Auch wenn die Operette heute etwas aus der Mode gekommen ist – diese Doppel-CD erinnert daran, dass einst das Publikum die unterhaltsamen Stücke mit dem stets glücklichen Ende ebenso geliebt hat wie die Sänger.
Die Operette machte große Stars – man denke beispielsweise an Richard Tauber –, und große Stars sangen mit Hingabe Operette. Hier ist Joan Sutherland zu hören, die mit spür- barem Vergnügen Hits von Franz Lehár, Jacques Offenbach, Carl Millöcker, Leo Fall und vielen anderen Komponisten singt, deren Namen mittlerweile ebenso in Vergessenheit geraten sind wie ihre Operetten, obwohl diese einstmals Kassenschlager waren. Ein paar dieser Melodien hat man vielleicht noch im Ohr; und diese schöne Einspielung mit dem New Philharmonic Orchestra unter Richard Bonynge, erstmals erschienen 1967, lädt dazu ein, die nostalgischen Werke wiederzuent- decken.
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Montag, 20. Juni 2016
Sonntag, 5. Juni 2011
Bellini: I Puritani (Glyndebourne)
Glyndebourne, 1960: Joan Suther- land sang zum ersten Male Bellini. Bei dem legendären Opernfestival gab sie ihr Rollendebüt als Elvira in I Puritani. Diese Oper war in Groß- britannien seit 1887 nicht mehr aufgeführt worden; die Organisato- ren des Opernfestivals engagierten sich stark für das italienische Repertoire, und sorgten auch für die Wiederentdeckung einiger anderer Werke.
Sutherland, von ihren Fans gefeiert als la stupenda, war in Glynde- bourne in insgesamt fünf Inszenierungen zu erleben - vier davon aber waren Mozart-Opern. Umso bedeutsamer ist dieses Dokument, das sie in der Rolle der jungen Elvira zeigt, die mit einem Mann verheiratet werden soll, den sie nicht liebt, und dann auf einmal doch denjenigen bekommen soll, dem sie zugetan ist. Doch dann verhilft ihr Arturo der Gefangenen Enrichetta - Königin Henrietta von Frankreich - zur Flucht, und wird dafür zum Tode verurteilt. Dieses Wechselbad der Gefühle überfordert die Braut, die dem Wahn anheim fällt - immer wieder gern genommen, weil eine exzellente Gelegenheit für den Koloratursopran zu ganz besonders rasanten Arien. Am Ende dieser Oper steht dann ein Happy End. Und wenn man sich anhört, welche Leistungen dieses Ensemble zeigt, und welche Stimmung selbst die Konserve bewahrt hat, dann dürfte das Publikum in Glyndebourne damals auch ziemlich happy gewesen sein - auch wenn eine andere Aufnahme der Sutherland mit Pavarotti zur Referenzaufnahme ge- worden ist.
Sutherland, von ihren Fans gefeiert als la stupenda, war in Glynde- bourne in insgesamt fünf Inszenierungen zu erleben - vier davon aber waren Mozart-Opern. Umso bedeutsamer ist dieses Dokument, das sie in der Rolle der jungen Elvira zeigt, die mit einem Mann verheiratet werden soll, den sie nicht liebt, und dann auf einmal doch denjenigen bekommen soll, dem sie zugetan ist. Doch dann verhilft ihr Arturo der Gefangenen Enrichetta - Königin Henrietta von Frankreich - zur Flucht, und wird dafür zum Tode verurteilt. Dieses Wechselbad der Gefühle überfordert die Braut, die dem Wahn anheim fällt - immer wieder gern genommen, weil eine exzellente Gelegenheit für den Koloratursopran zu ganz besonders rasanten Arien. Am Ende dieser Oper steht dann ein Happy End. Und wenn man sich anhört, welche Leistungen dieses Ensemble zeigt, und welche Stimmung selbst die Konserve bewahrt hat, dann dürfte das Publikum in Glyndebourne damals auch ziemlich happy gewesen sein - auch wenn eine andere Aufnahme der Sutherland mit Pavarotti zur Referenzaufnahme ge- worden ist.
Montag, 6. Dezember 2010
Handel: Messiah (Newton)
Händels Oratorium Der Messias gehört heute zum Standard- repertoire der Kirchenmusik. Dass diesem Werk dauerhaft Erfolg beschieden sein würde, war aber nicht von vornherein abzusehen. Denn in London, wo Georg Fried- rich Händel das Opus nach seiner Premiere in Dublin etablieren wollte, kam Messiah zunächst gar nicht gut an. Die Leute nahmen Anstoß daran, dass Bibelworte im Theater erklangen, dass Zitate aus den Evangelien zur Unterhaltung dienen sollten. Händel zog sich geschickt aus der Affäre - und die Wohltätigkeit half ihm dabei.
Und so wurde Messiah das einzige Oratorium Händels, das zu seinen Lebzeiten außerhalb eines weltlichen Gebäudes erklang. Denn ab 1750 beschloss Händel seine Oratoriensaison in der Fastenzeit mit diesem Werk, und veranstaltete nach Ostern zusätzlich eine weitere Vorstellung in der Kapelle des Foundling Hospital, deren Erlös den Findelkindern zugute kam. Und ganz allmählich verstummten auch die Blasphemie-Vorwürfe.
Die Besetzung, die Händel dabei zur Verfügung stand, war nicht groß. So dokumentiert eine Abrechnung aus dem Jahre 1754, dass bei dem Benefizkonzert für das Foundling Hospital 14 Violinen, sechs Violen, drei Violoncelli, zwei Kontrabässe, vier Oboen, vier Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten und zwei Pauken verwendet wurden. Der Chor bestand aus ungefähr 20 Sängern, wobei der Sopran von Chor- knaben und der Alt von Countertenören gesungen wurde. Außerdem sangen die Solisten die Chorpartien mit.
Nach Händels Tod wurde das Werk zur Ikone. Bis zu 4000 Choristen und 500 Instrumentalisten kamen zum Musizieren zusammen; und neigte schon Händel dazu, seine Stücke vor jeder Aufführung zu überarbeiten, so wurden für diese Riesenbesetzungen nun weitere Versionen geschaffen. Mozart beispielsweise schuf zusätzliche Begleitstimmen, und auch weniger versierte Zeitgenossen bearbei- teten insbesondere die Orchestrierung, so dass Händels Werk zusehends unter einer dicken Schicht von Aufführungstraditionen verschwand.
Der britische Musikwissenschaftler Julian Herbage (1904 bis 1974) grub die Original-Partituren wieder aus und schuf so die Voraus- setzung für die vorliegende Aufnahme aus dem Jahre 1961, bei der es sich um die jüngere von zwei Einspielungen mit dem London Symphony Chorus und dem London Symphony Orchestra unter Sir Adrian Boult handelt. Die Solopartien sind grandios besetzt mit Joan Sutherland, Sopran, Grace Bumbry, Mezzosopran, Kenneth McKellar, Tenor und David Ward, Bass. An der Continuo-Orgel ist Ralph Downes zu hören, am Cembalo George Malcolm. Und weil noch Platz auf CD drei war, hat das Label noch einige Arien aus anderen Händel-Oratorien mit Dame Joan Sutherland und mit dem wirklich exquisiten Tenor Kenneth McKellar dazugepackt.
Achtung! diese Aufnahme hat Suchtpotential. Und das, obwohl von historischer Aufführungspraxis, von barocker Musik und von leichten, beweglichen Stimmen hier so gar nichts zu finden ist. Immer wieder fragt man sich erstaunt, wieso diese alten Aufnahmen dennoch eine Ausstrahlung haben, die den jüngeren fehlt, obwohl diese doch musikalisch eigentlich so viel besser sind. Mir drängt sich da der Verdacht auf, dass Spannung und Tempo unmittelbar etwas miteinander zu tun haben - und dass eine schnellere Interpretation daher nicht unbedingt auch die spannendere sein muss; da möchte ich doch Bedenken anmelden.
Sir Adrian Boult zelebriert Händels Messiah mit Hingabe, und die Sänger singen nicht nur mit Technik, sondern mit Seele. Das Ergebnis ist von einer Qualität, die noch immer überzeugt - wer eine bessere Aufnahme hören möchte, der kann lange suchen.
Dienstag, 8. Dezember 2009
Handel: Alcina (Deutsche Grammophon)
Am 15. Mai 1959 wollte der WDR aus Köln live Händels Oper "Alcina" übertragen. Doch als die Proben begannen, bemerkten die Verantwortlichen, dass da mehr als ein Problem einer Lösung harrte. Denn Nicola Monti, der Startenor aus Mailand, hatte versehentlich die falsche Partie einstudiert - statt den Ruggiero, Liebhaber der Zauberin und Verlobter der Bradamante, hatte er den Oronte, Feldherr Alcinas, erarbeitet. Und die Sopranistin, die eigentlich die Titelrolle singen sollte, war ein Totalausfall.
Eine Umbesetzung war zwingend erforderlich, und sie erwies sich als Glücksgriff. Denn es sprangen zwei Sänger kurzfristig ein, die leider nie wieder gemeinsam auf einer Bühne standen: Joan Sutherland hatte die Alcina bereits gesungen, allerdings in englischer Sprache, so dass sie "nur noch" den italienischen Text lernen musste. Wie es aber Fritz Wunderlich gelungen ist, sich innerhalb von wenigen Tagen eine derart umfangreiche, anspruchsvolle Partie rundum überzeugend anzueignen, das verblüffte selbst Kritiker und Kollegen.
Komplettiert wurde das Ensemble seinerzeit durch Norma Procter als Bradamante, Jeanette van Dijck als Alcinas Schwester Morgana und Thomas Hemsley als Melisso, Lehrer der Bradamante, sowie den Kölner Rundfunkchor und die Cappella Coloniensis unter Ferdinand Leitner. Sie gehörte zu den Pionieren der historischen Aufführungs-praxis; die Cappella war das weltweit erste Orchester, das auf Originalinstrumenten musizierte und sich um eine stilistisch korrekte Interpretation bemühte.
Wie klingt nun dieses Dokument, das die Deutsche Grammophon im Archiv des Rundfunksenders ausgegraben hat? Erstaunlich modern, frisch und schwungvoll. Die Sänger sind durchweg exzellent, und die Live-Stimmung, die diese Aufnahme prägt, fasziniert bis heute. Denn statt des befürchteten Desasters ereignete sich letztendlich eine jener raren Sternstunden, die das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen - und uns auch heute noch begeistern können, dem Mitschnitt sei Dank. Ein großer Wurf! Auf weitere Entdeckungen darf man gespannt sein.
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