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Montag, 21. Dezember 2015
Vom Himmel hoch... (Audite)
Vor der Bescherung Hausmusik – und zum Auspacken der Geschenke UKW: Das Radio lieferte in den 50er Jahren festliche Klänge zum Weihnachtsfest. Und weil diese Sendungen wirklich jeder hörte, waren sich auch große Stars nicht zu schade, in die Rund- funkstudios zu gehen und dort ganz schlicht Weihnachtslieder zu singen. In den Archiven des RIAS spürte das Label Audite Aufnahmen aus jener Zeit mit bedeutenden Sängern auf. Zu hören sind unter anderem Erna Berger, Elisabeth Grümmer, Walther Ludwig, der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Josephine Varga oder Annelies Westen. Die Arrangements stammen von ebenso namhaften Komponisten, wie Gotthold Frotscher, Hans Chemin-Petit oder Rudolf Kühn. Vom Hendel-Quartett über das Lautenspiel von Gerhard Tucholski sowie die Orgel bis hin zum kompletten Studioorchester wurde auch bei der Begleitung eine breite Palette an Klang- farben aufgeboten.
Dienstag, 17. Dezember 2013
Bach: Advent and Christmas Cantatas; Karl Richter (Deutsche Grammophon)
Endlich sind sie wieder erhältlich – die Bach-Kantaten, mit denen Karl Richter einst großes Aufsehen erregt hat, legt die Deutsche Grammophon nun in Form einer Box mit 26 CD dem Musikfreund unter den Tannenbaum. Die limitierte Edition umfasst den gesamten Kantatenzyklus, den Richter mit dem von ihm gegründeten Münchener Bach-Chor und -Orchester zwischen 1968 und 1976 für die Archiv-Produktion aufgenommen hat.
Eine weitere Box mit vier CD umfasst 14 Kantaten, die Bach für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis zum Fest Mariä Reinigung geschaffen hat – und man staunt, wie glutvoll und vital diese Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren noch immer wirken. Exzellente Solisten, handverlesene Instrumentalisten und ein inspiriert singender Chor machen jede einzelne Kantate zu einem Hörvergnügen.
Richter war bei drei großen Kantoren in die Lehre gegangen – bei Karl Straube und Günther Ramin in Leipzig sowie bei Rudolf Mauersberger in Dresden. Das prägte seine Musizierauffassung: Richter ging es nicht um Inszenierung, sondern ausschließlich um Inhalte. Das Ensemble überzeugt daher durch eine Intensität des Ausdrucks, wie sie später kaum noch erreicht worden ist. Diese Bach-Einspielungen sind noch immer ein Erlebnis; sie werden wohl für alle Zeiten zu den Referenz- aufnahmen zählen. Grandios!
Eine weitere Box mit vier CD umfasst 14 Kantaten, die Bach für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis zum Fest Mariä Reinigung geschaffen hat – und man staunt, wie glutvoll und vital diese Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren noch immer wirken. Exzellente Solisten, handverlesene Instrumentalisten und ein inspiriert singender Chor machen jede einzelne Kantate zu einem Hörvergnügen.
Richter war bei drei großen Kantoren in die Lehre gegangen – bei Karl Straube und Günther Ramin in Leipzig sowie bei Rudolf Mauersberger in Dresden. Das prägte seine Musizierauffassung: Richter ging es nicht um Inszenierung, sondern ausschließlich um Inhalte. Das Ensemble überzeugt daher durch eine Intensität des Ausdrucks, wie sie später kaum noch erreicht worden ist. Diese Bach-Einspielungen sind noch immer ein Erlebnis; sie werden wohl für alle Zeiten zu den Referenz- aufnahmen zählen. Grandios!
Samstag, 3. November 2012
Dietrich Fischer-Dieskau sings baroque arias (Hänssler)
Das ist eine interessante CD - und dies wiederum liegt nicht nur an dem wie üblich phänomenalen Gesang von Dietrich Fischer-Dieskau, sondern durchaus auch an dem Repertoire, mit dem der berühmte Bariton zu hören ist.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Es handelt sich hier nämlich keineswegs um ein Album mit Barockarien. Auf dieser CD hat Hänssler Classic vielmehr Mit- schnitte von Kantaten zusammen- gefasst, die durchweg als Raritäten gelten können. Sie stammen von Gottfried Heinrich Stölzel, Adam Krieger, Franz Tunder, seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Dietrich Buxtehude sowie Buxtehudes Lieblingsschüler Nikolaus Bruhns.
Entstanden sind diese Aufnahmen auf Initiative des Chordirigenten August Langenbeck, der die Redaktion "Geistliche Musik" beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart betreute. In den 50er Jahren lud er den Sänger mehrfach zu Produktionen ein - und Fischer-Dieskau widmete sich offenbar gern den Pretiosen, die Langenbeck für diese Projekte ausgesucht hat. Gemeinsam mit den Cembalisten Lisedore Praetorius, Hermann Werdermann und Karl Gerok sowie einzelnen Musikern des Südfunk-Sinfonieorchesters hat er diese Kantaten mit großer Sorgfalt im Detail erarbeitet - und gelangte so zugleich zu einer beeindruckenden Ausdrucksstärke; man höre nur Stölzels Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir oder Bruhns' Erstanden ist der heilige Christ. Bei einigen Kantaten singt Fischer-Dieskau gemeinsam mit Helmut Krebs, seinerzeit ein bekannter Bach-Tenor, und mit der Mezzosopranistin Erika Winkler. Bedenkt man, dass diese Aufnahmen durchweg weit vor den ersten Versuchen, historische Aufführungs- praxis zu rekonstruieren, entstanden sind, dann wird man das Ergeb- nis sehr beachtlich finden.
Samstag, 4. August 2012
Edition Fischer-Dieskau (Audite)
Dem Andenken eines großartigen Sängers gewidmet ist die Edition Fischer-Dieskau bei Audite. Das Label hat dafür aus den Archiven eine Reihe von Raritäten heraus- gesucht, und die Aufzeichnungen auf den historischen Masterbän- dern mit Sorgfalt digital aufgear- beitet.
So gilt die fünfte CD der Edition der Winterreise von Franz Schubert. Diesen Liederzyklus hat Dietrich Fischer-Dieskau um die dreißig Mal eingesungen. Diese Aufnahme aber war seine allererste, aufgezeichnet im Januar 1948 für den Rias; am Klavier begleitete seinerzeit Klaus Billing den jungen Sänger. Die Be- dingungen, unter denen diese Bänder entstanden sind, kann man sich heute gar nicht mehr recht vorstellen. So wirkten sich Schwankungen in der Stromversorgung auf die Bandgeschwindigkeit aus. Und auf- grund technischer Defekte musste die Hälfte der Stücke von den erschöpften Interpreten noch einmal eingespielt werden. Dass diese Aufnahme dennoch zu einer Legende wurde, zeigt, welche Klasse der Liedgesang Fischer-Dieskaus damals bereits hatte.
Der junge Sänger wählte für Schuberts berühmte Lieder ein erstaun- lich langsames Grundtempo. Dieser Wanderer schreitet nicht vom Zorn beschwingt zum Tor hinaus, er schleppt sich vielmehr mühsam aus der Stadt. Fischer-Dieskau lässt jugendlichen Weltschmerz ebenso zu wie beinahe opernhafte Dramatik, doch die Musik ist mitunter klüger als der Interpret, und bricht die allzu romantischen Klänge ironisch. Als Referenzaufnahme würde ich diese nicht wählen, aber ein beeindruckendes musikalisches Dokument ist das schon.
Neben Werken von Hugo Wolf und Johannes Brahms finden sich in der CD-Reihe auch Lieder Ludwig van Beethovens. So enthält die dritte CD der Edition Arrangements schottischer, irischer und walisischer Volkslieder aus seiner Feder. 22 derartige Stücke hat Dietrich Fischer-Dieskau 1952 gemeinsam mit dem Pianisten Michael Raucheisen, Grete Eweler-Froboese, Violine, Irmgard Poppen, Violoncello, und dem Rias Kammerchor unter Herbert Froitzheim eingespielt. Hier überrascht der Sänger mit einem ausgeprägten komischen Talent, das er auf der Bühne seltsamerweise nur selten zeigen konnte. Ob ein deftiges Trinklied oder der Bittgesang eines etwas naiven Verliebten - Fischer-Dieskau gestaltet mit sehr viel Charme geradezu szenische Miniaturen. Vielen Dank an Audite für diese Entdeckungen!
So gilt die fünfte CD der Edition der Winterreise von Franz Schubert. Diesen Liederzyklus hat Dietrich Fischer-Dieskau um die dreißig Mal eingesungen. Diese Aufnahme aber war seine allererste, aufgezeichnet im Januar 1948 für den Rias; am Klavier begleitete seinerzeit Klaus Billing den jungen Sänger. Die Be- dingungen, unter denen diese Bänder entstanden sind, kann man sich heute gar nicht mehr recht vorstellen. So wirkten sich Schwankungen in der Stromversorgung auf die Bandgeschwindigkeit aus. Und auf- grund technischer Defekte musste die Hälfte der Stücke von den erschöpften Interpreten noch einmal eingespielt werden. Dass diese Aufnahme dennoch zu einer Legende wurde, zeigt, welche Klasse der Liedgesang Fischer-Dieskaus damals bereits hatte.
Der junge Sänger wählte für Schuberts berühmte Lieder ein erstaun- lich langsames Grundtempo. Dieser Wanderer schreitet nicht vom Zorn beschwingt zum Tor hinaus, er schleppt sich vielmehr mühsam aus der Stadt. Fischer-Dieskau lässt jugendlichen Weltschmerz ebenso zu wie beinahe opernhafte Dramatik, doch die Musik ist mitunter klüger als der Interpret, und bricht die allzu romantischen Klänge ironisch. Als Referenzaufnahme würde ich diese nicht wählen, aber ein beeindruckendes musikalisches Dokument ist das schon.
Neben Werken von Hugo Wolf und Johannes Brahms finden sich in der CD-Reihe auch Lieder Ludwig van Beethovens. So enthält die dritte CD der Edition Arrangements schottischer, irischer und walisischer Volkslieder aus seiner Feder. 22 derartige Stücke hat Dietrich Fischer-Dieskau 1952 gemeinsam mit dem Pianisten Michael Raucheisen, Grete Eweler-Froboese, Violine, Irmgard Poppen, Violoncello, und dem Rias Kammerchor unter Herbert Froitzheim eingespielt. Hier überrascht der Sänger mit einem ausgeprägten komischen Talent, das er auf der Bühne seltsamerweise nur selten zeigen konnte. Ob ein deftiges Trinklied oder der Bittgesang eines etwas naiven Verliebten - Fischer-Dieskau gestaltet mit sehr viel Charme geradezu szenische Miniaturen. Vielen Dank an Audite für diese Entdeckungen!
Sonntag, 1. April 2012
Bach: Matthäus-Passion BWV 244 (Profil)
Diese Aufnahme ist eine Legende. Karl Richter (1926 bis 1981) war der Sohn eines evangelischen Pfarrers aus Plauen. Er sang bei den Kruzianern, und studierte nach dem Krieg am Leipziger Kon- servatorium und am Institut für Kirchenmusik bei Karl Straube und Günther Ramin. Schon dort galt er als erstklassiger Bach-Interpret. 1949 wurde er Thomasorganist; 1951 ging er als Kantor an die Münchner Markuskirche. Mit dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester prägte er die Bach-Rezeption in der Zeit vor der "historischen" Aufführungspraxis.
Natürlich würde man heute vieles anders machen. Und die Chöre, insbesondere der große Eingangschor Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen, stellen die Leidensfähigkeit des Zuhörers schon auf eine harte Probe. Doch wenn man sie ertragen hat, wird dies belohnt. Denn Richter hat, ausgehend von der spätromantischen Tradition, einige spannende Ideen, wie er Bachs Klangrede ausdeutet. Besonders auf- fällig wird dies, wenn die Jünger die Frau schelten, die das Glas mit köstlichem Wasser über Jesus ausgegossen hat. Hier zeigt er die Jünger als eine Gruppe übereifriger Spießer, ganz und gar unsympa- thisch - und das Orchester zetert herzhaft mit, ganz besonders die Flöten. Ihnen weist Richter immer wieder die Funktion des musikali- schen Kommentators zu; so klar und deutlich sind die Flöten in keiner anderen Einspielung von Bachs Matthäus-Passion zu hören.
Richter konnte bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1959 nicht nur auf den Münchner Bach-Chor, die Münchner Chorknaben und das Münchner Bach-Orchester mit seinen hervorragenden Instrumenta- listen bauen; ihm stand auch ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung. Irmgard Seefried, Sopran, Hertha Töpper, Alt, Ernst Haeflinger als Evangelist und Arientenor in Personalunion, Kieth Engen, Bass/Jesus und der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Bass/Arien - diese Sänger beeindrucken noch heute durch ihre enorme künstlerische Strahlkraft und ihr Gespür für musikalische Zusammenhänge, unbeeindruckt von jeder Mode.
Natürlich würde man heute vieles anders machen. Und die Chöre, insbesondere der große Eingangschor Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen, stellen die Leidensfähigkeit des Zuhörers schon auf eine harte Probe. Doch wenn man sie ertragen hat, wird dies belohnt. Denn Richter hat, ausgehend von der spätromantischen Tradition, einige spannende Ideen, wie er Bachs Klangrede ausdeutet. Besonders auf- fällig wird dies, wenn die Jünger die Frau schelten, die das Glas mit köstlichem Wasser über Jesus ausgegossen hat. Hier zeigt er die Jünger als eine Gruppe übereifriger Spießer, ganz und gar unsympa- thisch - und das Orchester zetert herzhaft mit, ganz besonders die Flöten. Ihnen weist Richter immer wieder die Funktion des musikali- schen Kommentators zu; so klar und deutlich sind die Flöten in keiner anderen Einspielung von Bachs Matthäus-Passion zu hören.
Richter konnte bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1959 nicht nur auf den Münchner Bach-Chor, die Münchner Chorknaben und das Münchner Bach-Orchester mit seinen hervorragenden Instrumenta- listen bauen; ihm stand auch ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung. Irmgard Seefried, Sopran, Hertha Töpper, Alt, Ernst Haeflinger als Evangelist und Arientenor in Personalunion, Kieth Engen, Bass/Jesus und der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Bass/Arien - diese Sänger beeindrucken noch heute durch ihre enorme künstlerische Strahlkraft und ihr Gespür für musikalische Zusammenhänge, unbeeindruckt von jeder Mode.
Sonntag, 4. März 2012
Reinecke: Complete Violoncello Sonatas (MDG)
"Das kann ich nicht, da musst du den Reinecke fragen, der kann das besser", soll Schumann einst ge- antwortet haben, als er gebeten wurde, eine Fassung seiner Sinfo- nien für zwei Klaviere anzufertigen. Carl Reinecke (1824 bis 1910) debütierte 1835 als Pianist. Nach ersten Konzertreisen quer durch Europa finanzierte ihm sein Landesherr, der dänische König Christian VIII., ein dreijähriges Studium am Leipziger Konservato- rium.
In dieser Zeit lernte Reinecke Robert Schumann und Felix Mendels- sohn Bartholdy kennen und schätzen; ihnen blieb er zeitlebens eng verbunden. Auch mit Johannes Brahms war er befreundet.
Als Reinecke 1860 Gewandhauskapellmeister wurde, verstand er sich in erster Linie als Hüter Leipziger Musiktraditionen. Dieses Amt hatte Reinecke immerhin 35 Jahre lang inne. Und obwohl er bis 1902 am Leipziger Konservatorium die Fächer Klavier und Komposition unterrichtete - unter seinen zahlreichen Schülern waren Max Bruch, Edvard Grieg und Leos Janácek - und auch selbst immer wieder als Klaviervirtuose auftrat, fand er noch die Zeit zum Komponieren.
Unter seinen Werken sind drei zauberhafte Cello-Sonaten, die ohne Zweifel zu den Perlen des Repertoires gezählt werden müssen. Erinnert op. 42, entstanden zweifellos in den 40er Jahren, an Schumann, so erfreut op. 89 durch Mendelssohnsche Anklänge - und die dritte Sonate, op. 238 aus dem Jahre 1897, hat Reinecke "Den Manen Brahms'" gewidmet, der kurz zuvor verstorben war. In der Presse wurde der Komponist seinerzeit dafür als Altmeister gefeiert. Und man sollte vorsichtig sein und ein vorschnelles Urteil vermei- den; für seinen starken Bezug zur romantischen Musiktradition erntete Reinecke zu Lebzeiten heftige Angriffe aus Bayreuth und Weimar, davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen, bevor man seine Werke angehört hat.
Denn der exzellente Cellist Manuel Fischer-Dieskau zeigt auf dieser CD gemeinsam mit der kanadischen Pianistin Connie Shih, dass Reineckes Cello-Sonaten in erster Linie wundervolle Musik sind. Die beiden musizieren bestens ausbalanciert miteinander, und spielen sich die Themen zu. Man muss sich sehr wundern, dass diese schönen Sonaten bislang keinen Platz im Konzertleben gefunden haben - so umfang- reich ist die einschlägige Literatur nun wirklich nicht.
In dieser Zeit lernte Reinecke Robert Schumann und Felix Mendels- sohn Bartholdy kennen und schätzen; ihnen blieb er zeitlebens eng verbunden. Auch mit Johannes Brahms war er befreundet.
Als Reinecke 1860 Gewandhauskapellmeister wurde, verstand er sich in erster Linie als Hüter Leipziger Musiktraditionen. Dieses Amt hatte Reinecke immerhin 35 Jahre lang inne. Und obwohl er bis 1902 am Leipziger Konservatorium die Fächer Klavier und Komposition unterrichtete - unter seinen zahlreichen Schülern waren Max Bruch, Edvard Grieg und Leos Janácek - und auch selbst immer wieder als Klaviervirtuose auftrat, fand er noch die Zeit zum Komponieren.
Unter seinen Werken sind drei zauberhafte Cello-Sonaten, die ohne Zweifel zu den Perlen des Repertoires gezählt werden müssen. Erinnert op. 42, entstanden zweifellos in den 40er Jahren, an Schumann, so erfreut op. 89 durch Mendelssohnsche Anklänge - und die dritte Sonate, op. 238 aus dem Jahre 1897, hat Reinecke "Den Manen Brahms'" gewidmet, der kurz zuvor verstorben war. In der Presse wurde der Komponist seinerzeit dafür als Altmeister gefeiert. Und man sollte vorsichtig sein und ein vorschnelles Urteil vermei- den; für seinen starken Bezug zur romantischen Musiktradition erntete Reinecke zu Lebzeiten heftige Angriffe aus Bayreuth und Weimar, davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen, bevor man seine Werke angehört hat.
Denn der exzellente Cellist Manuel Fischer-Dieskau zeigt auf dieser CD gemeinsam mit der kanadischen Pianistin Connie Shih, dass Reineckes Cello-Sonaten in erster Linie wundervolle Musik sind. Die beiden musizieren bestens ausbalanciert miteinander, und spielen sich die Themen zu. Man muss sich sehr wundern, dass diese schönen Sonaten bislang keinen Platz im Konzertleben gefunden haben - so umfang- reich ist die einschlägige Literatur nun wirklich nicht.
Dienstag, 9. August 2011
Mahler: Das Lied von der Erde (Deutsche Grammophon)
Am 14. Juni 1964 dirigierte Josef Krips ein Konzert der Wiener Symphoniker im Rahmen der Wiener Festwochen, das von der Kritik enthusiastisch gefeiert wurde: Gustav Mahlers (1860 bis 1911) Das Lied von der Erde, gesungen von Fritz Wunderlich und Dietrich Fischer-Dieskau. Schon die Besetzung war eine Sensation, weil die Solopartien in Mahlers Werk üblicherweise mit einer Frauen- und einer Männer- stimme assoziiert werden.
"Seit der unvergesslichen Aufführung unter Bruno Walter habe ich diese Vokalsymphonie (...) nicht mehr in einer ähnlich ergreifenden, genau auf dem Stil des Werkes nachgebildeten Wiedergabe gehört wie diesmal unter Krips", begeisterte sich beispielsweise Karl Löbl, der Kritiker des Express, "der zu dieser empfindsamen, poetischen Musik eine echte, unverhüllte Beziehung hat und ihre Struktur mit unglaublicher Subtilität nachformt."
Doch alle Versuche, einen Mitschnitt dieses Ereignisses in akzeptabler Qualität zu veröffentlichen, scheiterten, weil der Zustand der auf- findbaren Bänder dies schlicht nicht hergab. Nun aber ist ein Master- band aus dem Privatbesitz der Familie Krips verfügbar, bei dem es sich möglicherweise um eine direkte Kopie des ORF-Originalbandes handelt. Es wurde mit beträchtlichem Aufwand in den Emil Berliner Studios in Berlin remastert. Damit wird das legendäre Konzert erstmals auch auf CD in erträglicher Klangqualität zugänglich - ein spannender Beitrag der Deutschen Grammophon zum Mahler-Jahr 2011.
Obwohl der Orchesterklang gewöhnungsbedürftig ist, begeistern doch die beiden Sänger - hat man Wunderlich erlebt, mag man keinen Hel- dentenor in dieser Partie mehr hören. Und Dietrich Fischer-Dieskau überzeugt durch ein perfektes Legato und seine herrliche, gänzlich unmanirierte Interpretation. So eine Konstellation ergibt sich selten - und Fischer-Dieskau dankte noch Jahre später Krips für "die schönste Aufführung des Liedes von der Erde". Eine der schönsten ist das mit Sicherheit.
Donnerstag, 31. März 2011
Bach: Johannes-Passion; Forster (EMI Classics)
Eine Aufnahme aus dem Jahre 1962 - historisch korrektes Musi- zieren ist da nicht zu erwarten. Karl Forster nähert sich Bachs Werk vielmehr mit dem spät- romantischen Blick, und sehr viel Sinn für Dramatik. Dass diese Einspielung trotzdem auch heute noch begeistert, das liegt in erster Linie an dem grandiosen Solisten- ensemble. Zu hören sind Fritz Wunderlich als (hervorragender) Evangelist, Dietrich Fischer-Dieskau als Jesus, sowie Elisabeth Grümmer, Sopran, und Christa Ludwig, Alt, die ihre Arien mit anrührender Innigkeit und beeindruckender Intensität gestalten, Josef Traxel, der mit seinem messerscharf geführten Tenor nicht ganz das Niveau der anderen Sänger erreicht, und Karl Christian Kohn, Bass. Es singt der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin - der damals weltweit einen ausgezeichneten Ruf hatte -, und es spielen die Berliner Symphoniker. EMI Classics legt diese historische Einspielung nun als Bestandteil der Electrola Collection wieder vor - sehr ordentlich re- mastert, Kompliment! Freunde schöner Stimmen dürfen sich freuen.
Montag, 28. Februar 2011
Dietrich Fischer-Dieskau: Meine schönsten Schubert-Lieder (Deutsche Grammophon)
"Was mich bei Schubert immer wieder faszinierte - und nach wie vor fasziniert -, ist die Kongruenz von Text und Musik", sagt Dietrich Fischer -Dieskau. "Ich denke, dass es unter seinen rund 600 Liedern kaum eines gibt, bei dem ihm nicht eine adäquate musikalische Umsetzung des textlichen Inhalts gelungen ist."
Dem Sänger ist es gelungen, für die Deutschen Grammophon eine Schubert-Edition einzuspielen, die immerhin 463 Lieder umfasst - eingespielt über einen Zeitraum von sechs Jahren, von 1966 bis 1972. "Der Mann am Klavier sollte natürlich Gerald Moore sein, der ungekrönte ,König' der Liedbegleiter, mit dem mich seit 1951 eine künstlerische Partnerschaft verband, die ich zu den glücklichsten meines Lebens zähle." Und obwohl Moore seinen Abschied von der Konzertbühne bereits genommen hatte, als die Aufnahmen begannen, konnte Fischer-Dieskau ihn für dieses Projekt gewinnen.
Das Ergebnis begeistert noch immer. Und im vergangenen Jahr, zum 85. Geburtstag des großen Liedsängers, legte die Deutsche Grammo- phon eine Neuauflage dieses grandiosen Schubert-Marathons vor. Parallel dazu erschien eine CD mit den ganz persönlichen Favoriten Fischer-Dieskaus. "Die vorliegende Auswahl von Liedern möchte ich nicht als ,Greatest Hits'-Sammlung verstanden wissen, sondern als ,Türöffner' für das große Ganze", erläutert der Jubilar: "Möge der interessierte Hörer durch singuläre Werke wie ,Du ist die Ruh', ,Nacht und Träume', ,Erlkönig' oder ,An die Musik' einen Zugang bekommen zu dem einzigartigen Mikrokosmos, den das Liedschaffen Schuberts darstellt."
Dem Sänger ist es gelungen, für die Deutschen Grammophon eine Schubert-Edition einzuspielen, die immerhin 463 Lieder umfasst - eingespielt über einen Zeitraum von sechs Jahren, von 1966 bis 1972. "Der Mann am Klavier sollte natürlich Gerald Moore sein, der ungekrönte ,König' der Liedbegleiter, mit dem mich seit 1951 eine künstlerische Partnerschaft verband, die ich zu den glücklichsten meines Lebens zähle." Und obwohl Moore seinen Abschied von der Konzertbühne bereits genommen hatte, als die Aufnahmen begannen, konnte Fischer-Dieskau ihn für dieses Projekt gewinnen.
Das Ergebnis begeistert noch immer. Und im vergangenen Jahr, zum 85. Geburtstag des großen Liedsängers, legte die Deutsche Grammo- phon eine Neuauflage dieses grandiosen Schubert-Marathons vor. Parallel dazu erschien eine CD mit den ganz persönlichen Favoriten Fischer-Dieskaus. "Die vorliegende Auswahl von Liedern möchte ich nicht als ,Greatest Hits'-Sammlung verstanden wissen, sondern als ,Türöffner' für das große Ganze", erläutert der Jubilar: "Möge der interessierte Hörer durch singuläre Werke wie ,Du ist die Ruh', ,Nacht und Träume', ,Erlkönig' oder ,An die Musik' einen Zugang bekommen zu dem einzigartigen Mikrokosmos, den das Liedschaffen Schuberts darstellt."
Sonntag, 27. Februar 2011
Wagner: Lohengrin (EMI Classics)
Wer diese Aufnahme hört, der vergisst, dass sie 1962/63 im Theater an der Wien aufgezeichnet worden ist. Was für eine Besetzung! Gottlob Frick als König Heinrich der Vogler, Otto Wiener als Herald, Christa Ludwig als Ortrud und Dietrich Fischer-Dieskau als Friedrich von Telramund - und Elisabeth Grümmer als wunderbar mädchenhafte Elsa von Brabant.
Wenn sie ihr "Einsam in trüben Tagen" anstimmt, glaubt man ihr jedes Wort. Schöner, inniger und sensibler war diese Partie wohl nie zu hören. Und auch die Szenen, in denen Elsa und Ortrud aufeinandertreffen, gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten dieser Einspielung. Jess Thomas als Lohengrin singt sehr gut, aber nicht überragend, und dass er Amerikaner ist, das ist leider unüberhörbar.
Eine wichtige Rolle in dieser Oper Wagners spielen Chor und Orche- ster. Hier singt der Wiener Staatsopernchor, und es musizieren die Wiener Philharmoniker - beide sind, wie zu erwarten, exzellent. Und Rudolf Kempe (1910 bis 1976) erweist sich als ein großartiger Wag- ner-Dirigent. Gänzlich uneitel, verzichtet er auf vordergründige Effekte, und macht statt dessen erstaunlich viele Details hörbar. Eine grandiose Aufnahme, nach wie vor unübertroffen.
Wenn sie ihr "Einsam in trüben Tagen" anstimmt, glaubt man ihr jedes Wort. Schöner, inniger und sensibler war diese Partie wohl nie zu hören. Und auch die Szenen, in denen Elsa und Ortrud aufeinandertreffen, gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten dieser Einspielung. Jess Thomas als Lohengrin singt sehr gut, aber nicht überragend, und dass er Amerikaner ist, das ist leider unüberhörbar.
Eine wichtige Rolle in dieser Oper Wagners spielen Chor und Orche- ster. Hier singt der Wiener Staatsopernchor, und es musizieren die Wiener Philharmoniker - beide sind, wie zu erwarten, exzellent. Und Rudolf Kempe (1910 bis 1976) erweist sich als ein großartiger Wag- ner-Dirigent. Gänzlich uneitel, verzichtet er auf vordergründige Effekte, und macht statt dessen erstaunlich viele Details hörbar. Eine grandiose Aufnahme, nach wie vor unübertroffen.
Dienstag, 13. Juli 2010
Dietrich Fischer-Dieskau. Ein Portrait (EMI Classics)
"1948, als in Deutschland alles in Trümmern lag, kam da plötzlich ein pausbäckiges Riesenbaby und sang Schubert - mit einer Schön- heit, dass alle wie zum Beten hin- pilgerten", erinnert sich Christa Ludwig an die ersten Auftritte von Dietrich Fischer-Dieskau.
Der junge Bariton war damals gerade aus der Kriegsgefangen- schaft heimgekehrt und setzte sein Studium bei Hermann Weißenborn fort. Im Januar 1948 sang er für den Rias Schuberts Winterreise - und startete damit eine Sängerkarriere, die er erst 1992, bei einer Silvestergala, mit der Schlussfuge aus Verdis Oper Falstaff beendete.
Der junge Bariton war damals gerade aus der Kriegsgefangen- schaft heimgekehrt und setzte sein Studium bei Hermann Weißenborn fort. Im Januar 1948 sang er für den Rias Schuberts Winterreise - und startete damit eine Sängerkarriere, die er erst 1992, bei einer Silvestergala, mit der Schlussfuge aus Verdis Oper Falstaff beendete.
Diese beiden Eckpunkte seiner Gesangskarriere dokumentiert die vorliegende Auswahl aus der umfangreichen Diskographie des Sängers nicht - dafür aber zahlreiche andere Höhepunkte. Das Repertoire des Sängers war enorm, und ist auf über 400 Schallplatten dokumentiert. Deshalb lag also die Herausforderung in der Auswahl. EMI Classics hatte dafür, wie ich meine, ein glückliches Händchen und hat etliche Juwelen in den Archiven aufgespürt.
Dieses musikalische Porträt zeigt Fischer-Dieskau als Lied- und Opernsänger - und vergisst auch nicht, dass er Bachs Werke sehr geschätzt und gern gesungen hat. In den 60er Jahren entstanden die Aufnahmen von Schuberts Liedzyklen Die schöne Müllerin, Winter- reise und Schwanengesang, ergänzt noch durch einige weitere Lieder. Begleitet wird der junge Sänger hier von Gerald Moore, einem überragenden und erfahrenen Pianisten, bei einem Lied auch von Karl Engel.
Das beredte Klavierspiel von Gerald Moore geleitet den Sänger auch durch Schumanns Eichendorff-Lieder; eine ganze CD ist dem Komponisten gewidmet. Bei etwa der Hälfte der Lieder ist Hertha Klust am Klavier zu hören. Besonders erfreulich: Je eine CD enthält Lieder von Hugo Wolf und Richard Strauss. Auch hier akkompagniert Moore.
Die siebte CD gilt dann dem Werk Gustav Mahlers. Die Lieder eines fahrenden Gesellen, aufgezeichnet 1952 mit dem Philharmonia Orchestra unter Wilhelm Furtwängler, und die Kindertotenlieder, eingespielt 1955 mit den Berliner Philharmonikern unter Rudolf Kempe, machen deutlich, wie ausgeprägt das Gestaltungsvermögen des jungen Sängers damals schon war, wie klar seine musikalische Handschrift, und wie exzellent seine Technik. Die Fünf Gesänge aus "Des Knaben Wunderhorn" sowie die Rückertlieder begleitet Daniel Barenboim am Klavier.
Den Opernsänger Dietrich Fischer-Dieskau zeigt uns die achte CD - mit Arien aus einigen seiner Lieblingspartien, wie Graf Almaviva aus Mozarts Hochzeit des Figaro, Falstaff aus Verdis gleichnamiger Oper, oder Wolfram aus Wagners Tannhäuser.
"Es gibt keine zugleich anspruchsvollere, technisch forderndere und stimmlich lohnendere Aufgabe für Sänger als Bachs Musik", resümierte der Sänger dennoch, und meinte: "Der konzertierende instrumentennahe Bach erfordert Geläufigkeit und Spannkraft, der Bach der großen Linie erlaubt belcantistischen Schmelz, der erzählend-dozierende Bach muss mit gebührendem Abstand, aber doch nicht unbeteiligt gesungen werden." Arien aus Bach-Kantaten bringen die CD 9 und 10. Hier sind auch die Berliner Philharmoniker unter Karl Forster zu hören - sowie Irmgard Poppen am Violoncello, Fischer-Dieskaus erste Ehefrau.
Leider fehlt Brahms in dieser Kollektion; statt dessen gibt's auf der zehnten und letzten CD noch etwas "leichte" Muse, unter anderem Strauss Fledermaus und Der Zigeunerbaron, Otto Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor und zwei Raritäten aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Egal, was Fischer-Dieskau singt - er tut es stets wohlüberlegt, mit großer Sorgfalt in Phrasierung und Intonation, und auch der Text ist stets zu verstehen. Sein Timbre ist charakteristisch, seine Stimme klingt klar und hell, und sein Gesang wirkt immer unangestrengt. Auch wenn manche Kritiker anderes sagen - Dietrich Fischer-Dieskau ist ein Phänomen, ein Jahrhundertsänger. Und diese CD-Sammlung bietet zusammengefasst einige seiner besten Aufnahmen.
Sonntag, 11. Juli 2010
Strauss: Capriccio (Naxos)
Eine grandiose Aufnahme von Ri- chard Strauss' Oper Capriccio, aufgenommen im Jahre 1958 - eigentlich eines der Kronjuwelen von EMI, erschienen nun bei Naxos in der Reihe Great Opera Recordings.
Strauss' letzte Oper gilt manchem als Langweiler: Keine süffigen Klänge, wie im Rosenkavalier. Auch das Textbuch sprüht nicht gerade vor Geist und Witz. Und die Handlung besteht überwiegend darin, dass Leute auf der Bühne herumlaufen und sich unterhalten. Es geht freilich um nichts geringe- res als um eine künstlerische Grundsatzfrage: Was ist wichtiger für das Gelingen einer Oper - das Libretto oder die Komposition?
In diesem Falle ist die Frage einfach zu beantworten: Ein exzellentes Sängerensemble! Denn bei dieser Aufnahme singen die Sänger nicht nur ihre Partien; sie verkörpern - im Wortsinne - ihre Figuren, und sind zudem überwiegend ganz hervorragend zu verstehen. Die Be- setzung lässt keine Wünsche offen: Elisabeth Schwarzkopf als Gräfin, Nicolai Gedda als Musiker Flamand und Dietrich Fischer-Dieskau als Poet Oliver; dazu Eberhard Wächter als Graf und Hans Hotter als La Roche. Auch die kleineren Partien sind bestens besetzt; zu hören sind unter anderem Christa Ludwig, Anna Moffo und Karl Schmitt-Walter. Es spielt das Philharmonia Orchestra unter Wolfgang Sawallisch; kleiner Scherz am Rande: Der Dirigent ist auch zu hören - als Diener. Bariton.
Strauss' letzte Oper gilt manchem als Langweiler: Keine süffigen Klänge, wie im Rosenkavalier. Auch das Textbuch sprüht nicht gerade vor Geist und Witz. Und die Handlung besteht überwiegend darin, dass Leute auf der Bühne herumlaufen und sich unterhalten. Es geht freilich um nichts geringe- res als um eine künstlerische Grundsatzfrage: Was ist wichtiger für das Gelingen einer Oper - das Libretto oder die Komposition?
Sonntag, 6. Juni 2010
Schumann: Die großen Chorwerke (EMI Classics)
Sie sind nicht eben häufig zu hören, die großen Chorwerke von Robert Schumann. In den 70er Jahren ging EMI Electrola gemeinsam mit dem Chor des Städtischen Musik- vereins zu Düsseldorf unter dem Chorleiter Hartmut Schmidt und mit freundlicher Begleitung durch die Stadt Düsseldorf daran, die teilweise vollkommen in Ver- gessenheit geratenen Werke für Chor, mitunter zudem ein großes Solistenaufgebot und Orchester aufzuzeichnen. Die "Düsseldorfer Schumann-Chor-Edition", entstanden über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, erregte damals enormes Aufsehen.
Jetzt hat EMI diese legendären, mehrfach preisgekrönten Aufnahmen in einer 9-CD-Box zusammengefasst. Sie enthält Werke wie Das Para- dies und die Peri, die Szenen aus Goethes Faust, Der Rose Pilgerfahrt, eine Vielzahl von Romanzen und Balladen, die Messe c-Moll op. 147, das Requiem Des-Dur op. 148 und das Requiem für Mignon op. 98b.
Jetzt hat EMI diese legendären, mehrfach preisgekrönten Aufnahmen in einer 9-CD-Box zusammengefasst. Sie enthält Werke wie Das Para- dies und die Peri, die Szenen aus Goethes Faust, Der Rose Pilgerfahrt, eine Vielzahl von Romanzen und Balladen, die Messe c-Moll op. 147, das Requiem Des-Dur op. 148 und das Requiem für Mignon op. 98b.
An der Seite des von Hartmut Schmidt stets sorgfältig einstudierten Chores, der wirklich prachtvoll singt, sind Weltstars zu hören wie Edith Mathis, Edda Moser, Brigitte Fassbaender, Nicolai Gedda oder Dietrich Fischer-Dieskau. Bei der Missa sacra sind Chor und Solisten gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Wolfgang Sawallisch zu hören. Ansonsten sind die Düsseldorfer Symphoniker der Partner der Wahl, geleitet von ihren Generalmusikdirektoren Henryk Czyz, Rafael Frühbeck de Burgos und Bernhard Klee, die sich liebevoll der Meisterwerke ihres Amtsvorgängers annehmen.
Es ist kein Wunder, dass die Kritik diese Aufnahmen seinerzeit gefeiert hat. Denn hier wird tatsächlich auf höchstem Niveau musiziert. Diese Einspielungen, natürlich mittlerweile sorgfältig remastert, haben in den vergangenen Jahrzehnten kaum Staub angesetzt. EMI gebührt Dank dafür, dass diese Raritätensammlung nun zum 200. Geburtstag Schumanns wieder erhältlich ist.
Sonntag, 11. Oktober 2009
Edition Fischer-Dieskau Vol. IV; Beethoven: Lieder, Brahms: Lieder (Audite)
Als Mittzwanziger hat Dietrich Fischer-Dieskau diese Lieder von Beethoven und Brahms eingespielt, 1951 und 1952 in Studio von Rias in Berlin. Donnerwetter! Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Eine solche Intelligenz und Reife in der Gestaltung, eine derart souveräne Beherrschung der stimmlichen Mittel! und zudem die Gabe des gemeinsamen Musizierens mit der Pianistin Hertha Klust - sie atmet mit dem Sänger mit, er nimmt auf, was das Klavier anstimmt, und trägt es im Gesang weiter. Diese frühe Aufnahme hat schon alles, was den Bariton in späteren Jahren zu einer Legende werden ließ - völlig zu recht: Davon gern mehr!
Mittwoch, 23. September 2009
Bach Concertos; Julia Fischer (Decca)
Diese CD lässt schon bei den ersten Takten aufhorchen: Mit soviel Schwung, Energie und Hingabe hat man Bach selten gehört. Bachs Doppelkonzert spielt Fischer gemeinsam mit Alexander Sitkovetsky, das Konzert für Oboe und Violine in c-moll mit Andrey Rubtsov. Das passt perfekt, wie schnell deutlich wird.
Denn diese Einspielung überzeugt vom ersten bis zum letzten Ton - durch ihre Frische ebenso wie durch das perfekte Zusammenspiel der Solisten und der Academy of St Martin in the Fields. Da wird nicht brilliert und brav begleitet, es wird gemeinsam musiziert, beinahe kammermusikalisch. Bachs Musik tut das erstaunlich gut. So werden Details hörbar, die zwar in der Partitur stehen, aber üblicherweise irgendwo im Mittelstimmen-Mulm versacken. Fischer setzt auf Dynamik, und auf Klangfarben - schlank, klar und klug differenziert. Von dieser jungen Musikerin wird man noch viel hören; mit ihrer Virtuosität und Intelligenz kann sie schon heute den Großen ihres Faches durchaus das Wasser reichen.
Sonntag, 28. Juni 2009
Richard Wagner: Der fliegende Holländer (Berlin Classics)

Marianne Schech als Senta, Sieglinde Wagner als Amme Mary, Gottlob Frick als Daland, Rudolf Schock als Erik, Fritz Wunderlich als Steuermann und Dietrich Fischer-Dieskau als Holländer - das ist eine Besetzung, wie sie schwerlich besser vorstellbar wäre. Die legendäre Aufnahme von 1962, mit dem Chor der Deutschen Staatsoper und der Staatskapelle Berlin unter Franz Konwitschny - nach wie vor unerreicht. Sehr erfreulich, dass Berlin Classics in der Eterna Collection solche Schätze wieder zugänglich macht.
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