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Mittwoch, 3. August 2016

Celebrating David Geringas (Hänssler Classic)

Mit einer CD ehrt Hänssler Classic den Cellisten David Geringas, der jüngst seinen 70. Geburtstag feierte. Dazu wurden Aufnahmen zusam- mengestellt, die man fast durchweg als Meilensteine seines musikali- schen Weges betrachten kann. Die Auswahl war sicherlich nicht einfach, denn der Musiker hat fast hundert CD eingespielt; viele davon wurden mit Preisen ausgezeichnet. Zu hören ist beispielsweise der erste Satz, Allegro, aus dem Streichquin- tett in fis-Moll op. 63 von Walter Braunfels, interpretiert von Geringas gemeinsam mit dem Grigolts-Quartett. Für diese Aufnahme gab es 2013 den Echo Klassik sowie den Supersonic Award. 
Die CD beginnt mit dem ersten Satz aus der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Ich war in Moskau einer der wenigen Cellisten, der seine Sonaten überhaupt gespielt hat“, berichtet Geringas im Beiheft. „Im ersten Konzert, das ich mit meiner Frau Tatjana nach der Geburt unseres Sohnes Alexander gegeben habe, stand die zweite Sonate von Mendelssohn auf dem Programm. (..) Rostropowitsch saß übrigens damals im Konzert, und das hatte für meine Frau angenehme Folgen: Sie bekam ihre erste Anstellung als Lehrerin am Moskauer Konservatorium.“ 
Immer wieder hat Geringas auch Musikstücke uraufgeführt, darunter etliche Werke von Komponisten aus seiner Heimat Litauen. So erklingt auf dieser CD Musik von Osvaldas Balakauskas, Anatolijus Šenderovas und Vytautas Laurušas. „Das ganze Schaffen von Balakauskas ist so anders, so schwer zugänglich, mit so vielen technischen Problemen verbunden, dass es für mich eine der größten Herausforderungen wurde“, erläutert der Cellist. An die Grenzen des Unmöglichen zu gehen, ein tiefgreifendes Verständnis auch für komplexe Musik zu erarbeiten und durch das eigene Musizieren die Absichten der Komponisten hörbar zu machen, darauf legte bereits Mstislaw Rostropowitsch größte Wert, bei dem David Geringas einst studierte. „Man muss stets so spielen, als ob man das Stück zum ersten Mal spielt – aber fundiert durch ein großes Wissen“, unterstreicht der Musiker; im Beiheft ist das komplette, sehr interessante Gespräch nachzulesen, das Jan Brachmann mit David Geringas geführt hat. 
Das Programm wird abgerundet durch weniger avantgardistische Klänge: Gemeinsam mit dem Geiger Dmitry Sitkovetsky und dem Pianisten Jascha Nemtsov spielt Geringas einen Satz aus Schostakowitschs Trio op. 67. Gleichsam eingerahmt wird alles durch Werke von Jean Sibelius und Edvard Grieg; am Klavier begleitet den Cellisten dabei Ian Fountain. 

Sonntag, 5. August 2012

Bach: Goldberg Variations - Leopold String Trio (Hyperion)

Es geht das Gerücht, die Goldberg-Variationen seien, sozusagen als Schlaflied, für einen Grafen kom- poniert worden, der sich, wenn ihn die Schlaflosigkeit plagte, von einem jungen Musiker daraus vorspielen ließ. Diese hübsche Geschichte erzählt zumindest der erste Bach-Biograph Johann Niko- laus Forkel.
Wer diese Bearbeitung der Clavier Übung bestehend in einer Aria mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen. Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget von Johann Sebastian Bach anhört, der wird garantiert dabei nicht einschlafen, auch wenn die Aria zunächst wie auf Katzenpfoten daherkommt. 
Dmitri Sitkowetski hat Bachs Musik für Streichtrio arrangiert - und das außerordentlich spannend. Denn er hat nicht einfach nur Stim- men neu verteilt, sondern das Werk für die neue Besetzung komplett neu gedacht. Das ist auch notwendig, denn zum einen klingen Streich- instrumente nun einmal völlig anders als ein Cembalo. Zum anderen geben sie dem Komponisten auch andere Gestaltungsmöglichkeiten; so lassen sich die kontrapunktischen und imitierenden Linien we- sentlich deutlicher aufzeigen, als dies beim Cembalo möglich wäre. Und wo Bach den Cembalisten die Hände überkreuzen lässt, dort setzt Sitkowetski auf den Registerwechsel. Will der Arrangeur den Cemba- lo-Klang imitieren, verwendet er das Pizzicato. Das bringt erstaunlich viel Farbe in das bekannte Werk. 
Das Leopold String Trio spielt diese Bearbeitung als ein zeitgenössi- sches Stück - mit kammermusikalischem, mitunter beinahe orche- stralem Klang, aber nur gelegentlich mit historisierenden Zitaten. Isabelle van Keulen, Lawrence Power und Kate Gould musizieren klug, undogmatisch und mit Gespür für die Gratwanderung. Eine wirklich schöne Aufnahme, die Bach hoch achtet, aber ihn nicht ins Museum stellt. 

Mittwoch, 23. September 2009

Bach Concertos; Julia Fischer (Decca)


Diese CD lässt schon bei den ersten Takten aufhorchen: Mit soviel Schwung, Energie und Hingabe hat man Bach selten gehört. Bachs Doppelkonzert spielt Fischer gemeinsam mit Alexander Sitkovetsky, das Konzert für Oboe und Violine in c-moll mit Andrey Rubtsov. Das passt perfekt, wie schnell deutlich wird.
Denn diese Einspielung überzeugt vom ersten bis zum letzten Ton - durch ihre Frische ebenso wie durch das perfekte Zusammenspiel der Solisten und der Academy of St Martin in the Fields. Da wird nicht brilliert und brav begleitet, es wird gemeinsam musiziert, beinahe kammermusikalisch. 
Bachs Musik tut das erstaunlich gut. So werden Details hörbar, die zwar in der Partitur stehen, aber üblicherweise irgendwo im Mittelstimmen-Mulm versacken. Fischer setzt auf  Dynamik, und auf Klangfarben - schlank, klar und klug differenziert. Von dieser jungen Musikerin wird man noch viel hören; mit ihrer Virtuosität und Intelligenz kann sie schon heute den Großen ihres Faches durchaus das Wasser reichen.