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Samstag, 29. Februar 2020

Vivaldi: The four seasons (Sony)

Als 2Cellos haben Luka Šulić und Stjepan Hauser sich ihren Platz im Musikbusiness erobert. Die beiden Cellisten sind sowohl im Konzert als auch mit ihren Videos und Alben überaus erfolgreich. Über Genregrenzen hinweg haben sie das Publikum mit ihrem virtuosen Violoncellospiel begeistert. 
Nach sieben Jahren auf Tour mit 2Cellos haben sich die Musiker nun eine Auszeit für ein erstes Soloprojekt genommen. Und das führt nach all dem Crossover beide in eher klassische Gefilde. Luka Šulić hat sich dem bekanntesten Werk von Antonio Vivaldi gewidmet – und die Vier Jahreszeiten für Cello und Streichorchester arrangiert. 
„Während meiner ganzen Karriere habe ich immer versucht, neuen Zuhörerkreisen, die Musik, die ich liebe und mit der ich aufgewachsen bin, nahe zu bringen“, sagt der Musiker. „Vivaldis Vier Jahreszeiten sind ein Stück, das sofort jeder wiedererkennt und sie sind damit genau der richtige Einstieg in die klassische Musik.“ 
Mit dieser Einspielung erfüllt sich Luka Šulić einen Herzenswunsch. Denn schon als Kind hat der Cellist Vivaldis berühmte Violinkonzerte auf seinem Instrument gespielt. Und seine Ausbildung ist grundsolide; er hat an der Royal Academy of Music in London studiert. Ein bisschen Drive nimmt er aus dem Crossover mit in diese erste klassische Einspielung. Šulić interpretiert „seinen“ Vivaldi mit rhythmischer Präzision, und mit betörend schönem Ton. Der wunderbare Klang des Violoncellos steht den Vier Jahreszeiten ausgezeichnet. Begleitet wird Luka Šulić vom Kammerensemble Archi dell’Accademia di Santa Cecilia unter Leitung von Luigi Piovano. 

Donnerstag, 20. September 2018

Vivaldi: The Folk Seasons (Alba)

Dass auch Musiker aus dem hohen Norden italienische Leidenschaft entwickeln können, beweist diese CD: Das finnische Ensemble Barocco Boreale hat die berühmten Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi eingespielt – und das Programm dann gleich noch durch die Konzerte RV 114, RV 522 und RV 511 komplettiert. Die Solisten, Kreeta-Maria Kentala und Siiri Virkkala, musizieren gekonnt, aber für meinen Geschmack erstaunlich brav. Farbe bringt allerdings das begleitende Ensemble, das nicht nur die üblichen Streich-, Zupf- und Tasteninstrumente, sondern obendrein allerlei Über- raschungen bereit hält – neben Harfe, Psalterium und Kantele erklingen so auf der CD auch Vogelpfeifen. Nette Idee! 

Samstag, 11. Februar 2017

Vivaldi: The Four Seasons; Standage (CRD)

Eine schöne alte Aufnahme aus dem Jahre 1978 ist nun wieder zugäng- lich: Das Ensemble The English Concert spielt mit seinem Konzert- meister Simon Standage unter Leitung von Trevor Pinnock Konzerte von Antonio Vivaldi. Zu hören sind Die vier Jahreszeiten, sowie La Tempesta di Mare RV 253 – eigentlich ein Flötenkonzert – und das Konzert RV 180, Il Piacere. Gegründet 1972, gehörte The English Concert zu den Pionieren der historischen Aufführungspraxis, die auf „alten“ Instrumenten musizierten und versuchten, dabei auch längst vergessene Spieltechniken wieder zu rekonstruieren. Trevor Pinnock, noch immer aktiv als Cembalist und Dirigent, feierte im Dezember 2016 seinen 70. Geburtstag – wir gratulieren noch nachträglich!

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Bach: Violin Concertos / Vivaldi: The Four Seasons (Eloquence)

Und da wir gerade über Salvatore Accardo geschrieben haben – bei Eloquence sind jüngst gleich ein halbes Dutzend CD bzw. Doppel-CD erschienen, die berühmte Einspie- lungen des Geigers wieder zugänglich machen. Die Aufnahmen machen zugleich deutlich, wie sehr die Ansichten von Musikern darüber, wie eine Partitur zu interpretieren ist, Veränderungen unterliegen – man ist mitunter beinahe geneigt, es „Moden“ zu nennen. Man höre nur, mit welcher Sorgfalt Accardo Bach spielt. Da wird jeder Ton zu hundert Prozent geformt, jede Phrase aufmerksam gestaltet. Entsprechend langsam sind die Tempi gewählt; doch selbst im Vivace gibt es keine in Rasanz verschwim- menden Tonleitern, keine verhuschten Figurationen. Accardo lässt seine Geige singen – eine Kunst, die man heutzutage suchen kann. Die Bach-Aufnahmen mit dem Chamber Orchestra of Europe entstanden 1985, darunter sind interessante Adaptionen von Cembalokonzerten, teils durch Accardo selbst. 
Kombiniert sind Bachs Konzerte auf einer Doppel-CD mit den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Accardos Aufnahme dieser Konzerte mit den I Solisti di Napoli verdankt ihren aufsehenerregenden Klang nicht zuletzt legendären Violinen: Der Musiker spielte 1987 in seinem Konzert auf dem Cremona Festival, bei dem dieser Live-Mitschnitt entstanden ist, gleich drei Geigen von Antonio Stradivari. Zu hören sind im Frühling die Il Cremonese aus dem Jahre 1715, einst ein Instrument von Joseph Joachim und nun der Stadt Verona gehörend, im Sommer die Le Reynier (1727), im Herbst die Firebird ex Saint Exupéry (1718), und im Winter schließlich noch einmal die Le Reynier. Dieses Instrument wird auch als Hart ex Francescatti bezeichnet; es befand sich damals, wie auch die Firebird, im Besitz von Salvatore Accardo. Es ist faszinierend, wie der Geiger es versteht, die individuellen Vorzüge der drei Instrumente voll zur Geltung zu bringen und für seine Interpretation zu nutzen. 

Mittwoch, 2. November 2016

Vivaldi: The Four Seasons; Sato (Berlin Classics)

„Haargenau folgen, was auf dem Blatt steht: Das ist eine Vorstellung, die den Musikern bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts komplett fremd war“, sagt Shunske Sato, der Kon- zertmeister des Ensembles Concerto Köln. Im Barockzeitalter hätte das niemand so gemacht: „Das Inter- pretieren – also Arrangieren, Komponieren, Vierzieren, also letztlich ein eigenes Werk aus einem vorhandenen Stück zu kreieren – war ein Beweis dafür, dass man ein wahrer Musiker ist.“ 
Wie diese Freiheit klingen kann, wenn sie genutzt wird, das demonstrieren die Musiker, sämtlich Spezialisten im Bereich der historischen Aufführungspraxis, mit dieser Aufnahme der wohl bekanntesten Konzerte der Musikgeschichte – Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Dabei sind sie konsequent; auch der Hörer soll die Musik so erleben, als säße er im Konzert – ohne technische Tricks und aufwendige Nachbearbeitung. Entstanden ist dieser Mitschnitt als Ergebnis der engen Partnerschaft des Orchesters mit dem High-End-Audio-Spezialisten MBL, die bereits seit 2009 besteht. MBL baut seit 1979 in Berlin exzellente Stereoanlagen, die von Kennern sehr geschätzt werden. 
Der langjährige Chefentwickler des Unternehmens, Jürgen Reis, ist Musiker und Tonmeister, und er lässt es sich nicht nehmen, persönlich alle Aufnahmen durchzuführen, die das Prädikat MBL tragen dürfen. Das bedeutet in diesem Falle: Keine Schnitte, kein Absetzen und Neuanfangen, nur ein Take, keine Kompressoren, kein künstlicher Hall. Nur die Musiker und ihr Spiel, der umgebende Raum – in diesem Falle die Paterskirche in Kempen mit ihrer hervorragenden Akustik – und natürlich die Musik. 
„Jedes Mal, wenn ich mir die Partitur der Quattro stagioni anschaue, bin ich erstaunt, wie einmalig sie sind“, sagt Shunske Sato. „Ich weiß, das klingt nach einem Klischee, aber die Genauigkeit der Orchestrierung, die Originalität der Harmonien, die Kompromisslosigkeit hinsichtlich der Expressivität, der Sinn für die Dramatik, kein Ton zuviel oder zu wenig – das ist meisterhaft.“ Vor und zwischen den vier Konzerten wurden noch zwei weitere Werke Vivaldis eingefügt, die Zäsuren setzen und aufhorchen lassen – die dramatische Sinfonia Al Santo Sepolcro RV 169, geschaffen wahrscheinlich für die Karwoche, und das zauberhafte Concerto RV 156, eine Lieblingszugabe des Ensembles. 
Im Spannungsfeld von armonia und inventione bewegen sich die Musiker von Concerto Köln sehr souverän; sie deuten die Partitur mit expressivem Spiel aus, und der Solist nutzt alle Möglichkeiten, um gekonnt zu improvisieren. Dabei verzichten die Musiker aber auf Mätzchen – es geht um Ausdruck, nicht um Geschwindigkeitsrekorde oder besonders ruppiges Spiel. Das Ergebnis ist gelungen; die Musiker erschaffen mit Tönen Klanggemälde, denen man gut folgen kann, auch wenn man die Verse, an denen sich Vivaldi einst orientierte, gar nicht kennt. Man hört die Hitze über den sommerlichen Feldern flimmern, die Vögel zwitschern, die Blitze zucken, die Hunde bellen, und so klirrend kalt war auch der Winter selten. 
„Was wir da machen, ist eigentlich bescheiden“, meint der Konzertmeister. „Wir tauschen keine Sätze aus, wie es im Barock üblich war. Ich prälu- diere nicht, und es werden auch keine eigenen Kompositionen einge- schoben. (..) Wir möchten das Publikum unterhalten und überraschen – eben zeigen, was so viel mehr noch in den eigentlich recht bekannten Noten steckt.“ Perfekt! 

Donnerstag, 29. September 2016

Vivaldi: The Four Seasons (Challenge Classics)

„Warum Vivaldi? Warum die Vier Jahreszeiten und warum gerade jetzt? Diese Fragen stellen sich sicherlich viele Freunde, die den Werdegang von Ars Antiqua Austria seit Jahren mitverfolgt haben“, schreibt Gunar Letzbor im Beiheft zu dieser CD. „Die Verlockung, seine Musik auf unsere Konzertprogram- me zu setzen, war sicherlich immer groß. Allein sein Name garantiert viele Besucher und erleichtert Ver- handlungen mit Konzertveran- staltern“, räumt der Geiger ein. 
Dagegen spricht, dass die Musik des berühmten Venezianers heutzutage allgegenwärtig ist. Die vier Jahreszei- ten sind derzeit wohl das am häufigsten aufgenommene Werk der Musik- geschichte. Und um in diesem Wust an Einspielungen wahrgenommen zu werden, entwickeln Musiker einen geradezu olympischen Ehrgeiz: „Wer spielt eigentlich die Läufe (..) am schnellsten? Wer kratzt, quietscht, heult, säuselt, klopft und donnert daselbst am extremsten? Wer hier punkten will, muss alles Bisherige überbieten“, ätzt Letzbor. „Es ist wie bei einer Sportveranstaltung. Da zählen Millimeter und Hundertstel- sekunden!“ 
Auf der CD hat Ars Antiqua Austria Die vier Jahreszeiten mit dem Violin- konzert in d-Moll von František Jiránek (1698 bis 1778) gekoppelt. Der Zusammenhang ergibt sich über den Widmungsträger – „Signor Venceslao Conte di Marzin“, Graf Wenzel Morzin, dem Vivaldi verbunden war, und dem er Die vier Jahreszeiten widmete. Jiránek, Sohn von Bediensteten des Grafen, schickte dieser im Jahre 1624 zur Ausbildung nach Venedig, wo er drei Jahre lernte – bei Vivaldi oder aber in dessen Umfeld. Nach Prag zurückgekehrt, musizierte er wieder in der Kapelle des Grafen. 1637, nach dem Tode seines Dienstherren, ging er nach Dresden, wo er in der Kapelle des Grafen Brühl wirkte. Er verbrachte des Rest seines Lebens in der sächsischen Residenzstadt. Überliefert sind von ihm ausschließlich Instrumentalwerke, wobei die Geige klar im Mittelpunkt seines Schaffens steht. Das Konzert auf dieser CD kombiniert auf eine ausgesprochen reizvolle Weise böhmische und italienische Einflüsse. Mir persönlich gefällt auch die Interpretation dieser Entdeckung weit besser als das Resultat von Letzbors Auseinandersetzung mit den Vier Jahreszeiten. Denn der Versuch, Vivaldis berühmte Violinkonzerte frisch und unver- braucht klingen zu lassen, führt letzten Endes auch Letzbor und das Ensemble Ars Antiqua Austria ins Extrem. Diese Musik einfach Musik sein zu lassen, und weder ins Sportive noch ins Theatralische zu übertreiben, das muss enorm schwierig sein. 

Donnerstag, 10. März 2016

Vivaldi in Dresden (Oehms Classics)

Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) war nie in Dresden – als seine Musik in Venedig aus der Mode kam, reiste er 1740 nach Wien. Vergeblich hoffte er auf Unterstützung durch den Kaiser. In der sächsischen Landeshauptstadt hingegen wäre Vivaldi wahrschein- lich in Ehren empfangen worden. Denn seine Musik wurde dort sehr geschätzt und liebevoll gepflegt. 
Zur Zeit Augusts des Starken und seines Sohnes August III. hatten sächsische Musiker beste Verbin- dungen zu ihren Kollegen in Italien. Der Violinvirtuose Johann Georg Pisendel beispielsweise, langjähriger Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle, reiste zu Studienzwecken nach Venedig, wo er bei Vivaldi Unterricht nahm, und zudem fleißig Werke führender italienischer Komponisten kopierte. Die Sammlung Pisendels umfasst sagenhafte
1.800 Musikalien; sie wurde im legendären „Schranck No: II“ überliefert und befindet sich heute im Bestand der Sächsischen Landes- und Uni- versitätsbibliothek Dresden. 

Hansjörg Albrecht, Dirigent, Organist und Cembalist, hat sich von der Dresdner Vivaldi-Tradition zu einer CD-Einspielung inspirieren lassen. An der Silbermann-Orgel der Hofkirche Dresden – es ist die größte Orgel, die Gottfried Silbermann je gebaut hat, und sie ist hörbar italienischen Vorbildern verpflichtet – spielt er Orgelbearbeitungen berühmter Konzerte des Komponisten. Die Arrangements des Konzertes in d-Moll RV 565 aus L'Estro Armonico und des Konzertes in C-Dur RV 208 Il grosso Mogul stammen von keinem geringeren als Johann Sebastian Bach; er hat Vivaldis Werke mit großer Aufmerksamkeit studiert und meisterhaft bearbeitet. 
Ebenfalls in Geiste Bachs hat Heinrich E. Grimm Vivaldis berühmteste programmatische Konzerte, Die vier Jahreszeiten, für die Orgel transkri- biert. In dieser Version werden erstaunlich viele Details hörbar, die in dem vertrauten Streicherklang weit weniger auffallen. Man lausche nur dem Gesang der Vögel, der fröhlichen Jagd oder dem Brausen des Sturms – dank Orgelwind ziemlich authentisch! 

Samstag, 5. März 2016

Huberman Festival 1982 (Deutsche Grammophon)

Im Dezember 1982 versammelten sich einige der weltbesten Geiger in Tel Aviv, um eine Woche lang in Konzerten an das Leben und Schaffen von Bronislaw Huberman (1882 bis 1947) zu erinnern. Huberman war ein bedeutender Geiger; er stammte aus Polen, und hatte zunächst bei Isidor Lotto und dann auch ein wenig in Berlin bei Joseph Joachim studiert. Konzertreisen führten ihn schon in jungen Jahren quer durch Europa, in die USA und auch nach Russland. 
Huberman trat ganz entschieden für ein friedliches, geeintes Europa ein. Hitlers Aufstieg war ihm ein Greuel. Und in den 30er Jahren gelang es Huberman tatsächlich, viele jüdische Musiker aus Nazideutschland herauszuholen. 1936 gründete er das Palestine Orchestra, das sich ab 1948 Israel Philharmonic nannte. Im Gedenken an seinen hundertsten Geburtstag organisierten die Musiker ein Geigenfestival, wie es bislang wohl kein zweites gegeben hat. 
Zubin Mehta, dem Leiter des Israel Philharmonic Orchestra, war es gelungen, Ida Haendel, Isaac Stern, Itzhak Perlman, Ivry Gitlis, Henryk Szeryng, Pinchas Zukerman und Shlomo Mintz dafür zu gewinnen. Außerdem spielten zwei Mitglieder des Orchesters, Konzertmeister Chaim Taub und der Bratscher Daniel Benyamini, sowie zwei junge Talente, die 13jährige Shira Rabin und der 12jährige Roi Shiloah. Mehta brachte es fertig, diese Stars dazu zu bringen, nicht nur die Standard-Konzerte zu spielen, sondern auch Werke, die eher wenig bekannt sind. Auf zwei CD hat die Deutsche Grammophon einige Live-Mitschnitte veröffentlicht. Enthalten sind das Bach-Doppelkonzert mit Isaac Stern und Shlomo Mintz, Mozarts Sinfonia concertante in einer bezaubernden Aufnahme mit Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman, der dabei die Viola spielte, und Vivaldis Vier Jahreszeiten, wobei jedes der vier Konzerte von einem anderen Solisten vorgetragen wurde. Den Reigen eröffnete Isaac Stern mit dem Frühling, darauf folgten Pinchas Zukerman mit dem Sommer, Shlomo Mintz mit dem Herbst und Itzhak Perman gestaltete das Finale mit dem Winter. Es sind wunderbare, entspannte, klassische Aufnahmen ohne überzogene individuelle Mätzchen, dafür aber mit zahlreichen witzigen Details, wie dem Hundebellen, das wohl Benyamini aus dem Orchester beisteuerte, und mit einer köstlichen Jagdszene. 
Selten zu hören ist das Concerto grosso in b-Moll für vier Violinen, op. 3 Nr. 10 RV 580 von Antonio Vivaldi. Bei diesem Werk, das im abschließen- den Galakonzert gespielt wurde, konzertierten gemeinsam Isaac Stern, Ivry Gitlis, Ida Handel und Shlomo Mintz. Leider ist auf der Doppel-CD Henryk Szeryng nicht zu hören. Dennoch ist es erfreulich, dass nun diese bedeutenden Live-Mitschnitte wieder erhältlich sind. So viele exzellente Geiger, die miteinander musizieren, wird man so bald nicht wieder finden - das Huberman Festival war ohne Zweifel ein Jahrhundert-Ereignis!  

Freitag, 9. Oktober 2015

Vivaldi: The four Seasons; Lakatos (Avanticlasssic)

Zum allerersten Mal hat Roby Lakatos ein Klassik-Album eingespielt – mit einem Werk, das keinen Bezug zur traditionellen Zigeunermusik hat, Vivaldis Vier Jahreszeiten. „Davor hatte ich sie zuletzt im Alter von 13 Jahren aufgeführt“, erinnert sich der Geiger, „an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest.“ Im Beiheft zu dieser CD erläutert er, dass ihn insbesondere die Freiheit interessiert, die das Stück bietet: „Die Partitur hält eine Reihe von technischen Herausforderungen bereit, erlaubt es aber dem Interpreten dennoch, sein ganzes Talent und seine musikalische Persönlichkeit herauszustellen.“ 
Lakatos spielt also seinen Vivaldi nach Zigeuner-Art (und, liebe Leser, bitte keine bösen Kommentare wegen dieser Wortwahl! Denn genau so benennt der Musiker selber seinen Zugang zu dieser Musik.) „Ich nehme an, die Zuhörer erwarten von mir jetzt nicht, dass ich mich streng an die Noten halte“, schreibt Lakatos. „Es gibt schon mehr als 150 Aufnahmen, die diesen Zweck erfüllen. Meine Herausforderung war es, mit diesem Album Vivaldi eine Hommage zu machen für seine Kreativität und Freiheitsdenken beim Komponieren. Ich wollte diesen speziellen Barock-Drive wiederfinden. Für mich war dieser ein Meilenstein in der Entwick- lung der klassischen Musik.“ 
Lakatos musiziert gemeinsam mit dem Brussels Chamber Orchestra. Dabei hat er das Cembalo durch ein Zymbal ersetzt, das von Jenö Lisztes wirklich hinreißend gespielt wird. Nun sind auch „freie“ Interpretationen der Vier Jahreszeiten nicht gerade Mangelware. Aber diese hier wirkt nicht erkünstelt und konstruiert, sondern tief empfunden. Lakatos’ Spiel strahlt eine Vitalität aus, der man sich nicht entziehen kann. 
Umrahmt werden Vivaldis Konzerte, gleichsam als Vor- und Nachspiel, durch Alpha und Omega, zwei Werke des ungarischen Komponisten Kálmán Cséki Sr. Alpha ist eine musikalische Reise; die vier Sätze beginnen mit der Schöpfung und enden auf Golgatha. Das Nachspiel, Omega, folgt unmittelbar auf Vivaldis Winter. Lakatos gestaltet gemeinsam mit Kálmán Cséki an Orgel, Keyboards und Synthesizier, Kálmán Cséki Jr. am Piano, László „Csorosz“ Lisztes am E-Bass und dem renommierten Percussionisten Gabriel Laufer den klingenden Weltuntergang. „Jeder gläubige Mensch ist davon überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Nach der Apokalypse in Omega erschien es mir daher logisch, ein Stück hinzuzufügen, bei dem es um den Himmel geht“, so Lakatos. „Das Schlussstück auf dem Album, das Ave Maria von Patriarch Ilya I. von Georgien, beschreibt die Rückkehr ins Paradies und ist eine Hommage an das Göttliche. Für mich drückt dieses musikalische Gebet mit Ernsthaf- tigkeit und großer Lyrik die Kraft des Glaubens an ein Leben nach dem Tod aus.“ Sämtliche Singstimmen eingespielt hat der Countertenor Dominique Corbiau. 

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Vivaldi: The Four Seasons; Bosgraaf (Brilliant Classics)

Erik Bosgraaf spielt Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi – auf der Blockflöte! Lauscht man dem Virtuosen, dann scheint das ein Kinderspiel zu sein. Man kann nur staunen, wie locker der Flötist auch die typisch geigerischen Figurationen auf seinem Instru- ment ausführt – geht es allerdings an die Kadenzen, dann zeigt Bos- graaf, dass er keineswegs darauf aus ist, die Violine nachzuäffen. „Het is gewoon herrlijk De Vier Jaargetijden op blokfluit te spelen“, meint der Niederländer. „Niet alleen omdat het zulke fantastische muziek is, maar ook omdat de vioolpartij zonder veel veranderingen verrassend goed op de blokfluit speelbar is. In sommige opzichten haast nog beter dan de concerten die Vivaldi speciaal voor blokfluit heeft geschreven!“ Das Ensemble Cordevento steht dem Flötisten dabei zuverlässig zur Seite. Was für ein Hör- vergnügen! Eine temperamentvolle Aufnahme, die rundum Freude macht. 

Dienstag, 25. Juni 2013

Vivaldi: Le Quattro Stagioni - La Follia (Coviello Classics)

Mit über hundert Einspielungen im Katalog gehören Vivaldis Vier Jahreszeiten zu den beliebtesten Werken der „klassischen“ Musik überhaupt. Warum also noch eine weitere Aufnahme auf den Markt bringen? 
„Der Schwerpunkt unseres Ansat- zes liegt also auf dem Erzählenden, auf Basis unseres Wissens um historische Aufführungspraxis, ergänzt um ein freies, intuitives Klangempfinden und Gesanglich- keit“, begründet Daniel Sepec im Beiheft, warum er gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilhar- monie Bremen dennoch eine eigene Version vorstellt. Der Geiger, der für seine Interpretation von Bibers Rosenkranzsonaten bereits den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik erhalten hat, setzt auf Klangbilder. So sollen Harfe, Cembalo und Laute im langsamen Satz des Konzertes L'Autunno einen „vernebelten Klang“ erzeugen, denn die Dorfbewohner liegen alkoholisiert herum. Der Betrunkene im ersten Satz wird durch unrhythmisches Spiel vorgeführt. Wer freilich die Geschichte kennt, die Vivaldi in seiner Musik erzählt, der kann leicht zu der Meinung gelangen, dass hier mitunter überzeichnet wird. 
Die Einspielung hat allerdings durchaus auch interessante Aspekte. Denn Sepec verwendet nicht die übliche, 1725 in Amsterdam im Druck erschienene Version als Quelle, sondern eine Fassung, die sich im sogenannten Manchester-Manuskript findet. Spannend ist diese Variante, weil sie offenbar älter ist als der Druck – und weil sie in etlichen Details abweicht. Insgesamt wirkt diese Version farbiger, runder, fertiger; das macht diese Aufnahme sehr reizvoll. 
Auch die Zugabe wird dem Hörer Freude bereiten: Sepec spielt ge- meinsam mit Florian Donderer La Follia, eine nicht ganz brave Sonate für zwei Violinen und Basso continuo. Um den Charakter dieses Werkes – Follia bedeutet soviel wie Verrücktheit oder Wahn- sinn – hervorzuheben, haben die Musiker das Continuo verstärkt, und Schlagwerk hinzugefügt. Das passt sehr schön, aber es  reicht letzten Endes doch nicht ganz bis zur Ekstase. 

Donnerstag, 5. Juli 2012

Vivaldi: The four seasons (Tafelmusik)

Tafelmusik, Kanadas renommiertes Barockensemble, überrascht hier mit einer nicht uninteressanten Aufnahme von Vivaldis berühmten Vier Jahreszeiten. Jeanne Lamon, die das Orchester von der Solo-Violine aus leitet, hat mit ihren Musikern eine Version erarbeitet, die zwar auf den ersten Blick eher unspektakulär wirkt, aber beim näheren Hinhören eine Vielzahl musikalischer Details offenbart. Tafelmusik verzichtet auf allzu brachiale Effekte; dafür gelingt es den Musikern aber, Vivaldis Pro- grammmusik so vorzutragen, dass die Inhalte, die der Komponist vermitteln wollte, hörbar werden - vom bellenden Hund bis zum betrunkenen Bauern und vom aufzuckenden Blitz bis zu den im Frost klappernden Zähnen. 
Ergänzt hat das Ensemble die vier Konzerte durch die Sinfonie h-Moll Am heiligen Grabe - eine Rarität, die man selten zu hören bekommt - und durch das Concerto für vier Violinen in h-Moll. Es ist hier in der Tat nur mit vier Violinen besetzt. Dazu gesellen sich zwei Bratschen, Violoncello und Kontrabass sowie Erzlaute und Cembalo. In dieser Minimalbesetzung klingt das Werk wunderbar. Gratulation an Tafel- musik für das gelungene Album. 

Sonntag, 31. Oktober 2010

Vivaldi Piazzolla Seasons - Daniel Rowland (Two Pianists)

Die Stellenbosch University Camerata, das Kammerorchester der südafrikanischen Hochschule, gaben ihr erstes Konzert vor zwei Jahren - und sie spielten etwas, das sie halb im Scherz "Die acht Jahreszeiten" nannten: Vivaldis berühmte Concerti, jeweils im Wechsel mit den Vier Jahreszeiten von Buenos Aires. Diese musikali- schen Reflexionen spiegeln ihr großes Vorbild, möglicherweise bis ins Zitat.  Astor Piazzolla hat sie zwischen 1964 und 1970 für sein eigenes Ensemble komponiert, in dem er Bandoneon gespielt hat. 
Es steht zu vermuten, dass er die Melodiestimme selbst übernommen hat; doch Rowland verweist im Beiheft darauf, dass auch ein Arrange- ment für die Vivaldi-Besetzung existiert. Dass die teils massiven Vivaldi-Zitate original von Piazzolla stammen, darf hier allerdings bezweifelt werden; ich denke vielmehr, dass sie möglicherweise vom Interpreten per Kadenz "hinübergeschmuggelt" wurden. 
Rowland wählt durchweg frische Tempi, und neigt zu akzentuiertem, mitunter sogar ruppigem Spiel. Das ist nicht unbedingt innovativ; erinnert sei hier an die Einspielung mit Nigel Kennedy. Vielleicht hält Rowland es für erforderlich, Vivaldis Concerti an Piazzollas markante Tangos sozusagen proletarisch anzunähern. Ob das sinnvoll ist, darüber mag jeder selbst befinden; Kontraste sind schließlich auch ganz reizvoll. Doch egal, was Rowland vorgibt - die jungen Musiker von den Stellenbosch University Camerata halten wacker mit. 
Einen Mangel aber hat diese Einspielung: Die Aufnahmen der vier Vivaldi-Concerte klingen ausgesprochen basslastig. Wer schon immer die Kontrabass-Partie dieser Werke studieren wollte - hier kann er dies ohne Probleme, denn dieses Instrument ist immer im Vorder- grund zu hören.