Posts mit dem Label Monti werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Monti werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 23. Januar 2018

Geliebte Dorette. Spohr: Works for violin and harp (Stradivarius)

Diese CD lädt ein zum Ausflug in die Geschichte der Harfe, und zwar in eine Zeit, da die Hakenharfe von der Einfach-Pedalharfe abgelöst wurde. Letztere ermöglichte es, durch das Treten von Pedalen Harfensaiten beim Spielen zu verkürzen, und so ihren Ton bei Bedarf um einen Halbton zu erhöhen. 
Maria Christina Cleary, die gemeinsam mit dem Geiger Davide Monti diese CD eingespielt hat, gehört zu den Spezialistinnen für solche historischen Instrumente. Sie hat in Leiden mit einer Arbeit zur Rekonstruktion der komplizierten Pedaltechniken für diese sogenannte Harpe organisée promoviert. 
Angeregt wurde sie dazu durch ihre Beschäftigung mit Musikstücken, die Louis Spohr (1784 bis 1859) einst für seine Gattin komponierte – und die Cleary zunächst unspielbar fand. Dorothée Henriette Scheidler (1787 bis 1834), Tochter des Cellisten und Komponisten Johann David Scheidler, wuchs im thüringischen Gotha in einem unglaublich musikalischen Umfeld auf. Auch zwei ihrer Onkel musizierten wie ihr Vater in der (exzellenten) Hofkapelle, und ihre Mutter war dort als Sängerin engagiert. 
Dorette, wie die junge Musikerin gerufen wurde, spielte Geige und Klavier. Ihr wichtigstes Instrument aber war die Harfe; sie galt als eine der besten Harfenistinnen ihrer Zeit. Im Oktober 1805 wurde Louis Spohr Konzertmeister am Gothaer Hof. Und schon bald fragte er seine adrette Kollegin: „Wollen wir so fürs Leben miteinander musizieren?“ Im Februar 1806 heirateten die beiden, und sie musizierten in der Tat sehr viel miteinander. Zahlreiche Werke widmete Spohr seiner Dorette, mit der er auch gemeinsam auf Konzertreisen ging. 
Einige davon stellen Davide Monti und Maria Christina Cleary auf dieser CD vor. So erklingen die Sonate WoO 23 und die Grande Sonate pour La Harpe et la Violon op. 16. Die Sonate Concertante op. 115 und die Fantaisie sur des Thêmes de Händel at Abbé Vogler op. 118 sind auf dieser CD sogar zum ersten Male in Originaltonart zu hören. 
Dazu nutzen die Musiker einen Effekt, den Spohr in seinen Memoiren wie folgt beschreibt: „Ich kam auf die Idee, die Harfe einen halben Ton tiefer als die Violine zu stimmen. Dadurch gewann ich zweierlei. Da nämlich die Geige am brillantesten in den Kreuztönen klingt, die Harfe aber am besten in den B-Tönen, wenn möglichst wenig Pedale getreten werden, so erhielt ich dadurch für beide Instrumente die günstigsten und effekt- vollsten Tonarten: für Geige nämlich D und G, für Harfe Es und As. (..) Ich schrieb daher von nun an alle meine Kompositionen für Harfe und Violine in solcher verschiedener Stimmung.“ 

Donnerstag, 15. August 2013

Weiss: Töne von meiner Flöten (Stradivarius)

„Ich konnte mercken, dass die Töne von meiner Flöten einigen Eindruck auf das Hertz der liebenswürdigen Angelica gemacht hatten“, rühmte sich Jean Gaspard Weiss (1739–1815) in seiner Autobiographie. Dennoch blieb die Begegnung mit der Malerin Angelika Kauffmann 1765 in Rom ohne Folgen; der Musiker setzte seine Reisen fort, über die er später dann berichtete. 
Der Elsässer, ausgebildet in Basel und Bern, verbrachte viele Jahre seines Leben auf Reisen. So gehörte zwischen 1767 und 1783 zum Kreis der Musiker um Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel in London. Dort verdiente er als Musiker, Flötenlehrer und Komponist ein Vermögen. 1783 entschloss sich Weiss auf dem Höhepunkt seiner Karriere, in seine Heimatstadt Mulhouse zurückzukehren, und sein Geld dort in die florierende Textilindustrie zu investieren. Das war ein kluger Entschluss, der aus dem Musiker endgültig einen reichen Mann machte – erfolgreich bis ans Ende seiner Jahre. 
Francois Nicolet hat mit dem Ensemble Antichi Strumenti eine Auswahl Weiss'scher Werke bei Stradivarius eingespielt. Dabei verwendet er Nachbauten historischer Traversflöten – allerdings haben sie offensichtlich nicht, wie die Instrumente, die Weiss gespielt hat, fünf, sondern nur zwei bzw. drei Klappen. Das Programm, das Nicolet hier gemeinsam mit Laura Toffetti, Claudia Monti, Tobias Bonz und Francis Jacob vorstellt, ist abwechslungsreich und sehr ansprechend – ganz im Sinne des Komponisten, der sein Geld damit verdient hat, das Publikum gut zu unterhalten. Weiss' elegante Musik zeigt zudem exemplarisch, wie reisende Virtuosen im 18. Jahr- hundert verschiedenste Einflüsse aufgenommen und zu einer Quelle eigener Inspiration gemacht haben. 

Samstag, 25. August 2012

Caroline Adomeit – Bach to Jazz (Oehms Classics)

Von Bachs berühmter E-Dur-Parti- ta BWV 1006 bis hin zu dem nicht weniger bekannten Take Five von Paul Desmond reicht die Auswahl der Werke, die die junge Geigerin Caroline Adomeit für ihre Debüt-CD getroffen hat. „Dieses Album ist eine Liebeserklärung an die Violi- ne, mit der man praktisch alles ausdrücken und spielen kann: von Bachs Partita mit barocken Tän- zen über ungarische Tänze, Ma- zurka, Tarantella, Tango und Folksongs bis zum Jazz-Arrange- ment“, begründet die Musikerin diese etwas ungewöhnliche Kollek- tion. Gemeinsam mit Julian Riem, Klavier, und bei einigen Stücken auch mit Thomas Hastreiter, Percussion, wagt Adomeit von Brahms bis Duke Ellington so manchen Grenzgang. Dabei überzeugt sie mit Fingerfertigkeit, Gestaltungsvermögen – ein bisschen mehr Klang- farbe könnten die Werke allerdings gelegentlich vertragen – und mit einer gehörigen Portion Temperament. Mit musikalischen Reinheits- geboten kann die junge Musikerin, die bei Hermann Krebbers, Kolja Blacher und Ingolf Turban studiert hat, offenbar wenig anfangen. Ihr Kommentar dazu im Beiheft: „Gute Musik kennt keine Grenzen!“

Sonntag, 20. Februar 2011

Le grazie del violino nel seicento italiano (Stradivarius)

Im 16. Jahrhundert entstand in Oberitalien ein neues Solo-Instru- ment: Die Violine. Wie Musiker damals die Möglichkeiten dieser Innovation erkundet und aus- probiert haben, zeigt die vorlie- gende CD anhand von Werken aus dem 17. Jahrhundert. Auch ihre formale Gestaltung war innovativ, und in der Entwicklung begriffen - auf der Suche nach einem Weg abseits von den "alten" Regeln des Kontrapunkts, hin zu einer eher rhetorischen Musik. Claudio Monteverdi nannte dies seconda practica; und viele seiner Kollegen folgten den neuen Ideen.  
Das Duo Arparla - in diesem Wort stecken nicht umsonst die Begriffe arpa und parla - zeigt einige der Varianten, die Musiker damals für die Violine gefunden haben. Davide Monti spielt eine Violine von Giovanni Paolo Maggini, gebaut 1620 in Brescia, mit Darmsaiten und dem Nachbau eines Bogens aus dem 17. Jahrhundert. Maria Christina Cleary spielt eine Doppelharfe, nach dem Vorbild einer Tripelharfe im Museo della Musica di Bologna angefertigt von Rainer M. Thurau in Wiesbaden 2005. 
Die Harfe war zur Zeit der Renaissance und des Barocks ein beliebtes Continuo-Instrument. Cesare Ripa rühmte die Arpa doppia: "per la dolcezza del suono si dice haver conformità von Venere, e con le Gratie, che como questo, così quella diletta gl'animi, e ricrea li spiriti". Es braucht einige Zeit, bis man sich eingehört hat - doch dann wird man ihm gern zustimmen. 

Dienstag, 8. Dezember 2009

Handel: Alcina (Deutsche Grammophon)


Am 15. Mai 1959 wollte der WDR aus Köln live Händels Oper "Alcina" übertragen. Doch als die Proben begannen, bemerkten die Verantwortlichen, dass da mehr als ein Problem einer Lösung harrte. Denn Nicola Monti, der Startenor aus Mailand, hatte versehentlich die falsche Partie einstudiert - statt den Ruggiero, Liebhaber der Zauberin und Verlobter der Bradamante, hatte er den Oronte, Feldherr Alcinas, erarbeitet. Und die Sopranistin, die eigentlich die Titelrolle singen sollte, war ein Totalausfall.
Eine Umbesetzung war zwingend erforderlich, und sie erwies sich als Glücksgriff. Denn es sprangen zwei Sänger kurzfristig ein, die leider nie wieder gemeinsam auf einer Bühne standen: Joan Sutherland hatte die Alcina bereits gesungen, allerdings in englischer Sprache, so dass sie "nur noch" den italienischen Text lernen musste. Wie es aber Fritz Wunderlich gelungen ist, sich innerhalb von wenigen Tagen eine derart umfangreiche, anspruchsvolle Partie rundum überzeugend anzueignen, das verblüffte selbst Kritiker und Kollegen.
Komplettiert wurde das Ensemble seinerzeit durch Norma Procter als Bradamante, Jeanette van Dijck als Alcinas Schwester Morgana und Thomas Hemsley als Melisso, Lehrer der Bradamante, sowie den Kölner Rundfunkchor und die Cappella Coloniensis unter Ferdinand Leitner. Sie gehörte zu den Pionieren der historischen Aufführungs-praxis; die Cappella war das weltweit erste Orchester, das auf Originalinstrumenten musizierte und sich um eine stilistisch korrekte Interpretation bemühte.
Wie klingt nun dieses Dokument, das die Deutsche Grammophon im Archiv des Rundfunksenders ausgegraben hat? Erstaunlich modern, frisch und schwungvoll. Die Sänger sind durchweg exzellent, und die Live-Stimmung, die diese Aufnahme prägt, fasziniert bis heute. Denn statt des befürchteten Desasters ereignete sich letztendlich eine jener raren Sternstunden, die das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen - und uns auch heute noch begeistern können, dem Mitschnitt sei Dank. Ein großer Wurf! Auf weitere Entdeckungen darf man gespannt sein.