carus)

Otto Nicolai (1810 bis 1849) ist bekannt als Opernkomponist, nicht zuletzt  durch Die lustigen Weiber von Windsor. Bekannt ist vielleicht noch, dass er auch ein grandioser Dirigent gewesen sein soll - und dass er die Wiener Philharmoniker gründete. 
Dabei war Nicolai in erster Linie Kirchenmusiker. Seine musikali- sche Ausbildung erhielt er am Kö- niglichen Institut für Kirchenmusik in Berlin. 1833 wurde er Organist der preußischen Gesandtschafts- kapelle in Rom. Dort lernte er Giuseppe Baini, den Leiter der päpstli- chen Kapelle, kennen, und vertiefte bei ihm seine kirchenmusikali- schen Studien. Nicolai interessierte sich insbesondere für die Werke der alten italienischen Meister, die er teilweise bereits als Mitglied der Sing-Akademie zu Berlin mit aufgeführt hatte. 
Nach einigen Jahren als Kapellmeister und Opernkomponist kehrte er schließlich zurück nach Berlin, um dort für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zu arbeiten. 1847 wurde er der Nachfolger Felix Mendelssohn Bartholdys in der Position des Hof- und Dom- kapellmeisters. 
Diese CD enthält einige der Werke, die Nicolai für die Kirchenmusik schuf; zum größten Teil in Weltersteinspielung. Sie orientieren sich überwiegend am italienischen Vorbild - und sind bis auf Psalmus 54, ein grandioses, zehnstimmiges Werk für die Sing-Akademie, das Nicolai 1834 komponiert hat, und das Assumpta est Maria durchweg für den Domchor und auf Wunsch des Königs entstanden. 
Es sind spannungsvolle Werke, die romantische Harmonik und poly- phone Strukturen gern miteinander kombinieren. Einige davon, wie die Vertonung des 31. und des 97. Psalms, enthalten zudem umfang- reiche Solopartien. Der Kammerchor Stuttgart singt diese interes- santen Kompositionen, geleitet von Frieder Bernius, in gewohnt exzellenter Manier. Er gilt vollkommen zu Recht als eines der welt- besten Ensembles. Bravi! 

Donnerstag, 11. August 2011

Zumsteeg: Die Geisterinsel (Carus)

Johann Rudoph Zumsteeg (1760 bis 1802) war der Sohn eines Kammerdieners des Herzogs von Württemberg. Im Alter von zehn Jahren wurde er in die Pflanzschu- le Carl Eugens aufgenommen, der diese Eliteschule gegründet hatte, um Künstler, Beamte und Militärs heranzuziehen, die dem Hof ver- pflichtet waren. Zumsteeg sollte zunächst Bildhauer werden, dann aber wurde seine musikalische Begabung erkannt und gefördert. Als er im September 1781 die Karlsschule verließ, fand er sofort Anstellung als Cellist und Kompo- nist bei Hofe.
Anders als sein Schulfreund Schiller, wusste sich der junge Musiker in Württemberg zu arrangieren. Und als sein einstiger Lehrer Augustin Maria Benedict Poli 1793 seinen Abschied nahm, wurde Zumsteeg sein Nachfolger im Amt des Hofkapellmeisters - mit einem Gehalt von immerhin 2300 Gulden. 
Frieder Bernius hat nun mit seinem Kammerchor und der Hofkapelle Stuttgart ein Werk Zumsteegs wiederentdeckt, das zu den großen Erfolgen des Komponisten gehört: Das Singspiel Die Geisterinsel, 1798 in Stuttgart uraufgeführt und seinerzeit ungemein populär. So erbat die französische Kaiserin Josephine Beauharnais 1806 von Zumsteegs Witwe die Partitur, um das Stück übersetzen und in Paris aufführen zu lassen. 
Das Libretto von Friedrich Hildebrand Freiherr von Einsiedel und Friedrich Wilhelm Gotters basiert auf Shakespeares Sturm, bearbeite- te diese Vorlage allerdings sehr frei, um sie operntauglich zu machen. Und Zumsteeg hat nicht nur Mozarts Opern in Stuttgart aufgeführt, sondern von seinem Wiener Kollegen offenbar auch allerhand gelernt. Es ist gewiss kein Zufall, dass Die Geisterinsel mitunter stark an Mo- zarts Zauberflöte erinnert. 
Zauberopern - wenn möglich, mit aufwendiger Bühnentechnik - waren damals groß in Mode. Zumsteegs Singspiel ist aber nicht deshalb attraktiv. Interessant ist das Stück deshalb, weil es nicht in Sprech- texte, die die Handlung vorantreiben, und Arien, die der Reflexion dienen, zerfällt. Wenn es hier Dialoge gab, dann hat Bernius sie ge- strichen - und man vermisst sie nicht. Zumsteeg hat kühn durchkom- poniert, und schuf ausdrucksstarke Arien und Ensembles, die mit- unter noch die italienische Schule erkennen lassen, originelle Chöre sowie ausgedehnte Finalszenen. An ihnen wird freilich auch spürbar, dass Zumsteeg doch nicht Mozart war. 
Gut gelungen sind ihm jedoch die Charakterisierung seiner Figuren mit musikalischen Mitteln sowie die Instrumentierung, die vor allem den Holzbläsern dankbare solistische Aufgaben beschert. Die Musiker der Hofkapelle Stuttgart spielen engagiert, und der Chor sowie die meisten Solisten können sich ebenfalls hören lassen. So ergänzt diese Weltersteinspielung bei Carus nicht nur unser Bild von der Oper der Frühromantik. Sie rückt auch das Schaffen eines Komponisten wieder in unseren Blick, der nicht umsonst von seinen Zeitgenossen als "Mozart Württembergs" gefeiert wurde.