Drei bedeutende Musiker haben sich zusammengefunden, um die Klaviertrios von Franz Schubert (1797 bis 1828) einzuspielen: Thomas Albertus Irnberger, Violine, David Geringas, Violoncello, und Michael Korstick, Klavier – das ist eine überaus hochkarätige Besetzung, die eine spannungsreiche und spannende Interpretation erwarten lässt. So hat der Pianist bereits eine Gesamteinspielung der Klavier- sonaten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) veröffentlicht, in der er durchaus eigene Akzente setzte. Irnberger und Korstick haben zudem gemeinsam eine ebenfalls viel beachtete Aufnahme sämtlicher Beethoven-Violinsonaten vorgelegt – kraftvoll und dramatisch.
Da erscheint nun die Hinwendung zu Schuberts Musik nur folgerichtig: „Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ Diese Zweifel zu überwinden, das muss für Franz Schubert ein enormer Schritt gewesen sein. Mozarts Trios beispielsweise hatte er in jungen Jahren gründlich studiert – und sich dann 1812 lediglich an einem kurzen Sona- tensatz, D 28, versucht.
Ansonsten hatte er jene Gattung gemieden, die Beethoven um so viele Werke bereicherte. Doch 1827 war der Titan gestorben, und so sah sich die Generation der Erben gefordert. Schubert, der wohl darum wusste, dass er unheilbar erkrankt war und dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, komponierte wie im Rausch. Die Liste der Werke, die in diesem letzten Lebensabschnitt entstanden sind, ist lang und beeindruckend. Auch die Klaviertrios gehören dazu, die Schubert für den befreundeten Pianisten Carl Maria von Bocklet geschrieben haben soll, der wiederum mit dem Geiger Ignaz Schuppanzigh und dem Cellisten Joseph Lincke zusammen musizierte.
Franz Schubert schuf für sie Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß – nicht nur der Umfang, sondern auch der musikalische Gehalt seiner beiden Klaviertrios ist enorm. Daher sind hier sie auch auf einer Doppel-CD zu hören. Komplettiert wird das Programm durch den oben genannten Sonatensatz sowie einen weiteren, der ebenfalls ein Solitär blieb – das Notturno D 897.
Thomas Albertus Irnberger, David Geringas und Michael Korstick genießen die lyrischen Passagen durchaus. Sie haben Vergnügen an Scherz und Kantilene, stellen aber insgesamt eher die Brüche und die dunklen, dramatischen Seiten in den Vordergrund. Die drei Musiker machen in ihrer Interpretation deutlich, wie stark Beethovens Schaffen das Werk Schuberts beeinflusst hat – aber dass dieser dennoch ganz eigene Wege gefunden hat, seine Gefühle und Gedanken in Musik zu fassen.
Ihr Spiel zu loben, das hieße Eulen nach Athen tragen. Diese Aufnahme bestätigt, dass Kammermusik heute zu Recht große Säle füllt. Atemberau- bend! Unbedingt anhören.
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Freitag, 12. Mai 2017
Mittwoch, 3. August 2016
Celebrating David Geringas (Hänssler Classic)
Mit einer CD ehrt Hänssler Classic den Cellisten David Geringas, der jüngst seinen 70. Geburtstag feierte. Dazu wurden Aufnahmen zusam- mengestellt, die man fast durchweg als Meilensteine seines musikali- schen Weges betrachten kann. Die Auswahl war sicherlich nicht einfach, denn der Musiker hat fast hundert CD eingespielt; viele davon wurden mit Preisen ausgezeichnet. Zu hören ist beispielsweise der erste Satz, Allegro, aus dem Streichquin- tett in fis-Moll op. 63 von Walter Braunfels, interpretiert von Geringas gemeinsam mit dem Grigolts-Quartett. Für diese Aufnahme gab es 2013 den Echo Klassik sowie den Supersonic Award.
Die CD beginnt mit dem ersten Satz aus der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Ich war in Moskau einer der wenigen Cellisten, der seine Sonaten überhaupt gespielt hat“, berichtet Geringas im Beiheft. „Im ersten Konzert, das ich mit meiner Frau Tatjana nach der Geburt unseres Sohnes Alexander gegeben habe, stand die zweite Sonate von Mendelssohn auf dem Programm. (..) Rostropowitsch saß übrigens damals im Konzert, und das hatte für meine Frau angenehme Folgen: Sie bekam ihre erste Anstellung als Lehrerin am Moskauer Konservatorium.“
Immer wieder hat Geringas auch Musikstücke uraufgeführt, darunter etliche Werke von Komponisten aus seiner Heimat Litauen. So erklingt auf dieser CD Musik von Osvaldas Balakauskas, Anatolijus Šenderovas und Vytautas Laurušas. „Das ganze Schaffen von Balakauskas ist so anders, so schwer zugänglich, mit so vielen technischen Problemen verbunden, dass es für mich eine der größten Herausforderungen wurde“, erläutert der Cellist. An die Grenzen des Unmöglichen zu gehen, ein tiefgreifendes Verständnis auch für komplexe Musik zu erarbeiten und durch das eigene Musizieren die Absichten der Komponisten hörbar zu machen, darauf legte bereits Mstislaw Rostropowitsch größte Wert, bei dem David Geringas einst studierte. „Man muss stets so spielen, als ob man das Stück zum ersten Mal spielt – aber fundiert durch ein großes Wissen“, unterstreicht der Musiker; im Beiheft ist das komplette, sehr interessante Gespräch nachzulesen, das Jan Brachmann mit David Geringas geführt hat.
Das Programm wird abgerundet durch weniger avantgardistische Klänge: Gemeinsam mit dem Geiger Dmitry Sitkovetsky und dem Pianisten Jascha Nemtsov spielt Geringas einen Satz aus Schostakowitschs Trio op. 67. Gleichsam eingerahmt wird alles durch Werke von Jean Sibelius und Edvard Grieg; am Klavier begleitet den Cellisten dabei Ian Fountain.
Die CD beginnt mit dem ersten Satz aus der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Ich war in Moskau einer der wenigen Cellisten, der seine Sonaten überhaupt gespielt hat“, berichtet Geringas im Beiheft. „Im ersten Konzert, das ich mit meiner Frau Tatjana nach der Geburt unseres Sohnes Alexander gegeben habe, stand die zweite Sonate von Mendelssohn auf dem Programm. (..) Rostropowitsch saß übrigens damals im Konzert, und das hatte für meine Frau angenehme Folgen: Sie bekam ihre erste Anstellung als Lehrerin am Moskauer Konservatorium.“
Immer wieder hat Geringas auch Musikstücke uraufgeführt, darunter etliche Werke von Komponisten aus seiner Heimat Litauen. So erklingt auf dieser CD Musik von Osvaldas Balakauskas, Anatolijus Šenderovas und Vytautas Laurušas. „Das ganze Schaffen von Balakauskas ist so anders, so schwer zugänglich, mit so vielen technischen Problemen verbunden, dass es für mich eine der größten Herausforderungen wurde“, erläutert der Cellist. An die Grenzen des Unmöglichen zu gehen, ein tiefgreifendes Verständnis auch für komplexe Musik zu erarbeiten und durch das eigene Musizieren die Absichten der Komponisten hörbar zu machen, darauf legte bereits Mstislaw Rostropowitsch größte Wert, bei dem David Geringas einst studierte. „Man muss stets so spielen, als ob man das Stück zum ersten Mal spielt – aber fundiert durch ein großes Wissen“, unterstreicht der Musiker; im Beiheft ist das komplette, sehr interessante Gespräch nachzulesen, das Jan Brachmann mit David Geringas geführt hat.
Das Programm wird abgerundet durch weniger avantgardistische Klänge: Gemeinsam mit dem Geiger Dmitry Sitkovetsky und dem Pianisten Jascha Nemtsov spielt Geringas einen Satz aus Schostakowitschs Trio op. 67. Gleichsam eingerahmt wird alles durch Werke von Jean Sibelius und Edvard Grieg; am Klavier begleitet den Cellisten dabei Ian Fountain.
Dienstag, 2. August 2016
Romantic Cello (Es-Dur)
Zum 70. Geburtstag gratuliert mit dieser CD dem Cellisten David Geringas das Label Es-Dur. Was könnte zu einem solchen Anlass besser passen als ein Programm mit Werken der Romantiker? Und so sind hier die Sonate in a-Moll D. 821 Arpeggione von Franz Schubert zu hören, die Fantasiestücke op. 73 und die Fünf Stücke im Volkston op. 102 von Robert Schumann, sechs Lieder von Johannes Brahms – die Transkriptionen sind noch zu Leb- zeiten des Komponisten bei seinem Verleger Simrock erschienen – und die Romanze in F-Dur von Richard Strauss.
Die Aufnahmen, aus dem Jahre 1993, hat David Geringas gemeinsam mit seiner Frau Tatjana eingespielt. Sie musizierte mit ihm zusammen bereits während des Studiums am Moskauer Konservatorium, und war ihm mehr als 40 Jahre lang eine perfekte Duopartnerin.
David Geringas, ein Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, hat nicht nur Konzerte mit einer Vielzahl von Orchestern und Dirigenten gegeben und knapp hundert CD eingespielt. Er hat selbst auch sehr erfolgreich junge Cellisten ausgebildet. Geringas lehrte als Professor in Hamburg, Lübeck und Berlin; in seiner Celloklasse haben unter anderem Jens Peter Maintz, Tatjana Vassilieva, Johannes Moser, Sol Gabetta und Gustav Rivinius studiert. Der Musiker wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Auszeich- nungen geehrt. Und er musiziert immer noch, mit Leidenschaft und Präzision; seinen Ehrentag feierte der Jubilar beim Siena Festival, und auch im August wird er mehrere Konzerte spielen. Wir wünschen dem Musiker weiterhin Gesundheit, Kraft und Kreativität – herzlichen Glückwunsch!
Die Aufnahmen, aus dem Jahre 1993, hat David Geringas gemeinsam mit seiner Frau Tatjana eingespielt. Sie musizierte mit ihm zusammen bereits während des Studiums am Moskauer Konservatorium, und war ihm mehr als 40 Jahre lang eine perfekte Duopartnerin.
David Geringas, ein Schüler von Mstislaw Rostropowitsch, hat nicht nur Konzerte mit einer Vielzahl von Orchestern und Dirigenten gegeben und knapp hundert CD eingespielt. Er hat selbst auch sehr erfolgreich junge Cellisten ausgebildet. Geringas lehrte als Professor in Hamburg, Lübeck und Berlin; in seiner Celloklasse haben unter anderem Jens Peter Maintz, Tatjana Vassilieva, Johannes Moser, Sol Gabetta und Gustav Rivinius studiert. Der Musiker wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Auszeich- nungen geehrt. Und er musiziert immer noch, mit Leidenschaft und Präzision; seinen Ehrentag feierte der Jubilar beim Siena Festival, und auch im August wird er mehrere Konzerte spielen. Wir wünschen dem Musiker weiterhin Gesundheit, Kraft und Kreativität – herzlichen Glückwunsch!
Mittwoch, 27. Juli 2016
Beethoven: Sämtliche Werke für Violoncello und Klavier (Hänssler Classic)
„Sie wissen, wie man einen Ochsen in eine Nachtigall verwandelt“, meinte einst der Philosoph Voltaire zum Cello-Virtuosen Jean-Louis Duport (1749 bis 1819). Nachdem es lange vor allem als Generalbass- instrument eingesetzt wurde, setzte damals eine Wiederentdeckung des Violoncellos auch als Soloinstrument ein. So musizierte Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) im Jahre 1796 auf der einzigen größeren Reise seines Lebens in Potsdam im Schloss Sanssouci gemeinsam mit Duport, dem Cellolehrer des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, der eben- falls brillant Violoncello gespielt haben soll. Der Komponist widmete dem Monarchen schließlich seine Sonaten op. 5.
Beethoven liebte den Klang des Violoncellos, seinen ebenso edlen wie wandlungsfähigen Ton. Nur für das Klavier hat er mehr Werke geschaffen. Bei Hänssler Classic ist jetzt auf drei CD eine Gesamteinspielung sämtli- cher Musikstücke erhältlich, bei denen Beethoven beide Lieblingsinstru- mente eingesetzt hat. Eingespielt wurde sie von David Geringas, Violon- cello, gemeinsam mit dem Pianisten Ian Fountain.
Die Musiker hatten vor einigen Jahren die Stimmen für die neue Urtext- ausgabe eingerichtet, die im G. Henle Verlag erschienen ist. Wie tief- greifend sie sich mit den Cellokompositionen Beethovens auseinander- gesetzt haben, das spürt man in dieser Aufnahme in nahezu jedem Takt. Cellist und Pianist musizieren bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt. Jedes Werk ist mit einer Sorgfalt gearbeitet, die beeindruckt. Eine großartige Einspielung, die neben den fünf Sonaten für Klavier und Violoncello auch die drei Variationszyklen sowie die Hornsonate op. 17 in Beethovens Fassung für Violoncello und die Duosonate op. 64 umfasst.
Beethoven liebte den Klang des Violoncellos, seinen ebenso edlen wie wandlungsfähigen Ton. Nur für das Klavier hat er mehr Werke geschaffen. Bei Hänssler Classic ist jetzt auf drei CD eine Gesamteinspielung sämtli- cher Musikstücke erhältlich, bei denen Beethoven beide Lieblingsinstru- mente eingesetzt hat. Eingespielt wurde sie von David Geringas, Violon- cello, gemeinsam mit dem Pianisten Ian Fountain.
Die Musiker hatten vor einigen Jahren die Stimmen für die neue Urtext- ausgabe eingerichtet, die im G. Henle Verlag erschienen ist. Wie tief- greifend sie sich mit den Cellokompositionen Beethovens auseinander- gesetzt haben, das spürt man in dieser Aufnahme in nahezu jedem Takt. Cellist und Pianist musizieren bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt. Jedes Werk ist mit einer Sorgfalt gearbeitet, die beeindruckt. Eine großartige Einspielung, die neben den fünf Sonaten für Klavier und Violoncello auch die drei Variationszyklen sowie die Hornsonate op. 17 in Beethovens Fassung für Violoncello und die Duosonate op. 64 umfasst.
Montag, 18. April 2016
Rossini - Haydn: Cello Duets (MDG)
Vor einem knappen Vierteljahr- hundert haben David Geringas und Emil Klein Celloduette von Gioacchino Rossini und Joseph Haydn eingespielt. Die beiden Ausnahmecellisten – Geringas ist ein Rostropowitsch-Schüler, Klein wiederum war Geringas' Schüler – zelebrieren sowohl die virtuosen Eskapaden Rossinis als auch die eleganten Duette Haydns mit Sinn für Theatralik, mit Finesse und mit enormer Spielfreude. Besten Dank an das Label Dabringhaus und Grimm, das diese erstklassige Aufnahme nunmehr wieder zugänglich gemacht hat. Grandios!
Dienstag, 13. August 2013
Pohádka. Dvorák - Janácek - Mahler - Suk (Es-Dur)
Dem kleinen Hamburger Label Es-Dur ist mit Pohádka ein großer Wurf gelungen. David Geringas und Ian Fountain haben für dieses Programm Musik ausgewählt, die allerdings – anders, als der Titel zunächst vermuten lässt – keineswegs nur Märchen erzählt. Was die Herren Josef Suk (1874 bis 1935), Antonín Dvorák (1841 bis 1904), Leos Janácek (1854 bis 1928) und Gustav Mahler (1860 bis 1911) mit dem Thema des Albums verbindet, das erfährt der geneigte Hörer aus dem liebevoll gestalteten Beiheft.
Doch das ist letzten Endes Nebensache. Denn diese Einspielung ist einfach hinreißend. Den beiden Musikern zu lauschen, das ist ein absolutes Vergnügen. Man könnte jetzt darüber sinnieren, ob man Mahlers berühmte Lieder wirklich für Violoncello und Klavier bearbeiten muss – aber letzten Endes folgt man Geringas und Fountain gespannt, bis zum letzten Takt. Was für ein Dialog zwischen den Instrumenten, was für eine Spannung und Intensität! Hier sind zwei großartige Musikerpersönlichkeiten, zu erleben, jeder ein Meister, und auch ihr Zusammenspiel ist einfach nur grandios.
Doch das ist letzten Endes Nebensache. Denn diese Einspielung ist einfach hinreißend. Den beiden Musikern zu lauschen, das ist ein absolutes Vergnügen. Man könnte jetzt darüber sinnieren, ob man Mahlers berühmte Lieder wirklich für Violoncello und Klavier bearbeiten muss – aber letzten Endes folgt man Geringas und Fountain gespannt, bis zum letzten Takt. Was für ein Dialog zwischen den Instrumenten, was für eine Spannung und Intensität! Hier sind zwei großartige Musikerpersönlichkeiten, zu erleben, jeder ein Meister, und auch ihr Zusammenspiel ist einfach nur grandios.
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